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Avengers - Endgame

Kritik Details Trailer Galerie News
Ein Abschiedsbrief

Avengers - Endgame Kritik

Avengers - Endgame Kritik
21 Kommentare - 01.05.2019 von MobyDick
In dieser Userkritik verrät euch MobyDick, wie gut "Avengers - Endgame" ist.
Avengers - Endgame

Bewertung: 3 / 5

So denn, meine 50. Kritik auf moviejones. Und da dachte ich mir, etwas Besonderes zu schreiben. Etwas Persönliches. Und was kann es persönlicheres geben als einen Liebes- und gleichzeitig Abschiedsbrief? Und das möglicherweise auf dem Höhepunkt der Beziehung? Nun gut, dies wird daher eine sehr persönliche, intime Filmbesprechung, die den Rahmen einer solchen komplett sprengen wird, meinen Ansatzpunkt zu den Avengers klarmachen wird, alle bisherigen Filme in Kontext setzen und schließlich natürlich auch den betreffenden Film mit besprechen wird. Also wer das alles lesen möchte, der ist herzlich willkommen, allen anderen vorab einfach meine Bewertung zu Endgame: Wahrscheinlich im bisherigen Kontext aller bisheriger Comicverfilumgen irgendwas zwischen 8-10 Punkten, aber Endgame ist das Ende und der Beginn einer Ära: 6 Punkte!

Trailer zu Avengers - Endgame

Meine Beziehung zu den Avengers reicht bis in die 1980er zurück, als mir ein Freund damals ein Comic-Taschenbuch von den Rächern auslieh. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt bereits mit Comics lesen aufgehört und belächelte diesen Freund, da ich dachte: „Der und seine komischen Superhelden a la Superman und Batman!“ Die hatte ich ein paar Jahre vorher einfach aufgehört zu lesen, da die vom Ehapa Verlag damals gedruckten Stories einfach gelinde gesagt Scheisse waren. Und so etwas erwartete ich mir auch von diesem ominösen Die Rächer Taschenbuch Nr. 19 von Condor. Und verdammte Axt! Ich war sowas von falsch gewickelt. Das Taschenbuch haute mich um, ich stöberte und suchte mir alles zusammen, was Condor aus dem Hause Marvel heraus brachte – und so kam ich schließlich zur Gruppe X – heute besser bekannt unter X-Men! Mit der Zeit verlagerte sich meine komplette Marvel-Aufmerksamkeit immer weiter weg von den Rächern (Die Avengers), ohne dass ich genau sagen konnte warum. Heute weiß ich, dass besagtes Rächer-Taschenbuch die mittlerweile von den ganzen Comic-Fans immer mindestens unter die Top 3 gewählte Storyline „Under Siege“ von Roger Stern und John Buscema beinhaltet und ich quasi mit DER Top-Story eines der besten Avengers-Autoren aller Zeiten meine Feuertaufe als Marvel-Leser erfuhr. Und heute weiß ich auch, dass Stern kurz darauf gefeuert wurde, weil er seine starke weibliche Protagonistin Captain Marvel (Monica Rambeau, nicht Carol Danvers! Carol Danvers hat eine mindestens ebenso abscheuliche Redaktionsentscheidung durchlaufen müssen!) nicht dem chauvinistischen Redaktionsumfeld opfern wollte und die Marvel-Redakteure setzten ihren Willen durch. Das war irgendwie auch der Zeitpunkt, ab dem mein Interesse damals an den Rächern zu schwinden begann, ohne dass ich es damals genau verstand. Ich wand mich von den Rächern ab und las die Stories über Iron Man und Thor, von Captain America und Daredevil. Spider-Man war nie wirklich meines, auch wenn ich dem immer eine Chance gab, und auch Captain America war schnell langweilig. Solchen Comics wie Die Fantastischen Vier und Hulk konnte ich auch selten was abgewinnen. Iron Man war der Hammer, und noch besser war Thor – von Walt Simonson, der ähnlich wie Roger Stern bei den Avengers mit Thor einen Jahrhundertrun ablegte. Als er Thor verliess, war Thor nur noch ein Schatten seiner selbst und eben das, was eigentlich alle Avengers in Wahrheit irgendwie sind: Ein B-Charakter.

Ja, man kann diese Charaktere lieben und trotzdem dem Offensichtlichen ins Auge starren.

Dann kam endlich die Zeit der Comic-Verfilmungen, und wenn man bedenkt, was für Gurken zu der Zeit raus kamen, wenn man bedenkt, dass ein X-Men als extrem genialer Film angesehen werden konnte von der Comic-Community, weil endlich mal ein Film nicht totaler Mist ist, dann weiss man, dass man damals eigentlich über jede passable Verfilmung glücklich war. Für mich war das ein zweischneidiges Schwert: X-Men war als Comic-Verfilmung zwar eigentlich eine Katastrophe, aber er hatte das Herz am rechten Fleck und versuchte sich als ernster Film, also musste der Film doch einen Stein im Brett bei mir haben. Spider-Man 1 ist als Film ein Langweiler vor dem Herren, aber er geht die Verfilmung sehr adäquat an, zu adäquat für das Medium (was in Teil 2 noch verstärkt wird) Film, so dass er als guter Film gelten muss. Ang Lees Hulk hat kaum was vom Comic, ist aber als Comic-Film einfach optisch eine Wucht, und hat eine ziemlich wuchtige Tragödie am Start, wird aber vom Studio zerstört. Ich könnte ewig weiter so machen, aber kommen wir endlich zum offiziellen MCU (obwohl das bei mir bereits mit Ang Lees Version anfängt):

