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Borat - Anschluss-Moviefilm

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Treibt den Borat durch das Dorf

Borat - Anschluss-Moviefilm Kritik

Borat - Anschluss-Moviefilm Kritik
9 Kommentare - 26.10.2020 von MobyDick
In dieser Userkritik verrät euch MobyDick, wie gut "Borat - Anschluss-Moviefilm" ist.
Borat - Anschluss-Moviefilm

Bewertung: 4 / 5

Sacha Baron Cohen hat klammheimlich einen Nachfolgefilm für seinen Überraschungserfolg von vor 14 Jahren gedreht, und wieder einmal geht er ins tiefste Herz der Vereinigten Staaten, um eine verstörend bizarre Bestandsaufnahme eines zutiefst gespaltenen Landes aufzuzeigen. Doch diesmal ist die ganze Sache gerade auch deshalb so verstörend, weil es eben nicht mehr so verstört und vor allem eben nicht nur die Vereinigten Staaten betrifft. Doch eines nach dem Anderen.

Die Story ist so rudimentär wie üblich und dient auf dem ersten Blick nur als Bindeglied zwischen den jeweiligen echten Szenen: Borat hat damals Schande über sein Land gebracht und fristet sitdem ein Dasein im Gulag. Plötzlich wird ihm die Möglichkeit gegeben, freizukommen, indem er dem Vize-Präsidenten einen Affen schenken soll. Doch seine 14-jährige Tochter isst den Affen, und um nicht wieder in Gefangenschaft zu landen oder gar exekutiert zu werden, heisst es plötzlich, dass er seine Tochter verschenken soll.

Trailer zu Borat - Anschluss-Moviefilm

Soweit so widerwärtig und altbekannt. Aus dieser Prämisse heraus entwickelt Cohen mit seiner brillanten Entdeckung Maria Bakalove (die übrigens natürlich nicht minderjährig ist) immer wieder Konstellationen, um den aktuellen Sachstand in den USA aufzuzeigen.

Da er nun natürlich deutlich bekannter ist als vor 14 Jahren, was auch immer wieder thematisiert wird, muss also eine tatsächliche Handlung in den Vordergrund rücken. Und Cohen macht das, was das einzig richtige ist, und was er seit jeher gemacht, wenn er in solche Rollen geschlüpft ist, seien sie nun Borat oder Brüno: Er lässt den Zeitgeist die Handlung diktieren und agiert auf seine brillant-naive Art und Weise, um seine Adressaten abzuholen: Seien es nun Priester, Verkäufer oder Väter auf einem Abschlussball.

Und auf diese Art gelingt es ihm auf geradezu geniale Art und Weise die aktuellsten derzeitigen Themen alle unter einen Hut zu bringen, ohne dass es die Leute merken, da sie alle auf den politischen Subkontext fokussiert sind:

1. Ist da natürlich der politische Kontext des rechten, immer stärker zurück orientierten USA, das sich irgendwelchen seltsamen Verschwörungstheorien hingibt, inkl. Aussagen über die Clintons.

2. Haben wir natürlich die aktuelle Corona-Situation, welche ab der zweiten Hälfte den Film komplett dominiert

3. Haben wir die Stärkung des weiblichen Bewusstseins im Zuge de Me-Too Ära.

All diese Punkte harmonieren gleichermassen, da sie auch inhaltlich und gesellschaftlich Hand in Hand gehen. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass eine der größten aktuelleren Skandale zu diesem Thema ausgerechnet beim News-Sender Fox aufgetreten ist.

Es ist daher auch gar nicht nötig, den ersten mit dem zweiten Film zu vergleichen, da man gar nicht vergleichen muss, es ist eine Bestandsaufnahme. Es wäre so, wenn man zwei Jahreszahlen miteinander vergleicht, das macht einfach keinen Sinn.

Cohen lässt Borat wieder einen Roadtrip mit Selbsterkenntnis durchlaufen. Während er damals Liebe kennen lernte, wacht er nun auf, und erkennt sein Vaterherz. Und er geht diesmal sogar so weit, dass er Borat bei diesem Abschluss quasi für weitere Filme wertlos macht, da es den Antisemiten und Übermacho einfach nicht mehr gibt.

