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Mank

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Finchers Citizen Mank ist ein Scheitern auf enorm hohen Niveau

Mank Kritik

Mank Kritik
16 Kommentare - 10.12.2020 von MobyDick
In dieser Userkritik verrät euch MobyDick, wie gut "Mank" ist.
Mank

Bewertung: 4 / 5

Vorab erstmal: Wer ein lesenswertes Review zu diesem Film mit größerem (bzw. anderem) Schwerpunkt technische Umsetzung und inhaltlicher historischer Akuratesse lesen möchte, dem empfehle ich die Parallel-Lektüre von PaulLegers 7-Punkte-Kritik. Im Grunde genommen kann man das auch so stehen lassen, aber ich hatte ja auch ein Review versprochen, insofern trage ich nun mein Teil dazu bei, die Aussenwahrnehmung des Filmes zu ergänzen :-)

Vorab zum zweiten: Ich halte David Fincher tatsächlich für einen sehr guten Filmemacher, der ganz genau weiss, wie er was zu drehen hat, um welchen Effekt auch immer beim Publikum zu erzielen. Das hat er uns ja auch schon sehr grafisch in Fight Club demonstriert. Aber auf der anderen Seite empfinde ich ihn als historischen Erzähler für gelinde gesagt problematisch. das geht damit los, dass er in seinen Geschichten eine gewisse Meinung vertritt, die er dann als einzig wahr abtut. Das war bei Social Network so, das ist bei Mindhunters so und das war für mich ganz problematisch bei Zodiac so. Da wird mal akribische Recherche und die Resultate immer wieder als einzig mögliche Deutung dem Zuschauer quasi mit dem Dampfhammer aufgezwungen. Für mein Empfinden ist das dann erstens von oben herab, gradezu anmassend, und zweitens zu einem gewissen Grad auch gefährlich, wenn eine noch lebende Person vermutlich diffamiert wird. Denn rechtlich gesehen ist eine Person immer so lange als unschuldig anzusehen, bis das gegenteil zweifelsfrei bewiesen ist. Um solche Ambivalenzen schert er sich recht wenig, und das hinterlässt einen sehr bitteren Beigeschmack bei mir. Aber das ist nur meine persönliche Meinung und hat mit der allgemeinen Qualität seiner Arbeit eigentlich nichts zu tun.

Trailer zu Mank

Kommen wir nun endlich zum Film selbst: Fincher erzählt, auf einem Buch seines verstorbenen Vaters beruhend, die Hintergrundgeschichte dessen, wie es zum sagenumwobenen Drehbuch von Citizen Kane kam. Hierbei bleibt er in schwelgerischen Schwarzweissbildern und betreibt eine Hommage an die alten Filmklassiker von einst, sowohl Bild-, Schnitt-, Musiktechnisch, als auch Filmfehlertechnisch. dabei benutzt er sehr oft Einstellungen, die aus besagtem Film und anderen Filmen "entliehen" wirken und erzählt in einer verschachtelten Rückblenden-Struktur wie es zum Fall von "Mank" überhaupt kommen konnte.

Das alles untermauert er mit einem brillanten Schauspielarsenal um einen für diese Rolle eigentlich viel zu alten Gary Oldman, der Mann sollte irgendwas um seine Dreissiger sein, wenn die Rückblenden einsetzen, was der ganzen Dynamik mit Amanda Seyfried eine völlig andere Dynamik geben würde. In diesem fall wirkt es irgendwie fast so als würde Opa Winston mit seiner Enkelin einen Spaziergang im Park tätigen. Natürlich stört das den Filmfluss in keinster Weise, Oldman ist ein viel zu guter Darsteller, und er trägt den Film problemlos komplett auf seinen Schultern, aber alleine diese kleine Episode verdeutlicht, dass der Darsteller dem Film einen eigenen unverkennbaren Stil aufzwingt, der der Erzählung ein bißchen zuwiderläuft und den Film aber dadurch auch ein bißchen einzigartig macht.

