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Everything Everywhere All at Once

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Everything Everywhere All at Once Kritik

Everything Everywhere All at Once Kritik

Everything Everywhere All at Once Kritik
0 Kommentare - 17.05.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Everything Everywhere All at Once" ist.
Everything Everywhere All at Once

Bewertung: 4 / 5

Die Besitzerin eines Waschsalons, Evelyn Wang (Michelle Yeoh) hat eine Menge Probleme: Die Steuer-Sachbearbeiterin Beaubeirdra (Jamie Lee Curtis) setzt sie unter Druck, die Ehe mit ihrem Mann Waymond (Ke Huy Quan) droht zu scheitern, ihre Tochter Joy (Stephanie Hsu) entspricht nicht dem traditionellen Bild einer Familie und ihrem Vater Gong Gong (James Hong) möchte sie eine gute Tochter sein. Nun erfährt sie von ihrem Mann Waymond, daß das Schicksal des Universums von ihr abhängt, wodurch sie in das Multiversum gerät.

Eine Einwandererfamilie, die einen heruntergekommenen Waschsalon leitet. Eine kriselnde Ehe. Eine lesbische und rebellierende Tochter, die das konservative Weltbild durchkreuzt, ein kurz zuvor eingereister und eher kränkelnder Vater, der an konservativen Werten festhält. Und das Finanzamt, daß sich die Bonität des Waschsalons genauer anschaut. Das allein ist schon genug Stoff, um ein ganzes Familiendrama zu erzählen, nach welchem sich große Filmfestivals dazu verleiten lassen könnten, diesem Werk zahlreiche Preise zuzuwerfen und den Film hochzujubeln. Wenn dann allerdings noch Parallelwelten dazu kommen und unzählige, absurde und groteske Momente in das Leben streuen, dann ist wirklich das Chaos komplett. Dieser Film lässt einen zu Teilen recht ratlos zurück, nicht weil er komplett unverständlich wäre, oder dem Zuschauer eine Geschichte zumuten würde, die an Komplexität nicht mehr zu durchschauen ist, ganz sicher aber, weil der Film die komplette Reizüberflutung bedeutet. Hier eine Hommage an 2001: Odyssee im Weltraum (1968), da ein Verweis auf Matrix (1999). Dann eine Welt, in der Menschen große Hot Dog-Hände haben, oder auch eine Reise, die über die Grenzen der eigenen Realität geht. Das ist schon mitunter ein wenig viel für den Augenblick und man weiß nie so genau, ob es den Machern darum geht, daß der Zuschauer wirklich von vorne bis hinten versteht, was genau der Film eigentlich sagen will. Denn mitunter wird das Werk zur Farce.

Trailer zu Everything Everywhere All at Once

Das ist natürlich irgendwie auch kein Wunder, schließlich inszenierten Daniel Scheinert und Daniel Kwan auch Swiss Army Man (2016), dessen Geschichte und Reize, seltsame Wendungen und Darstellungen aber im Vergleich zu dem neuesten Werk durchaus noch handzahm waren. Doch irgendwie hat auch dieser Film etwas zu sagen, nämlich, daß das Leben so wie es ist, eben auch einfach ist. Schwermütig und voller Euphorie sucht sich der Mensch Antworten, auf Fragen, die er in seiner selbst verklärten Logik, gar nicht so recht verstehen kann. Warum leben wir, wie wir leben. Was ist das Leben. Was gibt dem ganzen Bedeutung, daß waren die Fragen, derer sich die Daniels in ihrem Vorläuferwerk bereits annahmen. In diesem speziellen Fall geht es um die Antwort dessen, die natürlich zum Zynismus einlädt und dennoch den Lernprozess des Menschen verdeutlicht. Der tiefere Sinn, wird in dem gesamten Multiversumchaos gesucht, Steine sinnieren über Bedeutung und dennoch kann die Antwort auf alle Fragen, vielleicht auch gar nicht so wichtig sein. Denn schließlich, so zumindest die Deutung des Films, weiß der Mensch nichts, er erahnt, behauptet und denkt sich, daß etwas so sein kann. Doch bei all den Fragen und der Schwermut, vergisst man vielleicht das wichtigste, am Leben. Nämlich das Leben zu genießen.

