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The Woman King

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The Woman King

The Woman King Kritik

The Woman King Kritik
8 Kommentare - 17.10.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "The Woman King" ist.
The Woman King

Bewertung: 4 / 5

Im Jahr 1823 steht das Königreich Dahomey unter dem Imperium Oyo. Der König der Dahomey Gehzo (John Boyega) ist dazu gezwungen, Abgaben an die Oyo zu zahlen. Seine Generalin Nancisca (Viola Davis) ist die Anführerin der mächtigen Agojie, einer Elite-Einheit aus Frauen, die für ihre außergewöhnliche Brutalität bekannt sind. Neu in dieser Gruppe ist die rebellische Nawi (Thuso Mbedu), die immer wieder in einen Konflikt mit Nancisca gerät.

Immer wieder erwischt man Hollywoodproduzenten bei einer kleinen, erheuchelten Offenheit. Seit einigen Jahren spricht man von einem Wandel in der Traumfabrik, der vermutlich in dem sogenannten Weinstein-Skandal seinen Ursprung hat. Das Feindbild aller linken Revoluzzer war damit eindeutig definiert. Der weiße alte Mann, der im Falle von Weinstein die Grenzen des guten Geschmacks ja auch deutlich überschritt. Retrospektiv spricht man also hier von einer Art Geburt, die das Kino so ein wenig veränderte. Ob dem wirklich so ist, und ob sich die Machtstrukturen verbessert haben, daß sei mal dahingestellt. Tatsächlich wirkt es ja auch oft eher so, als wäre die These jedweder Rechtfertigung nun mehr Repräsentation, bedeutet bessere Filme. Das ist natürlich Quatsch und eigentlich sollte man, sofern man das denn kann, Kunst und Künstler immer trennen und separiert von der Produktion hinter dem Werk betrachten. Doch das scheint heute eher weniger zu gehen. Tatsächlich ist The Woman King kein Film, der frei von Fehlern ist. Hin und wieder schleichen sich da einige Ideen ein, die das geschulte Auge schon aus dutzenden anderen Filmen kennt. Es ist letztlich der „Ich bin den Vater“-Twist. Wenngleich hier an der Stelle inkorrekt gegendert wurde, trifft das zu. Und gerade das ist schon schade, weil der Film von Sekunde eins auf diese Fallhöhe baut, die in langer Exposition aufgebaut wird, aber darüber hinaus eben genauso schnell verpufft, weil altbekannt.

Trailer zu The Woman King

Wenn es eine Sache gibt, die diesen Film auszeichnet, dann ist es vor allem das Schauspiel. Gerade die Generalin Nanisca, die von Viola Davis gespielt wird, brennt sich sofort in das Gedächtnis. Davis ist ja auch dafür bekannt, aus dem letzten Schrott – *Hust Suicide Squad (2016) *Hust – noch eine absolut überragende schauspielerische Leistung herauszuholen. Wann immer Generalin Nanisca die Leinwand betritt, hat Davis den gesamten Film in ihrer Hand. Ihre Figur ist verschlossen, vertieft in Gedanken und Blicke, voller Wut und einer Vergangenheit, die man vielleicht leicht erahnen kann, die sie aber durchaus interessant macht. Dann wiederum überzeugen auch Lashana Lynch, Thuso Mbedu, Sheila Atim, John Boyega, aber auch Hero Fiennes Tiffin, die relativ interessante Figuren verkörpern. Wenngleich nicht alle die gleiche Komplexität erreichen, so sind doch alle Figuren sehr gut gespielt. Es gelingt dem Film dadurch auch schwerwiegende Themen wie etwa Missbrauch, Macht, aber auch ganz klar den sozialen Stand aufzugreifen. Wenngleich der Film immer wieder auch ein Augenmerk auf den großen Epos legt, verliert er nie die eigentliche Geschichte aus den Augen. Man könnte natürlich hier anmerken, daß es vielleicht ein bisschen seltsam ist, daß Männer in dieser Welt kaum eine Rolle spielen. Wobei das hier wohl kaum einer politischen Agenda vorzuwerfen ist, sondern schlicht und ergreifend geschichtlichen Gegebenheiten. Der Film hat dabei immer den Anspruch, als ernstes Werk verstanden zu werden, in dem es nicht darum geht, irgendwelche Schonungen auf den Zuschauer zuzulassen. Gleichsam ist er aber auch ganz gut darin, nicht etwa das ewige Leidthema Afrikas als Opfer-Kontinent in den Mittelpunkt zu rücken. Natürlich sollte man das auch nicht kleinreden, doch geopolitische Zusammenhänge sind für Filme in dieser Größenordnung vielleicht doch etwas zu komplex.