Die Geschichte ist ein bißchen wie eine Film-Noir-Eske Detektivgeschichte aufgebaut, wobei der Protagonist selbst nicht so genau oder direkt weiss, warum er so agiert, es dem Zuschauer aber geradezu auf Hitchcocksche Art und Weise aufs Auge gedrückt wird, und hier macht Fincher einen weiteren Fehler: Obwohl er irgendwie herrlich altmodisch erzählt, kann er nicht umhin, die aktuelle Lage zu kommentieren, daraus eine Triebfeder für den Protagonisten zu machen, und dabei tatsächlich die moderne geschichtenerzählung mit den alten Mitteln zu bedienen. Das ist ab einem gewissen Punkt sehr spannend anzusehen, aber es ist in diesem Ausmass tatsächlich auch ein kleiner Verrat an seinem Vorhaben, den Film zumindest optisch und stilistisch altmodisch zu drehen. (Ich möchte an dieser Stelle nochmal deutlich machen, dass ich nur den Schnitt und die Inszenierung selbst meine, nicht die technsichen Mittel, ob analog oder digital gefilmt usw., das finde ich in diesem Zusammenhang eher nebensächlich).

Nun gut, über Oldman müssen wir kein weiteres Wort mehr sprechen, wie sieht es denn nun mit den anderen Darstellern aus? Allesamt sehr überzeugend, es verbietet sich geradezu, jemand besonders heraus zu picken, in seiner speziellen Rolle überzeugt wirklich jede(r) Einzelne.

Ein Charles Dance wird perfekt inszeniert, so dass sein Spiel über den Klee gelobt wird, eine Amanda seyfried hat eine extrem dankbare Rolle der Femme fatale, so dass auch sie über Gebühr gelobt wird. Aber Tatsache ist, dass es die Nuancen sind und die anderen darsteller, die allesamt hier zu perfekten Zulieferern werden. Auch dass eine Lilly Collins wie zu einer Mischung aus einer jungen Liz Taylor und einer jungen Audrey Hepburn inszeniert wird, dabei aber eine durchaus undankbarere Rolle da zu uninteressant weil kaum Grautöne, passt da völlig ins Bild.

Aber alles in allem ist der Film trotz allem deutlich überdurchschnittlich, durch diesen krimimässig inszenierten Plot tatsächlich auch wirklich spannend, er hat was für jeden der sich Cineast schimpft, da er natürlich immer wieder den einen oder anderen Cameo bereit hält, oder Einsprengsel darbietet, die eindeutig andere grosse Filme zitieren und er sieht einfach nur todschick aus. Zudem erzählt er natürlich auch eine Geschichte über einen Mann am Scheideweg, und das Drehbuch behandelt diesen weissen Mann mittleren Alters genauso, wie es bis vor kurzem Gang und Gebe in hollywoodproduktionen war, so dass ganz klar ersichtlich ist, dass der Vater von Fincher tatsächlich vor einiger Zeit ebenselbes gesegnet haben muss.

Außerdem ist der Film auch eine klare Kritik am Studiosystem der alten Tage, und irgendwie versteckt natürlich seine Rechtfertigung, warum er nun die Seiten gewechselt hat zu einem Streaming Dienst. Wie man sieht, versucht sich Fincher mit seiner Hollywoodanalyse der alten Tage tatsächlich auch daran, woran Tarantino sich mit Once Upon a Time in Hollywood versuchte. Und tatsächlich empfinde ich Finchers Vorstoss im direkten Vergleich als den ehrlicheren Versuch, obwohl Tarantino tatsächlich dem Zuschauer mehr Informationen um die Ohren gehauen hat.

Und ironischerweise ist genau das Gegenteil dessen, was im Film passiert, das, was diesen Film trotz allem für mich noch sympathischer macht: Dass Fincher eben trotz des Offensichtlichen nur seinen Vater als Drehbuchautor nennt.

All diese Punkte machen diesen Film irgendwie zu einem besonderen und sehr persönlichen Film in Finchers Vita.

