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Mad Max - Fury Road

Kritik Details Trailer Galerie News
Kreuzvergleich mit Logan

Mad Max - Fury Road Kritik

Mad Max - Fury Road Kritik
10 Kommentare - 20.02.2019 von MobyDick
In dieser Userkritik verrät euch MobyDick, wie gut "Mad Max - Fury Road" ist.
Mad Max - Fury Road

Bewertung: 4.5 / 5

Wieder einmal eine etwas andere Kritik zu einem besonderen Film. Diesmal muss der auf den ersten Blick etwas hinkende Vergleich mit Logan herhalten!

Logan

Trailer zu Mad Max - Fury Road

Logan ist der Schwanengesang von Hugh Jackman als Wolverine. Jahrelang hat er die Rolle geprägt wie kaum ein zweiter eine andere Rolle und trotz mehrfach von Kritikern und Fans gescholtener Filme sich immer vorbildlich über seine Rolle geäußert. Er hat immer was in seinen Mächten gelegen hat, dafür gesorgt, dass der dann vorliegende Film der bestmögliche war, trotzdem war keiner seiner Solo-Filme bisher der ganz große Wurf. dann hat er zusammen mit James Mangold nach dem überragenden Erfolg von Deadpool, endlich die Freigabe für ein R-Rated Abenteuer bekommen. Und man war sich recht schnell einig, dass das der Schlußpunkt unter Jackmans Wolverine-Kapitel sein solle. So hat man sich dann die vermeintlich letzte Wolverine-Story ausgesucht - Old Man Logan - und sie der Rechtelage und dem Kinopublikum anpassend entsprechend etwas abgeändert. Und heraus kam dann ein Abgesang auf die Comic-Helden von einst in Form eines Spät-Western, sorry Spät-Comic-Verfilumg gepaart mit den Mitteln des Road-Verfolgungs-Movies.

Wir befinden uns in einer nicht ganz genau definierten evtl. Parallel-Zukunft, in der ein schrecklicher Vorfall die meisten Mutanten dahingerafft hat, Wolverine/Logan hält sich mehr schlecht als recht über Wasser und sorgt für einen verkümmerten Prof. X. In dieser ohnehin schon ausweglosen Situation bekommt er die Aufsicht über ein Mädchen, hinter dem gewisse dunkle Mächte her sind.

Was daraus entspinnt, ist ein Road-Movie mit allerlei herzlichen Momenten, wo die beiden X-Men Haudegen Patrick Stewart und Hugh Jackman sich stilvoll von ihren Rollen verabschieden können, die eine oder andere Krokodilsträne inklusive.

Logan wird hierbei in die Ecke des lonesome Cowboy manövriert und darf in ganz großen Gesten den Shane geben. Aber damit hat es sich nun wirklich nicht. Um endlich zu den Parallelen zu Mad Max zu kommen:

Postapokalyptische Filme sind auch immer - wenn sie gut sind - auch Filme mit Aussagen zur Jetzt-Zeit. Da wird eine karge trostlose Zukunft gezeigt, um eine Aussage zur Menschheit von heute abzugeben. Logan ist da keine Ausnahme. Aber die Message ist keine viel versprechende: Die Messsage lautet nämlich, dass wenn du keine Idee hast, warum ein Film groß sein soll, dann klau dir die Ideen, und mach es möglichst blutrünstig.

Logan klaut an allen Ecken und Kanten aus anderen Filmen: Das fängt bei Shane an, geht über Hitman, geht über 2022, Omega Man und schließlich sogar Roots (letzte Einstellung!), aber was wirklich ärgerlich ist: Er bedient sich ganz dreist bei Mad Max jenseits der Donnerkuppel.

Ich habe mich lange gefragt, warum mir eigentlich kein Wolverine Film wirklich sehr gefällt, obwohl ich Fan der ersten Stunde bin (ich war schon Fan von Wolverine als er in den Gruppe X Taschenbüchern aus dem Condor Verlag sein Unwesen trieb, lang lang ist es her), warum mir ausgerechnet der erste Film - der von Kritikern und Fans am meisten gehasste - am besten gefiel und gefällt.

