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Autoren und Schauspieler gehen auf die Barrikaden

Dicke Luft in Hollywood: Hintergründe & Neuigkeiten zum großen Streik

Dicke Luft in Hollywood: Hintergründe & Neuigkeiten zum großen Streik
26 Kommentare - So, 16.07.2023 von Moviejones, F. Bastuck
Die Fronten sind verhärtet. Hollywood ist durch den Streik der Autoren & Schauspieler lahmgelegt. Wir erklären euch die Hintergründe und möglichen Auswirkungen. Gesetze.

Am Donnerstag ließ man die Bombe platzen: Die SAG-AFTRA hat verkündet, dass sie genau wie ihre Kollegen von der WGA in Streik treten. Die Maschine Hollywood ist damit so ziemlich lahmgelegt. Fast alle Film- und Serienproduktionen stehen still und dies ist ein Zustand, der sich über Monate hinziehen könnte, denn die Fronten sind ziemlich verhärtet. Wir versuchen euch einen kleinen Überblick zu geben, über das, was da gerade vor sich geht und was dies auch für Auswirkungen haben könnte. Und warum die Stimmung gerade ziemlich aufgeheizt ist.

WGA? SAG-AFTRA? Was ist das?

Im Grunde handelt sich es dabei um Gewerkschaften und wenn ihr die Award-Saison regelmäßig verfolgt, werdet ihr auch schon auf sie gestoßen sein. So hat im Vorfeld zu den Oscars jede Gewerkschaft ihre eigenen Awards, die SAG-Awards zum Beispiel.

SAG steht dabei für Screen Actors Guild und AFTRA für American Federation of Television and Radio Artists, es handelt sich also um eine Vereinigung der Schauspieler. Ihr gehören 160.000 Mitglieder an. Schauspieler, Synchronsprecher, Tänzer usw., die z.B. für Filme, Serien oder Werbespots drehen. Die Präsidentin der SAG-AFTRA ist in den vergangenen Tagen zum Gesicht und der Stimme des Streiks geworden und es ist jemand, den viele von uns kennen, nämlich Fran Drescher, vor allem aus den 90ern als Die Nanny bekannt.

WGA steht wiederum für Writers Guild of America, also eine Vereinigung der Autoren. Meist wird schlicht von einer WGA gesprochen, diese ist aber noch unterteilt in East und West. Zusammen gehören der WGA etwa um die 30.000 Mitglieder an.

Es gibt durchaus Personen, die gleich mehrerer Vereinigungen angehören. Regisseure als Beispiel, die als solche der DGA (Directors Guild of America) angehören, gehören nicht selten auch als Autoren der WGA an. Einige bekannte Beispiele wären Quentin Tarantino, James Gunn oder Christopher Nolan. Manche Schauspieler wiederum sind auch Autoren (Matt Damon) und so mancher Regisseur zudem auch ein großer Schauspieler (Clint Eastwood). Es gibt viele derartige Verknüpfungen, was natürlich zusätzlich für massig Solidarität untereinander sorgt.

Warum wird gestreikt?

Natürlich geht es ums Geld. Die Sache ist aber auch etwas komplizierter. Zuletzt hat es einen Streik dieser Größe vor über 60 Jahren gegeben und der Grund war damals ein ähnlicher wie heute. Es geht nämlich auch vor allem um neue Technologien.

Erinnert ihr euch noch an die Szene in Zurück in die Zukunft, wo Marty McFly im Jahr 1955 mit der Familie am Essenstisch saß, sie sich etwas im Fernsehen angesehen haben und Marty meinte, das würde er schon kennen, das liefe bei ihnen als Wiederholung und keiner aus dem Jahr 1955 wusste, was eine Wiederholung ist? Das war im Grunde die Ausgangslage für den Streik damals.

Denn was heute normal ist, war vor 60 Jahren eine echte Neuheit: Wiederholungen von Serien und Filmen im Fernsehen. Und die damaligen Verträge hatten dies nicht inbegriffen. Schauspieler, Autoren etc. wurden an diesen Wiederholungen finanziell nicht beteiligt. Heute ist dies völlig normal, dass jedes Mal, wenn z.B. eine alte Folge einer Serie im Fernsehen wiederholt ausgestrahlt wird, z.B. der jeweilige Autor dieser Folge am Umsatz dieser Wiederholung beteiligt ist. Tantiemen nennt sich dies.

