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Der schmale Grat

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Zwischen Genie und Wahnsinn

Der schmale Grat Kritik

Der schmale Grat Kritik
10 Kommentare - 01.02.2016 von luhp92
In dieser Userkritik verrät euch luhp92, wie gut "Der schmale Grat" ist.

Bewertung: 3.5 / 5

Wenn ich mir Terrence Malicks Filmographie anschaue, finde ich dort drei Filme (gut, es sind insgesamt ja auch nur sieben^^), die mich wirklich interessieren:

  1. The Thin Red Line, weil er vom Zweiten Weltkrieg im Pazifik handelt
  2. The New World, weil die Pocahontas-Geschichte als Realfilm umgesetzt wurde
  3. The Tree of Life, weil das gesamte Filmkonzept äußerst interessant ist

Da ich nach Apocalypse Now im "Antikriegsfilm-Fieber" war, habe ich mich gestern spontan dafür entschieden, mir The Thin Red Line anzuschauen. Allgemein gilt der Film ja als einer der besten Beiträge zum Thema Krieg, mich konnte er dagegen nicht durchgehend überzeugen.

Ein großes Problem sehe ich darin, dass Malick versucht, zu vielen Charakteren ein Gesicht zu geben. Leider reichen die 170 Minuten nur ansatzweise dafür aus, mit so gut wie keinem der Charaktere konnte ich mich wirklich identifizieren. Besonders für einen Kriegsfilm ist das tödlich, denn wenn schließlich das tatsächliche Sterben einsetzt, sollten dem Zuschauer die Charaktere nicht egal sein. Als einziger Konflikt, der sich hier aus der Masse hervorhebt, ist der Streit über den Angriffsplan zwischen Nick Nolte und Elias Koteas.

Dieser Mangel an Identifikationspotential ruft ein weiteres Problem hervor, welches denselbigen Mangel im Folgenden sogar noch verstärkt. Da Malick nach fast 20 Jahren Zurückgezogenheit wieder auf dem Regiestuhl Platz nahm, bewarb sich so gut wie jeder Hollywoodschauspieler mit Rang und Namen für sein neues Projekt. Eine Auflistung erspare ich mir an dieser Stelle, das kann jeder auf Wikipedia nachlesen, nur eines möchte ich diesbezüglich anmerken: Neben dem offiziellen Cast drehten sogar Bill Pullman, Gary Oldman, Mickey Rourke und Viggo Mortensen Szenen für den Film, wurden aber letztendlich herausgeschnitten. Wenn man als Zuschauer sowieso nur wenig mit den Charakteren anfangen kann und dann selbst in den kleinsten Nebenrollen namenhafte Schauspieler auftreten, sieht man nur die Schauspieler nicht aber die Charaktere. Dies führt wie oben erwähnt zu einem weiteren Mangel an Identifikation, denn wenn man nur die Schauspieler sieht, wirken die charakterbezogenen Kriegs- und Todesmomente vollkommen unecht. Man weiß, dass hier nur Krieg "gespielt" wird.

Darüberhinaus ist Malick verstärkt auf den Aufbau und der Entwicklung seiner Geschichte und seiner Sicht auf den von Menschen verursachten Krieg fixiert, dass er die eigentliche Handlung vernachlässt. So zieht sich The Thin Red Line trotz der interessanten Thematik streckenweise wie Kaugummi. Selbst ein Hans Zimmer kann mit seinem Soundtrack nur Akzente (dann aber auch hervorragende) setzen. Abseits der Längen wird der Film immer dann spannend und intensiv, wenn sich Malick von seinen Charakteren entfernt und stattdessen einfach nur die Kriegshandlungen zeigt. Und auch wenn ich oben das Schauspielerensemble kritisiere, ist es schon etwas Besonderes, so viele bekannte Gesichter in einem Film zu sehen.