Ich habe mir immer gesagt, dass es daran liegen muss, dass der Film eine gute Story haben muss, und keiner der Logan Filme tatsächlich eine gute Story hätte. Doch das war nur die halbe Wahrheit.

Wir haben hier einen wirklich halbwegs brauchbaren Film, der richtig gut geklaut hat und damit auch in sich stimmig ist, und der zudem das alles entscheidende R-Rating hat. Aber für mich stimmt hier nichts. WARUM?

Weil Logan oder Wolverine sich durch seine innere Zerissenheit und die Mystik, die diesen Charakter umweht definiert. Er definiert sich eben nicht durch einen extrem hohen Gewaltgrad. Er ist im Prinzip wie Charles Bronson, der in den 1970ern und 1980ern zum Selbstjustizfilmhelden auf- bzw. abstieg und in dieser Schublade verendete. Als er immer noch ein Superstar war, sagte er einst: "Ich bin kein Fan meiner Filme!" - Quasi also auch: "Aber irgendwie muss ich ja Geld verdienen." Und Logan sagt in den Comics immer: "Ich bin der Beste, in dem was ich tue, Aber was ich tue, ist nicht im Geringsten Schön!" Er hat diese brachiale brutale Seite in sich, aber er ist immer im Klinch mit sich selbst, dass er seine Waffen nicht einsetzt. Hinzu kommt, dass er durch die ganzen Experimente an ihm einfach nicht genau weiss, wer er ist, nur mit den Erinnerungen daran, dass er quasi wie ein wildes Tier im Wald gefunden wurde, wodurch er einfach ein umso tragischerer und verzweifelterer Antiheld ist. Ist er womöglich ein Monstrum gewesen? ist er es noch? Dieser innere Zweikampf macht Wolverine aus, und die daraus entstehende Dualität seines Charakters. Nicht umsonst ist die verfilmte Japan-Story aus dem zweiten Teil im Original ein deutlich charakterlastigeres Stück, das damit endet, dass Logan als ein wahrer und ehrhafter Mensch angesehen wird.

Logan als Film gibt dem Charakter Logan kaum Neues mit, sondern läßt ihn enden, zwar bittersüß, aber dann doch wieder auf herkömmliche Art und Weise.

5 Punkte

Fury Road

George Miller macht es ähnlich wie Logan: Er nimmt Versatzstücke aus der Film-Historie und werkelt sie zu einem Flickenwerk zusammen. Hierbei dienen ihm sowohl Westwärts-Trek-Western, in denen Indianer angreifen, als auch seine eigenen Filme (Mad Max 2 und 3) und nicht zuletzt sogar ein gewisser Buster Keaton als Vorbild. Genausowenig wie Logan dem Charakter der Hauptfigur irgendwelche neuen Nuancen gibt, haben wir hier eine Figur in Max, der großartig Reflektionsfläche wäre.

Zu allem Überfluß minimiert er die rudimentäre Handlung seiner Vorgängerfilme noch weiter, indem die Handlung nur noch auf eine Verfolgungsjagd von A nach B und dann von B woanders hin reduziert. Also auch hier ein Road Movie.

Doch während Miller mit Mad Max 2 quasi das apokalyptische Punk-Rock-Wasteland- Action Genre erfand, erfindet er hier gar nichts neu. Und dennoch rufen alle gleich, dass der Film auch inhaltlich extrem modern und innovativ wäre.

Und tatsächlich wirkt er auch kein bißchen altbacken oder zusammen geklaut. Woran liegt das?

Zum einen natürlich daran, dass George Miller ein alter Fuchs von Regisseur ist, der einfach in jedem Genre Zuhause ist und überall seine Fußspuren hinterlassen hat (Die Hexen von Eastwick, Babe, Happy Feet und Lorenzos Öl nur mal als Beispiele auf die Schnelle), der weiß einfach wie man einen guten Film dreht. Und zum anderen dreht er einen derart kinetischen Film, bei dem man ganz klar die handgemachten Effekte selbst bei solch einem Effektgewitter von Film noch sehen und würdigen kann.

