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French Connection - Brennpunkt Brooklyn

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Brennpunkt Brooklyn Kritik

French Connection - Brennpunkt Brooklyn Kritik

French Connection - Brennpunkt Brooklyn Kritik
0 Kommentare - 26.11.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "French Connection - Brennpunkt Brooklyn" ist.

Bewertung: 4 / 5

Die Polizisten Jimmy „Popeye“ Doyle (Gene Hackman) und Buddy „Cloudy“ Russo (Roy Scheider) nehmen immer mehr kleinere Junkies fest. Gerade Doyle verwendet zum Unmut seines Chefs Simonson (Eddie Egan) dazu auch eher illegale Methoden. Als der Großdealer Alain Charnier (Fernando Rey) nach New York kommt, überschlagen sich die Ereignisse.

Schwierigkeiten kommen immer dann auf, wenn man sich einem Film retrospektiv nähert. Nicht nur deshalb, weil die Mund-Propaganda natürlich einen großen Anteil daran hat, mit welcher Erwartung man an ein solches Werk geht. Vor allem ist es aber die Tatsache, daß ein prägendes Werk wie Brennpunkt Brooklyn häufig Gefahr läuft, vom Hollywoodwahn eingeholt zu werden und dementsprechend von allen darauffolgenden Werken rezitiert wird. Das bedeutet, daß herausstechende Merkmale, wie etwa die Inszenierung, aber auch die Charakteristik einzelner Figuren als Vorlage für modernere Werke dienen wird. Nun hat man so ein wenig das Glück, daß das Polizeifillm-Subgenre im Zuge der 2000er und 2010er Jahre durch die Sehnsucht nach Übermenschen auf der Leinwand abgelöst wurde. Ganz penibel muss man aber feststellen, daß nicht jede einzelne Szene in diesem Werk sitzt. Das geht los bei Kleinigkeiten und hört eben auch dort auf. Man sieht eben die üblichen Manierismen eines Genres. Man sieht vielleicht auch die ein oder andere Szene, die so ein wenig altbacken theatralisch daherkommt und man geht nach heutigen Maßstäben vielleicht auch mit der Erwartung an den Film, daß daneben der sehr gradlinigen Geschichte etwas mehr warten muss. Es ist erstaunlich, weil das Phänomen der Erwartungshaltung gerade bei sehr stringent erzählten Geschichten immer entlarvend ist. Man denkt heute in vielerlei Kleinigkeiten, ewigen Subplots und einer nicht mehr nachvollziehbaren Handlung, über die man nur mit etlichen Erklärungen noch intellektuell verfügen kann. Brennpunkt Brooklyn ist da anders. Was für ein Segen!

Für Regisseur William Friedkin bedeutete dieser Film vor allem den Versuch, ein anderes Bild auf das Polizeileben zu werfen. Aus damaliger Sicht ein großer Skandal und heute – wie so häufig – nimmt man das gerne entgegen. Erschreckende Parallelen zu unserem Leben tauchen da auf, wenn Gene Hackman und Roy Scheider durch die Straßen ziehen. Ein rassistischer Polizist, der mit völliger Willkür Menschen anderer Hautfarbe drangsaliert. Das lässt einen sofort zynisch werden, weil die Realität sogar noch drastischer ist. Das New Hollywood-Stigma lässt sich dann vor allem durch die beiden Hauptfiguren Jimmy Doyle und Alain Charnier aufdrücken. Denn die Moral, in der sich die Figuren hier befinden, ist weit weg von den naiven, strahlenden Helden, die Jahre zuvor noch Polizisten waren. Gerade Hackman gilt hier ein besonders Lob, weil er einen so zutiefst widerwärtigen Menschen zeichnet, der sich eben einer ganz anderen Systematik unterworfen hat. Hier wird mal wieder der Kampf zwischen Individuum und System gezeigt. Die kapitalismuskritische Allzweckwaffe aus dem New Hollywood. Das klingt vielleicht erstmal abwertend, doch das soll es gar nicht sein. Denn Hackman schafft es trotz dieser Charakterzeichnung eine Figur zu zeigen, der man auch tatsächlich folgen will. Man glaubt, daß die Straße ihn so gemacht hat. Das klingt immer abgedroschen und natürlich darf ein Individuum sich keiner Verantwortung entziehen, indem es seinen rassistischen, übergriffigen und schikanierenden Arbeitsweisen damit begründet, daß die Welt ja auch schlecht sein. Scheider hingegen spielt hier den Ruhepol und somit ist das Klischee des guten und bösen Polizisten ebenfalls bedient.

