The Interview Kritik | Moviejones
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The Interview

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The Interview Kritik

The Interview Kritik
40 Kommentare - 18.12.2014 von Moviejones
Wir haben uns "The Interview" für euch angeschaut und verraten euch in unserer Kritik, ob sich dieser Film lohnt.
The Interview

Bewertung: 0.5 / 5

Dave Skylark (James Franco) und sein Produzent Aaron Rapoport (Seth Rogen) sind bekannt für die beliebte Boulevard-Sendung "Skylark Tonight", die von Millionen Menschen gesehen wird. Doch gerade Aaron ist in letzter Zeit nicht mehr zufrieden damit, keine echten Nachrichten der Welt präsentieren zu können. Dinge können sich aber ändern, denn glücklicherweise hat "Skylark Tonight" einen ganz besonderen Fan: Kim Yong Un (Randall Park) und dieser ermöglicht dem ambitionierten Duo die Chance ihres Lebens: Ein Interview in Nordkorea! Natürlich will sich die Chance, beim Interview mit dem "gefährlichsten Mann der Welt" dabei zu sein, auch die CIA nicht entgehen lassen und so sollen Dave und Aaron die Gunst der Stunde nutzen, ihren größten Fan auszuschalten...

VIDEOKRITIK

Trailer zu The Interview

Bei einem Film wie The Interview fällt es schwer, nach den ersten paar Minuten keine Tränen in den Augen zu haben, wenn ein kleines nordkoreanisches Mädchen das Ende der USA besingt. So schräg, so abstrus wie der gesamte folgende Film, denn The Interview ist vor allem eines: Ein extrem politisch unkorrekter Film, jedenfalls nach Betrachtungsweise. Daher werden wir den Film aus zwei Sichtweisen bewerten, anders kann man diesem nicht gerecht werden.

Nehmen wir The Interview erst einmal als Film, als fiktives Werk von Seth Rogen erdacht. Vollgepackt mit Witzen, wie sie typisch für Koproduktionen sind, die dem Geiste Rogens und Franco entspringen, fast hätte man der Meinung sein können, Judd Apatow hätte ebenfalls seine Finger im Spiel. Drogen, nicht minder viel Fäkalhumor, politisch unkorrekte Sprüche, ein typisch dem Overacting verfallener Franco (hier extrem passend) und eine Gagdichte, die sicherstellt, dass einige der Witze auf jeden Fall zünden. Und das tun sie. Für Unterhaltung ist also auf jeden Fall gesorgt, wenn man sich auf The Interview einlässt und den Film über seine 100 Minuten nicht allzu ernst nimmt. Man könnte fast meinen, dass man ein modernes Top Secret vor sich hat, nur dass das Regieduo Rogen und Evan Goldberg den Zucker-Brüdern und Abrahams nicht das Wasser reichen kann. Denn wo seinerzeit die DDR durch den Kakao gezogen wurde, war die überspitzte Darstellung immer deutlich. Bei The Interview ist diese Kenntlichmachung nicht so offensichtlich, denn die hier betriebene Grat(unter)wanderung und der Tabubruch sind deutlich gravierender. Wäre dies nicht der Fall, The Interview hätte als reine Komödie ohne moralische Deutung seine 3-4 Hüte sofort verdient.

Doch beim Schauen kommt bereits dieses Gefühl in einem hoch, welches nach dem Kinobesuch nicht locker lässt, dieses Gefühl, den Film hinterfragen zu wollen. Uns ist bewusst, dass man deutlich unkritischer sein kann, wenn man nur auf die offenkundig gelungene Unterhaltung Wert legt, aber wir müssen an dieser Stelle anders handeln.

