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In the Shadow of the Moon

Kritik Details Trailer Galerie News
A good idea in the shadow of a clunky script

In the Shadow of the Moon Kritik

In the Shadow of the Moon Kritik
12 Kommentare - 28.10.2019 von MB80
In dieser Userkritik verrät euch MB80, wie gut "In the Shadow of the Moon" ist.
In the Shadow of the Moon

In the shadow of the moon ist eine dermaßen gemischte Tüte, es fällt mir schwer, an einem bestimmten Punkt anzufangen. Gleichzeitig clever und holprig erzählt, mit einem sehr aktuellen Thema, am Ende auch von den Bildern her gut gelöst, und einer sehr fragwürdigen Botschaft. Es gibt da diese eine Szene, in der der Protagonist mit ein paar Schweinekadavern in einem Laster herumgewirbelt wird, und ich dachte unfreiwillig „DAS ist der Film!“. Man weiß, wo es mehr oder weniger endet (auf dem Boden), aber die Charaktere haben nicht viel Spielraum zum selber entscheiden und der Weg dorthin ist ein wenig durcheinander.

Es ist 1988, Philadelphia (die Stadt, nicht der Frischkäse; man muss nicht Vater sein um Dad-Jokes zu machen), und Thomas Lockhard (Locke), gespielt von Boyd Holbrook, ist ein aufstrebender Polizist und werdender Vater. Nachdem sich ein paar mysteriöse Morde ereignen macht er sich mit seinem Partner Maddox daran, den Fall noch in derselben Nacht zu klären, obwohl sein ebenfalls aufstrebender Schwager, Detective „Holt“ (Michael C. Hall), natürlich versucht, Steine in den Weg zu legen. Letztendlich kommen sie der mysteriösen Rya (under-written und unterfordert; Cleopatra Coleman) auf die Spur und scheinen kurz davor, sie zu stellen. ABER DANN!

Trailer zu In the Shadow of the Moon

Was sich jetzt nach einem knackigen ersten Akt anhört, führt uns aber direkt zum ersten Problem: Das Pacing ist nicht gut, der erste Akt endet nach einer halben Stunde in einer scheinbaren Lösung, ohne eine essentielle Problematik für den zweiten Akt zu beschwören. Diese, und der eigentliche Motor des Filmes, ergibt sich erst nach etwa einer Stunde, in der Mitte des Filmes, sodass man als Zuschauer eigentlich auf den Trailer angewiesen ist, um zu wissen, dass es noch spannend ist. Dabei liefert der erste Akt den Aufhänger ganz offensichtlich, nur scheint jeder der Teilnehmer diesen vergessen zu haben. So muss Locke mitten im Film, in einer Szene die man nur als unglückliche Drehbuch-Vorrichtung bezeichnen kann, nochmal in den Ungereimtheiten des Falles wühlen, obwohl die Beweise entweder eindeutig a) in den Händen der Regierung sein sollten b) sich ein paar Leute in den letzten 9 Jahren intensiv mit dem Fall hätten beschäftigen müssen. Ein „Der Fall war geschlossen.“ funktioniert hier nur als schlimmstes Drehbuch-Klischee. Ebenfalls unglücklich ist, dass uns der Film selbst in der ersten Szene einen Spoiler gibt, aber es dann in der ersten Stunde nicht schafft, dieses Bild konkret in die Handlung zu weben (Ich könnte jetzt noch darauf eingehen, dass er an der guten alten Zeitreise-Film Problematik leidet, nämlich dass die Zukunft sich selber erst ermöglicht, aber lassen wir das). Ebenfalls etwas ungelenk ist, dass z.B. einiges doppelt erklärt wird (Auftritt Naveen Rao), und generell ein leichtes Übergewicht an Expository Dialogue.
Die Charaktere sind dagegen funktional geschrieben, die Motivationen sind nicht besonders vielschichtig, aber arbeiten im Sinne der Handlung. Leider haben alle Teilnehmer, und das ist ein wenig der Struktur des Filmes geschuldet, sehr wenig Handlungsspielraum, und die einzige Entscheidung, die Locke am Höhepunkt des Filmes wirklich trifft, ist ein offensichtlicher No-Brainer. Zumindest für ihn, und vordergründig für das Publikum, aber machen wir eine Markierung an die Szene und heben wir sie uns für später auf.