Ein ähnliches Problem herrscht heute aufgrund der Streamingdienste vor. Denn auch hierfür sind die Verträge nicht entsprechend ausgearbeitet. Ein Film oder eine Serie, die z.B. auf Netflix oder Disney+ verfügbar ist, zählt nicht als Wiederholung. Autoren erhalten hier also nur einmalig etwas für ihre getane Arbeit, jedoch keine Tantiemen. Problematisch ist es zudem, dass die Produktionen auch nur noch auf dem entsprechenden Streamingdienst verfügbar sind. Manche von euch wundern sich ja oft, warum z.B. Disney Serien wie Star Wars - The Mandalorian nicht an Fernsehsender vergibt oder auf Blu-ray veröffentlicht. Weil dann die an der Serie Beteiligten vertraglich zugesichertes Geld bekommen würden. Nicht jedoch, wenn sie einzig auf Disney+ bleibt.

Genau dazu hatte sich Fran Drescher auf der Pressekonferenz geäußert, als sie den Streik verkündet hat. Dort sagte sie unter anderem: "Man kann das Geschäftsmodell nicht so stark verändern, wie es sich verändert hat, und nicht erwarten, dass sich der Vertrag ebenfalls ändert."

Ein weiteres Problem unserer Zeit ist die immer stärker aufkommende künstliche Intelligenz. KIs sind mittlerweile zu sehr vielen Dingen fähig, sogar dazu, Drehbücher zu schreiben. Es mag vor einigen Jahren noch wie Science-Fiction geklungen haben, aber Autoren haben tatsächlich Angst, von KIs ersetzt zu werden. Oder, dass deren Drehbücher von den Studios mittels einer KI völlig verändert werden.

Auch Schauspieler sind davon betroffen. Den mit all diesen neuen Technologien, KIs inbegriffen, erhalten die Studios eine wesentlich größere Macht über die Performances. Wir sehen dies an der digitalen Verjüngung, die immer öfter Einzug in heutige Filme erhält, zuletzt bei Indiana Jones und das Rad des Schicksals. Diese Technik wird immer besser, sodass Disney in ein paar Jahren kein Problem damit hätte, einen Indiana Jones-Film mit einem jungen Harrison Ford zu drehen, ohne, dass Ford an dem Film überhaupt beteiligt ist. Selbst Stimmen sind kein Problem, dies erfuhr man durch die Obi-Wan Kenobi-Serie. Im Englischen wurde Darth Vader hier nämlich erstmals nicht von James Earl Jones gesprochen, sondern von einem Programm, ohne, dass man wirklich einen Unterschied heraushören konnte.

Das Problem mit all diesen Technologien ist, dass es dafür noch keine ausreichenden Regeln oder gar Gesetze gibt, geschweige denn dies vertraglich berücksichtig wird. Was dürfen die Studios tun und was nicht? Hat ein Schauspieler überhaupt Rechte am nach seinem Abbild kreiertem digitalen Abbild?

Einen wichtigen Aspekt müssen wir noch erwähnen. Denn wie eingangs erwähnt geht es natürlich bei all dem vor allem ums Geld. Brauchen die ganzen Stars denn wirklich noch mehr? Sicherlich nicht. Aber auch wenn diese aufgrund ihrer Bekanntheit hier natürlich im Vordergrund stehen, geht es auch gar nicht in erster Linie um sie. Sagen wir einfach mal, all die Berühmtheiten und Reichen der SAG machen am Ende 10.000 Schauspieler aus. Das macht dann immer noch 150.000 Schauspieler, die nicht reich und berühmt sind und die hart für ihr Geld arbeiten müssen, um die Miete oder Krankenversicherung zu bezahlen.

Wenn ihr euch z.B. eine Serie anguckt, so spielen da eben nicht nur die Hauptdarsteller mit, sondern auch die ganzen Nebendarsteller oder Gastauftritte. In Polizei- oder Krankenhausserien die Verdächtigen oder kranken Patienten der Woche, wenn man so will. Manche von ihnen schaffen sogar später den Durchbruch in die A-Riege Hollywoods. So hatte ein damals noch unbekannter Jeremy Renner 2008 in der vierten Staffel von Dr. House einen Auftritt als Patient der Woche. Heute mag Renner Millionen verdienen, damals war dies jedoch nur ein weiterer Job von vielen, um über die Runden zu kommen. Und es schafft eben nicht jeder früher oder später den Durchbruch wie Renner.

Genau auf diesen Aspekt ging kürzlich auch Christopher Nolan ein, der zum Streik folgendes sagte: "Es ist ein Schlüsselmoment in der Beziehung zwischen den Werktätigen und Hollywood. Hier geht es nicht um mich, hier geht es nicht um die Stars in meinem Film. Es geht um jobbende Schauspieler, es geht um Autoren von Fernsehsendungen, die versuchen, eine Familie zu gründen und das Essen auf dem Tisch zu halten."