Sobald man nämlich sein Gehirn einschaltet, funktioniert der Film nicht mehr richtig. Und obwohl man gelacht hat, merkt man, dass eine Schwelle überschritten wurde, die nicht überschritten werden sollte. Derart viel moralische Dramatik bei einer Komödienrezension?! Ja. Fassen wir doch noch mal den Inhalt zusammen: Ein Film kommt ins Kino, der zur Unterhaltung von Millionen Menschen die Ermordung eines tatsächlich lebenden Menschen zum Thema macht - und legitimiert, weil wir ja schließlich von einem Diktator sprechen. Natürlich mag dies legitim erscheinen bei Menschen, die einer Weltordnung anheimfallen, in der die Abgrenzung Gut-Böse so einfach ist und kein Denken erfordert. In dieser ist Nordkorea der Feind und wir wollen an dieser Stelle nicht abstreiten, dass das dortige Regime am besten nur noch ein böser Traum der Vergangenheit wäre. Doch aus dieser propagierten Haltung sind Kriege und Leid gemacht, die uns nicht zuletzt in diesem Horrorjahr 2014 gezeigt haben, was eigentlich schiefläuft. Was erdreisten wir uns, allen voran die USA, sich derart als Richter zu erheben bei der eigenen Vita?! Würde The Interview wenigstens ansatzweise selbstkritisch sein - und in den ersten 20 Minuten könnte man als Zuschauer doch glatt auf diesen Gedanken kommen - es wäre fast eine schwarzhumorige Perle, doch kurz darauf ist das Gut-Böse-Schema eindeutig festgelegt.

Natürlich steckt da auch Wahrheit drin, denn was die Herrscher in Nordkorea anrichten, ist perfide und menschenfeindlich. Doch wie der wunderbare Hagen Rether schon bemerkte, nicht Nordkorea hat seit nunmehr 60 Jahren unzählige Angriffskriege geführt, die Welt mehr als einmal an den wirtschaftlichen Kollaps getrieben, aus nationalem Interesse sein Fähnchen in den Wind gehalten, wie es gerade passte und seine "Freunde" ausspioniert. Ja, Nordkorea schreckt vor Folter und Mord nicht zurück und sperrt Menschen ohne juristische Handhabe ein - aber das tun die, die sich hier als moralische Instanz erheben, auch. Wer genauer hinsieht, merkt schnell, wie Gut und Böse ineinandergleiten, wir Teil des Problems sind und nicht selten mit unserer Arroganz das Problem selbst. Die Propaganda Nordkoreas wird zu Recht in The Interview massiv kritisiert und wir möchten dem zustimmen. Doch niemand von uns kann über Nordkorea vollumfänglich urteilen, da die wenigsten dort waren. Natürlich entspricht dieser Staat nicht im Mindesten einem Land, in dem man als geistig Zurechnungsfähiger leben will, aber nichts rechtfertigt die Entscheidung, eine tatsächlich lebende Person zu Unterhaltungszwecken exekutieren zu wollen, von der vor allem eine tatsächliche Bedrohung ausgehen könnte. Sind sich die USA ihrer Sache so sicher? Vielleicht war es einfach der exotische Reiz, auf Kim Yong Un, einen recht geheimnisvollen Diktator einzuhauen. Oder war doch eher ein rationales Angstgefühl im Spiel, einen starken Feind wie Wladimir Putin eher nicht zur Unterhaltung heranzuzitieren? Weil Russland schon zu oft durch Hollywood-Filme geisterte? Sicher nicht.

The Interview strotzt nicht vor Sarkasmus, es ist keine funktionierende Satire. Der Film zeigt uns, wie leicht es geht, Recht zu sprechen und nicht im Recht zu sein. Einerseits wird es (nicht nur in den USA) sehr viele simple Menschen geben, die einfach Hurra schreien werden, andererseits zieht dieser Film mit dem Mordmotiv an einer existenten hochrangigen Person auch Andersdenkende und Extremisten an, die dem Spaß bitteren Ernst folgen lassen können. Nein, man soll und darf sich Extremisten nicht beugen, aber man sollte sensibel genug sein zu erkennen, wenn eine Grenze überschritten wurde. Danke, The Interview, wir haben oft gelacht und uns dafür hinterher umso mehr geschämt.