Technisch ist das alles eigentlich fein und kompetent umgesetzt, allerdings auch hier mit ein paar Macken. Die Musikuntermalung kann man als gelungen bezeichnen, hier wurde besonders bei den Actionszenen und dem düsteren ersten Akt etwas bei Blade Runner 2049 gewildert, was nicht schlecht ist. Die Musik ist auch das, was einen in der ersten Stunde oft gut genug bei der Stange hält. Leider wurden bei der Bildgestaltung dagegen ein paar seltsame Entscheidungen getroffen, so gibt es eine komische Split-Screen Einstellung, die den Zweck verfehlt und eher irritierend ist, oder Dialogszenen im Auto, in denen ohne Not von außen durch die spiegelnden Scheiben gefilmt wurde, obwohl es keine Beobachter-Perspektive gibt. Gerade bei den düsteren Szenen im Anfang hätte eine bessere Beleuchtung auch geholfen, und bei einer Verfolgungsjagd später verliert die Kamera ein wenig den Überblick. So, nichts davon ist tödlich, aber diese Irritationen häufen sich leider in einem ansonsten gutaussehenden Film.
Lob dafür an die Schauspier, besonders Holbrook macht hier eine Transformation durch, die nicht nur durch die Maske getragen wird. Hall dagegen überzeugt als ein Charakter, der sowohl der viel-zitierte „Schmerz im Hintern“ ist, nervig und pedantisch, aber doch einen guten Kern hat, und kommt fast daran die Show zu stehlen. Leider bleibt Coleman, wie oben angedeutet, unter allen Möglichkeiten, und wird zu einem simplen MacGuffin in der Story.

Was den Film aber bei allem holpern und stolpern sehenswert macht, sind seine beiden Thematiken, auch wenn diese sich an einem bestimmten Punkt komplett im Wege stehen.

Spoiler-Kapitel

Womit wir es hier, und der Film macht das direkt am Anfang von Akt zwei bei einer Demonstrationsszene klar, zu tun haben, ist im Kern ein weißer Cop, der eine schwarze Frau jagt, um Verbrechen zu verhindern, die sie auf seinen Instinkt hin begehen wird. Man könnte argumentieren, dass die Frau, die er später trifft, die Morde in der Vergangenheit schon begangen hat, aber aus ihrer Perspektive hat sie das noch nicht. Der Film macht außerdem klar, dass er dies durchaus aus ganz eigenen Motiven macht, auch wenn seine persönliche Tragödie nicht direkt mit ihr als Person verknüpfbar sind. Und der Film macht dann den Punkt, dass diese Person letztendlich, wenn auch nicht offensichtlich, ein Teil von ihm ist, und ein Präventivschlag von ihm genau in die rassistisch motivierte Zukunft führt, die Rya vermeiden will. Wenn der Film dann mit der Geburt eines Kindes einer weißen Mutter und eines schwarzen Vaters endet, und dies Bildsprachlich mit dem Auslöschen des anstehenden Bürgerkrieges konnotiert, dann ist das… furchtbar direkt, aber auch furchtbar aktuell. Und treffend.

Und hier ist die Kontroverse: Der Film setzt Locke und Rya auf einen zeitlich verschobenen Kollisionskurs, und beide wollen einen Präventivschlag führen, um Leben zu retten. Das Problem hier ist, dass der Film offensichtlich Attentate „für das übergeordnet Gute“ für völlig legitim darstellt, und quasi als Lösung für die Probleme der Zukunft. Symbolisch pulverisiert Rya die Gehirne ihrer Opfer, was durchaus als Statement verstanden werden kann, was man in einer Gesellschaft mit Meinungsfreiheit als tolerierbare Meinung tolerieren muss. So, dass ist natürlich kontrovers und fragwürdig, aber im Rahmen des Filmes tut sich da ein weiteres Problem auf:
Eigentlich wäre es Lockes’s Pflicht als (Ex)Cop, Rya an der entscheidende Stelle zu töten, denn seine Vermutungen sind völlig korrekt. Diese Überlegung hat natürlich katastrophale Folgen für die Interpretation der #BlackLivesMatter Thematik, und das ist auch die Stelle wo der Film sich thematisch selber auf die Füße tritt. Letztendlich wird man als Zuschauer also mit der Fragestellung konfrontiert: Wessen Motiv ist gerechtfertigter?