Außerdem besinnt er sich auf alte Tugenden, die man heutzutage in den meisten Blockbustern einfach nicht mehr zu sehen bekommt, weil die Effekte einfach nur noch dominieren: Eine einfache Verfolgungsjagd, wenn sie richtig umgesetzt ist, ist das beste was ein Adrenalin- und Testosteron- (bzw. Östrogen) getriebener Jungspund im Kino sehen will. Das war zuletzt in dieser Form höchstens in der letzten halben Stunde in The Good, The Bad and The Weird der Fall und wird hier gleich ungleich höher potentiert.

Hinzu kommt eine Fallhöhe, die nicht höher sein kann, wenn es gefühlt um die letzte menschliche Bastion geht, und dann kommen einfach so mal nonchalant - also ohne erhobenen Zeigefinger! - eine Frauenstärkungsgeschichte und eine Geschichte über die Verführungskünste von falschen Propheten (jeglicher politischer Richtung) bei desillusionierten perspektivlosen Jugendlichen, sowie eine Emanzipationsgeschichte.

Dann noch Männer und Frauen, die sich auf Augenhöhe begegnen und eine adrenalingetriebene Story mit einem Finale, das auf dem absoluten Höhepunkt mit einem Getriebenen endet, der einfach keine Ruhe finden kann, weil es das Franchise so verlangt.

Der Darstellerwechsel funktioniert einwandfrei, die Chemie aller Darsteller ist top, die Inszenierung Big Budget Bombast vom Feinsten.

Während wir mit Logan also einen fleischgewordenen feuchten Traum für R-Rating-Fetischisten haben, die sich in 1980er Peter Pan Fantasien flüchten und alles super finden, weil sie die besser verfilmten Originale einfach auf Grund des noch jungen Alters nicht mehr kennen, haben wir mit dem vierten Teil von Mad Max ein ebenso wenig innovatives Stück adrenalingeschwängerten Actioner, der nicht vorgibt mehr zu sein als er ist, dabei aber deutlich mehr ist.

9 Punkte

Mad Max - Fury Road Bewertung
Bewertung des Films
910
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10 Kommentare
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MobyDick : : Moviejones-Fan
25.02.2019 12:01 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 4.518 | Reviews: 63 | Hüte: 295

Silencio:

Wie gesagt und auch deutlich weiter unten formuliert, der Film dürfte sicherlich den einen oder anderen Punkt besser sein als die 5 Punkte, die ich ihm gebe. Soweit klein beigegeben habe ich ja schon wink

Aber hier geht es um mein subjektives Empfinden, warum mir ausgerechnet dieser Film nicht so gut gefällt, obwohl hier alle Beteiligten so offensichtlich All-In gehen, und ich denke, ich gebe hier sowohl in der Kritik oben als auch in meinen Ausführungen weiter unten diverse Ansatzpunkte, die sich evtl. auch widersprechen mögen.

Ehrlich gesagt, so genau kann ich auch nicht sagen, warum mir dieser Film nicht so zusagt, und ich versuche das hier (psychoanalysetechnisch - Hallo Manisch smile) zu ergründen. Denn es gibt eigentlich nichts im X-men Universum, was ich mir lieber wünschen würde, als eine würdige Wolverine-Abschlussgeschichte (abgesehen vielleicht von einer adäquaten Dark Phoenix Umsetzung, hehe).

Fakt ist, als jemand, der die gesamte Wolverine Mythologie in den Comics mitverfolgt hat, finde ich Logan - egal aus welchen Gründen auch immer, vor allem gegen Ende komplett misslungen. Das ist subjektiv, ja, aber dafür muss ich mich nicht wirklich rechtfertigen, dass ich jemanden nicht mag.

Mag sein, dass es nicht der Film geworden, den ich mir gewünscht habe, dafür gibt es diverse dezente Hinweise:

- Old Man Logan - eine von mir nicht sonderlich geliebte Storyline

- Wieder einmal Weapon X und ihre Klon-geschichten (ja, das gehört zu Logan, wurde aber für mein Empfinden zu Tode verfilmt)

- Quasi auch noch die Australian Outback Story mit verwurstet, wo die X-Men verschwunden sind, Logan seine Kräfte im Stich lassen und er irgendwie nur noch funktioniert. Gerade diese Story - auch mit Donald Pierce als gnadenlosem Jäger - gibt in den Comics sehr viel her und gehört für mich zu den All-Time Favourites. Und da kommt der Film ganz klar nicht so richtig mit!