Und nun um an den Anfang meiner Kritik zurück zu kommen: Auch hier erzählt Fincher seine Geschichte, als wäre sie die absolut wahre Geschichte, aber das ärgert oder verstimmt mich in diesem zusammenhang kein bißchen. Zum einen weil die Geschichte sich tatsächlich um etwas völlig anderes dreht: Es geht um das Wiederentdecken seines Gewissens und wieder aufrecht sein. Und dafür ist die Geschichte eben nur Mittel zum zweck.

Und zum anderen wird hier Orson Welles Figur mythisch überhöht und zu einer mephistophelischen Figur stilisiert, der sich Mank dann am Ende eben nunmal stellen muss, um wieder zu sich zu finden. insofern geht es hier tatsächlich darum, eine Geschichte zu erstellen, mit zugegebener massen allerlei Fakten als Hintergrund, denn eine historisch akkurate Faktenstory darzulegen.

Alles in allem scheitert Finch dennoch an seinen exorbitant hohen Ansprüchen, da er zwar einen astreinen Film dreht, aber eben keinen Meilenstein abliefert, wie es Citizen Kane war, und seine Inszenierung eben auch nicht so masslos verspielt und überragend rüberkommt, sondern lediglich eine gute aber altbekannte Geschcihte eines Mannes erzählt, der sein Gewissen wieder findet und trotzdem oder gerade deshalb vor die Hunde geht.

Sehr guter Film, der trotz dieser harsch klingenden Kritik ganz sicher keine Enttäuschung war, im Gegenteil, ein Vergnügen: 8 Punkte

Mank Bewertung
Bewertung des Films
810
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16 Kommentare
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MobyDick : : Moviejones-Fan
04.01.2021 11:15 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 5.819 | Reviews: 130 | Hüte: 431

MB80 (Und auch PaulLeger)

Ich habe ja auch das Drehbuch von Finchers Vater - wenn auch wahrscheinlich nicht so deutlich - kritisiert: Wir haben ein typischen 1990er Möchtegern-Auteur-Drehbuch über einen älteren weissen Mann, der immer zur rechten Zeit mit irgendwelchen deutlich jüngeren Frauen in irgendwelchen Beziehungen steht, die für ihn quasi nur als Stichwortgeber fungieren.

Ich persönlich kann damit ganz gut leben, denn Fincher macht daraus ein recht schick aussehendes Psychogramm, und für einen Quasikenner der alten Filme und Nicht-Fan von Welles ist der Film in der vorliegenden Form für mich auch nicht sonderlich störend. Wie ich ja schon schrieb, ist Welles hier nur Mittel zum Zweck, damit Mank seinen Mann stehen kann, indem er sich an den beiden Figuren rächen kann, die er für sein Gewissen als Schuldige ausgemacht hat.

Als Hollywoodbauchnabelshow eignet der Film sich recht wenig und bietet auch oberflächlich deutlich weniger Insight als Tarantinos OUATIH, dafür aber deutlich mehr Hommages an die Großen.

Natürlich ist es eine Geschmackssache und auch eine der Herangehensweise, aber wer hier Insights zu Citizen Kane erwartet, der wird mE auch deutlich enttäuscht werden. Wer ein Psychogramm eines mittelalten Mannes erwartet und dabei auch ein bißchen über die Analyse des Drehbuchautors mitnehmen möchte, für den kann das Gesehene eben weil Finchers Bildkomposition so exquisit ist, doch noch zu seinem Vergnügen kommen :-)

Dünyayi Kurtaran Adam
MJ-Pat
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MB80 : : Cheddar Goblin
29.12.2020 15:52 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 1.825 | Reviews: 34 | Hüte: 155

@PaulLeger:

Laut Fincher Junior war das Original Script ja richtig giftig, so eine Art Abrechnung, weshalb ich es irgendwie ganz amüsant finde, dass sie das entschärft haben, aber dem Daddy den einzigen Writer Credit zukommen lassen. Das Script würde ich auch gerne mal sehen, aber ja, denke da braucht man als Welles Fan gute Nerven^^

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

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PaulLeger : : Moviejones-Fan
28.12.2020 13:40 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 617 | Reviews: 5 | Hüte: 86

@ MB80

Deinen Vorwürfen kann man wenig entgegensetzen, der Film kommt durchaus glorifizierend rüber, keine Frage. Selbstglorifizierend trifft aber wenn dann nur für den Senior zu, David sieht sich selbst ja nicht als Autor, hat dementsprechend ja auch auf eine Nennung verzichtet.