Der Film macht dies zumindest für sich eindeutig klar, aber als Zuschauer kommt man an dieser Stelle durchaus ins Grübeln. In the shadow oft he moon ist kein besonders guter Science-Fiction Film, aber er bringt einen zum Nachdenken, und wenn es nur über den Film selber ist. Und das ist mehr, als diverse andere Filme erreichen.

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12 Kommentare
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MB80 : : Cheddar Goblin
13.11.2019 13:12 Uhr
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Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 1.160 | Reviews: 24 | Hüte: 82

MobyDick:

"Unabhängig davon wie unterschiedlich wir jetzt zu verschiedenen Punkten stehen, finde ich das ein wunderbares Beispiel für eine Bewertung ohne Punktevergabe:.."

Man könnte fast meinen, ohne die Wertung würde man sich mehr mit den angesprochenen Punkten der Kritik beschäftigen, und danach über den Film sprechen wink Wie hier geschehen...

Nee, gutes Beispiel, und ich werde dem Format auf jeden Fall treu bleiben und hoffe, dass es fix etabliert wird, und die Filme in der Vorschau auch nicht mehr als 0/5 dargestellt werden.

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

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MobyDick : : Moviejones-Fan
13.11.2019 12:52 Uhr
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Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 4.772 | Reviews: 76 | Hüte: 318

MB80

Unabhängig davon wie unterschiedlich wir jetzt zu verschiedenen Punkten stehen, finde ich das ein wunderbares Beispiel für eine Bewertung ohne Punktevergabe:

Zu schlecht, um wirklich als zu gut durchzugehen, zu gut um als schlecht durchzugehen, dann irgendwie doch gewisse Knöpfe drückend um nur mittelmäßig zu sein, aber dafür gewisse offensichtliche Flanken frei- und Möglichkeiten auslassend. Und dann kommt noch hinzu, dass man persönlich eine oder mehrere gewisse Entscheidung(en) seitens des Filmes aus irgendwelchen (sei es moralischer, ethischer oder was auch immer) Gründen gar nicht teilen mag.

Kann ich voll verstehen, beispielsweise hatte ich so ein ähnliches Dilemma bei der indischen Serie Delhi Crime. Die ersten zwei bis drei Folgen hatte ich permanent das Gefühl, dass hier ein qualittaiv hochwertiges Produkt vorliegt, aber der Fokus einfach auf dem falschen Objekt lag und man hauptsächlich daran interessiert wäre, die Polizei irgendwie zu rehabilitieren, anstatt das wahre Problem anzugehen. Aber die ganze Sache war halt dann doch zu professionell gemacht, um es als schlecht anzusehen. Die ganze Zeit über war ich mir daher beim Schauen im Klaren: "Das wird meine erste punktlose Kritik." Naja, dann hat die Serie irgendwie doch noch die Kurve gekriegt, aber wie gesagt, ich war da sehr nahe dran. (Im Übrigen denke ich, dass dir die Serie durchaus gefallen könnte, auch wenn sie nur auf Hindi mit Untertitel vorliegt...)

Dünyayi Kurtaran Adam
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MB80 : : Cheddar Goblin
12.11.2019 23:46 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 1.160 | Reviews: 24 | Hüte: 82

MobyDick:

"Und die Message, dass er doch bitte sein leben hätte leben sollen und dass er sein altes leben eben nicht mehr zurück bekommen kann, Zeitreise hin oder her, fand ich persönlich zum einen schon sehr traurig aber zum anderen auch ganz passend, da er doch noch seinen abgeschlossenen zufriedenstellenden Charakterarch bekam."

Genau das fand ich z.B. höchst unbefriedigend, weil die Lösung seinen Arc (ich muss XY stoppen) ja nicht vollendet, sondern quasi aus dem nichts, schön mit Erklärung, abbricht und sein bisheriges Leben ad absurdum führt. Das wäre befriedigend, wenn man daraus stricken würde, dass seine Manie ihn in eine Sackgasse geführt hat, aber dieses mehr oder weniger unverdiente Happy End war... Ufffz. Und dann gleichzeitig wieder gut, wenn man an die Thematik denkt. Hmm, unverdientes Eigentor der Gegnerseite?!

"Dass hierbei nicht sonderlich großartig auf die in den Medien hochgekochte Schwarz-Weiß-Thematik eingegangen wurde, konnte ich da deutlich verschmerzen."