The Interview Bewertung
Bewertung des Films
110
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40 Kommentare
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Shalva : : Moviejones-Fan
07.07.2015 02:18 Uhr
0
Dabei seit: 04.06.11 | Posts: 4.513 | Reviews: 2 | Hüte: 128
Jetzt habe ich den Film gesehen und eigentlich braucht man über diesen Mist gar nicht viel zu schreiben. Ganz wenige „lustige“ Momente, aber ansonsten ziemlich miserabel gemacht! Mit genug Alkohol und paar versauten Freunden kann man den Streifen angucken und paar dreckige Lacher loswerden. Danach kann man sich Der Diktator und New Kids Turbo reinziehen, die um einiges versauter sind… und wo wir schon dabei sind, vielleicht auch Borat und Brüno! laughing laughing

Übrigens ist es schon krass wie James Franco in dem Streifen nervt! War das „Overacting“ oder „gar kein Acting“?? Keine Ahnung! Jedenfalls war The Interview eine Zeitverschwendung für mich! Die ganz wenigen versauten Lacher sind ganz nett, aber alles andere funktioniert nicht mal ansatzweise, und dadurch ist der Film stellenweise kaum zu ertragen langweilig!

MJs Sorge, dass der Film vielleicht Extremisten anziehen könnte, kann ich eigentlich nicht wirklich teilen! Extremisten könne mit allen möglichen Sachen angezogen werden! Dieser Film ist einfach zu dumm und zu schlecht gemacht und wird sehr schnell in die Vergessenheit geraten. Und ja, es werden einige Amiidioten Hura schreien, aber diese Idioten brauchen nicht unbedingt diesen Streifen, um Hura zu schreien!
Wenn man den Inhalt des Films sehr streng auseinandernimmt, dann kann ich schon nachvollziehen, dass man da wohl ne Grenze überschritten hat! Jedoch ist The Interview mMn es überhaupt nicht Wert sehr streng auseinandergenommen zu werden… dafür ist es mMn, wie gesagt, zu schlecht und dadurch viel zu unwichtig!
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DirtyMary : : Moviejones-Fan
10.02.2015 03:58 Uhr | Editiert am 10.02.2015 - 03:59 Uhr
0
Dabei seit: 07.08.13 | Posts: 175 | Reviews: 33 | Hüte: 6
@ Andra

Um die Kunst- und Meinungsfreiheit auf den liberalen Stand zu bringen, den wir z.B. in Deutschland kennen und schätzen, haben Millionen von Menschen jahrhunderte lang für gekämpft. Im Vergleich dazu sind meine "ermüdenden Zickereien" nur ein Fliegenschiss.
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noemata : : Moviejones-Fan
07.02.2015 14:18 Uhr | Editiert am 07.02.2015 - 14:45 Uhr
0
Dabei seit: 24.09.14 | Posts: 28 | Reviews: 0 | Hüte: 0
@MP: In der Kritik steht nun u.a. : "Einerseits wird es (nicht nur in den USA) sehr viele simple Menschen geben, die einfach Hurra schreien werden, andererseits zieht dieser Film mit dem Mordmotiv an einer existenten hochrangigen Person auch Andersdenkende und Extremisten an, die dem Spaß bitteren Ernst folgen lassen können. Nein, man soll und darf sich Extremisten nicht beugen, aber man sollte sensibel genug sein zu erkennen, wenn eine Grenze überschritten wurde. "

So wird es in diesem Kontext trotz allem recht interessant, wie "American Sniper" beurteilt wird. Ein reaktionäres Machwerk, welches einen Massenmörder und seine Taten verherrlicht. Legt man den hier vertretenen Maßstab von "The Interview" an Eastwoods - wie unzähligen anderen amerikanischen Produktionen - Machwerk, dürfte kein einziger Stern folgen.

Desweiteren hat der Kritiker "The Interview" wohl noch nicht einmal gesehen.

SPOILER:

[spoil]1) CIA beauftragt die beiden Doofköpfe mit der Tötung des Diktators. Nichts neues, geschieht im tatsächlichen Leben ja auch anderen Irren dieser Sorte .. zuletzt Bin Laden. Und auch die Frage, ob die versuchten Attentate auf Hitler gerechtfertigt waren, was weitere unzählige Tote verhindert hätte, ist eine gerechtfertigte Frage. Aber darum geht es hier ja nicht.[/spoil]
[spoil][/spoil]
[spoil]2) Einer dieser Doofköpfe, findet Kim mit der Zeit aber höchst sympathisch, weil er einen gewöhnlichen Menschen dahinter sieht. Boom Boom Boom. Das wird so auch dem Zuschauer gegenüber transportiert. Und so will er den Auftrag nicht durchführen.[/spoil]
[spoil][/spoil]
[spoil]3) Mit der Aussage: "Thats the american way", als Bestätigung der Tötungsabsichten, wird satirische Selbstkritik an dieser Intention geübt.[/spoil]
[spoil][/spoil]
[spoil]4) Als sich Kim irgendwann dann ja doch als irrer Despot de-maskiert, ändert sich die Meinung des Doofkopfes und er will den Auftrag durchführen. In diesem Augenblick jedoch, wird von der koreanischen Agentin eine völlig andere Botschaft transportiert, nämlich die, daß eine Tötung sinnlos ist. Es würde nur Hydra-mäßig ein Nachfolger an die Macht kommen und es ginge weiter wie bisher. Man müsse daher dafür Sorge tragen, daß das Volk selbst ihren Kim als gewöhnlichen Menschen mit gewöhnlichen Fehlern und einem Anus wahrnimmt, anstatt als eine Art göttliches Wesen ohne Anus. Die Konsequenz kann nur vom koreanischen Volk selbst erfolgen, nicht durch fremde Mächte wie die USA und deren Intentionen basierend auf Fremdbestimmung.[/spoil]
[spoil][/spoil]
[spoil]5) Daß Kim am Schluss doch noch draufgeht, ist in Folge relativ losgelöst vom CIA-Auftrag, welcher vorher nachweislich auf recht intelligente Weise relativiert wurde, inzeniert.[/spoil]

Und so sind die hier vertretenen Vorwürfe einfach nur überzogen, haben nichts mit dem konkreten Inhalt zu tun und sind noch dazu relativ scheinheilig. Von der wirren Punktevergabe ganz zu schweigen. Und was MJ wie der irre Kim und seine Kumpanen einfach nicht verstehen wollen: Es ist nur ein Film. Letztendlich auch der tatsächlich fragwürdige "American Sniper". Also mißbraucht das nicht.
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Andra : : Moviejones-Fan
04.02.2015 10:10 Uhr
1
Dabei seit: 01.05.11 | Posts: 412 | Reviews: 0 | Hüte: 35
@DirtyMary:

Es wird nun jeder User, ob er/sie nun deiner Argumentation folgt oder nicht, verstanden haben, dass du die MJ Kritik nicht gutheißt und eine andere Position vertrittst. Das ist ok, aber ein Thema derart breit auszuwalzen, ist einfach nur noch ermüdend nach all den Wochen.

Es gab schon einige Leute auf MJ, die nicht erkannt haben, wann die feine Grenze von "es reicht" überschritten wurde, aber du sprengst das regelrecht. Nichts gegen eine fundierte und kontroverse Diskussion, aber sicherlich nicht nur bei mir hast du den Eindruck erweckt, einfach nur zickig auf einem Standpunkt zu beharren. Schau dir den Film einfach an, hau dann noch einen finalen Kommentar raus, wie missverstanden er doch wird, und gut.
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
03.02.2015 23:16 Uhr | Editiert am 03.02.2015 - 23:17 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 14.565 | Reviews: 161 | Hüte: 521
Zur Diskussion möchte ich mir gar nicht groß äußern. Ich habe den Film nicht gesehen. Eins möchte ich jedoch anmerken, dann bin ich auch schon wieder weg.

Man denke nur an die Nazi-Propagandafilme einer Leni Riefenstahl. Von vielen Filmkritikern heute als Meisterwerke abgefeiert, ist aber eine Einordnung in den historischen und vor allem auch ethischen Kontext unabdingbar.

Genau das tut Moviejones doch. The Interview in einen Kontext einordnen. Nur dass es eben nicht der historische ist, sondern der gegenwärtige.
Der Vergleich mit Chaplins "Der Große Diktator" hinkt auch. Dort wurde nicht versucht, Hitler umzubringen.

"Dit is einfach kleinlich, weeste? Kleinjeld macht kleinlich, Alter. Dieset Rechnen und Feilschen und Anjebote lesen, Flaschenpfand, weeste? Dit schlägt dir einfach auf de Seele."

