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1917

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Mendes hat den Nolan

1917 Kritik

1917 Kritik
9 Kommentare - 08.06.2020 von MobyDick
In dieser Userkritik verrät euch MobyDick, wie gut "1917" ist.
1917

Bewertung: 4 / 5

Mendes hat anscheinend bei den Dreharbeiten zu seinem letzten Bond Film Gefallen am Oneshot gefunden und sich wohl entschlossen, seinen Kriegsfilm 1917 als eine gewaltige Plansequenz zu filmen. Nun ja, zumindest ist das die große Werbung für diesen Film, natürlich gibt es hier und da den einen oder anderen Schnitt. Vor allem gegen Ende werden diese dann natürlich auch immer deutlicher. Warum ich dieses hier genau an den Anfang so prominent platziere?

Ganz einfach, der ganze Film steht und fällt eben mit dieser einen Prämisse: Gelingt es dem Film glaubhaft, seine One-Take zu verkaufen? Und kann er die Charade aufrecht erhalten?

Trailer zu 1917

Dazu gleich mehr, zuerst mal kurz zur Handlung: 1 Soldat wird mit seinem Kumpel dazu verdonnert während dem ersten Weltkrieg durch vermeintliches Feindesland innerhalb einer bestimmten Zeit zu einer anderen Einheit zu stossen, um diese zu warnen, denn jene Einheit ist kurz davor, den Feinden in eine Falle zu laufen. Das Brisante an der ganzen Sache: Der Bruder eines der Soldaten befindet sich in der gefährdeten Truppe, so dass hier also auch noch eine persönliche Komponente mit rein spielt.

Recht schnell wird der Zuschauer ins Geschehen geworfen, die Spannungsschraube recht unerbittlich immer wieder in ungeahnte Höhen getrieben, immer wieder mal durchbrochen von kurzen Verschnaufpausen. Aber im Prinzip haben wir 2 Std. lang das Vergnügen zwei Rabauken beim Gotcha-Spiel zuzuschauen.

Wer hier also einen Antikriegsfilm oder einen Film mit Moral oder Message sucht, der ist eigentlich im falschen Film, das ist ein recht einfacher Kriegsactioner, der seine Daseinsberechtigung weiter oben im Genre nur durch den sich irgendwann abnutzenden Effekt der Plansequenz zieht. Auch wenn es ein völlig anderer Film ist, welcher Film das durchaus deutlich besser hinkriegt, ist beispielsweise Victoria. Auch muss ich ganz klar konstatieren, dass wenn der selling point des Films dieser Gimmick ist, dann darf der Film gegen Ende nicht so deutlich dieses Prinzip aus der Hand geben. das schreit dann regelrecht danach Beschiss zu sein. Der De Palma Film Snake Eyes beispielsweise zeigt eine minutiöse Plan Sequenz am Anfang seines Filmes, welche schlichtweg auch heute noch beeindruckend ist, und dann auf dem Höhepunkt ändert er das und zeigt einen normal ablaufenden Film. Niemand stört sich daran, im gegenteil der Film bleibt trotzdem genau wegen dieser Plansequenz in Erinnerung. Ähnlich ergeht es Abbitte. Mendes hätte sich hier durchaus solche Filme als Vorbild nehmen dürfen.

Unabhängig davon muss man natürlich wie üblich bei Mendes die Bildkomposition über den Klee loben, das war schon immer eine seiner Stärken, so dass er manch eines Mal damit über die Schwächen der Handlung und/oder des Films hinwegzutäuschen in der Lage war und ist. So auch hier, Deakins (glaube ich) liefert hier teilweise Bilder für die Ewigkeit.

Hinzu kommt ein in der neueren britischen Filmgeschichte kaum überbietbares Schaulaufen der britischen Schauspielelite, so dass man alleine als Cineast schon fast geneigt ist, dieses Filmchen mögen zu müssen.

Und wir dürfen natürlich nicht vergessen, dass der Film so ziemlich zur Mitte einen auf den ersten Blick dem Film sehr gut tuenden Wendepunkt beschert, so dass die Spannung bis zum Ende einfach quasi zum Zerbersten ist.

All das, so super es sich anhören mag, ist aber leider nun mal nur die Spitze des Eisberges.

Der Film verdichtet natürlich stilistisch seine Handlung und das ist nunmal eine künstlerische Entscheidung, aber dabei versucht mendes auch noch so viel wie möglich in seinen Film reinzupacken, ohne zu wissen, was er eigentlich nebenher erzählen möchte. Teilweise wirkt das alles irgendwann auch beliebig und wahllos reingeworfen, nur um den Film zu füllen.