Total korrekt, es ist ja auch kein Qualitätsmarker, dass "Aktuelles Thema XY wird angesprochen", das Problem ist, dass der Film dieses konkret anspricht, und dann wenig damit macht bzw. seine beiden Hauptthemen sich gegenseitig im Weg stehen.

Aber wie gesagt, ich bin von einem Verriss doch klar entfernt, und man kann sich den Film durchaus mal ansehen (ist ja für umme auf netflix) und wenn es nur darum geht, sich mal über Filmkonstruktion Gedanken zu machen ;)

Btw ich finds cool, dass du dir den Film dann echt angesehen hast. heart

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

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MobyDick : : Moviejones-Fan
12.11.2019 17:25 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 4.772 | Reviews: 76 | Hüte: 318

MB80:

Finde ich gut, lass die Spoiler auch weg :-)

Ja, wenn man das so betrachtet, hast du vollkommen recht.

Irgendwie habe ich anscheinend meinen Fokus komplett woanders gehabt und mich hat dieses erzählerische Defizit nicht sonderlich gestört. Ganz abgeholt hat er mich zwar auch nicht (daher nur 7 Punkte, denn da wäre sicherlich mehr drin gewesen), aber irgendwie war ich einfach nur ganz glücklich darüber, dass sie die Story so engelegt haben, dass sie aus einem Musterbeispiel eines ehrgeizigen Rookies einen zerlodderten Spinner gemacht haben, der sein ganzes Leben plötzlich einer Suche geopfert hat, in der Hoffnung, sein Leben am Ende wieder zu bekommen. Und die Message, dass er doch bitte sein leben hätte leben sollen und dass er sein altes leben eben nicht mehr zurück bekommen kann, Zeitreise hin oder her, fand ich persönlich zum einen schon sehr traurig aber zum anderen auch ganz passend, da er doch noch seinen abgeschlossenen zufriedenstellenden Charakterarch bekam.

Dass hierbei nicht sonderlich großartig auf die in den Medien hochgekochte Schwarz-Weiß-Thematik eingegangen wurde, konnte ich da deutlich verschmerzen.

Und auch dass da jetzt nicht groß Aufhebens um die "Opfer" gemacht wurde, fand ich persönlich ganz okay, denn die meisten dieser Leute waren ja irgendwie ganz normale Leute, die eben lediglich in ihrem Kämmerlein miteinander irgendwie verschworen waren.

Klar kann man da eine existentialistisch-philosophische Abhandlung darüber machen, und es trotzdem noch ansprechend und spannend verpacken, aber dafür ist Mickle wie du ja auch schon mitbekommen hast anscheinend entweder nicht motiviert oder gut genug.

Dennoch wie du schon sagtest schlecht kann ich den Film nicht bewerten wink

Dünyayi Kurtaran Adam
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MB80 : : Cheddar Goblin
11.11.2019 19:22 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 1.160 | Reviews: 24 | Hüte: 82

MobyDick:

Für alle anderen: SPOILER (keine Lust, hier gezielt zu schwärzen...)

"Ich kann zwar komplett verstehen, woher ihr kommt, aber letztendlich seht ihr meines Erachtens weitaus mehr in dem Film als drin ist."

Naja, naja, der Film beginnt mit einer Einstellung vom von Bürgerkrieg zerstörten Amerika (USA, jaja... und ich wiederhole mich). Der Film geht konkret auf die Ursprünge in einer rechten Miliz etc. ein und konnotiert das Auslöschen dieser Zukunft ganz konkret mit der Geburt des Babys. Ich muss jetzt nicht der Woke-Meta-Edge Lord sein um zu verstehen, was hier Thema ist wink

"Wie schon in Cold in July spricht Mickle nur gewisse Themen an, nur um dann daraus einen typischen Nobrainer zu machen."

Das ist dann aber kein Qualitätsmerkmal. Das wäre dann ja das, was immer Disney und co. vorgeworfen wird, sich was auf die Fahne zu schreiben aber auch nur aus Publicity Gründen. Ich denke mal (genannten Film nicht gesehen), hier hapert es eher an der Exekution.