Doch das ist ihm offensichtlich herzlich egal, da er eine Message unter das Volk bringen möchte, die es ihm wert ist, dass er seine einstige Kultfigur reaktiviert und uns den Spiegel vorhält. Natürlich trifft er nicht mehr so sehr ins Mark wie vor 14 Jahren, aber das liegt nicht daran, dass er zahmer geworden ist, sondern es liegt daran, dass es mittlerweile jeder zweite "Promi" plötzlich gefühlt vor der Kamera eine Kernschmelze durchläuft, die Anhänger trotzdem dranbleiben und jeder noch so bizarre Ausbruch eines gewissen Staatsmannes ihn noch populärer macht. Am erschreckendsten wird das bei einem Konzert deutlich, wo das Publikum plötzlich die Refrains mitsingt.

Und ganz ehrlich: So weit sind wir hier davon auch nicht entfernt!

Daher halte ich auch die Giulliani Szene auch nicht unbedingt für die beste des Filmes, denn das ist zwar ziemlich entlarvend, ja, aber der Mann wird auch ganz klar in eine Falle gelockt, klar verdient, selbst eingebrockt, ekelhafter Typ und so, aber alles drumherum macht den Film einfach zu etwas viel wertvollerem. Wenn wir innerhalb von 90 Minuten das Erachen einer Frau miterleben, dann ist das einfach eine schöne Message. Und wie gesagt Bakalova ist genial in ihrer Rolle, die dem bisherigen Umtrieb Cohens und Konsorten in Nichts nachsteht.

Ich konnte nicht umhin, in dieser Quirligkeit eine gewisse Ähnlichkeit zur jungen Isla Fisher zu erkennen. Warum auch nicht ;-)

Alles in allem ein weiterer genialer Semidokumentarischer Cohen Film, der ähnlich hochkarätig daher kommt wie der erste Film und wie Brüno, und der auch diesmal eben die Erwartungen unterläuft, eben weil er auch eine andere Story erzählt, die ebenso wichtig ist wie die Offensichtliche. Und nein, ich habe diesmal nicht Tränen gelacht, aber dafür war ich deutlich nachdenklicher, da hier wirklich sehr viele Ebenene bedient wurden. Bravo!

Locker mal 8 Punkte!

Borat - Anschluss-Moviefilm Bewertung
Bewertung des Films
810
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9 Kommentare
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MobyDick : : Moviejones-Fan
03.11.2020 16:23 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 5.711 | Reviews: 122 | Hüte: 414

PaulLeger:

auch ich finde deine Aussagen durchaus nachvollziehbar, kann dem auch nicht wirklich was hinzufügen, ausser dass ich auch in diesem Fall deutliche Schwierigkeiten hatte, Skript von echt zu differenzieren. ich hätte schwören können, dass die Babysitterin Skript ist. Umso bemerkenswerter, dass das echt war, anscheinend! Bedanke mich für den Hut und gebe ihn naturallemente auch gleich wieder zurück :-)

Chris:

Auch dir merci vielmals für den Hut :-)

Dünyayi Kurtaran Adam
MJ-Pat
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MB80 : : Cheddar Goblin
01.11.2020 14:34 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 1.701 | Reviews: 30 | Hüte: 143

MobyDick, luhp92, PaulLeger:

Holla, danke für die Hüte. Finde übrigens deine Punkte total nachvollziehbar, Paul, habe mich auch lange gefragt ob die wirklich entlarvenden Szenen beim Sequel weniger waren, dafür müsste ich die Filme echt mal 1:1 nebeneinander legen. Die Gesangsszene hat mich halt an Borats wohl beste Nummer erinnert, die aber in keinem der Filme sondern in der Show auftauchte (einfach mal "throw the jew in the well Borat" bei Youtube eingeben), weshalb sie hohe Punkte bekommt.