Dicke Luft in Hollywood

Bislang haben die Studios sich geweigert, diese neuen Umstände vertraglich zu berücksichtigen. Es herrscht eine so dicke Kluft, dass aktuell kaum davon auszugehen ist, dass dieser Streik schnell beendet sein wird. Wie verhärtet die Fronten zudem sind, zeigen zwei aktuelle Beispiele, die für eine enorm aufgeheizte Stimmung gesorgt haben.

Die SAG haben erst gerade ihren Streik begonnen, die WGA ist dagegen bereits seit ein paar Wochen dabei. Wer jetzt denkt, es würde hier Verhandlungen geben, der irrt sich. Hier kommt eine weitere Abkürzung ins Spiel, nämlich AMPTP, die Alliance of Motion Picture and Television Producers. Die AMPTP vertritt die Produzenten und Studio-Bosse in Hollywood. Und bislang haben die sich geweigert, mit der WGA überhaupt in Verhandlungen zu treten. Stattdessen möchte man sie einfach ausbluten lassen.

Deadline veröffentlichte vergangene Woche Aussagen einer anonym gehaltenen Studio-Führungskraft, die es in sich haben und mittlerweile von weiteren Insidern bestätigt wurden. So haben die Verantwortlichen der Studios beschlossen, die Mitglieder der WGA brechen zu wollen, in dem man sie ausbluten lasse. Zitat: "Das Endspiel besteht darin, die Dinge so lange schleifen zu lassen, bis die Gewerkschaftsmitglieder anfangen, ihre Wohnungen und Häuser zu verlieren."

Dies wird als grausames, aber notwendiges Übel beschrieben. Die Verantwortlichen der Studios und die AMPTP gehen davon aus, dass den Autoren ab Oktober das Geld ausgehen wird.

Dass solche Aussagen weder bei den Mitgliedern der WGA noch der SAG gut ankommen, dürfte klar sein. Unser Hellboy Ron Perlman hat sich genau zu diesen Aussagen auf Instagram in einem Video geäußert, dass von ihm mittlerweile wieder gelöscht wurde.

Zu sagen, dass ihn diese Aussagen wütend gemacht haben, trifft es wohl ziemlich. Mit der sehr deutlichen Drohung in Richtung dieser anonymen Studio-Kraft, es gäbe viele Wege, wie jemand sein Haus verlieren könne, schießt er aber etwas übers Ziel hinaus, weswegen er das Video wohl auch wieder gelöscht hat. Es zeigt aber, wie viel Wut und Unverständnis aktuell vorherrschen.

Dieser anonyme Studio-Verantwortliche ist nicht der einzige, der aktuell mit gewagten Aussagen für eine brodelnde Stimmung sorgt. Jemand anderes ist Disney-CEO Bob Iger. Dieser befindet sich gerade auf der Sun Valley Konferenz, darauf kommen wir gleich nochmal zurück.

Dort vor Ort sagte er in einem Interview, auf die Streiks der WGA und SAG angesprochen, dass er diese sehr beunruhigend finde. Die Industrie erhole sich immer noch von Covid und dies sei der schlechteste Zeitpunkt in der Welt, um durch so einen Streik die Lage noch zu verschlechtern.

Iger respektiere zwar ihr Recht und ihren Wunsch nach fairen Löhnen, die Gewerkschaften müssen aber realistisch bleiben was das Geschäftsumfeld angeht und was die Unternehmen leisten können.

"Wir haben es als Branche geschafft, einen sehr guten Deal mit der Directors Guild auszuhandeln, der den Wert widerspiegelt, den die Regisseure zu diesem großartigen Geschäft beitragen. Wir wollten dasselbe mit den Autoren tun, und wir würden gerne dasselbe mit den Schauspielern tun. Es gibt eine Erwartungshaltung, die einfach nicht realistisch ist, und sie tragen zu einer Reihe von Herausforderungen bei, mit denen dieses Geschäft bereits konfrontiert ist, was offen gesagt sehr störend ist."

Man muss sich schon fragen, wie es sein kann, dass Leute wie Bob Iger, die Filmstudios leiten, 27 Millionen US-Dollar im Jahr verdienen, so schlecht in der Außendarstellung sein können. Denn diese Sun Valley Konferenz gilt gemeinhin auch als Sommercamp der Milliardäre. Neben ihm sind zum Beispiel auch David Zaslav von Warner Bros. oder Tim Cook von Apple anwesend. Alle natürlich angereist in ihren Privatjets. Dies alles verbunden dann auch noch mit der vorherigen Aussage, dass diese Milliardäre warten wollen, bis die Autoren finanziell ausbluten und ihre Häuser verlieren, das ist schon harter Tobak. Das ist Wahnsinn. Da muss man sich ernsthaft fragen, wessen Seite hier unrealistische Ansprüche stellt.