Und wenn man das mal beiseite lässt, gut ich würde den Film auch als halbwegs solides "Noir-Crime-Zeitreise Gedöns das nicht so verzettelt ist wie Terminator Genisys" durchwinken. Aber nicht als astreines 80er Material... Dafür passiert dann doch zu wenig, dafür hat der Protagonist (Namen vergessen) zu wenig Star Power, dafür ist der nicht gut genug geschrieben (Stichwort "Expository Dialogie").

Letztendlich sollte man sich mal zum Spass die 0.5/5 Zuschauer-Verrisse auf RottenTomatoes geben, die dem Film "Leftist" und "Anti Trump" Propaganda unterstellen... irgendwas scheint der doch richtig zu machen tongue-out

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

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MobyDick : : Moviejones-Fan
11.11.2019 12:28 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 4.772 | Reviews: 76 | Hüte: 318

MB80 und PaulLeger

Kann euch leider so gar nicht zustimmen.

Ich kann zwar komplett verstehen, woher ihr kommt, aber letztendlich seht ihr meines Erachtens weitaus mehr in dem Film als drin ist.

Na klar, er jongliert ein bißchen mit den beiden derzeit sehr aktuellen Themen, aber letztendlich ist das für ihn nur ein Aufmacher für einen astreinen 1980er Blockbuster ohne große Schnörkel.

Wie schon in Cold in July spricht Mickle nur gewisse Themen an, nur um dann daraus einen typischen Nobrainer zu machen. Und die gesamte Dramaturgie und Machart suggerieren hier nunmal einen typischen 1980er Film, der gerne mal einen verlorenen Getriebenen präsentiert, ohne das noch groß zu unterfüttern. Alles weitere opfert er dann diesem Narrativ. Das ist einerseits wie ihr ja schon schreibt irgendwo recht platt, aber wenn man sich genauso wie gewollt auf den Film dann auch einläßt, völlig effektiv.

Und auch in der finalen Entscheidung sehe ich nicht so die Problematik, die ihr (oder hauptsächlich MB80) seht, da der Film diese ganze Problematik überhaupt nicht mehr für den Protagonisten thematisiert. Er kann gar nichts mehr an dem Geschehenen ändern (und sei es wegen dieser "plötzlichen" persönlichen Komponente, die ihm den Boden unter den Füssen entreisst) und ihm wird tatsächlich doch noch die Chance auf Erlösung gegeben. Das diskussionswürdige Thema - welches es wirklich in sich hat - verkommt hier völlig zur Nebensache. Und in diesem persönlichen Rahmen ist das so für mich auch völlig in Ordnung.

Wie gesagt, wenn wir für uns annehmen, dass es ein 1980er Film ist, dann ist der Film völlig solide.

Von mir gibt es 7 Punkte.

Sorry, wenn ich derzeit nicht so häufig antworte, aber bin momentan anderweitiger eingebunden wink

Dünyayi Kurtaran Adam
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PaulLeger : : Moviejones-Fan
30.10.2019 12:26 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 9 | Reviews: 0 | Hüte: 1

@MB80

Danke für den Hut und den Willkommensgruß. Ja wir sehen den Film recht ähnlich, die wichtigsten Punkte hast du in deiner schönen Kritik gut zusammengefasst. Wollte nur nochmal auf die Diskrepanz hinweisen, dass der Einstieg eigentlich vollständig auf unnötigen Expository Dialogue vezichtet und man diesen erfrischenden Ansatz am Ende dann leider überhaupt nicht mehr durchhält.

Keine Ahnung ob Netflix auch Testvorführungen seiner Filme macht, falls ja könnte man meinen, dass das Testpublikum den Film nicht verstanden hat und man deswegen noch nachträglich die ganzen Erklärungen eingebaut hat.

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MB80 : : Cheddar Goblin
30.10.2019 08:00 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 1.160 | Reviews: 24 | Hüte: 82

PaulLeger:

Mmmh, guter Kommentar, kann man eigentlich so stehen lassen.

"Zu keinem Zeitpunkt werden die durchaus vorhandenen problematischen Implikationen auch nur angedeutet."

Würde ich unterschrieben, dass sieht man dann vor allem an der beschriebenen problematischen Stelle, an der sich der Film selber im Wege steht. Hier wurde einfach nicht nochmal übers Drehbch geschaut. Und sowohl für die Implikationen als auch für den Mysterythriller ist die erste Szene nicht besonders clever gewählt, weil man weiß dass Rya wohl einen guten Grund hat und sie später auch nicht als bösartig gezeichnet wird.

