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Der Glöckner von Notre Dame

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Der Glöckner von Notre Dame Kritik

Der Glöckner von Notre Dame Kritik

Der Glöckner von Notre Dame Kritik
0 Kommentare - 11.01.2024 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Der Glöckner von Notre Dame" ist.

Bewertung: 5 / 5

Aus seinem Glockenturm verfolgt der entstellte Quasimodo (Tom Hulce) das Fest der Narren. Sein Stiefvater Richter Claude Frollo (Tony Jay) verbietet ihm den Turm zu verlassen, während ihn seine Freunde ermutigen an dem Fest teilzunehmen. Er tut dies und lernt eine Welt kennen, die er vorher nie gekannt hatte. Zudem lernt er die schöne und temperamentvolle Esmeralda (Demi Moore) kennen, die ihm mit Toleranz und Freundschaft begegnet. Als er sie vor den Wachen der Stadt schützt, gerät Quasimodo in ein Abenteuer in Paris.

Ernsthaftigkeit in einem Disneyfilm. Das gab es seit dem Erscheinen von Schneewittchen und die sieben Zwerge (1937) und gehört in den Schaffensprozess von so gut wie jedem darauffolgenden Werk. Was ist Ernsthaftigkeit? Nun, daß ist natürlich etwas vage als Begriff und dennoch wird es greifbar, wenn man es auf einen Film reduziert. Im Prinzip meint das, den Zuschauer zu konfrontieren, mit wirklichen Unschönheiten, die er nicht alltäglich sieht. So machten und machen es die größten Regisseure wie Fassbinder, Godard oder auch ein Brian De Palma, indem sie den Voyeurismus, dem jeder Film irgendwie unterliegt, eine ganz andere Note verpassen. Nun ist Der Glöckner von Notre Dame sicherlich kein hässlicher Film. Nie war die Kombination aus CGI und klassischem Zeichentrick so wirkungsvoll wie hier. Nie waren die Konturen einzelner Figuren einprägsamer. Doch mit Superlativen um sich schmeißen, kann man zumindest rein optisch bei Disney immer wieder mal und daher hat das vielleicht auch gar nichts Besonderes an sich. Irgendwas ist jedenfalls anders. Man kann das Kind beim Namen nennen, wenn man diesen kennen würde. Glücklicherweise offenbart er sich in diesem Fall auch recht schnell und so ist klar, daß das Werk auch in Zeiten der sogenannten Disney-Renaissance eben durch die angesprochenen Themen der Ausgrenzung, der staatlichen Gewalt und dem Umgang mit dem einfachen Volk, sehr stark von etwaigen, selbst von Disney kreierten Mustern abweicht. Und das ist nicht einfach bloßes anders machen, weil es dann besser wäre, sondern ganz klar in einer Geschichte auch begründet.

Eines der Kernelemente der Geschichte ist Frollos sexuelles Verlangen nach der Zigeunerin Esmeralda. Nun diese Figur erstmal vieles. Über einen geistlichen Führer, bis hin zu einem Erzdiakon ist er nicht direkt die Repräsentation der Kirche, sehr wohl steht er aber für jene Verklärung und die Dinge ein, die solche Christen eben ausmachen. Zwar will es sich Disney in dem Film nicht komplett mit der Kirche verscherzen, was vielleicht auch so ein wenig in der Ursprungsgeschichte begründet liegt, doch der Ansatz, gerade einen geistlichen, einen sozusagen in den Augen dieser Kultur wertvolleren Menschen, der über alle Dinge erhaben ist, zu einem gierigen und knechtenden Mann zu machen, ist schon interessant. Zumal auch die Ambivalenz im Verhältnis zum Hauptcharakter spürbar wird. Vielleicht nicht unbedingt durch Frollo selbst, sehr wohl aber durch den naiven Quasimodo, der natürlich auch sowas wie eine Vaterfigur in Frollo sieht. Das geht schon hart an die Nieren, weil auch die Regisseure Gary Trousdale und Kirk Wise immer wieder eine Schwere in die Geschichte legen. Diese wird dann kongenial durch die brillante Musik von Alan Menken untermalt. Da liegt eine Kraft in den Chören. Da liegt das Ende der Welt am Horizont und in den seltensten Fällen, gibt es da wirklichen Optimismus. Rein visuell und tonal hat man auch eher nicht den Eindruck, als befände man sich in einem herkömmlichen Disney-Film. Es ist alles eine Spur heftiger und damit eben auch wesentlich einprägsamer, als viele der Werke jener Renaissance.