Wie gesagt, diese Erkenntnis das der Film mich nicht so sehr schockt, weil man den Irrsinn inzwischen aus dem Weißen Haus gewohnt ist, war dann für mich der echte Schock, und das hat dann den Mangel an Innovation locker kompensiert.

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

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PaulLeger : : Moviejones-Fan
31.10.2020 11:36 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 537 | Reviews: 3 | Hüte: 76

@ luhp92

Danke für den Hut. Also anschauen solltest du ihn auf jeden Fall, es sei denn der erste hat dir wirklich gar nicht gefallen, dann ist der hier sicher auch nichts für dich.

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ChrisGenieNolan : : DetectiveComics
30.10.2020 23:23 Uhr
0
Dabei seit: 19.08.12 | Posts: 15.044 | Reviews: 4 | Hüte: 319

Ich halte nicht so viel von Sacha Baron Cohen "aka Borat" ... aber der hier hat mich tatsächlich unterhalten. Besonders, die Republikaner in der USA ins dreck zu ziehen. Was mMn berechtigt ist. Ich hab mich tot amüsiert, das ein Land der als Demokratische vorbildlich, in der Rest der Welt galten,. Plötzlich durch dumme Trump Regime, innerhalb von 4 Jahren, runterfahren wurden. Das ist schon heftig

alles in einem? Schönen Kritik und ich grüße dich, mein lieber xD

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
30.10.2020 18:10 Uhr | Editiert am 31.10.2020 - 11:39 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 13.463 | Reviews: 150 | Hüte: 476

@MB80 und PaulLeger

Ich habe euch (MB80 zu seinem Review) mal jeweil einen Hut überreicht, weil eure beiden Reviews als widerstreitende Gegenstücke den aktuellen Diskurs zum Film exemplarisch perfekt wiedergeben. Und weshalb ich hin und hergerissen bin, ob ich mir den Film anschauen soll oder nicht^^

Zum einen ist es traurig und entlarvend, dass die (US-)Gesellschaft dem ersten "Borat" längst den Rang abgelaufen hat. Zum Anderen ist dieses sich selbst bestätigende Abarbeiten an den bekannten Personen und Gruppierungen, das Fokussieren auf leichte Opfer, als Satire aber auch ziemlich langweilig. Zumal mir die klassischem Fremdscham-Momente als Einmalerlegnis vollkommen ausgereicht haben, das reizt mich echt nicht noch ein weiteres Mal^^

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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PaulLeger : : Moviejones-Fan
29.10.2020 22:24 Uhr
2
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 537 | Reviews: 3 | Hüte: 76

@ MB80

Ich antworte mal hier auf deinen Kommentar, weil MobyDick ja in eine ähnliche Kerbe haut wie du, und erläutere warum ich den Film schwächer finde als Teil 1.

Es mag unfair scheinen, aber "Borat" hat bei mir nun mal auch Innovationspunkte bekommen, weil das damals eben neuartig und frisch war (klar gabs die Ali G Show schon vorher, aber die war noch mehr auf größtenteils harmlose Unterhaltung ausgelegt, erst mit "Borat" ging Cohen satirisch so richtig in die Vollen), die fallen beim Sequel naturgemäß weg.

Außerdem hatte ich bei diesem Film häufiger das Gefühl, dass Szenen gestellt waren, also auch abseits der offensichtlich gescripteten Vater-Tochter-Szenen.

Dazu waren dieses Mal gefühlt auch mehr Szenen dabei, die rein auf Fremdschäm-Momente aus waren und weniger wirklich entlarvende. Ich meine so Szenen wie wenn die Tochter über ihre soeben vollzogene Selbstbefriedigung referiert oder ihr Menstruationstanz, die haben jetzt keinen großen Erkenntnisgewinn gebracht. Natürlich gabs sowas auch schon im Vorgänger, aber da war das Verhältnis zwischen satirischen Momenten und Fremdschäm-Klamauk meiner Erinnerung nach besser ausbalanciert.