Bob Igers Aussagen haben natürlich sofort Reaktionen nach sich gezogen. Hier zum Beispiel von Sean Gunn:

Auch Fran Drescher hatte zu Bob Iger einen Kommentar: "Wenn ich dieses Unternehmen wäre, würde ich ihn hinter Türen einsperren und ihn niemals mit jemandem darüber sprechen lassen, denn es ist so offensichtlich, dass er keine Ahnung hat, was vor Ort mit hart arbeitenden Menschen geschieht, die nicht annähernd so viel verdienen wie er. Hohe siebenstellige, achtstellige Beträge, das ist verrücktes Geld, das sie verdienen, und es kümmert sie nicht - sie sind wie Landbarone aus dem Mittelalter."

Die Folgen der Pandemie

Bob Igers Aussagen deuten auf noch ein anderes Symptom hin, nämlich fehlende Selbstreflexion. In dem Interview sprach er vom Zustand der Industrie, welche sich immer noch von der Corona-Zeit erholen müsse. Er vergisst dabei aber vollkommen zu erwähnen, dass die Studio-Verantwortlichen an Vielem mit ihren Entscheidungen in den letzten Jahren selber schuld sind und sie selbst viele der heutigen Probleme mit fragwürdigen Entscheidungen selbst zu verantworten haben.

So erinnern wir uns noch gut daran, wie Warner Bros. während der Corona-Zeit entschied, seine Kinofilme zeitgleich auch per Streaming zu veröffentlichen. Ein Vorgang, der damals viel Kritik der Filmschaffenden nach sich zog und auch zum Bruch mit Regisseur Christopher Nolan führte.

Disney fuhr eine ähnliche Strategie und verkürzte das Fenster zwischen Kinostart und Verfügbarkeit auf Disney+ auf etwa 45 Tage, je nach Film etwas mehr oder weniger. Manch ein Film wurde sogar direkt auf Disney+ geschoben und kam erst gar nicht ins Kino, wie Black Widow. Ein Vorgang, der Scarlett Johansson dazu veranlasste, Klage gegen Disney einzureichen.

Einer der vermutlich größten Flops in diesem Jahr ist The Flash. Dieser Film ist vor gerade einmal einem Monat in den Kinos gestartet, in den USA hat Warner Bros. ihn jedoch bereits jetzt digital verfügbar gemacht. Etwas, das wir in den letzten Monaten in unserem privaten Umfeld immer häufiger gehört haben, ist, dass man z.B. zu Guardians of the Galaxy Vol. 3 nicht ins Kino geht, sondern schlicht wartet, bis dieser auf Disney+ verfügbar ist. Die Studios haben sich mit dem Vorgehen, Kinofilme immer schneller ins Streaming zu bringen, ins eigene Fleisch geschnitten.

Hinzu kommt, dass die Budgets für die Filme völlig außer Kontrolle geraten sind. Ein Indiana Jones-Film darf niemals 325 Mio. US-Dollar kosten. Fast X hatte gar ein Budget von 340 Mio. US-Dollar. Und bei all dem kommen noch jeweils etwa 100 Mio. US-Dollar fürs Marketing oben drauf. Bei so hohen Kosten ist es für viele Filme nahezu unmöglich, an den Kinokassen überhaupt profitabel zu werden. Und wenn dann die Leute noch entscheiden, lieber ein paar Wochen zu warten, bis der Film digital erhältlich ist, statt ins Kino zu gehen, ist die finanzielle Katastrophe vorprogrammiert. Da ist es nicht verwunderlich, dass wir in diesem Jahr so viele Flops in den Kinos sehen und die Studios massive finanzielle Einbußen ertragen müssen.

Die Streamingdienste selbst sind ebenfalls ein Problem, denn die sind alles andere als profitabel für die Studios. Bereits vor Jahren hatten Experten davor gewarnt, doch die Studio-Chefs hörten nicht und gaben Milliarden für die Dienste aus. Ein Verlustgeschäft.

Auf der nächsten Seite beschäftigen wir uns mit den Auswirkungen des Streiks.

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26 Kommentare
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Manisch : : Moviejones-Fan
17.07.2023 17:53 Uhr
0
Dabei seit: 19.10.18 | Posts: 1.370 | Reviews: 27 | Hüte: 62

@MJ-FrankBastuck

Mich schockt der Fall jetzt auch nicht so laughing Wird schon vertraglich bei denen so geregelt sein. Spannender ist da eher der Fall rund um "Kimba, der weiße Löwe", und ob das ursprüngliche König der Löwen nicht bereits geklaut war.