Ja, das ursprüngliche Skript wäre mal interessant, wobei es mich als Welles-Fan wohl ziemlich wütend machen würde^^

@ luhp92

Ja das sind auf jeden Fall mögliche Kategorien. Auf den Boseman-Film bin ich gespannt, den wollte ich die nächsten Tage mal gucken.

MJ-Pat
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MB80 : : Cheddar Goblin
24.12.2020 08:47 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 1.825 | Reviews: 34 | Hüte: 155

@PaulLeger:

"....einen Mann zu porträtieren, der sein Gewissen wiederentdeckt und deshalb zugrunde geht."

Uff, also wenn hier das Anliegen des Filmes lag, müsste ich eigentlich härter mit ihm in Gericht gehen, denn der Aspekt ging ziemlich an mir vorbei, und irgendwie verfehlt der Film den Punkt auch. Mank gewinnt ja am Ende, zumindest seinen kleinen Ehrenkonflikt mit Orson Welles.

Das er sich zugrunde richtet, das zeigt der Film auch, aber in einem Licht das mich auch wieder eher gestört hat. Hier wird ja ein dermaßiger Personenkult fast schon aufgebaut, dass seine Probleme, nämlich als Familienvater das Geld zu verspielen und zu versaufen, so als kleine Marotte abgetan werden (da darf die Frau noch brav zu sagen "Bei dir wird mir nie langweilig." Aaaaaaaaaaarghhhhh.). Das der Film politische Verstrickungen und aktuelle Bezüge zeigt stimmt und rechne ich ihm auch an (Netto: 3/5 von mir), aber auch so starke Szenen wie die Dinnerszene gehen leider in dieser Mank-Anbetung des Filmes baden. Er ist der einzige, der richtig interpretiert, vorrausschaut und Scheinheiligkeiten mit spitzer Zuge aufdeckt. Man hat so ein wenig das Gefühl, hier glorifizieren sich Fincher und sein Dad als die idealen Hollywood Schreiberlinge selber ;) Wobei Fincher ja sogar noch gesagt hat, er hätte den Entwurf seines Vaters sogar noch entschärft (den hätte ich gerne mal gelesen).

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
23.12.2020 11:10 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 13.695 | Reviews: 151 | Hüte: 487

@PaulLeger

Mit "Trumbo" hast du einen guten Punkt genannt.

Gary Oldman hat da für "Mank" wohl die größten Gewinnchancen, ja. Als Konkurrent womöglich Chadwick Boseman posthum für "Ma Rainey’s Black Bottom"?

In den kleineren Kategorien könnte ich mir für "Mank" einen Gewinn von Kamera und Filmmusik gut vorstellen.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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PaulLeger : : Moviejones-Fan
22.12.2020 22:42 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 617 | Reviews: 5 | Hüte: 86

@ luhp92

Oder Hollywood will nicht an diesen Schandfleck erinnert werden und ignoriert den Film daher lieber.^^ Der sich ebenfalls mit einer Schattenseite Hollywoods befassende "Trumbo" war ja auch so ein Film, der von den Produktionswerten und der Thematik eigentlich typisches Oscar-Futter war, dann aber von der Academy ziemlich übergangen wurde. Wird "Mank" in der Form wohl nicht passieren, paar Nominierungen wird er sicher einheimsen, aber viele Siege in wichtigen Kategorien sehe ich dabei nicht herausspringen, am ehesten noch für Oldman.

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
22.12.2020 20:27 Uhr | Editiert am 22.12.2020 - 20:27 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 13.695 | Reviews: 151 | Hüte: 487

@PaulLeger

Ich bin jetzt nur auf MB80s Punkte eingegangen, sonst hätte ich auch mein komplettes Kurzreview hierhin kopieren können^^ Die politische Komponente ist mir aufgefallen und gefiel mir als eine der wenigen inhaltlichen Sachen.