Was du im letzten Absatz angesprochen hast meinte ich mit "..Übergewicht an Expository Dialogue." Der Film verletzt tatsächlich gerne die gute alte "show dont tell" Regel, um einem durch techno-babble zu erklären, wo es lang geht. Nö, nicht elegant das ganze...

Danke fürs Lesen und Kommentieren, und willkommen bei MJ wink

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

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PaulLeger : : Moviejones-Fan
30.10.2019 01:09 Uhr
1
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 9 | Reviews: 0 | Hüte: 1

Meiner Meinung nach kann man es einem Film nicht positiv anrechnen, dass er eine interessante Frage aufwirft, wenn er selbst sie überhaupt nicht tiefergehend reflektiert. Sobald dem Protagonisten schlussendlich klar wird, worum es im Endeffekt geht, weiß er und mit ihm der Film, dass es das Richtige ist und diese Entscheidung wird durch den Film nicht ansatzweise in Frage gestellt. Zu keinem Zeitpunkt werden die durchaus vorhandenen problematischen Implikationen auch nur angedeutet. Selbst ein Peter Berg schafft es in manchen seiner vordergründig konservativen Macho-Fantasien am Ende eine kurze Szene einzubauen, die das zuvor Gezeigte in Frage stellt und so Raum für ambivalente Gedanken schafft, mit denen der Film den geneigten Zuseher zurücklässt, doch so etwas fehlt hier völlig.

Wenn man also nach "In the Shadow of the Moon" über moralische Fragen grübelt, geschieht das aus eigenem Antrieb, der Film selbst hat diese Gedanken nicht wirklich herausgefordert.

Neben dieser verpassten Gelegenheit zieht das Ende diesen eigentlich ganz soliden Mysterythriller aber noch auf andere Weise nach unten. Während der Einstieg durch seinen Verzicht auf Dialoge und Erklärungen ausgesprochen gelungen war, erfasst den Autor am Ende dann die Nolaneritis und er lässt nicht nur eine Figur den kompletten Plot erklären, er liefert nach dieser verbalen Erläuterung sogar noch die visuelle hinterher, obwohl längst alles klar ist. Mir ist es lieber, wenn ein Filmemacher dem Publikum da mehr eigenständiges Denken zutraut.

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MB80 : : Cheddar Goblin
28.10.2019 14:21 Uhr | Editiert am 28.10.2019 - 14:22 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 1.160 | Reviews: 24 | Hüte: 82

MobyDick:

Danke für Hut und Lesebemühung.

"Zur Kritik selbst, auch sehr interessant zu lesen, aber irgendwie auch schwer zu greifen."

Gerade deshalb war ich ganz happy, jetzt mal ohne Punkte zu arbeiten wink Denn bei der Frage "Löste der Film das besonders gut?" müsste ich eigentlich im Negativen landen, aber da ich ihn dann letztendlich doch interessant genug fand lande ich doch bei ner (schwachen) Empfehlung...

Wenn du ihn gesehen hast bin ich mal gespannt auf deine Überlegungen zu den Spoilern (generell von allen Lesern!).

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

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MobyDick : : Moviejones-Fan
28.10.2019 14:07 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 4.772 | Reviews: 76 | Hüte: 318

Okay, sehr schön, haben sich eure Mühen am Wochenende gelohnt, auch hier Hut!

Zur Kritik selbst, auch sehr interessant zu lesen, aber irgendwie auch schwer zu greifen. Ich denke hier hätte eine Punktzahl schon geholfen wink

Nee, Spass, haha!

Ich bin sowieso am Film interessiert und dieses Diffuse hält den Spannungsbogen doch recht hoch, so dass ich ihn nicht aus den Augen verlieren. Spoiler habe ich gemieden!

Dünyayi Kurtaran Adam
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MB80 : : Cheddar Goblin
28.10.2019 13:34 Uhr
1
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 1.160 | Reviews: 24 | Hüte: 82

So, da ist sie, meine erste "keine Sterne" Kritik. Und dazu bei einem Film, bei dem es sich auch direkt anbietet...

Und genau aus dem Grunde bin ich auch nicht an einer Spoiler-Sektion vorbei gekommen, was ich eigentlich immer versuche zu vermeiden. Aber die dürfte interessant sein für diejenigen, die den Film gesehen haben.

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

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