Aber dass Hollywood grundsätzlich betrügt, würde ich so nicht stehen lassen wollen. Offensichtlicher Betrug ist schon noch mal etwas anderes, als "Fiese Verträge" o.ä.

Im konkreten Fall der KI/Urheberrecht/Copyright wird es dann interessant, wenn das Copyright einer wertvollen Marke aufgehoben würde, weil es KI generiert ist. Dann könnte praktisch jeder damit Content generieren und verdienen - das will kein Großkonzern.

AfD-Verbot (:

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
17.07.2023 17:43 Uhr | Editiert am 17.07.2023 - 17:48 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 17.377 | Reviews: 180 | Hüte: 634

@Manisch
Da ist mir PaulLeger mit der Erklärung zuvorgekommen. Urheber eines Drehbuchs sind natürlich grundsätzlich die Drehbuchautoren, meistens treten sie diese Rechte aber direkt an die Studios ab bzw. sie werden abgetreten. Aus antikapitalistischer Sicht könnte man somit sogar illegales Streaming rechtfertigen, weil das Geld meistens zum Großteil an die Studios fließt, nicht aber an die Kunstschaffenden selbst. Nicht mein Vorgehen, aber einmal ideologisch betrachtet.

@MJ-FrankBastuck
1:1 ist in solchen Fällen ja rhetorisch gemeint, geringe Abweichungen in der Dramaturgie und Dialogen wird man immer finden, das "Lion King"-Remake wurde zudem auch auf 120 Minuten gestreckt. Dieses Drehbuch muss halt irgendjemand schreiben. "Based on" bedeutet, dass es sich hier um eine Adaption des Drehbuchs von Mecchi, Roberts und Woolverton handelt, also sie werden auf jeden Fall gecredited und wären auch bei Award-Nominierungen/Auszeichnungen mitgenannt worden.

Die feine Art ist es natürlich dennoch nicht, wenn man keinen Storycredit erhält und finanziell nicht am Remake beteiligt ist. Ich habe dazu gerade noch einen Artikel vom The Hollywood Reporter gefunden, das hängt auch mit der Gilden-Zuständigkeit zusammen, unter denen die Kunstschaffenden arbeiten, und den Regelwerken der entsprechenden Gilden. Bis 1994 arbeiteten Drehbuchautoren von Animationswerken, auch die von "The Lion King", im Zuständigkeitsbereich der TAG (The Animation Guild), die im Gegensatz zur WGA nur eine schwache Creditabsicherung anbietet. Erst durch die Popularisierung von Animationswerken wurde die WGA 1994 auf die Animationsautoren aufmerksam und nahm diese in sich auf.

https://www.hollywoodreporter.com/news/general-news/why-original-lion-king-writers-are-losing-years-remake-1174451/

Edit: Da kam mir Silencio teils schon zuvor.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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Silencio : : Moviejones-Fan
17.07.2023 17:11 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 2.417 | Reviews: 54 | Hüte: 290

MJ-FrankBastuck:

Für solche Fälle gibt es bereits Regelungen der Gewerkschaft, die die Studios verpflichten, den Autoren Credits zu geben. Wird beim "König" wahrscheinlich keinen Drehbuchcredit gegeben haben, weil das Original ein Animationsfilm war und Autoren in der Animationsbranche der Gewerkschaft für Animation angehören. Die hat aber keine Creditregelungen für "adaptierte" Werke.

"I am not fucking around here, I believe a well-rounded film lover oughta have something to say about Jean-Luc Godard and Jean-Claude Van Damme."

-Vern

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MJ-FrankBastuck : : Moviejones-Fan
17.07.2023 15:22 Uhr
0
Dabei seit: 07.02.21 | Posts: 119 | Reviews: 0 | Hüte: 28

@Manisch @luhp92 @Silencio @PaulLeger @Rotwang im Grunde geht das hier wohl an alle laughing

Was du da beschreibst, wäre beides Betrug.

Man muss es so zynisch sagen: Willkommen in Hollywood! Die Studios in Hollywood und ihre Verantwortlichen sind keine netten Menschen, die nur das beste für die Fans wollen. Die wenden jeden Trick an und nutzen jedes Schlupfloch, welches sich ihnen bietet.