In Kontrast gestellt wird hier vor allem die Frage, ob ein Individuum alleine Entscheidungen treffen darf, oder sich höheren Instanzen unterwerfen muss. Nun gibt es ja auch in der westlichen Welt seit Jahren immer mehr das Bedürfnis, sich wieder einer Machtposition zu unterwerfen. Aus keinem anderen Grund können Autokratien mehr und mehr an Einfluss gewinnen. In The Woman King wirft Drehbuchautorin Dana Stevens die Frage auf, wann es nötig ist, seine eigene Vorstellung durchzusetzen, wann es nötig ist zu denken und sich gegen die Monarchie zu entscheiden. Gerade hier läuft der Film lange Zeit Gefahr, daß gar nicht zu thematisieren, erklärt es aber im Verlauf der Geschichte zu großen Wandlung der Figuren. Diese werde natürlich aus Sentimentalität getroffen, sind aber dann doch nur allzu gerne gesehen. Spannend ist das zudem auch, weil der Film dabei auch immer wieder Sklaverei zum Thema macht, beziehungsweise diese als Ursprung der Agojie sieht. Das ist historisch wohlbegründet, passt aber auch ziemlich gut in einen Film. Dabei wird The Woman King nie zu einem rein banalen Film, der etwa von Moral oder einem Ideal predigt. Es geht immer um die Zustandsbeschreibung und nicht etwa, wie im modernen Kino so üblich, darum, eine Seite zu lobpreisen und die andere niederzumachen. Gerade hier bieten sich durch Filme wie Birds of Prey: The Emncipation of Harley Quinn (2020) ja durchaus Diskurse über Männerhass an. Doch so banal und plakativ ist The Woman King einfach nicht.

Entscheidend ist auch das Thema der sogenannten Rasse. Was auch immer das sein soll. Und da kommt es eben dazu, daß die von Jordan Bolger verkörperte Figur Malik sehr spannend wird. So kann man sagen, daß er zwar bedingt durch seinen Stand etwas höher angesehen ist, aber durch seine Herkunft, nie so „richtig“ sein kann, wie es ein weißer Mann letzten Endes ist. Es ist natürlich mühselig diese Thematik immer wieder aufzugreifen und man müsste eigentlich auch schon viel weiter sein. Doch bedenke man gerade die letzten Jahre und das, was in den Staaten so passiert ist. Was tatsächlich auch hier passiert, dann fällt auf, daß man immer wieder auf die Herkunft zurückgeführt wird. Es fällt auf, daß es einen systemischen Rassismus gibt, nach welchem Menschen so viel versuchen können, wie sie wollen, doch letztlich nie so behandelt werden, wie Menschen mit vermeintlich weißer Hautfarbe. Man muss sich nur mal überlegen, daß selbst Black Panther-Regisseur Ryan Coogler mal fälschlicherweise von Behörden festgenommen wurde. Überdies gibt es eigentlich nicht mehr viel inhaltlich zu sagen. Das Werk ist vor allem gut, weil es gut inszeniert und gespielt ist. Hier beweist Regisseurin Prince-Bythewood ein unglaubliches Gespür für Ästhetik und einen sehr rauen Ton, der maximal durch ganz subtile Comicreliefmomente mal aufgeheitert wird. Wobei der Film nicht nur Triste ist.

Mit The Woman King ist der richtige Film zur richtigen Zeit entstanden, der es endlich mal wieder wagt ernste Themen und Kunst zu vereinen. Der Film liefert zudem großartige Bilder und eine spannende Geschichte. Gleichsam gelingt es hier allen Akteuren zu überzeugen, wenngleich Viola Davis hier mal mindestens für einen Oscar nominiert werden muss. Alles andere wäre ein Skandal. Es mag ein einfacher Stoff für einen Film in unserer Zeit sein, doch es ist kein einfacher Film, weil er ungeschönt und wunderschön zugleich ist.

The Woman King Bewertung
Bewertung des Films
810

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8 Kommentare
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ProfessorX : : Moviejones-Fan
27.10.2022 13:49 Uhr
0
Dabei seit: 17.05.14 | Posts: 778 | Reviews: 433 | Hüte: 32

@luhp92

Ist ja auch Geschmackssache. Ich zum Beispiel, kann mit Braveheart so gar nichts anfangen. Der letzte Mohikaner steht noch auf meiner Liste ^^

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
26.10.2022 18:50 Uhr | Editiert am 26.10.2022 - 18:51 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 15.798 | Reviews: 169 | Hüte: 562

@ProfessorX

"weil man das vielen Werken vorwerfen kann und es in einem Film ja auch nicht zwingend darum gehen sollte [...] ob es der Auftrag eines solchen Films ist, daß so auszuarbeiten"

Ja. Ein Kann, kein Muss. Zur Einordnung, "Braveheart" und "Der letzte Mohikaner", die sich "The Woman King" unteren anderen zum Vorbild genommen hat, haben mir bezogen auf die inhaltliche Ausrichtung ebenfalls nicht sonderlich zugesagt.

