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Dunkirk

So etwas hat es vermutlich noch nicht gegeben

Dunkirk Kritik

15 Kommentar(e) - 28.07.2017 von TiiN
Hierbei handelt es sich um eine User-Kritik von TiiN.
Filmkritik

Dunkirk Bewertung: 4.5/5

Dunkirk ist ein britisch-französisch-US amerikanischer Kriegsfilm von Christopher Nolan aus dem Jahr 2017. Die nachfolgende Kritik ist spoilerfrei.

Story

Im Jahr 1940 herrscht der Zweite Weltkrieg in Europa. Britische Truppen wurden am Festland in die Enge getrieben und versammeln sich im niederländischen Dünkirchen. Vor ihnen der Feind, hinter ihnen das Meer ohne Anlegemöglichkeiten in einer scheinbar ausweglosen Situation. Erzählt wird die wahre Geschichte der „Operation Dynamo“.

Kritik

Dunkirk ist ein Film, wie man ihn so vermutlich noch nie erlebt hat. Der britische Regisseur Christopher Nolan widmet sich einem Teil der britischen Geschichte, welcher für viele Nicht-Briten bislang nicht sonderlich präsent gewesen sein dürfte. Das Ganze resultiert in einem äußerst persönlichen Film, der einigen Menschen vielleicht den Horizont erweitern kann.

Nachdem es Nolan mit seiner Batman-Trilogie und Inception gelungen ist, sowohl anspruchsvolle und tiefgründige Filme zu drehen, welche aber zeitgleich auch die breite Masse abgeholt haben, so hat sich der ambitionierte Regisseur bereits mit Interstellar von eben dieser breiten Masse ein Stück weit entfernt und näherte sich eher einer künstlerischen Erzählweise an. Diesen Weg ist er für Dunkirk ein ganzes Stück weitergegangen. Dunkirk ist kein Film für die typischen Kinozuschauer, sondern wirkt vielmehr wie ein Leckerbissen für Filmkritiker und Cineasten und stellt für Beteiligte und Angehörige der Operation Dynamo ein filmisches Denkmal dar.

Dass ist mit der Grund, warum Dunkirk selbst keine eigene Handlung verfolgt. Zwar gliedert sich die Erzählweise in Situationen am Festland, auf der See und in der Luft auf, Einzelschicksale rücken aber nur bedingt in den Fokus. Stattdessen präsentiert sich Dunkirk wie eine Art Dokumentarstreifen, verpackt in einem Spielfilm. Im Mittelpunkt stehen nicht die Geschichten von Tommy, Peter oder George, sondern die, des britischen Volkes und der Operation Dynamo.

Dies gelingt dem Regisseur mit einer Intensität, welche ihres Gleichen sucht. Von der ersten Minute an ist man in dieser bedrohlichen Situation und wird über die volle Laufzeit des Films nicht entlassen. Untermauert wird dieser Effekt durch eine eindringliche Musik von Hans Zimmer. Zimmer steht oft bei vielen Leuten in der Kritik und komponiert für so viele Filme. Jedoch kommt bei jeder Zusammenarbeit mit Christopher Nolan etwas Wunderbares und Einmaliges heraus, so auch bei Dunkirk. Neben der spannungsaufladenden Musik bekommen wir großartige Kameraeinstellungen zu sehen und ein äußerst realistisches Kriegstreiben. Nichts fliegt einfach so in die Luft, es gibt keine Helden, welche alles platt machen und ihnen zugejubelt wird. Man sitzt richtig tief im Dreck, in einer ausweglosen Situation. Nolan hat hier ein Inszenierungsstil gefunden, welchen man so in noch keinen Film gefunden hat – und damit sind keine unterschiedlichen Zeitebenen gemeint. Am ehesten findet man vielleicht atmosphärische Parallelen zu Der Schmale Grat von Terrence Malick, jedoch ist Dunkirk in dieser Hinsicht noch deutlich intensiver. Diese Intensität rechtfertigt letztendlich auch die sehr kurze Laufzeit von 107 Minuten. Länger hätte man dieses Tempo wohl nicht aufrecht halten können. Jedoch ist es auch nicht so, dass ständig etwas in die explodiert oder passiert, aber der Zuschauer hat den Eindruck, dass dies jeden Augenblick passierten könnte. Vergleiche mit Der Soldat James Ryan, Platoon oder auch neueren Filmen wie Hacksaw Ridge sind hier nicht zielführend, weil Nolan einen ganz anderen Erzählstil anwendet.