Iron Man ist ein Film, der sich sehr stark an der tatsächlichen Comic-Origin entlang hangelt und bis zur Hälfte wirklich alles richtig macht. Auch dass RD Jr. für Tony Stark eigentlich zwei Köpfe zu kurz ist, ist völlig ok. Die Dialoge sitzen, das Tempo ist ordentlich, der Charakterwandel nachvollziehbar, doch das Finale enttäuscht, nicht zuletzt auch wegen einem wirklich miesen Gegner (ein Problem, das Marvel häufiger haben wird). Da ich die Comics kenne und weiß, welche Gegner möglich sind, ist der Film für mich als Comic-Fan wieder ein okayer Film, der aber mehr richtig als falsch macht. Irgendwas um die 6-7 Punkte.

Aber in meinem Freundeskreis (alles Nicht-Comic-Leser) explodieren plötzlich die „Fans“ vor Extase, was ich so gar nicht nachvollziehen kann, aber sei es drum. Ich ziehe mit, da ich mit diesen Figuren aufgewachsen bin und sie endlich auf der großen Leinwand sehen möchte und kann. Und wenn sie anders sind als von mir gewünscht, so what, Hauptsache die Filme sind gut! Nicht wahr? Na ja, welche Filme sind denn wirklich gut?

Ohne jetzt auf die komplette Chronologie einzugehen: Thor ist so gar nicht das, was ich mir von der Figur erhoffe, aber es macht mordsmäßig Spass, den Abenteuern dieses Hallodries zuzuschauen, lediglich Teil 2 ist ein krasser Durchhänger, was ich aber mehr Natalie Portman (die ich sonst total abfeiere) anlaste als dem durchaus auch zu Recht gescholtenen Regisseur, weil sie mit ihrer so offensichtlichen Lustlosigkeit den ganzen Film quasi vergiftet. Die Iron Man Filme sind für mich reine Witze, was darin gipfelt, dass Ben Kingsley eine Witzfigur vor dem Herren spielt. Dr Strange ist quasi Malen nach Zahlen, das einfach vor sich hin dümpelt, ohne großen herausfordernden Charakterbogen, welcher durchaus möglich gewesen wäre. Ant Man ist ein Witz an den nächsten gereiht, aber zumindest umgeht das MCU das Problem des frauenschlagenden Helden, indem die nächste Generation des Ant-Man benutzt. Und Captain Marvel macht zwar Spass, ist aber im Grunde genommen nur ein weiblicher Superman, ein Deus Ex Machina, eigentlich viel zu mächtig.

Aber das ist auch das große Problem dieser Filmreihe: Die großen menschlichen Abgründe, die in den Comics durchaus vorhanden sind, werden immer irgendwie elegant umschifft: Hank Pym schlägt seine Frau in den Comics? Nehmen wir den nächsten Ant-Man! Tony Stark ist ein verlotternder Alkoholiker, der die Kontrolle komplett verliert? Machen wir einen Pipi-in-die-Rüstung-Witz und gut ist! Dr Strange hat seine inneren Dämonen? Brauchen wir nicht, klonen wir einfach Tony Starks Charakter! Hulk wurde als Kind von seinem Vater misshandelt und hat extreme Aggressionsprobleme? Mist, teil eins war schon verdammt nah an dieser düsteren Story, am besten wir rebooten und ignorieren diesen Aspekt, ach was, am besten den ganzen Film, komplett und ersetzen selbst die Ersatvariante Norton mit dem Teddybärgesicht Ruffallo! Ragnarök ist eine wuchtige epische Götterdämmerung? Das wäre zu viel für das Publikum, machen wir doch daraus einen putzigen, klamaukigen No-Brainer!

Ausgerechnet der X-Men-Comic-Nerd Joss Whedon bringt Avengers auf die große Leinwand, und obwohl auch das alles Malen nach Zahlen ist, wird zumindest der erste Teil komplett abgefeiert. Um ehrlich zu sein, das einzig nennenswerte was dieser Film zu Stande bringt, neben zugegebenermassen einigen ikonischen Bildkompositionen, ist Thanos als Endgegner in Stellung zu bringen. Nicht mehr, nicht weniger.

Und so dümpelt die Reihe immer weiter vor sich hin, ein mittelmäßiger Film reiht sich an den nächsten. Jeder Film wird gefühlt von einer größeren Schar Menschen verfolgt, jeder Film wird gefühlt besser bewertet als er es verdient. Dann kommen solche „Perlen“ wie Black Panther, die eigentlich nichts Weltbewegendes reissen (ganz ehrlich, selbst der extrem angestaubte Prinz aus Zamunda ist heute noch deutlich besser), aber trotzdem über den Klee gelobt werden. Die Schurken werden nicht besser, aber von den mittlerweile tatsächlichen Fans verteidigt, als hätte jemand die Ehre der eigenen Mutter in Frage gestellt. Die Filme werden immer ähnlicher im Aufbau und trotzdem schaltet die (Gelddruck-)Maschinerie in den nächsten Gang. Natürlich ist das alles überspitzt in der Formulierung, aber ich möchte hiermit nur die Tendenz meiner Wahrnehmung ins richtige Licht rücken.

Und wieso bleibe ich am Ball, obwohl ich dem Ganzen irgendwie entwachse? Zwei Namen: Die Russos und Gunn!