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DirtyMary : : Moviejones-Fan
03.02.2015 21:54 Uhr
0
Dabei seit: 07.08.13 | Posts: 175 | Reviews: 33 | Hüte: 6
Stimmt. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.
Das eine ist REAL und das andere FIKTION. Eine Unterscheidung, die doch schwerer fallen kann als gedacht.
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Moviejones : : Das Original
03.02.2015 19:46 Uhr
0
Dabei seit: 15.10.08 | Posts: 2.212 | Reviews: 1.047 | Hüte: 152
@DirtyMary:

Und mir stinkt, daß der real REALE Kim Jong Un ganz real - und nicht im Film - jeden Tag und mit voller Absicht tausende Unschuldige in seinen Kerkern foltern lässt bis der Tod diese armen Teufel erlöst.

Um das Thema kurz zu machen: Uns stinkt das auch! Aber das eine hat rein gar nichts mit dem anderen zu tun. Aber auch das hatten wir bereits im Vorfeld versucht zu erläutern.

Für uns ist das Thema damit beendet, da sich diese Diskussion inzwischen seit Wochen ums gleiche Thema dreht und wir uns auch nur wiederholen können.
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DirtyMary : : Moviejones-Fan
03.02.2015 19:38 Uhr
0
Dabei seit: 07.08.13 | Posts: 175 | Reviews: 33 | Hüte: 6
@MarieTrin

Ich spreche MJ nicht das Recht ab, sich negativ über den Film zu äußern. Leider gelingt es mir nicht diesen desöfter verlautbarten Irrtum aus der Welt zu schaffen. Mea Culpa.
Im übrigen ist eine Schmähkritik selbstverständlich von der Meinungsfreiheit geschützt. Ich liebe gut gemachte Schmähkritiken. Deutschlands legendärsten Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki ("grrääässsssssslich") sehe ich quasi als eine Art Vorbild an smile

Wo genau sehen Sie eine Interpretation von MJ? MJ nimmt den Film 1:1 beim Wort und spart sich jedwede Trennung zwischen Realität und Fiktion, was beim moralisieren ohnehin nur stören würde: "Es stinkt uns, dass ein Land wie die USA, die viele wunderbare Eigenheiten haben, aber eben auch wirklich nicht in der Position sind (wer ist das schon?), mit dem Finger auf andere zu zeigen, einen REALEN Menschen in diesem Film umbringen wollen!"

Es ist nett, wenn Sie MJ beistehen. Aber ich glaube nicht, daß geleugnet wird, daß der Moralmaßstab für die Endbewertung des Filmes letzten Endes der einzigste Maßstab war. Der Absturz von 3,5 Hüte auf 0,5 Hüte lässt da nicht viele andere Schlussfolgerungen zu, auch wenn Sie versuchen noch ein paar Krümel zusammenzuklauben.
"Wir stehen auch weiterhin zu unserer AussagE" ist noch ein zusätzlicher Indikator dafür, daß die vielen anderen Komponenten die einen Film ausmachen nicht ganz so ernst genommen wurden. Damit werden wir uns wohl oder übel abfinden müssen.
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DirtyMary : : Moviejones-Fan
03.02.2015 19:35 Uhr | Editiert am 03.02.2015 - 19:52 Uhr
0
Dabei seit: 07.08.13 | Posts: 175 | Reviews: 33 | Hüte: 6
@MJ

»Darf "Kunst" wirklich alles, nur weil es Kunstfreiheit gibt?!«

Darf man stets und zu allem seine "Meinung" sagen, nur weil es Meinungsfreiheit gibt?!
In allen ordentlichen Demokratien (BRD, USA, FRA, .) hat der Begriff der Kunst- und Meinungsfreiheit - vom Prinzip - einen universellen Charakter. Dies ist stets auch als Grundrecht manifestiert, in der BRD ist das GG Art.5 (1) dafür zuständig: "Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und BILD frei zu äußern [...]." 
In Autokratien und Diktaturen (Katar, UNG, RUS, Nordkorea ...) hingegen hat der Begriff der Kunst- und Meinungsfreiheit nicht den gleichen universellen Charakter. Was in Sachen Kunst und Meinung erlaubt ist, unterliegt mehr oder minder dem Gutdünken der jeweiligen politischen Führer.

