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Rio Bravo

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Rio Bravo Kritik

Rio Bravo Kritik

Rio Bravo Kritik
0 Kommentare - 21.05.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Rio Bravo" ist.

Bewertung: 4 / 5

Sheriff John Chance (John Wayne) verhaftet den Mörder Joe Burdette (Claude Akins) in der Kleinstadt Rio Bravo. Sein Bruder Nathan (John Russell) möchte Joe aus dem Gefängnis befreien. Ganze sechs Tage muss Chance mit dem Gefangenen aushalten, bis der zuständige Marshall Joe mitnimmt und ihm dem Richter vorführt. Die Einwohner von Rio Bravo kommen Chance zur Hilfe, die dieser jedoch zunächst ablehnt.

Die Welt gehört den Männern. Vornehmlich den hellhäutigen, sofern man denn John Wayne persönlich befragt hätte, dessen politisches Treiben vielleicht jener Zeit entsprach, ihn aber dennoch zur Persona non grata im Hier und Jetzt machen würde. Und Rio Bravo spiegelt diese Zeit gut wider. Ein simples Konzept begleitet den gesamten Film, der zwischen gut und böse zu unterscheiden mag, wie es Dramen eben tun. Dabei ist nicht nur das Konzept als solches simpel, sondern ebenso dessen Umsetzung, die zwar effektiv, aber banal daherkommt. Ein Mann tötet einen anderen Mann, eine Seite zieht ihn zur Rechenschaft und die andere Seite wird durch diesen Umstand hervorgerufen, um den Mann zu befreien. Daß ist Drehbuchschreibe der wohl einfachsten Schule, die man sich vorstellen kann. Da gibt es zwischen den Fronten wenig zu entdecken und das mag nicht nur allein am Umstand der klischierten Prärie liegen. Die Rolle der Frau im Film zu diskutieren, ist sicherlich etwas, was auf die Dauer müde machen kann. Viel zu viele Fehler wurden und werden da immer noch gemacht. Von den Anfängen des Kinos mit Abenteuerhelden wie Errol Flynn, bis hin zum Pseudofeminismus von Ocean’s 8 (2017).

Wer träumt nicht davon, in den Armen von John Wayne alias John T. Chance zu liegen. Zumindest ging es wohl der Filmfigur Feathers so, die aus unerfindlichen Gründen ein sexuelles Verlangen nach John T. Chance hat. Unerfindlich ist das sicherlich nicht, weil die intellektuelle und sexuelle Konnotation zwischen den Figuren hochkomplex wäre, es ist unerfindlich, weil es eben ein Klischee ist. Die Frau definiert sich hier darüber ihrem Mann zu gefallen, zu lieben und zu ehren. Was aus damaliger Sicht heraus vielleicht die seriösen Wissenschaften jener Zeit, nach welchen Frauen, ob statistisch kleinerer Häupter dümmer waren als Männer, unterstützte, ist aus heutiger Sicht zum Fremdschämen. Ja, vielleicht mag Liebe so einfach gehen und vielleicht möchten einige Frauen auch nur ihrem Mann gefallen. Dennoch darf das niemals die alleinige Ansicht auf das weibliche Geschlecht sein, die hier mal so gar keine Emanzipation erfahren kann. Dabei kommt die gesamte Liebesgeschichte, wie eben schon erwähnt, auch aus dem Nichts. Die Figuren dümpeln so dahin und es hat den Anschein als sollten sie einander lieben, weil es göttliche Vorsehung und oder ein faul geschriebenes Drehbuch eben so verlangte. Das ist alle mal zeitgemäß und das, obwohl man hin und wieder den Eindruck bekommt, als Angie Dickinson bewusst dagegen anspielen. Mit einigen Kommentaren wehrt sie sich, versucht am Geschehen teilzuhaben und so weiter und so fort. Natürlich geschieht das nur in einem Rahmen, der hier auch vom Mann zugelassen wird, aber die Versuche der Flucht sind zu sehen.