Ausgerechnet die obskurste Truppe aus dem Marvel-Universum „Guardians oft he Galaxy“ bietet wirklich astreine Unterhaltung mit glaubhaften Charakterentwicklungen, nachvollziehbaren Schurken, und dem absolut richtigen Timing, dabei aber immer herrlich familiär bleibend – alles natürlich im Rahmen ihrer unglaubwürdigen Story.

Und auf der anderen Seite wird ausgerechnet der vermeintlich patriotischste aller Superhelden zu einem nachdenklichen Grübler, der sich eben nicht für irgendwelche nationalistisch/patriotischen Machtspiele einspannen lassen will, und damit nunmehr zum Gejagten um den Globus. Diese Abkehr vom Hurra-Stil katapultiert die beiden Captain America Fortsetzungen in der Riege der mittlerweile salonfähig gewordenen und auch extrem qualitativ hochwertige Filme herausbringenden Ära nach ganz oben. Und als es heisst, dass die Russos das Ruder für Avengers 3 und 4 übernehmen werden, bin ich schon sehr zuversichtlich, dass das Endergebnis rund werden könnte.

Als dann auch noch ausgerechnet mit Thor 3 die Götterdämmerung zwar einerseits ins unermesslich Lächerliche gezogen wird, aber im Endeffekt den Protagonisten und sein komplettes Volk innerlich und äußerlich versehrt zurück läßt für den Orkan, der sich Infinity War nennt, ist erkennbar, dass der Spass zwar nicht zu kurz kommt, aber die Meta-Ebene doch eben vorhanden ist, und wir hier plötzlich allen wichtigen Protagonisten als Damaged Good begegnen.

Ach ja, dann kommt endlich Infinity War, ein Film, an den so hohe Erwartungen gestellt werden, ein Film, der endlich einen guten Antagonisten haben soll, ein Film, der gefühlt 40 Hauptcharaktere vereinen soll, ein Film, der gleichzeitig seine Story erzählen soll, und ein Film, der das Publikum konsterniert zurück lassen muss. Und die Russos schaffen all das mit ihrem ersten Teil dieses Opus Magnum. Und der Film zerbricht eben nicht an der Erwartungshaltung, sondern er besteht. Und es gelingt ihm, noch zu etwas mehr zu werden. Dieser Film wird zum „Das Imperium schlägt zurück“ einer neuen Generation. Und das obwohl die Zeichen schon lange an der Wand gemalt waren.

Also ja, der Film funktioniert, und ja, der Film ist gut, und ja, er gefällt auch mir vorbehaltlos. Und nein, er gefällt mir auch, weil er sich traut, Abweichungen von den Comics zuzulassen. So ist beispielsweise Thanos in den Comics eine Figur, die mich persönlich nie sonderlich interessiert hat. Die Figur als Version von den Russos wird da schon komplexer angelegt. Und für diese Art der Geschichte ist er genau die richtige Form des Bösewichts.

Bevor ich nun zum eigentlichen Film komme, kurz nochmal die Begründung des Abschiedes, und diesmal eben ohne die überspitzte Polemik von oben: Ja, die Filme sind in der Tat zunehmend düsterer, komplexer geworden, ohne dass man es auf den ersten Blick so wahrgenommen hat (dafür erst mal ein Chapeau an Kevin Feiges Truppe) und man konnte sie dennoch fast immer uneingeschränkt geniessen. Ja, genau immer dann, wenn man das Gefühl hatte, es dreht sich jetzt alles im Kreis, hat man das Rad immer wieder neu erfunden (GotG, Cap2, Ant-Man, von mir aus sogar Dr Strange und BP und Cpt Marvel). Aber: Der vermeintliche Fan-Service hielt sich auch immer in Grenzen:

Man hat nie die Mandarin-Story bekommen, die man verdient hätte.

Man hat sich vor allem Anfangs in den entscheidenden Momenten dagegen entschieden, die letzte Konsequenz zu gehen

Man hat es versäumt, Kontinuitätstechnisch die letzte Konsequenz zu gehen und/oder springt auf jeglichen Gleichberechtigungszug mit jeglicher Figur teilweise auch halbherzig auf, da es ja mit der Marke MCU sowieso immer gut geht

Und ich bin es einfach irgendwann zu müde, im Kino immer nur ein Genre zu sehen, und immer auf eine weitere Fortsetzung zu schielen. Dafür gibt es Fernsehserien. Dafür wird es irgendwann hoffentlich auch in Deutschland Disney+ geben. Ich möchte auch wieder einfach nur einen epischen für sich stehenden Actioner sehen, der vielleicht fortgesetzt wird, nicht zwingend (und ich hoffe immer noch, dass sich mal einer John Carters erbarmt….)

Und als Riesengroßer X-Men Fan (aber das wisst ihr ja bereits alle!) möchte ich ehrlich gesagt NICHT sehen, wie Disney die „realistischen“ Probleme der Mutantenbande verniedlicht, kleinredet und nur noch den Fantasy-Aspekt für ihre Franchises ausschlachtet. Zuletzt hat ja Fox schon gute Arbeit geleistet, die X-Men wieder in die Bedeutungslosigkeit zu manövrieren (man hofft ja trotzdem auf eine brauchbare Abschlussverfilmung!).