Insgesamt muss man Disney auch loben, daß der Film hier mit etwaigen Stigmata bisheriger Werke aus dem Haus der Maus zu brechen versucht. Es gibt hier keine Prinzen und Prinzessinnen. Auch ist die Gefahr, die sich offenbar kaum magischer Natur und ebenso ist der Held der Geschichte kein strahlender aber dummer Junge. Alle Klischees, die hier so sorgsam über Jahrzehnte verbreitet wurden, werden hier ad absurdum geführt. Das ist nicht so parodistisch wie etwa bei Shrek – Der tollkühne Held (2001), sehr wohl aber auf eine andere Art gewagt. Der Held hier ist ein Außenseiter, fast wie in einem Tim Burton-Film. Er ist entstellt, ähnlich wie vielleicht in Edward mit den Scherenhänden (1990). Und er ist eben bedingt durch sein Leben abseits der Gesellschaft auch nie wirklich unter Menschen gegangen. Diese begegnen ihm dann, wie die meisten Menschen eben so sind, mit einem knallharten Opportunismus. Erst fürchten sie, dann lieben sie ihn. Ebenso wird mit dem strahlenden Ritter gebrochen, der sich hier einem totalitären und sinnlosem Gewaltakt zu entziehen versucht und dadurch in Ungnade fällt. Auch das ist eher untypisch im Vergleich zu sonstigen Disney-Helden. Eine Liebesgeschichte bahnt sich hier zwar an, doch auch diese ist so ungewöhnlich und man darf nicht vergessen, daß dadurch, daß beide Figuren, also Quasimodo, als auch Esmeralda nicht den Normen auf oberflächlicher Ebene entsprechen, auch das Thema des Rassismus und der Diskriminierung von vermeintlich entstellten hier eine nicht unwesentliche Rolle spielt.

Insgesamt ist es höchst beeindruckend, wie es den Machern gelingt, diese düsteren Themen, die sich da immer wieder anschleichen so verhältnismäßig handzahm zu inszenieren und dabei primär auf psychische Gewalt zu setzten. Und zwar indessen, daß man hier kaum schmerzhafte Dinge sieht. All die Gewalt, die Frollo am Volk begeht und eben an den Hauptfiguren, findet immer wieder einen Weg, anders ausgedrückt zu werden. Sei es durch Gesang. Sei es durch bloße Verschmähung oder auch durch die Möglichkeit hier zum Symbolismus zu greifen. Da gibt es nicht wirklich etwas Brutales, obwohl es rein gefühlstechnisch wohl eine der brutalsten Disney-Geschichten bis dato ist. Und da stören sogar die Wasserspeier kein bisschen. Diese symbolisieren noch am ehesten konservative Werte wie Familie oder eben auch die Hoffnung. Doch wenn sie eben ab un zu ihre Witzchen machen, oder dadurch bestechen, daß sie ein wenig blöd sind, dann ist das angenehm, weil der Film dem Zuschauer dann wieder zutraut, auch ernstere Themen aushalten zu können.

Irgendwie mag Der Glöckner von Notre Dame so gar nicht in die Vita von Disney passen. Viel zu Düster ist die Geschichte, viel zu ernst die Ausführung und in seinem Subtext, erhält das Werk unglaubliche Höhen, die durch eine gut gemachte Theatralik gestützt werden. Das ist irgendwie Beispiellos, was die Werke des Hauses mit der Maus angeht und sorgt hin und wieder für echte Gänsehaut.

Der Glöckner von Notre Dame Bewertung
Bewertung des Films
1010

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