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Pitch Perfect - Die Bühne gehört uns

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Pitch Perfect Kritik

Pitch Perfect - Die Bühne gehört uns Kritik

Pitch Perfect - Die Bühne gehört uns Kritik
0 Kommentare - 01.05.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Pitch Perfect - Die Bühne gehört uns" ist.

Bewertung: 3 / 5

Als die junge Beca (Anna Kendrick) die Barden University besucht, gelingt es ihr nicht so recht Freunde zu finden. Doch als sie in Hörweite ihrer Mitstudentin Chloe Beale (Brittany Snow) zu singen beginnt, wird sie Teil der sogenannten Barden Bellas, einer A-capella-Gesangstruppe, die versucht, die internationale Meisterschaft zu gewinnen. Unterdessen versuchen Chloe und ihre Freundin Aubrey Posen (Anna Camp) eine neue Gruppe zusammenzustellen, um ihre männlichen Konkurrenten zu besiegen.

Die Krönung des Humors ist hartgesottenen Menschen durchaus ein Begriff. Da geht es nicht etwa um subtile Dialoge, entlarvend satirische Anleihen oder cleverere Meta-Kommentare. Nein, es geht darum, da daß eine junge Frau unter Stress zum Erbrechen in bestimmten Situationen neigt. Diese Art von Humor ist dann besonders, weil sie besonders direkt ist. Nun gibt es Menschen, die können diesem Ekel sicherlich viel abgewinnen und man könnte fast schon von einem künstlerischen Tabubruch reden, wenn nicht Werke wie Scary Movie (2000), etliche Adam Sandler-Produktionen und das, was zurecht erst gegen Nachtruhe auf bestimmten Comedy-Formaten läuft, bereits alles Erdenkliche ausprobiert hätten, um den Gore der Komödien zu beleben. Es muss ein durchaus spannender Pitch gewesen sein, als man mit Anna Camp über ihre Rolle sprach und was sie nicht alles für vermeintlich lustige Sachen tun würde.

Trailer zu Pitch Perfect - Die Bühne gehört uns

Ebenso verhält es sich mit Rebel Wilson’s Fat Amy, die ihren Reiz darauß zieht, ziemlich adipös zu sein. Nun legt der Film hier einen Finger in die Wunde und lässt den Charakter genau das sagen, was man im ersten Moment denkt: Er ist adipös. Aber ist das wirklich so entlarvend wie es der Film verkauft, oder spielt er nicht auch ganz bewusst mit der Wahrnehmung. Ja, man könnte fast meinen, daß der Film hier auch durch etwaige Tricks, dem direkten Gegenüberstellen, die bloße Verwendung von Mimik und Gestik, sowie dem Outfit des Charakters darauf hinweisen möchte, daß der Charakter übergewichtig ist. Man darf das vielleicht nicht so eng sehen, schließlich handelt es sich hier um eine wirklich schlicht gestrickte Komödie. Auf der anderen Seite ist die Frage, die der Film hier in den Raum wirft auch durchaus spannend und wenn man nicht darüber reden sollte, dann hätte der Film sie vielleicht komplett aussparen sollen. Klar gelingt es, wenn man Menschen derart vorführt und es hat natürlich vermeintlich auch etwas Durchdachtes, mit Stereotypen zu spielen. Doch ob nun wirklich etwas verändert wird, wenn sich jemand mit Übergewichtig selbst als übergewichtig bezeichnet, darf bezweifelt werden. Das ist auch insofern einfach nur unterirdisch peinlich, als daß der Film andere Stereotypen dann wieder ganz bewusst und ohne ironische Brechung oder entlarvendem Meta-Kommentar bedient. Eindrucksvoll zeigt sich das am Beispiel von Ester Dean gespielten Cynthia Rose, die hier abermals nur ein weiteres Klischee bedient.