Sicher werde ich nach wie vor MCU Filme sehen, aber ganz sicher nicht jeden in der ersten Vorstellung, selbst für Endgame hat es bei mir erst in die zweite Woche gereicht…

Und damit sind wir endlich bei der Kritik des meisterwarteten Filmes des ausklingenden Jahrzehnts (ja, sogar ein Star Wars im zigten Aufguss kann da einstecken!). Ach ja, und um die Star Wars Analogien bis zum Geht-Nicht-Mehr auszureizen: Wie groß ist hier die Hoffnung, dass das MCU nicht plötzlich sowas wie die Ewoks für den Abschluss aus dem Hut zaubert! Daumen drücken angesagt! Ich nehme es mal vorweg: Nein, die Ewoks oder Ähnliches tauchen nicht auf und auch sonst zerstört nicht irgend so ein Quatsch diesen Film.

Es ist etwas anderes…

Endgame:

Endgame setzt Infinity War fort, und es geht darum, Thanos zu bestrafen, das Geschehene ungeschehen zu machen, Fan Service abzuliefern, jeden möglichen Charakterarc zu vollenden, dabei einen großartigen Abschluss zu liefern und obwohl es ein Ende sein soll, die Tür für viele weitere Fortsetzungen offen zu halten. Der Film nimmt sich viel vor, dementsprechend vollgepackt bis zum Bersten und darüber hinaus ist er dann auch. Ganz ehrlich, im Prinzip erfindet Endgame den Begriff SUPERLATIV neu und das auch noch scheinbar mühelos. Tragik, Trauer, Hoffnung, Action, Humor, nichts kommt zu kurz. Und wenn man das so liest, dann verdient Endgame locker mindestens seine 8 Punkte.

Und objektiv – wenn man auch äußere Faktoren mit einbezieht (wie zB die Bewertung ALLER bisheriger Comic-Verfilmungen und die Tatsache, dass er anscheinend sein Publikum quasi komplett abholt) – verdient er sicherlich auch jegliche Punktzahl oberhalb der 8 Punkte.

So bombastisch, so gut ist er eigentlich. Ja, und ja, verdammt nochmal, JA, er hat auch enormes Herz!

Also was will ich mehr, was stört mich, wollt ihr wissen? (Wenn ihr es bis hierhin geschafft habt, dann wollt ihr es ja offensichtlich wirklich wissen!)

Es gibt für mich fortan die Zeit VOR und die Zeit NACH Endgame:

VOR Endgame hätte Endgame von mir mindestens diese acht Punkte bekommen, wenn nicht gar neun. Gerade weil er diesen Fan-Service betreibt, gerade weil er das Herz am rechten Fleck hat, gerade weil er so bombastisch und kompromisslos sein Ding durchzieht, und gerade weil er so nah an einem Event-Comic ist wie noch nie zuvor ein Film. Dafür verdient er sogar fast die volle Punktzahl.

NACH Endgame hingegen sieht die Sache schon ernüchternder aus:

Endgame ist die perfekte Comic-Verfilmung auf so vielen Ebenen, dass es fast so ist, die ganzen Rekorde aufzuzählen, die er am Boxoffice bereits in der ersten Woche gebrochen hat, wenn man anfangen würde, diese tatsächlich aufzuzählen. Und er legt die Latte selbst so extrem hoch, dass man künftig alle Filme an diesem Film messen muss. Und der entscheidende Punkt geht fast unter: Es ist ein Film! Kein Comic! Und so muss er von mir als Filmfan auch als Film beurteilt werden und so in den Kontext gerückt werden.

Also dann, endlich mit über 40 Jahren Lebens- und Filmerfahrung, lege ich mit Endgame die Fanbrille ab und beurteile den Film als solches. Es geht jetzt nicht mehr darum, wie er im bisherigen Kontext beurteilt wird, sondern ob er einfach gesagt für mich als Film funktioniert.

Und das tut er nur bedingt:

Er ist temporeich, ja, und die 3 Stunden vergehen wie im Flug, und er bietet alles was ich oben bereits schrieb. Aber eine Achterbahnfahrt ist auch Nervenkitzel und spannend, aber es ist keine Erinnerung, die ich als episch ansehen würde und auch nur annähernd mit einem guten Urlaub vergleichen würde.

Dafür dass er so viele Charakterbögen abschliesst, fühlt er sich irgendwie wenig final und befriedigend an. Jeder abgeschlossene Handlungsbogen eröffnet in meinem Kopf weitere Fragen nach der Logik:

Dafür dass es bestimmte Gesetze für Zeitreisen geben soll, geht er mit vielen dieser Zeitreisen und deren Konsequenzen recht lapidar um.

Und dafür dass es die finale Schlacht am Ende sein soll, welches ein WOW-Gefühl vermitteln soll, schiesst der Film irgendwann für mich über das Ziel hinaus. Da ist das Finale auf Wakanda in Infinity War für mich immer noch deutlich epischer. Hier werden einfach nur alle Helden ins Getümmel gefühlt recht beliebig reingeworfen.

Und dann kommt noch die Tatsache hinzu, dass man vor allem bei den neueren Figuren, die das Zepter ja nun übernehmen sollen, das Gefühl bekommt, dass man vor allem mit Bezug auf Endgame betrogen wurde auf deren Wichtigkeit.

So schwer es mir fällt, ich werde diese Kritikpunkte weder hier im Text, noch unten in den Kommentaren weiter ausführen, da ich genau weiss, dass dieser Film verdient, nicht gespoilert zu werden.

