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RoboCop

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Der Triumph

RoboCop Kritik

RoboCop Kritik
15 Kommentare - 07.02.2022 von Hansel
In dieser Userkritik verrät euch Hansel, wie gut "RoboCop" ist.

Bewertung: 5 / 5

Stell dir vor: Du wirst unverschuldet aus deinem Leben gerissen. Du bist nicht gestorben. Aber dein Leben so wie du es kennst, ist vorbei. Du lebst zwar, aber hast keinen eigenen Willen. Deine Familie und Freunde sind zudem kein Teil deines Lebens mehr. Stattdessen bist du nun ein willenloses Wesen, das für ein dubioses Unternehmen handeln muss. Das ist die Geschichte von RoboCop. Ein Cyborg. Welcher einst der junge Cop und Familienvater Alex Murphy war.

Die wahre Härte von RoboCop war für mich nie die durch ED-209 zerfetzenden Körper oder wenn ein durch Säure verunstalteter Körper durch den Aufprall mit einem PKW zerfetzt wird. Es sind die seelischen Strapazen, welche Alex Murphy nach einer brutalen Hinrichtung durchleben muss. Ihm wird alles genommen. Er wird nicht vor die Wahl gestellt, ob er dieses „neue“ Leben führen möchte. Ihm wird auch keine Gelegenheit gegeben, dieses unfassbare Verbrechen an ihn selbst zu verarbeiten. Ein Mensch wird plötzlich eine Maschine, ein Ding ohne Seele. Und genau so angesehen und behandelt. Das diese jedoch in ihm steckt, wird durch kleine, dem Innenleben spiegelnde Szenen gezeigt. Die stärkste dieser Szene ist unbestritten, wenn RoboCop sein ehemaliges zu Hause aufsucht und ihm dadurch bewusst wird: ich bin Alex Murphy. Das war mein Leben. Obwohl nur sein Mund und nicht die volle Mimik zu sehen ist, wird dem Zuschauer ebenso bewusst, was für Gefühle von Wut, Trauer und Verzweiflung sich in dieser Situation vermischen.

Peter Weller verbringt in diesem Film eine Meisterleistung. Vom überschwänglichen Jungcop zum gebrochenen Cyborg, der sich seine Menschlichkeit wieder erkämpfen will. Wenn RoboCop am Ende auf die Frage „What´s your name, Son?“ mit einem euphorischen „Murphy“ antwortet wird klar: Dieser Mann hat die Hölle überwunden und sich wieder zu sich selbst erkämpft.

Und obwohl ich die Fortsetzung für die Inszenierung und den spannenden Gegenspieler mag ist es immer wieder traurig zu sehen, dass dieser Aspekt nicht weiter verfolgt wurde. Ganz im Gegenteil sogar: Alex Murphy wird dazu gezwungen, seiner Frau sagen, dass er nicht mehr als eine Maschine sei. Leute… Genau das wollte keiner der Zuschauer sehen. Weswegen der Film auch heute noch als eine eher misslungene Fortsetzung gilt. Paul Verhoeven hatte es erfolgreich geschafft, eine sympathisches Person zu zeichnen, deren Schicksal uns berührt. Ähnlich wie es David Cronenberg mit Seth Brundle in „Die Fliege“ schaffte. Gerade weil der Hauptcharakter so menschlich und sympathisch gezeichnet wurde, reißen deren nicht umkehrbare Transformationen so mit. Wir wünschen uns als Zuschauer, dass es ihnen besser geht. Da „Die Fliege“ ein Horrorfilm ist, war dieses harte Ende nur konsequent. Aber Alex Murphy hätte eine etwas menschlichere Entwicklung durchaus verdient.

Somit ist Paul Verhoeven mit RoboCop ein Meisterstück gelungen. Welcher leider viel zu häufiger nur aufgrund des hohen Gewaltgrades bekannt ist. Für mich ist es ein Werk über den unverschuldeten Niedergang und der anschließenden Wiederauferstehung. Eine echte Kämpfergeschichte. Vielleicht sogar stärker als Rocky, da ihm kein Mickey beratend zur Seite steht, ihm auch keine Fans und Zuschauer im Ring anfeuern und er schon gar keine ihn liebende Adrian hat, die ihm sagt "Ich glaube an dich und halte zu dir". Alex muss seinen Kampf mt den inneren und äußeren Dämonen selbst austragen. Und wenn die letzte Einstellung ihn mit einem leichten Lächeln zeigt, ist das kein typisches Hollywood Happy End: Es zeigt den Triumph eines Menschen über sein eigenes Sein.

RoboCop Bewertung
Bewertung des Films
1010

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15 Kommentare
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
13.02.2022 18:01 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 15.200 | Reviews: 164 | Hüte: 540

@Hansel
"Der Film sollte in den 80ger wohl in erster Stelle als Unterhaltungsfilm dienen."

Nicht, wenn der Regisseur Paul Verhoeven heißt, da muss man erstmal vom Gegenteil ausgehen.