Beschäftigt man sich näher mit der hier präsentierten Kriegsthematik und Malicks Gedankengängen, stößt man unweigerlich auf Genie und Wahnsinn. Das Genie findet sich in den Bildern und der Kameraarbeit. Den zerstörerischen Krieg kontrastiert Malick mit der idyllischen Natur. Er zeigt den Krieg als etwas Widernatürliches, als ein Ereignis, welches vom Menschen selbst in die Welt gebracht wird. Zwar beantwortet er mit The Thin Red Line Fragen, auf die bereits frühere Antikriegsfilme eine Antwort fanden, aber nichtsdestotrotz nimmt dieser Film aus heutiger Sicht einen großen Stellenwert ein. Während sich viele Regisseure aus Finanzierungsgründen immer noch einer bewussten Zensur durch das Pentagon fügen, wählte Malick den schwierigeren Weg und zeichnete somit ein ehrliches Bild des Krieges. Im Krieg gibt es nicht DAS Gut und Böse, alleine die Perspektive bestimmt über diese Empfindung. Ein US-Amerikaner wird den Japaner als Bösen und ein Japaner den US-Amerikaner als Bösen betrachten. Malick wählt keine Seite, er zeigt beide Parteien als Menschen, als Leidende, als Trauernde. Bezogen auf die Oscarverleihung 1999 ist es bezeichnend, dass sich The Thin Red Line ausgerechnet dem vor Patriotismus triefenden Saving Private Ryan geschlagen geben musste.

Den Wahnsinn sehe ich in Malicks Intention, der Geschichte einen religiösen Anstich zu verpassen. Warum versucht er hier, die Welt und insbesondere die Natur als etwas Gottgegebenes darzustellen? Wenn man nur fest genug an das Paradies glaubt, beschert einem der Krieg ein Leben nach dem Tod? War es Ironie des Schicksals oder Kalkül, dass Mel Gibson ausgerechnet James Caviezel als Jesus Christus für "Die Passion Christi" castete? Die Kommentare aus dem Off waren zum Großteil unerträglich und absolut nervtötend. Einmal stand ich kurz davor, den Film auszuschalten. Bei manchen Sprüchen kringeln sich mir da echt die Fußnägel hoch, hat da niemand das Drehbuch gegengelesen? "jeder sucht die Erlösung für sich allein... wie ein Stück Kohle, das man aus dem Feuer gezogen hat." Hilfe!

Bewertung: Ich tendiere zwischen 6 und 7 Punkten.

Der schmale Grat Bewertung
Bewertung des Films
710
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10 Kommentare
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
24.11.2019 23:23 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 12.099 | Reviews: 180 | Hüte: 406

@TiiN

Also "Apocalypse Now", "Full Metal Jacket", "Geboren am 4. Juli", "Der schmale Grat", "Inglourious Basterds", "Herz aus Stahl" und "Dunkirk" unterscheiden sich inhaltlich und stilistisch finde ich schon deutlich voneinander.

Wenn man da jetzt aber zum Beispiel noch "Der Soldat James Ryan" mit hinzunimmt, wird es schon schwammiger, da hast du Recht. Das Intro ist dann "Dunkirk" in Kurzform und der Rest "Der schmale Grat" und "Herz aus Stahl" ähnlich. Allerdings ohne deren antikriegskritischen Untertöne.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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TiiN : : Goldkerlchen 2019
24.11.2019 21:05 Uhr
0
Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 4.956 | Reviews: 118 | Hüte: 217

@luhp92

Das Problem bei vielen Kriegsfilmen ist finde ich, dass die meisten doch relativ ähnlich sind. Daher ist es sehr stimmungsabhängig, welchen man da unbedingt hervorheben möchte. Da haben mir Tarantinos Basterds am besten gefallen, weil sie eben so sehr aus der Reihe tanzen.
Aber je nach sitmmung schaue ich die genannten auch sehr gerne. Sehenswert falls du ihn noch nicht kennst ist übrigens auch Die durch die Hölle gehen.

Aber grundsätzlich mag ich es, wenn andere Wege eingeschlagen werden. Eben der satirische wie bei den Basterds, der fokussierte von Dunkirk oder auch der extrem kritische von Im Westen nichts Neues oder Wege zum Ruhm.

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
24.11.2019 17:25 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 12.099 | Reviews: 180 | Hüte: 406

@TiiN

Ja, "Im Westen nichts Neues" müsste ich mir ebenso wie zum Beispiel "Komm und Sieh", "Platoon" und "Zwischen Himmel und Hölle" auch einmal anschauen.

"Inglourious Basterds" zählt für mich ebenfalls zu den besten Antikriegsfilmen.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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TiiN : : Goldkerlchen 2019
23.11.2019 18:55 Uhr
0
Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 4.956 | Reviews: 118 | Hüte: 217

@luhp92

Ich hatte mir Full Metal Jacket nochmal erneut angeschaut und stolperte über nen recht großen Hänger im dritten Viertel. Der Film ist weiterhin sehr gut, aber ich würde ihn nicht als den maßgebenden Kriegsfilm hinstellen. Ebenfalls saß ich Der Solat James Ryan mal wieder, welcher optisch zwar ne Wucht ist, aber inhaltlich etwas albern daher kommt.
Zudem sah ich erstmalig Im Westen nichts Neues und war hin und weg. Weiterhin habe ich einen großen Reiz mir wieder Apocalypse Now und Platoon anzuschauen.
Es fällt mir schwer einen Film hervorzuheben und als den besten Kriegsfilm darzustellen. Im Gesamtpaket könnte ich Inglourious Basterds nennen, aber den würde ich als Satire außer Konkurrenz betrachten.