Also alles in allem kam ich recht irritiert aus dem Film heraus, wohl wissend dass er nicht per se schlecht war. Im Gegenteil, er liefert eigentlich volle Kanne ab. Wenn ich die ganze Zeit über Star Wars Vergleiche gezogen habe, muss ich sagen, dass er keine Ewoks abzieht und man eigentlich für die ganzen SW Fans hoffen kann, dass SW 9 auch nur ein bißchen was von diesem Film abschneidet, und dann dürften schon alle glücklich sein. Endgame ist sozusagen das, was bei einem anderen Franchise die Rückkehr des Königs war.

Aber mir reicht das nicht. Je länger der Film sackt, desto schlechter steht er in meiner Gunst. Und endlich kann ich all die professionellen Kritiker verstehen, die BvS unbedingt eigentlich mögen wollten, ihn aber schmerzhaft abgestraft haben. Irgendwas in mir möchte diesen Film für all das, was er eben falsch macht – und davon kann man eine ganze Liste schreiben – abstrafen und ihm eine wirklich miese Beurteilung geben, die er nie und nimmer so in der Form verdient.

Denn wie gesagt, er liefert. Manchmal viel zu viel. Dann aber viel zu wenig. Er ist überladen und findet nicht sein Gleichgewicht. Und bevor ich es vergesse, er macht aus einem vielleicht irgendwie ansatzweise nachvollziehbaren Schurken in Infinity War plötzlich wieder einen Abziehschurken von der Schablone.

Bevor ich die finale Wertung abgebe, nur noch ein Wort zu ALLEN anderen Comicverfilmungen und deren Beurteilung meinerseits: Wie gesagt es gibt ja die Beurteilungsschablone nach Endgame. Alle stehen nun auf dem Prüfstein und die meisten werden von mir deutlich nach unten korrigiert werden müssen, das trifft auf sehr viele MCU Filme zu, das trifft auch auf die X-Men Filme zu, auf Spider-Man Filme und ja auch auf die Snyder DC Filme. Das ist nur fair! Und das wird ein verheerendes Bild für die Comic-Verfilmungen abgeben. Aber das wird dann auch die Bewertung von Endgame ins richtige Verhältnis rücken. Und wie gesagt: Endgame ist der Film, der Comicverfilmungen endlich ihre rechtmäßige Beurteilbarkeit brachte!

Fazit: Bombastischer Abschluss, der den Begriff Superhelden-Comicverfilmung neu definiert, Fanservice vor dem Herren betreibt, das Herz am rechten Fleck hat, alle Charakterbögen befriedigend abschliesst, und der das richtige Tempo hat. Aber auch ein Film, der sich verhaspelt, nicht auf die innere Logik achtet, viel zu viel will, das Versprechen einiger neu eingeführter Charaktere einfach nicht einhält, und seinen halbwegs gut herausgearbeiteten Schurken des Vorgängers durch einen eindimensionalen Widergänger ersetzt. Man muss diesen Film gesehen haben, und es ist verständlich, dass er allgemein so gut ankommt.

Mit Wohlwollen 6 Punkte (ich wollte ihm sogar nur 5 geben, aber irgendwie habe ich das nicht übers Herz gebracht), dafür ist er einfach nicht wirklich schlecht genug)!

(- wer hätte das gedacht?)

Avengers - Endgame Bewertung
Bewertung des Films
610
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21 Kommentare
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Duck-Anch-Amun : : Moviejones-Fan
13.05.2019 11:11 Uhr
0
Dabei seit: 15.04.13 | Posts: 6.847 | Reviews: 36 | Hüte: 408

Fand die Thor-Umsetzung ebenfalls sehr passend. Wenn ich so drüber nachdenke würde ich mit Sicherheit was ändern, aber gewiss nicht den Thor-Part. Ich frag mich auch wie man es hätte besser umsetzen können. Klar wird er zum Comicrelief, aber Komödien dürfen auch gerne über den Humor hinaus ne Tiefe haben. Und dies ist hier durchaus vorhanden und sticht dann sogar heraus in ruhigen Momenten. Zum Beispiel in der Hütte als Hulk Thanos erwähnt oder als Thor seine Mutter umarmen darf.
Thor hat von allen Avengers am meisten durchgemacht, aber wie luhp92 es schrieb: er bleib trotz aller Probleme immer der gutaussehende, souveräne und vor Selbstbewusstsein strotzende Superheld und Gott. Wie kann man ihn noch mehr demontieren (wie Silencio es schrieb) als man es bisher in seinen Auftritten tat? Ihm nun seine letzte "positive" Errungenschaft nehmen und ihn damit komplett zu demontieren. Komödiantisch ja, aber immer noch mit einer gewissen Bitternis wenn man seine Geschichte kennt.
Sein Alkoholkonsum ist übrigens seit Thor 1 bekannt.

Dass man dies im Lauf des Films nicht ändert und gleichzeitig den Hulk sich "opfern" lässt, kommt den Machern natürlich im Kampf gegen Thanos entgegen, aber so konnte man vor allem Cap seine Momente in diesem Kampf geben (etwas was vielen noch in Infinity War gefehlt hatte).

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MobyDick : : Moviejones-Fan
13.05.2019 10:30 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 4.198 | Reviews: 53 | Hüte: 278

Oh sehe gerade:

@Kayin

@luhp92

Danke für die Hüte :-)

Thor-Diskussion:

Kann man machen, hat schon auch einige Leute in meinem Umfeld gestört, aber die Charakterisierung und Reise des Charakters seit Thor 3 gibt diese Wandlung meines Erachtens komplett her.