"Im Remake wurde zu sehr auf das Drama eingegangen."

Ich habe das Original und das Remake damals beide direkt hintereinander gesehen, für mich haben beide Filme sehr gut zusammengespielt. Das Remake fokussiert sich mehr auf Emotionalität, auf die Beziehung zwischen Murphy/RoboCop und seiner Familie, was im Original noch vernachlässigt wurde.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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PaulLeger : : Moviejones-Fan
12.02.2022 13:10 Uhr
1
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 1.379 | Reviews: 10 | Hüte: 161

@ MB80

Pssst, mit so abwegigen Interpretationen könnte man den Film ja glatt für "woke" halten...tongue-out

MJ-Pat
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MB80 : : Cheddar Goblin
12.02.2022 09:45 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 2.299 | Reviews: 41 | Hüte: 213

Moby gets it...

"At the time of its making, director Paul Verhoeven and writers Ed Neumeier and Michael Miner set out to comment on the problems affecting 1980s America. Issues like corrupt politics, violence, unchecked capitalism, economic decline, gentrification, media influence, and the militarization of the police force. The movie is a melting pot of upsetting sociopolitical commentary in addition to being an entertaining sci-fi action romp.

RoboCop himself was created as a reaction to action hero archetypes popularized by the likes of Charles Bronson and Clint Eastwood. Similar to their respective heroes in Death Wish and Dirty Harry, RoboCop is all about shooting first and asking questions later. According to Neumeier, the film’s protagonist and his violent nature represents “how ludicrous the [action] genre was becoming.”

Ich wollte wie gesagt nur Stichwortgeber sein, denn diese vielschichtige Satire der 80er Jahre Reagan-USA, und Verarschung des Action Genres (wobei der Film gleichzeitig guter Actionfilm ist, Hut ab...), sind denke ich das Herz (oder Motor) des Filmes.

Das gesagt, der Fokus auf die "Erinnerungs Szene" von Murphy ist völlig valide. Verhoeven hat das Script laut Interviews nach 15 Seiten weggeworfen, und seine Frau machte ihn später auf diese Szene aufmerksam, die er dann wieder tiefgründig genug fand, um sich mit dem Film zu befassen.

“...and the stronger the fear of boredom, the louder the music."

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MobyDick : : Moviejones-Fan
11.02.2022 19:59 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 6.617 | Reviews: 190 | Hüte: 526

Jup, gute Kritik, auch von mir Hut smile

Aber genauso wie MB80 finde ich, dass auf den satirischen Ansatz hätte mehr eingegangen werden dürfen, denn das macht auch sehr viel des Filmes aus ;)

Dünyayi Kurtaran Adam
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Hansel : : Moviejones-Fan
11.02.2022 19:54 Uhr | Editiert am 11.02.2022 - 19:59 Uhr
6
Dabei seit: 30.05.20 | Posts: 770 | Reviews: 1 | Hüte: 25

Danke Leute für die positive Rückmeldung! Es wird wohl erst wieder beim nächsten Impuls etwas Ähnliches geben.

Wie man schnell merkt, ist es eher eine Liebeserklärung als Kritik. Deswegen wurde nur darauf los geschrieben, als mir lange Gedanken über Struktur zu machen oder welche Themen aufgegriffen werden müssten. Die Fortsetzung wurde von mir darin mehr kritisiert, als der eigentliche Film. Und RoboCop wird wie geschrieben aus unterschiedlichen Gründen gemocht. Die satirischen Aspekte sowie die comichafte Gewalt habe ich z.B. immer als "Auflockerung" für die im Grunde sehr schwere und dramatische Story gesehen. Der Film sollte in den 80ger wohl in erster Stelle als Unterhaltungsfilm dienen. Und da nichts aufgesetzt wird und kein reiner Selbstzweck ist, passt alles perfekt zusammen.

Im Remake wurde zu sehr auf das Drama eingegangen. Da hat sich eben gezeigt, dass viele dieses Thema nicht so spannend finden, da der größte Kritikpunkt war "Viel zu seicht! Kaum Gewalt". Mich stört die Struktur etwas. Murphy ist hier kein Einzelkämpfer mehr. Seine Frau hatte die Entscheidung über sein "Sein". Und irgendwie ist die Inszenierung recht trocken und wenig mitreißend. Dabei hätte es ein psychologischer Thriller werden können wie es ist, plötzlich keinen Körper mehr zu haben. Das wurde nur in einer wahnsinnig starken Szene gezeigt. Und in meinen Augen ist auch der Hauptdarsteller eine Fehlbesetzung. Deswegen zwar schaubar und ich schätze die guten Ansätze... Aber kein Film, für den ich ähnliche Liebe empfinde.

MJ-Pat
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MB80 : : Cheddar Goblin
11.02.2022 19:20 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 2.299 | Reviews: 41 | Hüte: 213

Luhp92:

Das merke ich ;) Ich wollte eigentlich auch nur mal der Stichwortgeber sein für einen Punkt, um den man bei der Besprechung von Robocop eigentlich nicht drumrum kommt.