Beispielsweise habe ich irgendwann gedacht: Wow, das wird wahrscheinlich der erste Film neben Lawrence von Arabien sein, wo mal keine Frau zu sehen sein wird. Und schwupps, 2 Minuten später - so als würde Mendes meine Gedanken lesen - taucht eine Frau auf. Diese episode mag irgendwie symbolisch oder foreshadowing oder was auch immer gewollt sein zu wollen, aber irgendwie war sie sehr unbeholfen in dieses Oneshot Szenario integriert, da die charakterliche Entwicklung für diesen Zeitrahmen einfach zu schnell ging.

Und genauso (zu schnelle Entwicklung der Abfolgen) verhielt es sich immer wieder in den einzelnen Teilepisoden. Das geht zwar gut, weil der Film immer wieder die Schraube extrem anzieht, aber man kann die Schraube auch anziehen, ohne einen falschen Gimmick einzubauen.

Ganz ehrlich, wenn es Schnitte gegeben hätte, und immer mal wieder eine Uhr eingeblendet worden wäre, hätten wir wahrscheinlich einen glaubhafteren Film mit durchaus auch glaubhafterem Setting erleben können.

So geht die ganze Kriegsszenerie und die ganzen gewollten Messages ein bißchen im Kabinettsstückchen des Oneshot unter - auch wennes top anzusehen ist.

Wenn ich den Film nun aber mit dem anderen großen Kriegsfilm der letzten Jahre vergleichen soll, muss ich trotzdem sagen, dass Mendes Film den Film von Nolan deutlich in den Schatten stellt, da Mendes zumindest sich nicht dazu hinreissen lässt, für irgendwen Partei zu ergreifen.

Prinzipiell zeigt er nur recht nüchtern. Und das ist in diesem Fall schonmal so viel wert, dass obwohl ich hier auch schon recht hart verbal mit dem vorliegenden Film ins Gericht gegangen bin, den Film nicht wirklich verreissen kann. Das ist für mich tatsächlich der beste Film, den Mendes bisher gedreht hat ( und ja, ich weiss dass er American Beauty und Road to Perdition gedreht hat), oder zumindest sein bester seit sehr langer Zeit, dennoch hat er so viel Potential liegen lassen, dass es mir wirklich schwer fällt, seine Punktzahl auszuschreiben.

Naja was solls sagen wir mal 8 Punkte (aber eigentlich näher an der 7)

1917 Bewertung
Bewertung des Films
810
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9 Kommentare
MJ-Pat
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MB80 : : Cheddar Goblin
12.06.2020 12:22 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 1.711 | Reviews: 31 | Hüte: 145

PaulLeger:

Ok, den würde ich deutlich höher bewerten. Wundert mich, dass du ausgerechnet den inhaltlich fragwürdig findest, vielleicht schreibe ich am WE was zu dem (oder @MJ updated mal die Datenbank, ich sitze nämlich noch auf zwei Reviews).

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

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PaulLeger : : Moviejones-Fan
11.06.2020 19:34 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 543 | Reviews: 3 | Hüte: 76

@ MobyDick

Das ist für mich tatsächlich der beste Film, den Mendes bisher gedreht hat

Ich fand den thematisch ähnlichen "Jarhead" da ehrlich gesagt besser, der hatte im Gegensatz zu diesem tatsächlich was zum Krieg zu sagen.

@ luhp92

Für mich gehobener Durchschnitt. Gut gemachter Style mit etwas Substance.

Wobei man die Substanz schon mit dem Mikroskop suchen muss... Hatte schon gedacht ich sei der einzige bei MJ, der den nicht so besonders fand. Allgemein kann diese in letzter Zeit zu beobachtende Tendenz zum Gimmick-Kriegsfilm gerne wieder aufhören, "Dunkirk" mit seinem Spiel mit den Zeitebenen kann man da auch dazuzählen. Wenn man nix Neues zum Thema zu sagen hat, dann sollte man es einfach ganz bleiben lassen, statt mit irgendwelchen Gimmicks nicht vorhandene Substanz vorzugaukeln.

@ MB80

Hat eigentlich irgendwer "Unter dem Sand" gesehen?

3/10 von mir. Muss für dich aber nicht zwingend was heißen, denn gerade bei diesem Genre strafe ich ziemlich rigoros ab, wenn es mir inhaltlich zu fragwürdig wird. Als Referenz: "Saving Private Ryan" hab ich die gleiche Punktzahl gegeben wink

MJ-Pat
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MB80 : : Cheddar Goblin
11.06.2020 09:57 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 1.711 | Reviews: 31 | Hüte: 145

MobyDick:

"Ganz einfach, der ganze Film steht und fällt eben mit dieser einen Prämisse: Gelingt es dem Film glaubhaft, seine One-Take zu verkaufen?"

