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Excalibur

John Boorman und der Herr der Ringe

Excalibur Kritik

4 Kommentar(e) - 15.09.2017 von luhp92
Hierbei handelt es sich um eine User-Kritik von luhp92.

Excalibur Bewertung: 2.5/5

Nachdem bereits zwei Versuche gescheitert waren, versuchte John Boormann in den 1970er Jahren ein drittes Mal, den "Herrn der Ringe" als Live-Action-Film für die Kinoleinwand zu adaptieren. Wie 1957 sollte die komplette Geschichte erneut in einem einzigen Film erzählt werden. Das Drehbuch enthielt Änderungen wie: Gimli wird verprügelt, um sich an das Moria-Passwort zu erinnern. Frodo und Galadriel haben Sex. Arwen ist eine Teenagerin und die Liebesbeziehung mit Aragorn wird auf Eowyn übertragen. Das Projekt wurde verworfen, weil es sich als zu teuer für die damalige Zeit herausstellte.

Aus dem Projekt wurde letztendlich der Film "Excalibur", in den Boorman manche inhaltliche Elemente und die praktischen Effekte einfließen ließ, die eigentlich für "Der Herr der Ringe" entwickelt wurden. Vorgestern habe ich mir "Excalibur" angesehen und danach bin ich ganz froh, dass aus Boormans Tolkien-Adaption nichts geworden ist.

Zwar kenne ich mich mit den Einzelheiten der Artussage nicht aus, erkenne aber wohl, wenn sich ein Regisseur zu viel vornimmt. Der Film erzählt von Uther und seinem Schwert Excalibur, von Arthurs Zeugung, vom Ziehen des Schwertes aus dem Stein, von Arthurs Vereinigung des Reiches und Verteidigung seiner Königskrone, von der Gründung der Ritter der Tafelrunde, von der Suche nach dem Heiligen Gral und Arthurs Kampf gegen Morgana und Mordred. Die Handlung hätte für einen Zweiteiler oder eine Trilogie ausgereicht, Boorman quetscht sie stattdessen leider in einen einzigen 140-Minuten-Film. Darunter leidet nicht nur die Epik des Films, auch die Zeichnung der Charaktere - Arthur inklusive - fällt ziemlich blass aus. Im Vordergrund stehen eindeutig die beeindruckenden Kulissen, Kostüme und Effekte, mit denen Boorman das filmische Fantasygenre weiterentwickelte und als Vorreiter für Jacksons "Herr der Ringe"-Adaption gilt. Auch im Bezug auf eine realistischere Kriegs- und Gewaltdarstellung setzte Boorman neue Maßstäbe: Blutspritzer, abgehackte Gliedmaßen und vom Kampf erschöpfte Helden waren für die damalige Zeit ein Novum.

Zwar enttäuscht "Excalibur" auf inhaltlicher und charakterlicher Ebene, aus visueller und technischer Sicht lohnt es sich dennoch, einen Blick auf den Film zu werfen. Weitere Pluspunkte: Zum Einen verleiht die musikalische Untermalung durch Stücke von Wagner und Orff dem Werk eine zum Teil opernhafte Atmosphäre, zum Anderen sieht man hier mit Patrick Stewart, Liam Neeson und Helen Mirren drei Schauspieler, die 1981 noch ziemlich unbekannt waren und erst am Anfang ihrer jeweiligen Filmkarrieren standen. Noch ein Hinweis zur Synchronisation: Die Dialoge fallen im Deutschen meiner Meinung nach ziemlich cheesy aus und sind in den 80er Jahren hängengeblieben, viellleicht sollte man also lieber zu der Originalfassung greifen.

Excalibur Bewertung
Bewertung des Films
510
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luhp92
BOTman Begins
Geschlecht | 18.09.2017 | 15:10 Uhr18.09.2017 | Kontakt
Jonesi

@MD02GEIST

Tom Bombadil ist ein Thema für sich, besonders interessant ist ja die Tatsache, dass man nicht genau weiß, um wen oder was für ein Wesen es sich beim ihm eigentlich handelt. Ich hätte gerne eine Live-Action-Adaption Tom Bombadils gesehen, allerdings störte es mich im Buch schon immer etwas, dass er den Hobbits zum Beginn der Handlung gleich zweimal den Arsch retten musste. Auf der anderen Seite wirkte die Szene im Jackson-Film etwas holprig, in der die Hobbits die Schwerter nicht von Tom sondern von Aragorn erhielten.