Hier ein Beispiel: Wir sind uns wohl einig, dass der "Der König der Löwen"-Film von 2019 ein 1:1-Remake des Zeichentrickfilms von 1994 ist. Die gleichen Szenen, die gleichen Dialoge. Beide Filme sind inhaltlich nahezu, bis auf wenige Ausnahmen, identisch. Das Drehbuch von 1994 wurde geschrieben von Irene Mecchi, Jonathan Roberts und Linda Woolverton. Das Drehbuch von 2019 jedoch von Jeff Nathanson. Hier stellt sich überhaupt erst einmal die Frage, warum man ein neues Drehbuch benötigt, wenn man doch im Grunde das Alte 1:1 erneut verfilmt. Und da man sich ja zu sagen wir 95% auf das alte Drehbuch bezieht, warum sind die ehemaligen Autoren dann nicht als Drehbuchautoren aufgeführt? Immerhin ist es doch nach wie vor ihres. Wie kann es sein, dass Jeff Nathanson als einziger Drehbuchautor geführt (und bezahlt) wurde, obwohl es zum großen Teil gar nicht seine Arbeit war. Man könnte dies im Grunde schon Plagiat nennen.

Die drei ehemaligen Autoren werden im Laufe des Abspanns der 2019er-Version erwähnt, als die drei, auf denen der neue Film basiert. "Basiert". Ein hartes Wort für einen Film, der im Grunde nur eine 1:1-Kopie ist. Willkommen in Hollywood!

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Machete-Kills : : Moviejones-Fan
17.07.2023 14:33 Uhr
0
Dabei seit: 30.07.12 | Posts: 199 | Reviews: 0 | Hüte: 6

Der Streik, wird garantiert, nicht lange dauern. Früher oder später, werden die ersten einknicken. Wenn die Gefahr pleite zu gehen größer wird.

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Manisch : : Moviejones-Fan
17.07.2023 12:28 Uhr
0
Dabei seit: 19.10.18 | Posts: 1.370 | Reviews: 27 | Hüte: 62

@Rotwang

Was du da beschreibst, wäre beides Betrug.

Wie bei jedem Betrug geht sowas so lange gut, bis es dann eben doch ans Licht kommt.

Und in den Hollywood-Größenordnungen ginge das vermutlich mit horrenden Strafen einher. Je nachdem, ob ein Studio davon wusste, ginge es dann auch um Schadensersatz gegenüber dem Pseudo-Autoren.

Es gibt bereits Tools, die KI-Content identifizieren sollen. Das klappt zwar aktuell eher durchwachsen, aber ich sehe nicht, warum sich das perspektivisch nicht ebenfalls verbessern sollte.

AfD-Verbot (:

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Rotwang : : Moviejones-Fan
17.07.2023 11:37 Uhr | Editiert am 17.07.2023 - 12:14 Uhr
0
Dabei seit: 11.06.20 | Posts: 887 | Reviews: 0 | Hüte: 26

@Manisch

Woran soll jemand erkennen, dass es aus einer KI stammt es gibt doch "einen Autor", wie beschrieben! Die KI haut halt Hunderte von Drehbüchern raus da schaut dann jemand drüber, das kann in mehreren Stufen passieren, eventuell gibt es noch etwas manuellen Feinschliff, dann schreibt man einen Autoren rauf.

Der Gedanke dass das Studio hier mit offenen Karten wird spielen wird ist natürlich nett.

Es kann natürlich auch ein "echter" Autor sich die KI zu Nutze machen.

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Manisch : : Moviejones-Fan
17.07.2023 10:26 Uhr | Editiert am 17.07.2023 - 10:31 Uhr
0
Dabei seit: 19.10.18 | Posts: 1.370 | Reviews: 27 | Hüte: 62

@Silencio @PaulLeger

Absolut, Urheberrecht und Copyright sind nicht dasselbe.
Das Copyright ist im Kern auch nur "Das Recht etwas zu kopieren". Dadurch wird man auch in den USA nicht zum Urheber/Schöpfer, sondern nur zum Rechteinhaber. Und dieses Recht kann beinhalten, den Schöpfer nicht nennen zu müssen (wenn vertraglich festgelegt) - macht einen aber nicht selber zum Schöpfer.

ABER der springende Punkt bei der KI-Diskussion bleibt:
Das ist alles nur machbar, wenn reale Personen dahinter stehen.
KI-Werke können einerseits nicht gecopyrightet werden, andererseits verletzten sie höchstwahrscheinlich das Copyright Dritter.

Und stimmt, die Schauspieler streiken auch, da war ich insgesamt zu ungenau. Eigentlich wollte ich sagen, dass es "mir" um die Autoren im Bezug auf die KI geht, weil das bei den Schauspielern um andere Details geht (Nicht Urheberrecht/Copyright).

@Rotwang
Du könntest Offenlegung der Trainings-Modelle der KI verlangen. Taucht darin dein Werk auf, wirds kritisch...

Das ist nicht gleichbedeutend mit dem bewussten Stilmittel einer Hommage o.ä.