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
23.11.2019 14:46 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 12.099 | Reviews: 180 | Hüte: 406

@TiiN

Wie das so ist im Verlauf der Zeit^^ Welcher Film steht da bei dir jetzt oben?

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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TiiN : : Goldkerlchen 2019
22.11.2019 22:32 Uhr
0
Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 4.956 | Reviews: 118 | Hüte: 217

@Ich selbst
Ganz oben steht für mich jedoch Full Metal Jacket.

Wie man seine Geschmäcker doch ändert. Das würde ich nach knapp 4 Jahren so nicht mehr behaupten.
Der schmale Grat habe ich seitdem leider immer noch nicht erneut gesehen, werde ihn aber sicher mal auffrischen.

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
22.11.2019 17:49 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 12.099 | Reviews: 180 | Hüte: 406

@PaulLeger

Schön, dass du die Kritik gelesen hast smile

Ja, die Intention und Interpretation des mangelnden Identifikationspotentials ergibt auf jeden Fall Sinn. Malick scherte sich darüberhinaus ja auch nicht um die Berühmheit der Schauspieler, sondern schnitt den Film so, wie es seiner Meinung nach am Besten passte. Was dann dazu führte, das manche bekannten Schauspieler nur kurz zu sehen sind oder sogar komplett herausgeschnitten wurden^^

"wenn man denen lauter tiefgründige philosophische Erkenntnisse in den Mund gelegt hätte."

Genau das tut Malick ja im Fall von Caviezels Charakter. Wenn ich mich recht erinnere, ist er aber der einzige Charakter, dessen Gedanken man als Zuschauer hört.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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PaulLeger : : Moviejones-Fan
21.11.2019 23:08 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 53 | Reviews: 0 | Hüte: 12

Deine Kritikpunkte sind nachvollziehbar und die Wertung geht auch in Ordnung.

Ein großes Problem sehe ich darin, dass Malick versucht, zu vielen Charakteren ein Gesicht zu geben. Leider reichen die 170 Minuten nur ansatzweise dafür aus, mit so gut wie keinem der Charaktere konnte ich mich wirklich identifizieren.

Ich denke, dass das Teil des Konzepts war. Es wurden ja für die einfachen GIs auch hauptsächlich Schauspieler gecastet, die sich äußerlich ähnlich sahen und die zusätzlich auch kaum einmal ihre Helme abgenommen haben, so dass eine Unterscheidung noch schwieriger wurde. Ich habe das so interpretiert, dass Malick verdeutlichen wollte, dass Soldaten im Krieg austauschbares Kanonenfutter sind und eben gar kein Identifikationspotential anbieten wollte. Kann man natürlich auch kritisch sehen, klar.

Die Kommentare aus dem Off waren zum Großteil unerträglich und absolut nervtötend.

Die inneren Monologe hab ich nicht mehr genau im Kopf, glaube aber, dass sie mich nicht so sehr gestört haben auch wenn sie zumeist banal waren, da es ja die Gedanken der GIs waren und da wäre es unrealistisch gewesen, wenn man denen lauter tiefgründige philosophische Erkenntnisse in den Mund gelegt hätte.

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TiiN : : Goldkerlchen 2019
01.02.2016 17:39 Uhr
0
Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 4.956 | Reviews: 118 | Hüte: 217

Schade, dass dir Der schmale Grat nicht so gefallen hat. Ich habe ihn nur ein Mal gesehen, das ist schon etwas her, und da fand ich ihn richtig richtig gut. Einer der besseren (Anti)-Kriegsfilme.

Ganz oben steht für mich jedoch Full Metal Jacket.

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
01.02.2016 01:55 Uhr | Editiert am 01.02.2016 - 01:57 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 12.099 | Reviews: 180 | Hüte: 406

Ich bin gespannt, wie mir The New World und The Tree of Life gefallen werden!

Ich habe mir vorhin die Diskussionen zu The Tree of Life durchgelesen, aber die sind mittlerweile auch schon ca. 5 Jahre alt und wir haben seitdem viele neue User hinzubekommen.

Was haltet ihr von Terrence Malick?
Welche seiner Filme würdet ihr besonders empfehlen?

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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