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Das Fest

Ein lehrreiches Dogma-Meisterwerk

Das Fest Kritik

0 Kommentar(e) - 16.09.2016 von luhp92
Hierbei handelt es sich um eine User-Kritik von luhp92.

Das Fest Bewertung: 5/5

Thomas Vinterberg zwingt sich durch das Dogma-Manuskript zum Minimalkino und vollbringt damit etwas ganz Großes. Ein Drama, von dem sich viele Regisseure gerne eine Scheibe abschneiden können. Von dem Dogma-Manuskript halte zwar weiterhin nicht allzu viel, aber hier kann ich nicht anders, als mich vor den Einschränkungen zu verbeugen.

"Das Fest" thematisiert das Zusammentreffen einer Familie aus dem Bürgertum im eigenen Hotel, um den 60. Geburtstag eines Familienmitglieds zu feiern. Im Normalfall würde man behaupten, ein Film beginne noch recht harmlos, aber das trifft in diesem Fall nicht zu - allenfalls für ein paar Sekunden. Ein Mann läuft eine Straße entlang und telefoniert. Danach fährt ein Auto vorbei, ein Mann am Steuer mit Frau und drei kleinen Kindern. Nicht nur fordert Vinterberg den Zuschauer durch seine Handkameraaufnahmen zur erhöhten Aufmerksamkeit, bei dem Mann am Steuer handelt es sich zudem um den Bruder des Laufenden. Prompt lässt Ersterer seine Frau und Kinder aussteigen und zu Fuß gehen, um sich in Ruhe mit seinem Bruder unterhalten zu können, weil er diesen schon lange nicht mehr gesehen habe. Als Zuschauer merkt man sofort, dass hier etwas in der Luft liegt.

Ohne groß spoilern zu wollen, aber dieses merkwürdige Gefühl entwickelt sich nach und nach zu einem Sturm, der Film wird von Sekunde zu Sekunde besser, spannender, zermürbender und endet mit einem angemessenen, wohlüberlegten Schluss. Die Handkamera eignet sich perfekt zum Filmen der Festlichkeit, zum Einfangen des regen Treibens und des Aufkochens der Emotionen. Für mich stark vergleichbar mit "Cloverfield". Eingespielte Musik wird aufgrund des Dogma-Manuskript aus dem Film verbannt, Musik entspringt nur aus der Handlung selbst und durch das oftmalige Fehlen entfalten sich dramatische Szenen - Reden, Streitereien, Rufe in die Stille hinein - umso intensiver. Die Synchronsprecher machen hier neben den eigentlichen Schauspielern übrigens selbst für deutsche Verhältnisse einen hervorragenden Job. Wer "Das Fest" also nicht im Original sehen kann, braucht sich nicht zu ärgern.

Das komplexe Figurengeflecht belebt Vinterberg durch eine gezielt detaillierte oder nicht detaillierte Charakterzeichnung und durch einen stetigen Fluss bestehend aus Aktion und Reaktion. Ständig bilden sich neue Situationen heraus, die Handlung wird stringent und konsequent fortgeführt. Selten hat mich ein simpler, linearer Handlungsverlauf so begeistert wie hier! Ich möchte den Inhalt hier nicht im Detail analysieren, denn das würde zu weit ausschweifen und nur aus Spoilern bestehen. Folgendes möchte ich allerdings anmerken: "Das Fest" setzt sich vielschichtig mit dem Verdrängen und Lösen von Problemen, mit dem Patriarchat und der Emanzipation von diesem, mit seelischen Schmerzen und dem Ausbrechen aus diesen, mit verschiedenen Gesellschaftsstellungen und dem Blick dieser aufeinander sowie mit Rassismus und dessen Ausleben innerhalb der Gesellschaft auseinander.

5/5 Punkten für dieses Meisterwerk! "Das Fest" würde ich nicht nur jedem Filmliebhaber empfehlen, eigentlich sollte sich jeder Mensch diesen Film einmal ansehen. Obendrein würde er sich perfekt dafür eigenen, im Schulunterricht analyisert zu werden. Ein äußerst lehrreiches Stück Kunst!

Das Fest Bewertung
Bewertung des Films
1010
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