Nun lässt sich eines sicherlich nicht bestreiten. Und zwar hat Pitch Perfect ein weibliches Ensemble. Aus heutiger Sicht mag das zu Teilen durchaus schon genug sein, um einen gesamten Film zu stricken. Das bewies auch Birds of Prey: The Emanicaption of Harley Quinn (2020) bereits ohne Probleme. Doch verwechselt auch Picth Perfect bloße Existenz mit Feminismus. Denn eines ist sicher, als feministisch lässt sich dieses Werk nicht bezeichnen. Filmforschungen haben es ja bereits belegt und auch dieser Film macht keinen Hehl darauß, daß die Figuren eigentlich dafür leben von einem Mann geliebt zu werden. So gibt es natürlich nichts Motivierenderes als den Charming-Guy von Nebenan, das Lackieren von Nägeln, hübsch auszusehen und so weiter und so fort. Was hier als Charaktermotivationen und Arc verkauft werden soll, hat mitnichten etwas mit einer Studie zu tun. Weiterhin gibt es natürlich auch nichts Schöneres, als für einen Mann gut auszusehen. Pitch Perfect ist – so hofft man zumindest – komplett aus der Zeit gefallen. Zumindest auf politischer Ebene. Das beweisen nicht zuletzt auch viele Witze, die nach Me-Too so sicherlich nicht mehr in ein Drehbuch finden. Klar darf Humor gerne drastisch sein. Und zu weilen neigt der Film auch dazu wirklich bitterböse Witze zu präsentieren, die wirklich zünden. So gibt es hier durchaus den ein oder anderen rassistischen Witz, der wirklich gewagt und entblößend ist. Dann wiederum gibt es diese Sorte Witz, die das Pendant zu den Fäkalwitzchen nun wirklich perfekt machen. Gerade im Hinblick auf die asiatische Kultur hat Hollywood ja tatsächlich Nachholbedarf, wie auch dieser Film wieder eindrucksvoll belegt.

Richtig witzig hingegen wird Pitch Perfect aber erst dann, wenn er seine gesamte Geschichte und die darin spielenden Figuren auf den Plan ruft. So wirkt das natürlich sehr Hollywoodesk, wie die Figuren Beziehungen zueinander knüpfen und sich in ihrer vermeintlich tiefgründigen Odyssee bekämpfen. Es ist de facto absoluter Nonsens und deshalb macht der Film doch auch so viel Spaß. Denn man kann gar nicht anders als zu lachen, wenn man nicht lachen soll. Wie kommt man auf solch banale Ideen. Wo sitzen die Leute, die wirklich an Drehbüchern schreiben und sich sagen "Das ist aber eine tolle Idee.“ Vielleicht mag das mitunter auch zynisch anmuten. Doch die Wahrheit ist, es ist von vorne bis hinten feinster Trash. Und das ist auch nur gut so, weil der Film sich dadurch locker wegschaut. Es völlig egal, ob das irgendwo Sinn ergibt. Denn eigentlich sollte der Film, rein vom logischen Aufbau her, um die vier Stunden gehen. Doch er geht es glücklicherweise nicht. Reizvoll ist zudem der Cast, der charmant sein kann. Besonders die unterschiedlichen Herangehensweisen und das Talent aufzubringen sowas spielen zu können, daß zeugt von großem Talent. Abgesehen von Rebel Wilson. Dort ist es Typecasting. Klar schließt man die Figuren ins Herz, weil sie alles und nichts darstellen. Von Neurotikern, über abgebrüht cool bedient der Film alles, was das Herz begehrt.

Der tatsächlich künstlerischste Aspekt im Film ist – natürlich erwartbar – die Musik. Ja, klar sind die zeitgemäßen Pop-Songs irgendwo sehnsüchtiges Gedudel ohne Konzept. Doch in Kombination mit einer A-cappella-Gruppe und den inszenierten Bildern erinnert das sogar stark an die Werke von Baz Luhrmann. Natürlich ohne dessen Klasse zu erreichen. Und dennoch erinnert das stark an das Wirken und Denken des Australiers, der auch schon immer Tradition mit Moderne vermischte. Ob der Film das allerdings versteht, bleibt offen.

Pitch Perfect ist ohne Frage ein dümmlich anmutendes Werk. Kunst wird hier weitestgehend als Farce verkauft. Witzig kann man das durchaus finden, muss man aber nicht. Auf der anderen Seite funkt der Film dann, wenn es um seine Charaktere geht. Alles wirkt ein wenig albern und dabei sehr unterhaltsam.

Pitch Perfect - Die Bühne gehört uns Bewertung
Bewertung des Films
610

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