Die Antwort auf die Frage ob Kunst alles darf oder nicht hängt also davon ab, ob man sich diesbezüglich eher zu einem demokratischen oder eher zu einem autokratischen Verständnis hingezogen fühlt. Der Satz "[...] aber man sollte SENSIBEL genug sein zu erkennen, wenn eine Grenze überschritten wurde" legt nach meinem bescheidenen Verständnis den Schluss nahe, daß MJ sich nicht für das GG-Verständnis entschieden zu haben scheint. Universalität kennt keine Sensibilitätsgrenze.
Wenn Filmkritiker einen subjektiv guten Eindruck von einem Film haben ("gelungene Unterhaltung", "haben viel gelacht") und dafür 7 von 10 möglichen Punkten veranschlagen, aber nach einer "moralischen Deutung" den Film größtmöglichst abstrafen, dann ist was faul. Auch RedBull sieht dies wohl ähnlich: "Habt ihr euch da nicht allzusehr hinreissen lassen [...]? 0,5 scheint mir etwas zu niedrig angesiedelt zu sein, zumal er euch anscheinend doch gut unterhalten hat."

Darf man als Kritiker Filme hinterfragen und auf mögliche ethische Dilemmata untersuchen und dies auch zum Ausdruck bringen? Ja, man darf. Manchmal muss man sogar. Man denke nur an die Nazi-Propagandafilme einer Leni Riefenstahl. Von vielen Filmkritikern heute als Meisterwerke abgefeiert, ist aber eine Einordnung in den historischen und vor allem auch ethischen Kontext unabdingbar. Denn diese Filme transportieren mitunter tatsächlich menschenverachtende Botschaften. https://www.youtube.com/watch?v=M4SmZkmLRjQ
Aber wer Kunst- und Meinungsfreiheit universell versteht, wird seine subjektive Bewertung deswegen nicht komplett über Bord werfen.

»Es stinkt uns, dass ein Land wie die USA [...] mit dem Finger auf andere zeigen und einen REALEN Menschen in diesem Film umbringen wollen!«
Und mir stinkt, daß der real REALE Kim Jong Un ganz real - und nicht im Film - jeden Tag und mit voller Absicht tausende Unschuldige in seinen Kerkern foltern lässt bis der Tod diese armen Teufel erlöst. https://www.amnesty.de/2014/2/17/nordkorea-un-sicherheitsrat-muss-aktiv-werden
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Moviejones : : Das Original
03.02.2015 12:55 Uhr
0
Dabei seit: 15.10.08 | Posts: 2.212 | Reviews: 1.047 | Hüte: 152
@Noemata

Der Film wird die Bewertung bekommen, die der jeweilige Redakteur für angemessen erachtet.
Wir versuchen auch, Filme nicht über Genregrenzen hinaus zu vergleichen, klappt nicht immer zu 100%, aber wir versuchen es.

Wir sind auch weiterhin der Auffassung, dass wir unseren Standpunkt zu The Interview sehr deutlich gemacht und vor allem begründet haben.
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noemata : : Moviejones-Fan
03.02.2015 12:40 Uhr
0
Dabei seit: 24.09.14 | Posts: 28 | Reviews: 0 | Hüte: 0
Bin mal gespannt, wie die MJ-Kritik für "American Sniper" aussieht. Auch nur ein halber Punkt mehr als für "The Interview" und schon ist diese "The Interview" Kritik offiziell als Lächerlichkeit wie Scheinheiligkeit entlarvt.
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MarieTrin : : Mrs. Justice
02.02.2015 13:06 Uhr
0
Dabei seit: 11.09.11 | Posts: 1.897 | Reviews: 27 | Hüte: 44
@DirtyMary
Kunstkritik ist keine Mathematik, in der es eine einzige richtige Antwort neben unendlich vielen falschen Antworten gibt. Kunstkritik kann nur subjektiv sein und je mehr mehr subjektive Meinungen zustande kommen, umso eher ergibt sich vielleicht sogar eine Art von "objektivem" Gesamtbild. Es kann also gar nicht genug an Meinungsäußerung diesbezüglich geben.