Dennoch steckt auch hier eine große Wahrheit und ein offenkundiges Leck im System der ausführenden Gewalt wird deutlich: Die völlige Überforderung ist es, die den Staat und damit die Bürger dazu zwingt, dieses Vorgehen billigend in Kauf zu nehmen. Eine weitere ungemütliche Parallele zur Jetztzeit. Davon abgesehen folgt der Film auch einem weiteren New Hollywood-Gimmick. Er erklärt Brooklyn zu einer eigenständigen Figur. Man kann das für künstlerisches Gehabe halten und zu einhundert Prozent ließe sich diese Behauptung auch nicht entkräften. Dennoch wird hier die Überforderung des Individuums deutlich, weil die riesige Stadt ist voller Menschen, voller Abgründe und Morasten, die auch alle von Kameramann Owen Roizman eingefangen werden. Die Bilder, die da entstehen, sind trist. Sie haben vielleicht nicht die komplette Hoffnungslosigkeit, wie es ein Taxi Driver (1976) hat, sind aber mindestens genauso wirkungsvoll. Da werden kleine Bistros, überall blickende Lichter von den Häuserkanten und Menschenmassen zur puren Bedrohung. Es wirkt fast so, als wüsste dieser Stadtteil gar nicht, wie hässlich er eigentlich ist, weil auch die Figuren und Passanten da so einfach durch die Gegend streifen, ohne, daß dies einen Einfluss auf die Äußerlichkeiten ihrer Welt nehmen. Wie sollten sie auch, schließlich haben gerade die wichtigen Figuren in diesem Film auch etwas gänzlich anderes zu tun?

Und was sie zu tun haben, ist im Film immer erschreckend. Wenngleich sich das Werk auch immer mal wieder zurückhält und die Figuren eben Figuren sein lässt, ist Friedkin in seinen besten Momenten ein wirklich toller Actionfilm gelungen. Die Suspense wird vom Regisseur gut ausgereizt und wenn dann mal geschossen wird und nun auch das letzte bisschen Ehre aus einem Polizisten verschwunden ist, ist klar, daß man sich hier quasi in einem Kleinkrieg befindet. Klar kann es albern wirken, wenn zwei Polizisten – wohlgemerkt ohne Waffen in den Händen – etwa zwanzig bis dreißig Männer in Schach halten und befragen. Doch dann gibt es hier intensive Schießereien auf einem verlassenen Gelände, kaltblütige Morde aus dem Hinterhalt und eine wirklich atemberaubende Verfolgungsjagd auf den Straßen. Dort findet sich Dynamik, dort findet sich Spannung und vor allem, lässt der Film den Zuschauer auch Teil daran haben, weil er genau erkennt, was da passiert. Dazu gesellen sich aber auch ruhige Momente, die voller Anspannung sind, wenn zum Beispiel eine Observation in eine U-Bahn verlegt wird. Das kann man dann in kleinen Details sicherlich unglaubwürdig und etwas albern finden. Auf der anderen Seite kommt hier auch ein netter Noir-Touch zum Vorschein, der den Film eben von bloßer Unterhaltung abhebt. So entsteht eben ein klassisches Katz- und Maus-Spiel, nach welchem die antagonistische Macht dem Antihelden immer einen Schritt voraus ist.

In Brennpunkt Brooklyn bewegen sich Figuren durch eine Stadt, die sie längst übernommen hat. Dabei bewegen sie sich eben aber auch auf sehr bekannten Wegen, die dieser Film wohl mitbegründete. Und dennoch ist der Film immer noch nicht eingestaubt, weil er gewisse zeitlose Themen anspricht, die sich auch dem New Hollywood ergründeten. Dabei ist das schauspielerisch großartig ambivalent, während die Action sehr effektvoll in Szene gesetzt wurde.

French Connection - Brennpunkt Brooklyn Bewertung
Bewertung des Films
810

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