Die Frage, die aus dieser Logik heraus resultiert, ist dann natürlich, welches Recht der Mensch besitzt, einfach nur zu leben. Schließlich sind wir als Menschen auch für all das Leid, daß auf Erden passiert, verantwortlich. Wir zerstören unsere Welt im wahrsten Sinne des Wortes. Doch wäre es vielleicht falsch zu sagen, daß der Film sich einer übergeordneten Verantwortung entziehen möchte, indem die Figuren einfach mal lernen sollen zu entspannen. Es ist viel mehr die Flucht vor der Schwermut und dennoch traut der Film seinem Zuschauer auch Pathos und Schwermut zu. Gerade, wenn die bereits erwähnten Steine auftreten, wird das deutlich. Dabei ist es ein großes Talent, daß der Film, der augenscheinlich nur aus Nonsens besteht, so viel in seinen Subtext packt und den Zuschauer auch an solchen Momenten teilhaben lässt. Und irgendwie steckt darin auch eine Wahrheit. Denn wenn man über das Leben nachdenkt, und sich die Feinheiten unserer Welt anschaut, dann empfindet man total skurrile und seltsame Momente doch nur als normal, weil man ihnen in geregelten Formen immer wieder begegnet. Eine ähnliche Weisheit brachte auch Elia Suleiman in seinem Werk Vom Gießen des Zitronenbaums (2019) zutage. Das Leben ist komisch. Natürlich macht dieser Film das in einigen Momenten wesentlich grotesker und alberner, wodurch er sich auch wesentlich angreifbarer macht.

Nie war es vermutlich sinnvoller, sich einem Film auf einer ganz anderen und sinnigeren Deutungsebene anzunähern. Normalerweise würde man einen Film danach bewerten, daß er irgendeine Form von Sinnhaftigkeit zu sich hat. Doch damit geht man auf die minimalsten Aspekte der Kunst ein, also das Handwerk. Schließlich ist es auch die langweiligste Form der Kritik, sich etwa einem Werk von Van Gogh anzunähern und dann die Konturen und Farben in ihrer Genauigkeit zu kritisieren. Das heißt der Sinn wird dabei auf die optische Ganzheit gelegt, ein Trend, der den Unterschied zwischen Review, Kritik und Analyse deutlich macht. In Everything Everywhere All at Once kann man sicherlich marginal von einer Logik sprechen, oder einer Sinnhaftigkeit und einer größeren Geschichte. Doch wichtiger sind hier die Momente, die bloßen Bilder, die der Film einem zur Verfügung stellt. Das ist der Kern und man sucht dann händeringend nach einer Erklärung für das Gezeigte. Gerade eine Episode, die als klare Hommage an Ratatouille (2007) zu verstehen ist, scheint im Gesamtkontext der Geschichte wenig Sinn zu ergeben und vielleicht könnte man so das gesamte Werk als juvenil deuten, weil es dem Zuschauer so wenig mitgibt, mit dem er was anfangen kann. Doch darin steckt die eigentliche Reife und Erkenntnis, nämlich, daß man hier nicht belehrt werden soll und der Film sich auch dadurch clever gängigen Dramenlehren entzieht.

Obwohl der Film nicht unpolitisch ist. Schließlich ist die Wahl einer Einwandererfamilie eindeutig, auch ein Verweis auf Probleme in unserer modernen Welt. Natürlich ist da auch wieder der amerikanische Traum gemeint, was vielleicht etwas abgedroschen wirkt. Und dennoch zelebriert der Film durch die Bilingualität und sexuellen Ambivalenzen ganz eindeutig auch die Vielfalt, die durch Annäherung dann hervorgehoben werden soll. Es ist dann doch etwas pathetisch, aber gekonnt und nie belehrend, weil der Film seine Botschaft, dann wiederum durch Reibereien im Multiversum untermauert.

Auch wenn Everything Everywhere All at Once dem Zuschauer etwas Zeit abverlangt hinter ihn zu steigen, so vergisst man die Geschichte im Nu wieder. Viel eher im Vordergrund stehen absurde Momente, die voller Poesie und Fragen stecken. Das mag etwas faul anmuten, liefert aber dennoch einen ganz eigenen und ganz neuen Ansatz von Filmen, die in ihrer Logik nicht gänzlich an eine Moral gebunden werden, wodurch der Film Philosophie und Groteske großartig vereint.

Everything Everywhere All at Once Bewertung
Bewertung des Films
810

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