Warum sprichst du dann (etwas hart ausgedrückt) MJ das Recht ab, sich negativ über den Film zu äußern? Damit widersprichst du dir doch letztendlich.
Es ist das eine etwas negativ zu bewerten, aber es ist was ganz anderes wie man auf eine Kritik oder eine schlechte Meinung reagiert, wie im Falle von Charlie Hebdo. Ich muss nicht alle satirischen Zeichnungen gut finden, im Gegenteil ich kann laut und deutlich sagen, dass ich auch finde, dass die Zeichnungen von Charlie Hebdo teilweise etwas zu weit gehen. Ich kann das Magazin kritisieren, aber ich akzeptiere das Magazin und akzeptiere, dass Menschen andere Meinungen haben als ich. Der Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo geht gegen alle unsere demokratischen Grundprinzipien, unsere pluralistische Gesellschaft und gegen das, was die Meinungsfreiheit ausmacht.
Und das ist für mich, dass man grundsätzlich keine Meinung verbietet. Wie ich schon unten schrieb, begründet MJ seine Meinung und äußert sich sogar zu deinen Kommentaren (was nur sehr wenige Filmseiten machen). Das macht einen wesentlichen Unterschied wie @Shalva es treffend ausgeführt hat. Es ist eben keine Schmähkritik, die laut Rechtsprechung nicht mehr unbedingt von der Meinungsfreiheit geschützt ist.

Oder noch konkreter gefragt: Kann ein Filmkritiker einen Film gut finden, wenn er dessen Inhalt - warum auch immer - für moralisch anstössig hält?

Du machst da eine Trennung, die nicht immer möglich ist und die ein Kritiker nicht immer machen muss. Ein Film setzt sich nicht nur aus einem Element zusammen und wenn der Kritiker doch einem Element einen höheren Wert beimisst, dann ist es seine freie Entscheidung.

Und Sie sagen es. Kunst LEBT sogar von Kritik. Aber MJ kritisiert nicht den Film an sich, sondern bemisst das Werk ausschliesslich danach, ob die eigene moralische Latte befriedigt wird: "The Interview hätte [...] ohne moralische Deutung seine 3-4 Hüte sofort verdient."
Kunst nach dieser Lesart zu beurteilen zeugt von vielem, aber ganz sicher nicht von Akzeptanz gegenüber The Interview oder gar einer allumfassenden Akzeptanz von Kunst- und Meinungsfreiheit.

Nein, MJ bemisst das Werk nicht ausschließlich danach: "The Interview strotzt nicht vor Sarkasmus, es ist keine funktionierende Satire.. MJ hat das Gefühl, dass der Film mehr will, mehr andeutet in moralischer Hinsicht. Diese Deutung können wir aufgrund fehlenden Hintergrundwissens, wie Sie bereits erwähnt haben, nicht überprüfen, bzw. wir können uns noch nicht selbst eine Meinung dazu bilden. Aber ob die Deutung da ist oder nicht, ist eine reine Interpretationsfrage. Und gerade bei der Kunst, um bei dem Thema zu bleiben, ist keine Interpretation die perfekte oder über alle Maßen richtige. Selbst die Künstler sind häufiger erstaunt, was für Interpretationen ihre Werke hervorrufen.

Und das oben angeführte Zitat ist ein Beispiel aus der Kritik, dass MJ sich eben nicht nur wie sie behaupten auf eine Lesart versteift, sondern mehrere Aspekte einbezieht.

Que la loi soit avec toi!

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Shalva : : Moviejones-Fan
02.02.2015 08:16 Uhr
0
Dabei seit: 04.06.11 | Posts: 4.513 | Reviews: 2 | Hüte: 128
@DirtyMary

Merkst Du eigentlich nicht wie sehr Du dir selbst wiedersprichst? Du betonst überall, dass die Meinungsfreiheit nicht eingeschränkt werden darf, aber versuchst gleichzeitig MJ den Mund zu verbieten. Das ist sehr leicht durchschaubar!
Ich bin mir absolut sicher, dass MJ überhaupt nichts dagegen hat, wenn jemand eine andere Meinung vertritt oder diese Filmkritik sehr schlecht findet! Aber Du wirfst MJ vor, dass diese Kritik angeblich versucht die Kunstfreiheit einzuschränken, obwohl MJ seine Ansicht sehr gründlich und nachvollziehbar geschildert hat und auch nicht versucht hat jemanden von einem Kinobesuch abzubringen. Hat MJ kein Recht auf Meinungsfreiheit?