Zugegebener weise braucht man eine Zeit lang, um sich auf diese Art der Erzählung einlassen zu können. Vielen wird dies vielleicht gar nicht gelingen. Gerade die fehlende persönliche Grundstory dürfte einigen Leuten Schwierigkeiten bereiten. Einerseits ist man vom persönlichen Treiben entfernt, andererseits ist der Zuschauer mitten drin. Wenn man sich jedoch auf Dunkirk einlassen konnte, dann lässt einem dieser Film nicht mehr los.

Schauspielerisch stehen vor allem junge und eher unbekannte Leute im Vordergrund. Allen voran Fionn Whitehead, Harry Styles und Tom Glynn-Carney, welche fabelhaft funktionieren. Zu den bekanntesten Darstellern in Dunkirk zählen vermutlich Tom Hardy, Kenneth Branagh, Mark Rylance und Cillian Murphy. Sie stehen dem Nachwuchs in nichts nach und hauchen ihre Rollen, trotz spärlicher Textpassagen, Leben ein. Besonders beeindruckend ist Cillian Murphy, als traumatisierter Soldat und einer unglaublich ausdruckstarken Mimik. Darüber hinaus gibt es sogar einen kleinen gut verstecken Cameo eines sehr bekannten Darstellers, der schon in einigen Nolan-Filmen zuvor zu sehen war.

Viel wurde im Vorfeld über die Altersfreigabe diskutiert. In den USA ein PG-13, in Deutschland eine FSK ab 12 einstufig, kann das bei einem Kriegsfilm funktionieren? Ja das kann es und das ist vor allem auf das Inszenierungsgeschick von Christopher Nolan zurückzuführen. In keiner Sekunde fühlt sich der Zuschauer in diesem Film sicher. Immer wieder schlagen Projektile irgendwo ein. Der Ton und das Sounddesign suchen wohl ihres Gleichen, immer herrscht Anspannung und die Musik von Hans Zimmer tut ihr übriges.

Fazit

Dunkirk wird nicht jedem Besucher gefallen. Die meisten werden ihn vermutlich mit sehr gemischten Gefühlen aufnehmen. Nolan hat sich soweit vom Blockbusterkino entfernt, wie es nur möglich ist. Gerade in den letzten Minuten des Films merkt man, dass nicht nur die Deutschen und die Amerikaner mit dem Zweiten Weltkrieg ein Päckchen zu tragen hatten, sondern auch die Briten ihre Geschichte erlebten. Oft waren sie in Verfilmungen immer nur als Partner der Amerikaner zu sehen. Dunkirk ist die Verbeugung Nolans, vor dem britischen Volk und zeitgleich ein Teil Kriegsaufarbeitung. Das macht ihm zu einem sehr persönlichen Film für das Vereinigte Königreich. Darüber hinaus bedient Christopher Nolan auf allen Ebenen die Filmkritiker und lässt sämtliche Hollywood-Mainstream-Regeln links liegen.



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Dunkirk Bewertung
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Dunkirk
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TiiN
Pirat
Geschlecht | 08.08.2017 | 16:51 Uhr08.08.2017 | Kontakt
Jonesi

Gerade diese parallele Erzählweise wird beim zweiten Mal sehen noch klarer fand ich. Man kann auf Details hier und da achten und sieht Überschneidungen.

Na klar hat Dunkirk eine wahnsinnige Optik, klasse Sounds und eine super Musik. Aber einmal mehr lebt auch dieser Film vor allem von der grandiosen Erzählweise.

luhp92
BOTman Begins
Geschlecht | 07.08.2017 | 21:45 Uhr07.08.2017 | Kontakt
Jonesi

Dieser Beitrag wurde am 07.08.2017 21:46 Uhr editiert.