Ich war dann anscheinend von vorneherein nicht unbedingt die Zielgruppe, dafür sind es dann aber andere Leute.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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ProfessorX : : Moviejones-Fan
25.10.2022 15:08 Uhr
0
Dabei seit: 17.05.14 | Posts: 778 | Reviews: 433 | Hüte: 32

@luhp92

Ja, gut. Das stimmt schon. Wobei das auch für fast alle Filme gilt, oder?

Ich kann mich tatsächlich nicht so sehr über diese nicht vorhandene Thementiefe beschweren, weil man das vielen Werken vorwerfen kann und es in einem Film ja auch nicht zwingend darum gehen sollte. Ich denke, man kann sehen, daß da noch mehr hintersteckt und dann die einzelenen Versatzstücke letztlich gedanklich schon greifen. Weiß halt nicht, ob es der Auftrag eines solchen Films ist, daß so auszuarbeiten. Aber das ist letztlich nur eine Mienung smile

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
24.10.2022 18:08 Uhr | Editiert am 24.10.2022 - 18:09 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 15.798 | Reviews: 169 | Hüte: 562

@ProfessorX

"Hin und wieder schleichen sich da einige Ideen ein, die das geschulte Auge schon aus dutzenden anderen Filmen kennt."

Mein Eindruck war, dass das Drehbuch des Films gefühlt nur aus solchen altbekannten Ideen bestand. Die Beziehung zwischen Nawi und Nanisca hast du ja schon erwähnt, aber auch zum Beispiel die gesamte Entwicklung Nawis vom aufmüpfigen Mädchen zur heldenhaften Kriegerin oder die Beziehung zum Love Interest Malik, der zwischen beiden Seiten hin- und hergerissen ist.

"doch geopolitische Zusammenhänge sind für Filme in dieser Größenordnung vielleicht doch etwas zu komplex."

Ja.. nein.. vielleicht. Eventuell für einen Film zu viel verlangt, sicherlich hätte man es jedoch mit einem tiefergehenden Drehbuch besser hinbekommen. Dem Film ist ja sehr daran gelegen, die Rolle der Frau in der damaligen Gesellschaft und die Privilegien der Agojie zu charakterisieren, was auch großartig gelingt. Gleichzeitig neigt der Film daher aber auch dazu, die Agojie zu überhöhen. Darunter leidet dann das Thema der Sklaverei und gerade das wird finde ich schon unterkomplex verhandelt. Das Königreich Dahomey unter Ghezo inklusive der Agojie war mitnichten ein Staat, der sich aktiv gegen den Sklavenhandel entschied, fortan die afrikanischen Sklavenhändler-Staaten bekämpfte und die europäischen Sklavenhändler aus dem Land vertrieb (die letzte Szene als Umkehr der letzten Szene aus Mel Gibsons "Apocalypto"). Die Wirtschaft der afrikanischen Staaten war Anfang des 19. Jahrhunderts dermaßen abhängig vom Sklavenhandel, dass es in den 1840er Jahren erst den Druck der Briten (Abschaffung des Sklavenhandels 1807) und einen Stufenplan (der Film geht auf die Palmölproduktion als Ersatz ein) benötigte, bis sich die Staaten davon lösten bzw. lösen konnten.

Für so einen Themenkomplex empfand ich "The Woman King" als zu vereinfachten Film.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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ProfessorX : : Moviejones-Fan
24.10.2022 12:05 Uhr
0
Dabei seit: 17.05.14 | Posts: 778 | Reviews: 433 | Hüte: 32

@2Cents

Musst du auch nicht^^

Aber ja, ist dann halt echt blöd.

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2Cents : : Moviejones-Fan
23.10.2022 19:10 Uhr
0
Dabei seit: 31.03.22 | Posts: 724 | Reviews: 0 | Hüte: 9

@ProfessorX

Den genauen Ort möchte ich niemanden mitteilen. Irgendwo im Voralpenraum.

Es gibt durchaus Kinos die näher liegen, aber dieser Film läuft da halt nicht.

Der frühe Vogel fängt den Wurm, aber erst die zweite Maus bekommt den Käse. Und am Ende ist alles für die Katz.

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ProfessorX : : Moviejones-Fan
23.10.2022 18:35 Uhr
0
Dabei seit: 17.05.14 | Posts: 778 | Reviews: 433 | Hüte: 32

@2Cents

Oh Gott, ja, wo wohnst du denn? :o

Ehm, interssant ist er auf jeden Fall!

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2Cents : : Moviejones-Fan
23.10.2022 08:13 Uhr
0
Dabei seit: 31.03.22 | Posts: 724 | Reviews: 0 | Hüte: 9

Das nächste Kino, das den zeigen würde, ist fast 70 Kilometer von mir entfernt. Da werde ich, wie so oft, auf den Stream warten. Klingt jedenfalls sehr interessant. Stoffe aus Afrika sieht man ja selten. Auch wenn man hauptsächlich mit bekannten Hollywood Darstellern besetzt hat.

Der frühe Vogel fängt den Wurm, aber erst die zweite Maus bekommt den Käse. Und am Ende ist alles für die Katz.

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