Die Angst vor Kommunismus und Sozialismus ist ja zeitlos in den USA und früher noch schlimmer als heute, was sich im früheren Hollywood dann auch anhand der Blacklist zeigte. Während sich amüsanterweise Hollywoods politische Position mittlerweile komplett umgekehrt hat und Hollywood zum lnksliberalen Lager zählt. Weshalb "Mank" der Academy auch gefallen könnte.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
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PaulLeger : : Moviejones-Fan
22.12.2020 18:24 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 617 | Reviews: 5 | Hüte: 86

@ MB80 und luhp92

Ich hatte eigentlich das Gefühl, dass die genannten Punkte gar nicht Finchers Hauptintention waren, sondern es ihm um Moby mal zu zitieren mehr darum ging, einen Mann zu porträtieren, der sein Gewissen wiederentdeckt und deshalb zugrunde geht.

Ich bin auch etwas erstaunt, wenn luhp92 meint, der Film habe nichts zu sagen, gerade zu Hollywoods Verstrickung in die Politik sagt der Film Einiges und zieht dabei Parallelen in die Gegenwart, Stichwort Fake News-Problematik. Wundert mich schon, dass ihr diesen Aspekt so gar nicht berücksichtigt, da ihr sonst ja durchaus solche Lesarten aufgreift.

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
22.12.2020 13:14 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 13.695 | Reviews: 151 | Hüte: 487

@MB80

Ui... Dann darf man gespannt sein, wie sich das in den nächsten 2,5 Monaten entwickelt. Die Wahl der Oscar-Nominierungen beginnt ja am 5. März. Bei Indiewire ist "Mank" noch gelistet, aber wie gesagt, es ist noch satt Zeit für (unerwartete) Veränderungen.

https://www.indiewire.com/feature/oscars-2021-best-picture-predictions-1234572041/

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
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MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
21.12.2020 14:43 Uhr | Editiert am 21.12.2020 - 14:47 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 13.695 | Reviews: 151 | Hüte: 487

@MB80

Wie Schmitt wohl sagen würde, Fincher schaut auf die Filmindustrie, aber sieht sie nicht^^ "Mank" präsentiert natürlich das Who-is-Who der Studios und Filmschaffenden im Dunstkreis von "Citizen Kane", aber über das tatsächliche Hollywood- und Studiosystem der 30er und 40er Jahre erfährt man relativ wenig.

Die Auseinandersetzung mit Orson Welles folgt, wie du schon schriebst, dem gleichen Schema. Da war halt noch jemand, aber sonst? Immerhin scheint Welles-Schauspieler Tom Burke seine Rolle on point zu treffen.

Filmisch ist "Mank" hervorragend, da gebe ich dir ebenfalls Recht, die 40er-Retrospektive ist ein atmosphärischer Genuss und der Cast großartig. Manche der "Citizen Kane"-Anspielungen habe ich verstanden, diverse andere aufgrund Unkenntnis des Welles-Films aber wahrscheinlich gar nicht erkannt. * Der Academy gefällt sowas natürlich und mit dem Oscar-Bait könnte ich sogar leben, wenn "Mank" inhaltlich wenigstens ein paar Reibungsflächen schaffen und tiefer in die Materie eintauchen würde. "La La Land" hat es schließlich auch geschafft...

* Gerne hätte ich mir "Citizen Kane" vor "Mank" angeschaut, aber die Rechte liegen bei Warner Bros, sodass Netflix den Film nicht ins Programm aufnehmen kann. Und sonst läuft der auch nirgendwo zum Leihen im Stream.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
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MJ-Pat
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MB80 : : Cheddar Goblin
21.12.2020 13:49 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 1.825 | Reviews: 34 | Hüte: 155

@MobyDick, PaulLeger (und alle die es interessiert):

Danke für eure Kritiken, die ich beide mag und in denen ich mich vielen Punkten anschließen kann. Was ich leider nicht so mag ist "Mank" ;)

Here we go...