Dünyayi Kurtaran Adam
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
12.05.2019 00:49 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 11.485 | Reviews: 166 | Hüte: 376

@Jonah

Die Art und Weise, wie durch Thor Lebowski zum Einen sein früheres Image als attraktiver Frauenschwarm gebrochen wird und zum Anderen seine psychischen Schäden nach "Infinity War" - er ist nun ein depressiver Alkoholiker - thematisiert werden, hat mir ziemlich gut gefallen.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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ChrisGenieNolan : : DetectiveComics
11.05.2019 13:11 Uhr
0
Dabei seit: 19.08.12 | Posts: 13.632 | Reviews: 3 | Hüte: 284

@ Jonah:

ich fand Thor Storyteile angemessen. Er war am Ende. Er hat nicht nur seinen Mama, Papa, Bruder, Schwester verloren ? Sondern auch sein Volk und die Hälfte der Menschheit, der er so liebt. Plus gegen thanos versagt. Das ist typisch Waitikiki takataka Regisseur, der mit Sicherheit, für den Humor Teil verantwortlich war/ist. Aber das war ja nicht das Problem von EG. Sondern was die Logiklöcher von IW und was thanos Jahrzehnten geplant hat.

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Silencio : : Moviejones-Fan
11.05.2019 13:01 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.479 | Reviews: 46 | Hüte: 144

Jonah:

Ein guter Film zu sein hätte dem Film echt gut getan.

Ansonsten: Thor durch den Kakao zu ziehen, um ihn zu humanisieren, ist im MCU seit "Thor" Usus. Der Film zieht auch ordentlich Pathos daraus, wie tief Thor gefallen ist, da könnte man nur bekritteln (tu ich auch), dass die tonalen Schwankungen etwas extrem sind, aber sonst ist die Storyline ja eigentlich in Ordnung und im Rahmen von dem, was wir von Thor dann spätestens seit "Ragnarok" erwarten dürfen...

"I know writers who use subtext... and they are all cowards."

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Jonah : : Antiheld
11.05.2019 12:51 Uhr
0
Dabei seit: 20.07.10 | Posts: 1.573 | Reviews: 0 | Hüte: 14

Habe ich es überlesen ist wirklich keinen von Euch der Thor Storyteil innerhalb von Endgame aufgestoßen? Ich fand es so albern das es sich schon fast wie eine Parodie angefühlt hat. Ich finde das geht gar nicht bei diesem Titel - schon gleich drei Mal nicht!

Ohne das hätte aus einen noch guten Film ein richtig guter Film werden können. Etwas mehr Ernsthaftigkeit hätte diesen Film absolut gut getan.

MJ-Pat
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Kayin : : Shazam
11.05.2019 10:55 Uhr | Editiert am 11.05.2019 - 10:56 Uhr
0
Dabei seit: 11.10.15 | Posts: 1.815 | Reviews: 2 | Hüte: 179

@mobydick

Ich sehe es ähnlich, wie du. Etwas überfrachtet, viele offene Fragen (für einen Abschluss mMn zu viele), vermeidbare Logiklöcher, aber auch ein bildgewaltiges Epos, das seines gleichen sucht. 20 min weniger hätten der Dynamik des Films gut getan. Als Fanservice ein super Film, aber auch ein krasser Rückschritt zu IW. Thanos blieb blass, verkam zu einem eindimensionalen Bösewicht. Schade! Und Cpt Marvel? Was eine Finte von Marvel und Feige. Sie als so wichtig für Endgame anzupreisen und dann könnte man eigentlich auch ohne sie auskommen. Sie wurde einfach nur eingeführt, damit man eine starke Superheldin im MCU hat. Endgame hätte locker auch ohne sie funktioniert.

Ich habe geschwankt zwischen 3 und 3,5 Hüten (auf der 10er Skala hätte ich 6,5/10 gegeben), habe ihm dann aber wohlwollend 3,5 gegeben, weil er auch viel richtig macht. Er will nur auch zu viel und scheitert an seinem überfrachteten Inhalt. Visuell und tontechnisch ein neuer Benchmark in der Filmindustrie. Einfach genial. Die Logik der Zeitreise war mMn nicht ganz so gut gelungen. Ich hätte es etwas anders gemacht. Aber nun gut, ein guter Abschluss mit einigen Schwächen.

"I’ll do my best."

"Your best! Losers always whine about their best. Winners go home and fuck the prom queen."

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ChrisGenieNolan : : DetectiveComics
09.05.2019 16:57 Uhr
0
Dabei seit: 19.08.12 | Posts: 13.632 | Reviews: 3 | Hüte: 284

Heute Abend bin eingeladen, am Zoopalast ... ich wollte mir und werde mir den Film, nach meine Geschäft reisen von München, in IMAX reinziehen ... aber heute erstmal auf ATOM und bin echt gespannt, mein lieber MobyFish smile

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WangChi : : Battle Angel
06.05.2019 08:43 Uhr
0
Dabei seit: 20.01.19 | Posts: 140 | Reviews: 4 | Hüte: 2

MobyDick

erstmal vielen Dank für die ausführliche Antwort.

Ich denke, ich habe es verstanden. Für mich liest es sich so, als wenn du die Filme gar nicht besser oder schlechter findest sondern ihnen nun die für dich angemessene Bewertung verpasst, was du eigentlich schon früher machen wolltest.