@TiiN

Mir hat "Dunkirk" beim zweiten mal auch noch ein bisschen besser gefallen, unter Anderem weil man eben mehr auf die Details achten konnte. Tims Hypothese, der Film werde von mal zu mal langweiliger, weil er sich seiner Meinung nach nur auf die Action fokussiere, bestätigt sich für mich definitiv nicht!

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

TiiN
Pirat
Geschlecht | 07.08.2017 | 21:34 Uhr07.08.2017 | Kontakt
Jonesi

Ich habe mir Dunkirk heute ein zweites Mal im Kino angeschaut. Diesmal kein IMAX sondern die 70 mm Variante.

Wo ich nun wusste was mich erwartete war der Film für mich gleich noch eine Ecke gelunger. Mir sind einige Details und Verknüpfungen aufgefallen, die mir beim ersten mal gar nicht bewusst waren.

Mein Gesamteindruck hat sich bestätigt, Dunkirk ist etwas ganz untypisches besonderes - was sehr künstlerisch und gelungen daher kommt. smile

TiiN
Pirat
Geschlecht | 30.07.2017 | 02:03 Uhr30.07.2017 | Kontakt
Jonesi

@MD02GEIST

Dunkirk muss nicht zensiert werden, weil er die üblichen blutigen Szenen nicht hat. Stattdessen kommt er über die Situationsdramatik und die Filmemacherkunst so seiner Intensität. Darüber hinaus beinhaltet Dunkirk keinerlei Entwicklung der Charaktere, weil er auf dieses Thema keinen Fokus legt.

Du hast mich jedenfals neugierig gemacht und ich werde die Augen aufhalten.

MD02GEIST
Godzilla Fan #1
Geschlecht | 29.07.2017 | 13:18 Uhr29.07.2017 | Kontakt
Jonesi

@ TiiN
Danke für deine Rückmeldung. Dies soll mein letzter Post dafür sein. Ich hoffe natürlich, dass ich den Film sehen kann.

Also Dunkirk ist weitaus kürzer was die Laufzeit beider Filme betrifft. Und natürlich gibt es Unterschriede, ohne Ende, (reine Erfahrungssache: Japanisches vs. Westliches Kino) aber es fiel mir total auf als ich deinen Text las! Ob Dunkirk nun "realistischer" ist als so manch anderer Film, dass kann ich jetzt nicht sagen, aber ich glaube die wahrhaftig "realistischen" Kriegs- bzw. Anti-Kriegsfilme können an einer Hand abgezählt werden.

Aber wie du meiner Kritik zu Okinawa entnehmen durftest, die deutsche Version ist stark zensiert und bietet keinerlei Entwicklung für die Charaktere. Du wirst nur auf zwei möglichen Wegen dir die japanische Fassung mit englischen Untertiteln besorgen müssen; ebay für die offizielle US-DVD oder ein illegaler Download.

Monsters are born too tall, too strong, too heavy—that is their tragedy - Ishiro Honda
TiiN
Pirat
Geschlecht | 28.07.2017 | 22:37 Uhr28.07.2017 | Kontakt
Jonesi

@MD02GEIST

Vielen Dank für dein Feedback. Ich kann zu deiner Frage nur schwer was sagen. Ich habe mir sowohl deine Kritik durchgelesen, wie auch einen Trailer zu besagten Film durchgelesen. Anhand dieser Informationen findet man durchaus ein paar Parallelen zu Dunkirk, aber auch ganz klare Unterschiede. Wie es im Film letztendlich ausschaut, kann und will ich an dieser Stelle nicht beurteilten. Dafür würde ich auf den Diskussionspfad deiner Kritik verweisen.

Wie ich jedenfalls in meiner Kritik geschrieben habe, nimmt Dunkirk seine Stärken aus der kurzen Laufzeit, der Reduzierung auf die eigentliche Schlachthandlung - in einem realistischen Maß, was ich noch bei keinem anderen Film Kriegsfilm sah, den Verzicht der Fokusierung von Einzelfiguren sowie das pausenlose hohe Tempo, was durch Bild & Ton forciert wird. Eine Inszenierungstechnische Meisterleistung, auf die man sich einlassen muss.