Deinen Kommentar zu Dan Simmons habe ich gelesen, der Hyperion-Cantos steht schon seit ein paar Jahren auf meiner Liste. Basierend auf deinen Beschreibungen würde ich sagen, dass sich hier wahrscheinlich am ehesten eine Serie als filmische Adaption anbieten würde.
Vor zwei Jahren wurde eine solche Serie vom Fernsehsender Syfy ja sogar angekündigt. Mit Bradley Cooper, Graham King und Todd Phillips als Produzenten und Itamar Moses als Drehbuchautor. Seitdem hat man allerdings nichts mehr von dem Projekt gehört, also würde ich aktuell nicht allzu viel auf diese News geben.

http://deadline.com/2015/06/bradley-cooper-graham-king-todd-phillips-team-syfy-dan-simmons-hyperion-1201440678/

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

MD02GEIST
Godzilla Fan #1
Geschlecht | 18.09.2017 | 12:45 Uhr18.09.2017 | Kontakt
Jonesi

@ luhp
Mein persönlicher Kurzkommentar bezüglich Jacksons Adaptation und Tolkien. Er ist nur sehr kurz. Im Grunde stört es mich nicht wirklich, aber es hätte aus meiner Sicht auch nichts dagegen gesprochen Charaktere wie Tom einzubinden.

In Bezug auf Mittelerde bin ich sehr entspannt, was das Thema Buch-Adaptationen angeht. Hast du noch meinen Beitrag zu Dan Simmons gelesen? Im Thread zu eventuell kommenden Verfilmung von Besters TIGER, TIGER?

Monsters are born too tall, too strong, too heavy—that is their tragedy - Ishiro Honda
luhp92
BOTman Begins
Geschlecht | 17.09.2017 | 21:12 Uhr17.09.2017 | Kontakt
Jonesi

@MD02GEIST
"ich hatte das Image des Guten Rittersmann im Kopf. Doch dann als es losging und Arme abgehakt wurden und die Rüstungen mit Blut besprudelt wurden, da war es vorbei mit der Rittersehre."

Ja, das ist eine der Stärken des Films. Im Vergleich zu Filmen aus den vorherigen Dekaden hat Boorman das Ritterfilm-Genre mit "Excalibur" revolutioniert. Klassische Helden, die alles können und ihre Feinde ohne Blut umbringen, gibt es hier nicht mehr.

"Wegen Boormanns LORD OF THE RINGS. Was wäre das wohl für ein Film geworden? [...] Natürlich wäre dies eine sehr freie Adaptation geworden, aber ich glaube das es dennoch interessant geworden wäre."

Interessant vielleicht, aber aus heutiger Sicht würde mir seine Interpretation nicht gefallen. Da bin ich mittlerweile vorbelastet, was die Jackson-Filme und Tolkiens Roman betrifft. Allerdings frage ich mich, wie ich den Boorman-Film wohl empfunden hätte, wenn es die Jackson-Filme nicht geben würde. Ich habe den Roman erst nach den Filmen gelesen und deswegen machen mir Jacksons Änderungen im Gegensatz zu vielen Buchkennern nichts aus. Mit Boormans Änderungen hätte ich mich also durchaus ebenfalls anfreunden können.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

MD02GEIST
Godzilla Fan #1
Geschlecht | 17.09.2017 | 16:37 Uhr17.09.2017 | Kontakt
Jonesi

Ich kann mich persönlich nur noch wage an ein paar Szenen erinnern, aber was mir im Kopfe blieb waren unter anderen die Schlachtszenen.

Ich muss 10 Jahre alt gewesen sein, als ich diesen Film das bisher einzige Mal im TV sah. Ich weiß nicht welche Film mich damals mehr schockierte, aber in diesem Sinne nicht negativ beeinflusste: ALIEN oder EXCALIBUR.

Der Film war wegen der Schlachtszenen deswegen unglaublich, weil die Rüstungen glänzten, sprich ich hatte das Image des Guten Rittersmann im Kopf. Doch dann als es losging und Arme abgehakt wurden und die Rüstungen mit Blut besprudelt wurden, da war es vorbei mit der Rittersehre.

Sollte ich nochmal die Gelegenheit haben diesen Film mir anzusehen, dann werde ich es tun.
Andere Szenen sind die wo Excalibuer aus dem Wasser entsteigt und zerbricht.
Der Film wird ja auch in READY PLAYER ONE referenziert. Ob das für die Spielberg-Adaptation so sein wird, weiß ich natürlich auch nicht.

Wegen Boormanns LORD OF THE RINGS. Was wäre das wohl für ein Film geworden? In der Tat, die Filmgeschichte steckt voller solcher niemals realisierter Projekte. Natürlich wäre dies eine sehr freie Adaptation geworden, aber ich glaube das es dennoch interessant geworden wäre.

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