Ich kann jeden genannten Punkt nachvollziehen & könnte dazu einiges schreiben, was allerdings ausarten würde :-)

Deswegen nur kurz etwas zu Punkt B, da mir dieser besonders bekannt vorkommt. Mir ging es auch schon oft so, dass ich Filme höher bewertet hatte (nicht hier auf Moviejones) weil sie scheinbar jeder abgefeiert hatte & ich dachte, da muss doch irgendwas dran sein. Eventuell merk ich das nur nicht (bpsw. hab ich es bei Black Panther nicht gemerkt. Er ist ok, aber abgesehen vom besonderen Setting läuft er genauso nach Schema F ab wie die restlichen Filme). Letztlich musste ich da für mich erkennen, dass es mir nichts nutzt, einen Film besser zu bewerten wenn ich eigentlich eine ganz andere Meinung habe. Wenn er mir keinen Spaß macht, mich nicht mitreißt, mich die Charaktere nicht überzeugen, ist der Film halt keine 8 oder 9 Punkte wert. Aber ich gebe zu, zu 100% kann ich mich nicht immer von den äußeren Einflüssen frei machen.

Doch ich versuche es, denn dafür gibt es ja die diversen Kritiken von gut bis schlecht. Jeder gewichtet bestimmte Aspekte eines Films anders & so kann alles beleuchtet werden.

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MobyDick : : Moviejones-Fan
03.05.2019 14:52 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 4.198 | Reviews: 53 | Hüte: 278

WangChi:

Interessante und berechtigte Frage :-) So genau kann ich dir das wahrscheinlich nicht erklären, ich versuche es mal:

Ich habe schon immer bei den alten Comicverfilmungen ein gewisses Gefühl im Hinterkopf gehabt, dass sie mir nie so gut gefallen, wie ich sie eigentlich bewerte. Ich habe das immer darauf geschoben, dass:

a) ... ich als Comic-Nerd zu hohe Ansprüche habe, die ich gefälligst runterschrauben sollte, damit mir der Film gefällt (Beispiel X-Men 1: Ich finde eigentlich, dass 70% der Charaktere fehlbesetzt sind (inkl. Hugh Jackman, Famke Janssen, Anna Paquin und Halle Berry), ich finde, dass die Schurken (außer Magneto) recht einsilbig präsentiert werden (vor allem Sabretooth) und ich finde das Ende, das ganz klar in Richtung Fortsetzung schielt, eigentlich zum Zeitpunkt seiner Entstehung (als es diese ganzen Franchises so wie heute noch nicht gab) eigentlich eine Frechheit. Dennoch habe ich den Film, den ich für die X-Men als zu schlecht empfand damals gut bis sehr gut bewertet.)

b) ... ich auch immer darauf bedacht war, in meinen Bewertungen die allgemeine Akzeptanz des Filmes und in meinen Augen objektive Qualität eines Filmes zu beurteilen versucht habe. So habe ich beispielsweise Filmen, die ich absolut nicht mag, trotzdem ganz gute Bewertungen gegeben, da ich dachte, dass sie trotzdem gewisse Qualitäten haben, wenn sie alle abholen (Bestes Beispiel Avengers 1: Ich finde der Film hat allgemein ein recht schlechtes Tempo, er wirkt fast schon billig und richtige Spannung kommt nie auf, auch die Bedrohung durch die Außerirdischen empfinde ich als zu generisch. Eigentlich kam ich aus dem Kino und dachte: "Nett". Trotzdem habe ich den Film mit 8 Punkten oder so bewertet damals - wider besseren Wissens tief drinnen)

c) ... wenn ein Film sehr akurat umgesetzt war mit sehr viel Liebe zum Detail, dann habe ich den Film, egal wie schlecht ich ihn als Film per se fand, ganz gut bewertet (bestes Beispeil hier Sam Raimis erste beide Spider-Man-Filme: Ich finde es fängt schon damit an, dass man mit Tobey McQuire, Kirsten Dunst und James Franco eine komplette Fehlbesetzung an den Tag legt. Dann arbeitet sich Raimi fast schon sklavisch am Pulp-Stil Stan Lees ab, welche als Comic in den 1960ern sehr gut funktioniert, aber als Filmstoff in den 2000ern absolut antiquiert ist. Sicher er nimmt auch die ikonischen Bilder mit, aber alles in allem ist die Inszenierung behäbig, der Inhalt klischeebeladen und über allem schweben die unerträglichen Dackelblicke von Dunst und Tobey-Man. Trotz all dieser "Defizite" habe ich die beiden Filme als mindestens gut bewertet.

Dabei ist es ja ganz einfach: Ein Film muss eigentlich nur gut sein, wenn er dabei auf die Vorlage ein bißchen pfeift, ist es auch nur ok, so lange das Ergebnis stimmt.

Gerade deshalb funktioniert ja The Dark Knight so fantastisch: Er nimmt die Vorlage und macht sein eigenes Monster von Film daraus.

Gerade deswegen ist ja auch First Class so spitze: Er nimmt die Vorlage und die Konstellation der beiden Protagonisten und erschafft daraus eine filmreife, nicht comic getreue, aber sehr gut anzusehende Verfilmung.

Film und Comic sind zwei Medien, sie sind unterschiedlich, und das musste ich als Comic-Nerd und noch größerer Film-Nerd erst erlernen zu unterscheiden.

Endgame hat mir diesbezüglich die Augen geöffnet.

Und noch was:

Grundsätzlich sind 6-7 Punkte grundsolide gute Filme. 5 Punkte ist so Durchschnitt, 4 ist unterer Durchschnitt. Erst ab 3 Punkten wird es eher schlecht für mich. Und 8 ist schon sehr gut!