“...and the stronger the fear of boredom, the louder the music."

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
11.02.2022 18:59 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 15.200 | Reviews: 164 | Hüte: 540

@MB80

Ich verstehe weiterhin nicht, worauf du hinaus willst.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

MJ-Pat
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MB80 : : Cheddar Goblin
09.02.2022 22:48 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 2.299 | Reviews: 41 | Hüte: 213

Luhp92:

Der Film...

“...and the stronger the fear of boredom, the louder the music."

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
09.02.2022 22:46 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 15.200 | Reviews: 164 | Hüte: 540

@MB80: Inwiefern?

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

MJ-Pat
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MB80 : : Cheddar Goblin
09.02.2022 22:27 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 2.299 | Reviews: 41 | Hüte: 213

Öhm, Satire, anybody?!

“...and the stronger the fear of boredom, the louder the music."

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TiiN : : Goldkerlchen 2021
09.02.2022 20:00 Uhr
0
Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 7.429 | Reviews: 153 | Hüte: 457

Mir gefällt diese Kritik ebenfalls sehr gut! Sie hat direkt Lust gemacht, mir mal wieder RoboCop anzuschauen. Für mich ist das so ein Film, den ich mir nicht oft ansehen kann, aber wenn ich es tue, dann ist es ein emotionales Erlebnis.

Genau aus dem Grund, welchen du angesprochen hast. Der Film ist nicht (nur) wegen der Gewaltsdarstellung so heftig sondern wegen des Schicksals von Alex Murphy.

Den Abschlusssatz fand ich immer großartig menschlich. Anschließend der Abspann mit der starken Musik von Basil Poledouris.

Neben dem von dir angesprochenen Schicksal von Murphy ist diese Zukunftsvision von Paul Verhoeven auch ziemlich heftig.

MJ-Pat
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sid : : 00-Agent
09.02.2022 19:42 Uhr
0
Dabei seit: 01.10.12 | Posts: 1.697 | Reviews: 17 | Hüte: 50

@Hansel
He, Du schreibst ja richtig gut! Und Du hast Dich nicht nur gut ausgedrückt, sondern Alex Murphy und vor allem seinen inneren Kampf einfühlsam dargestellt. Wenn ich den Film nicht schon kennen würde, würde ich ihn mir definitiv gleich ansehen.

Ein Mensch wird plötzlich wie ein Ding, eine Maschine. Ohne eigene Seele. Und genau so angesehen und behandelt.
Genau, genau. Sozusagen die Umkehrgeschichte. In anderen Filmen (der 80er) gewinnen die Machinen ein Bewusstsein, erwachen quasi zum Leben und hier kämpft ein Mensch um seine Existenz.

Alex muss seinen Kampf mt den inneren und äußeren Dämonen selbst austragen.
Ja, er hat zwar immerhin Lewis an seiner Seite (soweit er nicht auch noch von jeder Hilfe von außen abgeschottet wird), die ihn so gut wie möglich unterstützt. Aber was sie für ihn tun kann, ist tatsächlich sehr begrenzt. Wahrscheinlich ist es auch dieses (anfängliche) Ausgeliefertsein von Murphy, was die Situation so beklemmend macht, ich hab es zumindest so empfunden.

Teil 2 war mMn immer noch spannend, aber neben den von Dir erwähnten Kritikpunkten war es auch tricktechnisch ein Rückschritt finde ich (zum Teil fast komisch), dazu ein Kind als Schurke, selbst mir zu gruselige Eindrücke...
Kennst Du den Reboot von 2014? Fand ich zumindest besser als die meisten anderen Neuaufgüsse (auch wenn er an das Original natürlich bei weitem nicht rankommt).

Jedenfalls hoffe ich ebenfalls, dass das nicht Deine letzte Kritik ist ;).

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
08.02.2022 22:44 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 15.200 | Reviews: 164 | Hüte: 540

Wow, großartiges Review für den Einstand.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

MJ-Pat
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Raven13 : : Desert Ranger
08.02.2022 09:17 Uhr | Editiert am 08.02.2022 - 09:17 Uhr
1
Dabei seit: 13.02.16 | Posts: 4.987 | Reviews: 55 | Hüte: 444

Glückwunsch zur ersten Kritik hier auf Moviejones! wink

Gut geschrieben. Robocop ist einfach ein Klassiker!

Hut, sobald du einen Kommentar hier hinterlässt.

Ein Zauberer kommt nie zu spät. Ebenso wenig zu früh. Er trifft genau dann ein, wenn er es beabsichtigt.

MJ-Pat
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DrStrange : : Moviejones-Fan
08.02.2022 08:29 Uhr
1
Dabei seit: 07.05.12 | Posts: 2.153 | Reviews: 24 | Hüte: 68

@Hansel:

Sehr gut auf den Punkt gebracht und würde ich so unterschreiben.

Wie passend das dein erstes Review dann zu "Robocop" ausfällt. Kannst ruhig öfters sowas raushauen.

"The Wheel weaves as the Wheel wills"

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