Also, wo wir mit Sicherheit alle irgendwie eine Schnittmenge haben: Bei diesem Film geht es um die Würdigung der kreativen Kollaboration bei Filmen (auch Empfehlenswert: "»Mank«: Archäologie der Inspiration" aus der epd), und hier ist auch mein einer, aber dicker Kritikpunkt. Denn ich komme nicht ganz darüber hinweg, wie der Film sich über zwei Stunden zieht, um dann im letzten Akt wortwörtlich vor seinen zwei Kernkonflikten zu kuschen. Und die beiden sind offensichtlich a) W ie kriegt er diese Handlung an seiner Freundin Marion Davies und RW Hearst vorbei? b) Wie ist denn nun die Auseinandersetzug mit Orson Welles? Was hat der Film den nun zu sagen außer "da war noch wer"?
Und beide Punkte, zentrale Punkte im Drama und der Thematik, werden einfach plattgebügelt. Das ist kein Diskurs, da ist nur Finchers Statement. Die Szene mit Welles fand ich besonders enttäusschend, das hätte doch das Herzstück des Filmes sein müssen.

Wo ich netto lande, ist ein hervorragend gemachter Film, aber inhaltlich ein Reiskeks. Und er hat praktisch kein Publikum, die allgemeinen Kinogänger werden sich kaum dafür begeistern, dafür benötigt es schon einen Tarantino und seine Dialoge. Cineasten, die tief in der Materie stecken, werden sich über die tendenziöse Geschichtsverdrehung ärgern (Kritik von PaulLeger), und dann gibt es noch die "moderaten Cineasten", zu denen ich mich auch zähle, für die das ganze eher interessant ist und ein aufhänger, sich "Citizen Kane" nochmal anzusehen, aber viel Erkenntnisgewinn ist da nicht bei.

Ergo, ein bekannter Regisseur ehrt seinen Vater, eine Ikone des Kinos und schaut auf die Filmindustrie, das ganze ist in schwarz-weiß gefilmt, wird ganz zentral von seinen Schauspielern getragen...

Hmmm... smells like Netflix Prestige Oscar Bait to me tongue-out

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

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MobyDick : : Moviejones-Fan
11.12.2020 14:33 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 5.819 | Reviews: 130 | Hüte: 431

TiiN und PaulLeger

erstmal danke für die Hüte :-)

Und ja, möglichrweise habt ihr Recht, mag sein, dass es vor allem eine Hommage an seinen Vater ist, und ich da mehr drin sehen wollte, gerade weil Fincher ja auch sehr gut sein kann wink

Dünyayi Kurtaran Adam
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TiiN : : Pirat
11.12.2020 10:30 Uhr | Editiert am 11.12.2020 - 15:28 Uhr
0
Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 6.188 | Reviews: 132 | Hüte: 352

Ich bin bei PaulLeger und glaube auch nicht, dass Fincher hier einen Meilenstein abliefern wollte um den Vergleich mit Kane zu suchen sondern es war eher eine Verbeugung ggü. seines Vaters.

Mir hat aber der erste Abschnitt deiner Kritik über Finchers Stärke und Schwäche sehr, sehr gut gefallen, MobyDick!

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PaulLeger : : Moviejones-Fan
10.12.2020 20:52 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 617 | Reviews: 5 | Hüte: 86

Hut für die Kritik, die wie erwartet andere Schwerpunkte setzt.

Ich weiß nicht ob Fincher den Anspruch hatte einen Meilenstein abzuliefern, denke er wollte einfach seinem Vater ein Denkmal setzen. Daher finde ich den Ausdruck Scheitern schon bisschen zu stark, aber du relativierst das ja auch im Fazit und mit der Bewertung.

Das Casting von Oldman kann man übrigens auch wunderbar als Kommentar auf die damalige Hollywood-Praxis lesen, Männer gesetzten Alters mit deutlich jüngeren Frauen als Liebespaar zu inszenieren.

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