Abschließend noch zu Mobys Aussage, ein Vergleich zwischen beiden Filmen sei ohnehin nicht statthaft. Das seh ich anders. Es stimmt, die Zeiten haben sich geändert, was vor 14 Jahren noch schockieren konnte, lockt heute keinen mehr hinterm Ofen vor, aber dann muss eine Satire halt weiter gehen als vorher und noch schmerzhafter sein, das gelingt hier mMn zu selten. Wenn Monty Python heute nochmal zusammenkommen und ihr Programm aus den 70ern aufführen, kräht da auch kein Hahn mehr danach, weil deren Kirchenkritik aus heutiger Sicht harmlos ist. Da muss Satire mit der Zeit gehen.

Anhand einer Szene, die du in deiner Kritik positiv hervorhebst, würde ich daher auch die Inferiorität gegenüber dem Vorgänger festmachen. Eine ganz ähnliche Sequenz wie die Konzertszene gab es nämlich auch schon im ersten Teil, als Borat bei einem Rodeo dazu aufruft, arabische Frauen und Kinder zu schlachten und deren Blut zu trinken und dafür von nicht kleinen Teilen des Publikums johlende Zustimmung erfährt. Als er anschließend die US-Hymne verhunzt, wird er dagegen fast aus dem Stadion geprügelt. Das war für mich eine hundert mal stärkere Szene als besagte Szene im neuen Film. Wenn man 14 Jahre später die gleiche Masche wiederholt, fällt sie naturgemäß schwächer aus, daher hätte Cohen hier eben noch ein paar Gänge höher schalten müssen.

Da ich jetzt ellenlang erläutert habe wieso ich den Film schwächer finde als den in meinen Augen absolut genialen Vorgänger klingt das natürlich viel negativer als ich den Film tatsächlich sehe, daher merke ich noch an, dass ich den Film durchaus sehr gut finde, so bei 7-8/10 seh ich ihn auch.

Aber schön mal wieder eine Kritik zu lesen und Diskussionen zu führen, fehlte hier in letzter Zeit genauso wie Kinobesuche... Dafür Hüte an euch beide.

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MobyDick : : Moviejones-Fan
29.10.2020 12:37 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 5.711 | Reviews: 122 | Hüte: 414

MB80

Danke für den Hut :-)

Ja, ist gerade irgendwie alles wie aus dem Ruder laufend, schon schade, dass man seinen Hobbies nicht mehr so hinterher sein kann. Hmm. Ich kann auch nicht sagen, wann und wie ich immer mal wieder was schreibe, oder miztulesen, aber ich probiere halt am Ball zu bleiben...

BtW finde ich auch deine Analyse zum Film sehr treffend (quelle surprise - Nicht!) und daher gibt es le chapeau auch gleich an anderer Stelle zurück wink

Dünyayi Kurtaran Adam
MJ-Pat
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MB80 : : Cheddar Goblin
28.10.2020 22:29 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 1.701 | Reviews: 30 | Hüte: 143

@MobyDick:

Trifft sich im Kern mit meinen Gedanken, auch was die gefühlte "Schwäche" des Filmes gegenüber seinem Vorgänger angeht. Auch wenn ich den Vergleich zum Vorgänger völlig legitim halte.

Was ich so schockierend an der Giuliani Szene finde: der könnte alle Kumpel vom Trump in die Falle locken, und es würde ihm so einfach fallen... und die würden doch alle nur blöken "ich habe mir nur das Hemd in die Hode gesteckt, schaut blos nicht auf den Kontext, Joe Biden ist eigentlich schuld" und so ein paar Rednecks würden sie doch wählen. Erschöpfend, das ganze...

Aber gut, dass du wieder schreibst. Ich komme grade nicht dazu.

I like! Here, have hat...

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

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MobyDick : : Moviejones-Fan
26.10.2020 00:52 Uhr
3
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 5.711 | Reviews: 122 | Hüte: 414

Nach etwas längerer Zeit mal wieder eine Kritik zu einem durchaus sehr gelungenen Film wink

Dünyayi Kurtaran Adam
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