AfD-Verbot (:

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Rotwang : : Moviejones-Fan
17.07.2023 10:10 Uhr | Editiert am 17.07.2023 - 10:22 Uhr
0
Dabei seit: 11.06.20 | Posts: 887 | Reviews: 0 | Hüte: 26

@Manisch
Wenn das Training aber aus Millionen Drehbüchern/Romanen besteht und es nur noch Artefakte der Quellen sind, wird es für einen Menschen (Richter) schwer noch auf Urheberechtsverletzung zu urteilen. Wenn man ehrlich ist findet man ja bei vielen Filmen hier und da auch Parallelen.

Von den Studios Fairness zu erwarten ist glaube ich zum Scheitern verurteilt, für das KI-Werk stellt sich dann jemand as Autor zu Verfügung und gut ist, das es aus einer KI kommt wird dann einfach verschwiegen.

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Silencio : : Moviejones-Fan
17.07.2023 09:46 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 2.417 | Reviews: 54 | Hüte: 290

Paul und Manisch:

Ergänzend zu Pauls Beitrag: Copyright im amerikanischen Recht und Urheberrecht im Deutschen sind nur auf den ersten Blick gleich, schützen aber unterschiedliche Interessen. Das Copyright soll die Umlauffähigkeit von Werken schützen, ist also im Grunde ein schutzinstrument ursprünglich für Verleger (und mittlerweile dann die Studios), deren exklusive Veröffentlichungsinteressen geschützt werden sollen - deswegen kann der Urheber im amerikanischen Recht auch alles übertragen. Im deutschen Recht soll wiederum der Einzelne, auf dessen Schöpfung ein Werk zurückgeht, geschützt werden - deswegen ist das Urheberrecht nicht übertragbar und von Verwertungsrechten strikt zu trennen.

"I am not fucking around here, I believe a well-rounded film lover oughta have something to say about Jean-Luc Godard and Jean-Claude Van Damme."

-Vern

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PaulLeger : : Moviejones-Fan
17.07.2023 08:49 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 2.346 | Reviews: 17 | Hüte: 261

@ Manisch

Urheber ist am Ende IMMER die Person, die etwas geschaffen hat. Das ist ein Recht, welches man nicht abtreten kann. Wenn ich ein z.B. Logo im Auftrag einer Firma gestalte, dann bleibe ich Urheber und die Firma erwirbt das Nutzungsrecht.

Das stimmt in Bezug auf die USA so nicht. Da hält z.B. Marvel die Rechte an allen seinen Comicfiguren und nicht die Künstler, die sie erschaffen haben. Die Firmen lassen die Künstler in der Regel vorab Abmachungen unterzeichnen, mit denen sie die Rechte an den Figuren an den Konzern abtreten. Daher werden die Comic-Autoren und -Künstler von den Milliardengewinnen, die Marvel bzw. nun Disney mit den MCU-Filmen macht, ja auch nur mit Peanuts abgespeist.

Das mit den Schauspielern ist eigentlich Off-Topic, da es ja um einen Autoren-Streik geht

Beide Berufsgruppen streiken gerade.

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Manisch : : Moviejones-Fan
17.07.2023 08:30 Uhr
0
Dabei seit: 19.10.18 | Posts: 1.370 | Reviews: 27 | Hüte: 62

@MJ-FrankBastuck @luhp92

Hier werden ein paar Rechte unter dem Begriff "Urheberrecht" vermischt.

Urheber ist am Ende IMMER die Person, die etwas geschaffen hat. Das ist ein Recht, welches man nicht abtreten kann. Wenn ich ein z.B. Logo im Auftrag einer Firma gestalte, dann bleibe ich Urheber und die Firma erwirbt das Nutzungsrecht.

Im Kern kreiert die KI ja auch keine "eigenen" Inhalte, sondern immer nur etwas, was seine Wurzeln im Werk anderer hat (Training). Dadurch ist es eigentlich für kommerzielle Zwecke selbst eine Urheberrechtsverletzung bzw. die Gefahr einer solchen ist immer gegeben. Auch das wäre mir als Milliarden-Konzern zu heikel.

Wenn eine KI helfen sollte, ein Drehbuch abzuändern, wäre man selbst weiterhin mindestens Co-Autor bzw. Miturheber. Diese Konstellation gibt es auch bereits unter mehreren realen Personen. Es ist nicht so, dass man dadurch auf einmal aus einem Projekt gekickt werden kann.

Was die Darstellerinnen betrifft, ist es eine Mischung aus den Rechten rund um die fiktive Figur und den Rechten der realen Schauspieler. Einfachstes Beispiel sind dabei die ganzen Comic-Verfilmungen, wo es die Figuren bereits gab, ehe sie jemand auf der Leinwand verkörperte.