Hoffe das ist nun verständlich?

Dünyayi Kurtaran Adam
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WangChi : : Battle Angel
03.05.2019 13:22 Uhr
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@ MobyDick

Eine interessante & unterhaltsame Kritik. Du hast auch einige Sachen angesprochen - sowohl bei Endgame als auch bei den früheren Filmen - die meinen Filmgenuss ebenfalls regelmäßig eingeschränkt hatten.

Ich habe noch eine Frage zu deiner Neubewertung aller Filme weil ich nicht weiß, ob ich es richtig verstanden habe:
Siehst du nach Endgame die bisherigen Verfilmungen einfach kritischer bzw. siehst du mehr was dich stört & sie wirken für dich nun teils schlechter?
Oder ist es eher so, dass du bspw. sagst, Thor 1 hat mir gut gefallen & würde eigentlich ne 7-8 bekommen. Aber Endgame war besser, verdient allerdings nur 6 Punkte. Deshalb muss Thor nach unten korrigiert werden? Was also bedeuten würde, einzeln betrachtet 7 Punkte für Thor, im Vergleich zu Endgame aber nur 4.

Hoffe ich konnte rüberbringen, worauf ich hinaus will :-)
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ChrisGenieNolan : : DetectiveComics
02.05.2019 20:18 Uhr
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Fand ihn sogar ganz nett, wie du ja unten sehen kannst und vergleichbar gut wie Wonder Woman

äääääääääääähhhh, das kneife ich mir lieber mein Freund... hahahahaha

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MobyDick : : Moviejones-Fan
02.05.2019 17:59 Uhr
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Jup, habe noch eine Freikarte gehabt, die am 30.4. ausgelaufen ist. Bevor ich sie also verfallen lassen habe ich mich in eine kleine Vorstellung gestohlen und mir den Film zwei Tage vor Endgame angeschaut. Fand ihn sogar ganz nett, wie du ja unten sehen kannst und vergleichbar gut wie Wonder Woman :-)

Dünyayi Kurtaran Adam
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ChrisGenieNolan : : DetectiveComics
02.05.2019 15:52 Uhr
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Dabei seit: 19.08.12 | Posts: 13.632 | Reviews: 3 | Hüte: 284

Ich werde mir wahrscheinlich erst ( wenn überhaupt ) nächste Woche reinziehen. Bin momentan echt Busy, mit Wohnung suchen/Besichtigung. Das ich kaum Zeit haben. Und du hast Cpt Mrvl angeschaut? smile

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MobyDick : : Moviejones-Fan
02.05.2019 13:06 Uhr
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Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 4.198 | Reviews: 53 | Hüte: 278

Nur mal so als grobe Orientierung, wie diese 6 Punkte nun im Gesamtkontext einzustufen sind, hier mal meine komplette Marvel/DC-Filmbewertungsliste anhand den neuen Kriterien. So auf die Schnelle habe ich mal nur die neueren Filme aufgelistet, Shazam fehlt, weil ich ihn noch nicht gesehen habe, und man kann sehen, dass Endgame immer noch sehr weit oben mitspielt.

1. Dark Knight 10 Punkte

2. X-Men First Class 9 Punkte

3. Guardians of the Galaxy 9 Punkte

4. X-Men Days of Future Past 8 Punkte

5. Captain America 2 8 Punkte

6. Guardians of the Galaxy 2 8 Punkte

7. X-Men 2 8 Punkte

8. Infinity War 7 Punkte

9. Thor 3 7 Punkte

10. Captain America 3 7 Punkte

11. Endgame 6 Punkte

12. Batman Begins 6 Punkte

13. Iron Man 6 Punkte

14. Man of Steel 5 Punkte

15. Batman v Superman 5 Punkte

16. Amazing Spider-Man 5 Punkte

17. Aquaman 5 Punkte

18. Avengers 5 Punkte

19. Wolverine Origins 5 Punkte

20. Captain Marvel 5 Punkte

21. Wonder Woman 5 Punkte

22. Dark Knight Rises 5 Punkte

23. Spider-Man 4 Punkte

24. X-Men 4 Punkte

25. Thor 4 Punkte

26. X-Men Apocalypse 4 Punkte

27. Ant-Man 4 Punkte

28. Justice League 4 Punkte

29. Ant-Man and the Wasp 4 Punkte

30. Logan 4 Punkte

31. Spider-Man: Homecoming 4 Punkte

32. Black Panther 4 Punkte

33. Der Unglaubliche Hulk 4 Punkte

34. Deadpool 4 Punkte

35. Captain America 4 Punkte

36. Thor 2 4 Punkte

37. The Wolverine 3 Punkte

38. Spider-Man 2 3 Punkte

39. X-Men Last Stand 3 Punkte

40. Dr Strange 3 Punkte

41. Hulk 3 Punkte

42. Iron Man 3 3 Punkte

43. Venom 3 Punkte

44. Avengers 2 2 Punkte

45. Deadpool 2 2 Punkte

46. Spider-Man 3 2 Punkte

47. Iron Man 2 2 Punkte

48. Amazing Spider-Man 2 2 Punkte

49. Suicide Squad 1 Punkt

Als kurzer Blockbustervergleich:

Star Wars 7: 4 Punkte

Avatar: 4 Punkte

Details/Erläuterungen zu der allgemeinen Bewertung der Top 49 da oben werden in den nächsten Wochen in einer neuen Topliste folgen.

Dünyayi Kurtaran Adam
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