@MJ

“Darf "Kunst" wirklich alles, nur weil es Kunstfreiheit gibt?!“

Das ist eine sehr gute Frage. Ich lese überall Kunstfreiheit und dass Satire alles darf und sogar muss! Aber was ist eigentlich mit der Verantwortung, Achtung vor anderen Menschen und was ist mit Respekt…!?!?! Sollte man das Alles einfach vernachlässigen, weil irgendein Satire Magazin den Papst vollgeschissen und vollbepisst abbilden möchte um damit Geld zu verdienen? Darf ich soetwas nicht mehr als geschmacklos oder respektlos empfinden? Muss ich das als Kunstfreiheit schönheißen?

Natürlich sollte man nicht einfach alles tun dürfen und es dann mit Kunstfreiheit rechtfertigen, um die Verantwortung nicht mehr übernehmen zu müssen! Es ist doch gar nicht so lange her als Sebastian Edathy versucht hat die Nacktbilder von kleinen Kindern irgendwie als Kunstfreiheit zu rechtfertigen!

In einer freien Gesellschaft haben wir alle Rechte, aber auch Pflichten. Und auch die Freiheit, die wir alle genießen, kann oft missbraucht werden! Deswegen sollte das Verantwortungsbewusstsein meiner Ansicht nach genauso hochgeschätzt werden, wie die Freiheit!
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Moviejones : : Das Original
01.02.2015 22:37 Uhr
0
Dabei seit: 15.10.08 | Posts: 2.212 | Reviews: 1.047 | Hüte: 152
@DirtyMary:

Kennst du den Film oder geht es dir nur ums Prinzip?

Weil du offenbar nicht verstehst, was wir genau in diesem Fall kritisieren, noch einmal ein Kommentar zum Thema:

NATÜRLICH sind wir für Kunstfreiheit und konkret bezogen auf Charlie Hebdo darf und sollte sich niemand einschränken lassen von irgendwelchen Extremisten. Wir haben in Europa jahrhundertelang gekämpft, um freiheitlich da zu stehen, wo wir aktuell sind, und das darf man sich nicht von Menschen kaputtmachen lassen, die eine andere Meinung haben und meinen, sie mit Gewalt durchsetzen zu müssen!

Doch bezogen auf den Film: Es stinkt uns, dass ein Land wie die USA, die viele wunderbare Eigenheiten haben, aber eben auch wirklich nicht in der Position sind (wer ist das schon?), mit dem Finger auf andere zu zeigen, einen REALEN Menschen in diesem Film umbringen wollen! Es soll eine tatsächliche Person getötet werden und damit die eigene Position untermauert werden. Das darf man als Kritiker nicht hinterfragen, vor allem wenn so etwas der Unterhaltung dienen soll? Darf "Kunst" wirklich alles, nur weil es Kunstfreiheit gibt?!

Wir stehen auch weiterhin zu unserer Aussage. Jeder kann ins Kino gehen und anderer Auffassung sein, doch wir werden in Zukunft sicherlich nicht unkritischer, nur weil es jemandem nicht passt.
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RedBull : : Lazarus
01.02.2015 21:28 Uhr
0
Dabei seit: 11.04.14 | Posts: 1.845 | Reviews: 0 | Hüte: 75
@ MJ
Habt ihr euch da nicht allzusehr hinreissen lassen und den Film aufgrund seiner Brisanz zu subjektiv bewertet, unabhängig von seiner Qualität?
0,5 scheint mir etwas zu niedrig angesiedelt zu sein, zumal er euch anscheinend doch gut unterhalten hat.

[b]Angst führt zu Wut, Wut führt zu Hass und Hass führt zu unsäglichem Leid.[/b]

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