Doch wo der Film auf einer Ebene komplett unzugänglich ist, ist er auf einer weiteren Ebene unglaublich interessant. Bedenke man, daß der Film wohl ein klassisches Thema des rechtskonservativen Spektrums aufgreift, indem er die Verteidigung der Heimat zur Geschichte macht, so ist das schon in weiten Teilen interessant. Natürlich versucht der Film das zu verpacken und so wird die sogenannte Heimat hier zum Gefängnis, in welchem die Männer versuchen, einen Mann festzuhalten, der eben ein grauenhaftes Verbrechen begangen hat. Die Resozialisierung ist natürlich damit auch ein Teil der Gedankenwelt. Schaut man sich aber an, wer da im Raum steht und das Recht verteidigt, wird der Blickwinkel nicht nur einfach diverser, sondern vielleicht sogar ein wenig inklusiv. Es geht hier um Möglichkeiten und zweite Chancen, indem Menschen, die einen Hang zur Flasche haben, Teil der Moralvorstellung und somit Teil des Systems werden. Man kann das natürlich pessimistisch lesen, doch hier steht ganz klar auch der Gedanke der Gemeinschaft, ohne den Hintergrund vergangener Taten und des Aussehens im Vordergrund. Gleichsam könnte man ebenso die Miteinahme des Greises Stumpy als reinen Notstand sehen und sich darüber lustig machen, allerdings scheint Rio Bravo dabei vor allem darauf hinaus, daß die Generationen und deren Konflikte untereinander im Hinblick auf höhere Gewalt und Instanzen unwichtig erscheinen und es eben darum, geht gemeinsam an einer Sache zu arbeiten. Der Film lässt in diesem Zusammenhang aber durchaus auch andere, vielleicht pessimistischere Lesarten zu, was nicht schlimm ist, denn dadurch wird er gleichsam spannend.

Warum der Film nun ebenso viel Raum zur Interpretation lässt, liegt unter anderem eben an seinem simplen Konzept. Doch wenn man der Auffassung ist, daß durch die einfache Struktur, die Laufzeit der gesamten Erzählung nicht begründbar wäre, so irrt man. Denn die Wahrheit ist, daß der Film sehr wohl über so ziemlich die gesamte Laufzeit zu unterhalten weiß. Es gibt nicht den klaren Moment, an dem man sagt, daß die Geschichte sich endlos zöge. Klar ist das reine Ansichtssache, doch gerade, weil der Film ebenso viel Zeit in seine Figuren investiert und sie einfach nur miteinander reden lässt, unterhält der Film schon genug. Ob der trottelige Greis, der mürrische Cowboy, der Jungspund oder der alles überblickende Chef. Die Gruppe an Figuren ist zwar simpel gehalten, machen aber gerade im Beisammensein klassische Kontraste deutlich und sind somit unterhaltsam. Dabei hält der Film sich ebenso wenig mit unnötigen Konflikten unter den einzelnen Figuren auf. Im Gegenteil, alle Probleme entstehen aus der Prämisse heraus und haben auch im Film eine innere Logik zu sich.

Daß die eigentliche Bedrohung, über die meiste Laufzeit hinweg, eigentlich nur theoretischer Natur ist, tut der Spannung keineswegs einen Abbruch. Dadurch wird auch das Diskutieren innerhalb der Gruppe wesentlich realistischer und hat zudem noch den psychologischen Charakter der Vorstellung auf seiner Seite. Die Figuren führt das. Natürlich ob ihrer eigenen Unzulänglichkeiten, auch an ihre Grenzen, während die Suspense durch toll gefilmte Schießereien lebt, die auch heute noch an keinerlei Wirkung verloren haben.

Nie war Hollywood simpler und effektiver zugleich wie im Falle von Rio Bravo. Eine Geschichte, der man durchaus einen schrägen Zeitgeist unterstellen könnte, ist das alle mal. Abseits dessen sind die Figuren so liebenswürdig, während vor allem die Spannung durch gut gefilmte Schießereien aufrechterhalten wird. Gedanklich als Vorreiter der Inklusion lässt sich das zudem lesen, wenn man über die Figurenkonstellation in ihrer Gesamtheit genauer nachdenkt. Das macht Spaß und ist kurzweilig.

Rio Bravo Bewertung
Bewertung des Films
810

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