Guck dir Dunkirk am besten mal an und sag dann selbst iwe ähnlich sie sich sind. Ich werde mir auch Maikaze Okinawa Zero angucken, sollte ich mal darauf stoßen, ich vermute aber, dass die beiden Filme sich stark unterscheiden.

MrBond
Moviejones-Fan
Geschlecht | 28.07.2017 | 21:19 Uhr28.07.2017 | Kontakt
Jonesi

@Chris

Ich merk` schon, Du bist lernresistent. Hätte ich wissen müssen. Sorry, mein Fehler wink

Sehe ich so aus als ob mich das interessiert?!"

ChrisGenieNolan
DetectiveComics
Geschlecht | 28.07.2017 | 18:07 Uhr28.07.2017 | Kontakt
Jonesi

@Mr. 00 0:

Ich weiß, Du kennst Dich auf dem Nicht-Comic-Sektor nicht so gut aus - daher kannst Du`s nicht Oh doch. Aber es is immer so anstrengend, beim manche Themen hier zu lesen. Ich werden den Tag anbeten, wenn nolan man ein 00 0 Film drehen würde ani-laughani-laugh

wissen: 007 ... Die Nummer lautet 007

Was? Jetzt bin ich aber enttäuscht von dir als 00 0 Fans frown

MrBond
Moviejones-Fan
Geschlecht | 28.07.2017 | 17:25 Uhr28.07.2017 | Kontakt
Jonesi

@Chris

Ich weiß, Du kennst Dich auf dem Nicht-Comic-Sektor nicht so gut aus - daher kannst Du`s nicht wissen: 007 ... Die Nummer lautet 007

Naja, vielleicht klappts ja, wenn irgendwann mal ein Bond von Nolan verfilmt wird, oder Wonder Woman zum Bondgirl wird wink

Sehe ich so aus als ob mich das interessiert?!"

MD02GEIST
Godzilla Fan #1
Geschlecht | 28.07.2017 | 13:23 Uhr28.07.2017 | Kontakt
Jonesi

@ TiiN
Eine schöne Kritik, doch nun muss ich eine Katze aus dem Sack lassen! Bitte zwing mich nicht diese wieder einzufangen, denn deine Kritik sorgte dafür das sie nun frei ist! smile

Nun aber ernsthaft. Deine Kritik TiiN erzeugt bei mir eine Erinnerung und zwar an meinen Lieblingsfilme, den ich hier schon auf moviejones.de für euch, d.h. die Community kritisiert habe. Ich rede von nichts anderem als DER WENDEPUNKT DER GESCHICHTE SHOWA - DIE SCHLACHT VON OKINAWA (1971) von Kihachi Okamoto aka KAMIKAZE ZERO OKINAWA!

So wie du den Film schilderst TiiN hat sich Nolan derselben oder zumindest einer ähnlichen Erzählstruktur wie Okamoto bedient! Und das lies mir doch echt die Kinnlade runterklappen, gerade in Bezug auf die Kritik von MJ. MJ und du selber kennen wahrscheinlich den japanischen Film nicht persönlich, sondern nur die Kritik die ich darüber schrieb.

Es geht mir jetzt nicht darum Nolan auszuzeichnen oder niederzumachen, aber diese Parallele sollte beachtet werden. Wenn dieser Film so gut angut, warum denn nicht auch die Schlacht von Okinawa?

Sehe ich hier etwa wieder Rassismus und Vorurteile die Klinke in die Hand geben? Das weiß ich offen gesagt nicht, doch wenn jemand dieser Film in seiner Machart zusagt, dann kann er oder sie sich auch den Film von 1971 aus den Toho-Studios ansehen und mit ihm einen Vergleich anstellen.

Was meinst du?

Monsters are born too tall, too strong, too heavy—that is their tragedy - Ishiro Honda

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