Die fiktive Figur wurde von jemandem illustriert bzw. in einem Script in Wort-Form geschaffen. Hier liegen dann wieder die Urheberrechte.

Das mit den Schauspielern ist eigentlich Off-Topic, da es ja um einen Autoren-Streik geht (: Aber Film Theory hatte sich dem mal angenommen:
https://www.youtube.com/watch?v=1spfXFWIxn0

AfD-Verbot (:

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Mindsplitting : : Moviejones-Fan
17.07.2023 02:00 Uhr | Editiert am 17.07.2023 - 02:01 Uhr
0
Dabei seit: 18.12.14 | Posts: 1.042 | Reviews: 0 | Hüte: 49

Bei so Streiks sieht man immer wieder, wie viele Menschen es gibt, die wollen das es allen gleich schlecht geht, anstatt das es allen gleich gut geht.

Wenn sich 10 Leute aus dem Management so viel Gehalt zahlen, wie 20000 Angestellte zusammen nicht verdienen, läuft meiner Meinung nach was falsch und Forderungen nach mehr Beteiligung sind rechtens.

Auch finde ich es richtig, das man verhindern will das eine KI den Job ersetzt, indem sie aus uheberrechtlich geschützen Werken, neue Frankensteinmonster bastelt. Oder das ungefragt stimmen und Gesicher genutz werden können.

Grad in sachen KI werden künftig viele von uns ihr blaues Wunder erleben. theoretisch können K.I.s Ablaufprotokolle erstellen um jeden Job den sonst Studierte erledigen, von Schulabbrechern ausüben zu lassen. Insbesondere bei Jobs ohne erforderliche handwerkliche Kenntnisse.

Die K.I wird experten zufolge einen ähnlichen Impact haben wie die Einführung der industriellen Automatisierung. Nur das es diesmal nicht die Leute mit handwerklichem geschick treffen wird, sondern vor allem die die "geistig" arbeiten. Schreiberlinge, Buchhaltung, Rechnungswesen, Verwaltung und so weiter. Es ist also allerhöchste Eisenbahn über Rechte und Gesetze zu sprechen. zum einen für das Urheberrecht, aber auch was Haftungsfragen angeht. Wenn eine K.I Steuerhinterziehung oder Urheberrechtsverletzungen für ein Unternehmen begeht z.B. Eine Verpflichtung das hier Aufsichtspersonal anwesend sein muss kann viele Jobs retten.

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JackSparrow86 : : Moviejones-Fan
17.07.2023 01:38 Uhr
0
Dabei seit: 26.01.15 | Posts: 332 | Reviews: 0 | Hüte: 7

Absolut nötig ... allerdings ist zu befürchten, dass sich der Großteil den Streik auf Dauer nicht leisten kann...und zeitgleich wird den Studios erst recht vor Augen geführt, wie abhängig sie von Autoren und Schauspielern sind und wie viel einfacher alles mit KI wäre... am Ende werden die Studiobosse und Aktionäre vlt einen Deal anbieten, der wird aber nicht dafür sorgen, dass sich was ändert, sondern für die "ausgehungerten" Streikenden als ganz tolle Errungenschaft erscheinen, am Ende aber doch nur wieder den Status Quo zementieren ...

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MJ-FrankBastuck : : Moviejones-Fan
16.07.2023 23:19 Uhr
0
Dabei seit: 07.02.21 | Posts: 119 | Reviews: 0 | Hüte: 28

@Manisch @luhp92

Genau das ist das Problem, es ist nicht final geklärt wie hier die Rechtelage aussieht. Wenn ein Autor ein Drehbuch einreicht, das Studio mittels einer KI dieses aber massiv verändert, wem gehört dann das Drehbuch?

Und wie sieht es mit Darstellern aus? Disney hat keine Rechte an Harrison Ford als Person, sehr wohl jedoch an Han Solo und Indiana Jones. Können sie also, ohne Erlaubnis von Ford, aufgrund des Bildmaterials der Filme, die Disney gehören, ein digitales Abbild schaffen? Wie ist hier die Rechtelage?

Und wie sieht es mit bereits verstorbenen Schauspielern aus? Disney hat per Star Wars bereits Peter Cushing und Carrie Fisher digital wiederbelebt. Dürfen sie dies ohne Zustimmung der bereits Verstorbenen oder deren Angehörigen? Kürzlich sorgte der digitale Auftritt des verstorbenen Christopher Reeve in The Flash für einige Kontroversen unter den Fans.

Die technische Entwicklung hat viele neue Möglichkeiten geschaffen, ohne dass jedoch wichtige rechtliche Fragen geklärt wurden.

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