Ich denke, das geht schon etwas über diese Technikalität hinaus, die Herangehensweise muss schon ihren Platz in der Thematik haben. Und ich denke das hat sie schon ;)

Bei dem Vergleich "1917/Dunkirk" wäre ich allerdings im "Dunkirk" Lager, weil der Film mit seinem Stil so gut einfängt, wie das Überleben eines einzelnen Soldaten dann doch nur an zufälligen Situationen hängen kann, über die er keine Kontrolle hat. Konservativer Nolan hin oder her.

Ansonsten ganz gut tongue-out

Hat eigentlich irgendwer "Unter dem Sand" gesehen?

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
08.06.2020 20:31 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 13.480 | Reviews: 150 | Hüte: 477

"Nun ja, zumindest ist das die große Werbung für diesen Film, natürlich gibt es hier und da den einen oder anderen Schnitt."

Insgesamt sind es 34 Schnitte im Film, im Durchschnitt dauert ein Shot bei einer Laufzeit von 119 Minuten daher 3,5 Minuten. Also ja, von einem Oneshot kann hier überhaupt nicht die Rede sein und so eine eindrucksvolle Leistung von Mendes und Deakins ist das gar nicht^^

Für mich gehobener Durchschnitt. Gut gemachter Style mit etwas Substance.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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MobyDick : : Moviejones-Fan
08.06.2020 16:46 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 5.724 | Reviews: 123 | Hüte: 417

Flying Kerbecs

Danke für den Hut :-)

Raven13

Yup, ist mir aufgefallen, aber da hat so einiges in dieser Szene nicht gepasst: So lässt er beispielsweise beim rausgehen aus diesem Versteck auch einfach die Tür offen etc pp...

DrStrange

Wie gesagt, ich bin mit dem Film auch ganz zufrieden, nur denke ich, wenn er sich selbst nicht das Dogma des vermeintlichen One-Cuts aufgesetzt hätte, wäre hier wahrscheinlich mehr drin gewesen...

Dünyayi Kurtaran Adam
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DrStrange : : Moviejones-Fan
08.06.2020 16:03 Uhr
0
Dabei seit: 07.05.12 | Posts: 1.265 | Reviews: 8 | Hüte: 31

@MobyDick:

Wie jemand anders schon geschrieben hat (sorry weiß nicht mehr wers war) wird ja am Anfang vom Film schon klar das es hier nicht in Echtzeit ablaufen kann, wenn für die Strecke ca. 8 Stunden angedacht sind, der Film aber nur 2 Stunden läuft. So wird einem doch die eine oder andere Szene gewahr, an der es etwas "nebulöser" voran geht. Damit konnte ich aber ganz gut leben und es ist auch nicht so als ob Mendes dies im Film vertuscht.

Obwohl der Film sicher einiges an schnellen und harten Schnitten vorzuweisen hat, bin gerade ich als Verächter der letzten X Bondfilme, hier sehr gnädig mit Mendes. Im Vergleich mit den Agentenfilmen der letzten Jahre, fallen die Bilder dann doch breiter und sanfter aus und wirken dadurch langestreckter wie eine ausufernde Kamerafahrt.

MJ-Pat
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Raven13 : : Desert Ranger
08.06.2020 15:56 Uhr
0
Dabei seit: 13.02.16 | Posts: 3.198 | Reviews: 31 | Hüte: 318

@ MobyDick

Schöne und passende Kritik.

By the way:

Ist dir eigentlich bei der Szene mit der Frau aufgefallen, dass er ihr für das Baby rohe und unbehandelte Kuhmilch gegeben hat? Das dürfte für das Baby wohl ziemlich gefährlich werden.

MJ-Pat
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FlyingKerbecs : : Hisoka
08.06.2020 14:08 Uhr
0
Dabei seit: 24.11.15 | Posts: 4.844 | Reviews: 27 | Hüte: 246

Puh, hab zwar vermutlich das wenigste wirklich verstanden, weil ich so detailliert da nie rangehe (weil ich keine Ahnung davon hab(en) will^^), aber er scheint dir ja insgesamt doch gut gefallen zu haben.

Tolle Kritik, wenn auch für einen Laien wie mich bei diesem speziellen Thema zu professionell. tongue-out

Zitat der Woche: "Bald werde ich schlafen, ewig schlafen, verdient hab ich das, ja. Stark bin ich dank der Macht, doch jetzt nicht mehr. Luke, wenn diese Welt ich verlassen habe, der letzte der Jedi wirst du sein. " ~ Yoda

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MobyDick : : Moviejones-Fan
08.06.2020 13:43 Uhr
1
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 5.724 | Reviews: 123 | Hüte: 417

Im Heimkino nachgeholt, war schon cool anzusehen, aber ins Kino wäre ich jetzt auch im Nachhinein nicht deswegen gegangen.

Dünyayi Kurtaran Adam
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