Ich habe versucht, den Film zu mögen, aber wahrscheinlich ähnlich den ganzen SW-Fans, die Teil 8 ablehnen, finde ich emotional keinen Zugang zu diesem Film, da ich weiss, was möglich gewesen wäre.

Und ja, er kann sterben, und ja, er kann diese Kinder beschützen, aber nein, es muss nicht so brachial sein, aber nein, es muss nicht so völlig losgelöst von jeglicher Kontinuität sein, und nein, es muss sich nicht so anfühlen, als hätte ich alles schonmal irgendwo anders besser gesehen. Selbst der etwas später erschienene dritte Teil der neuen Planet der Affen Saga legt da einen besseren Abschluss hin als Logan.

Und da kommt wieder der Vergleich zu Mad Max: Der macht auch alles nach, aber niemals hat man (oder ich) das Gefühl, dass es woanders besser war!

Wie gesagt, völlig ok, dass euch allen Logan so gefällt, und es freut mich wirklich auch für alle Beteiligten, dass sie sowohl stolz auf den Film sind, und er auch den Meisten gefällt, denn schlecht ist er nicht (auf jeden Fall ein deutlicher Anstieg gegenüber dem zweiten Film), ABER .

So, nachdem ich glaube ich alle möglichen Gründe aufgezählt habe, denke ich, dass genügend subjektive Gründe vorliegen. Das wird nicht jedem reichen, das zu akzeptieren, aber noch tiefer muss ich die Gründe nicht suchen. Dafür ist der Film in meinen Augen auch nicht gut genug, dass ich jahrelang darüber diskutieren müsste wink

Dünyayi Kurtaran Adam
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Silencio : : Moviejones-Fan
25.02.2019 07:46 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.603 | Reviews: 46 | Hüte: 159

Moby:

NATÜRLICH ist die Spritze vorhersehbar. Der Film tut ja nicht mal so, als wäre das eine offene Frage - vor allem, weil es ja auch um die Schicksalhaftigkeit geht. Da haben wir dann auch wieder so ein bedeutungsoffenes Element (es funktioniert sowohl im Film als auch darüberhinaus: man kann es auch als Steroide lesen), das dem Film auch da wieder eine zusätzliche Ebene verschafft. Ist wieder so eine Art, auf die da erzählt wird, wie sie im Superheldenfilm kaum noch üblich ist...

Es ist auch nicht von Anfang an klar, dass er den Kampf gegen sich gar nicht mehr führt. Er führt den Kampf doch den gesamten Film über. Gerade das ist doch einer der Hauptkonflikte, gerade deswegen will er doch nicht mal den Auftrag am Anfang annehmen. Logan vor dem Spiegel, im Zwist mit sich selbst und seinem versagenden Körper (Adamantiumvergiftung selbst schon als Symbol des Konflikts zwischen Held und Mörder) war sogar eines der tragenden Bilder im Marketing (war ja in jedem Trailer). Was das mit "Befriedigung der Massen" zu tun haben soll, erschließt sich mir auch nicht so ganz.

Du magst zwar finden, dass Logan sich nicht an einem Punkt befinden würde, an dem er einen Konflikt gegen sich austragen müsste, aber... naja, dieser Logan in diesem Film tut und muss das. Das klingt dann für mich eher nach einem Fall von "Ich wollte einen anderen Film" sehen. Ich verstehe auch nicht ganz, wie du die Figur zwar einerseits mögen kannst, weil sie eine innere Zerissenheit ausmacht, dann aber "Logan" vorwirfst, diese innere Zerissenheit zu thematisieren.

Dann frage ich mich auch, was für eine Geschichte bei Xavier versteckt sein soll. Sein Körper hat einfach versagt und damit ein Unheil angerichtet. Da braucht es keinen Redemption Arc, er kann ja gar nichts dafür. Überhaupt wäre ein solcher Story Arc doch wohl genau das, was du als "Befriedigung der Massen" bezeichnest.

Braucht Wolverine ein R Rating? Nein, das glaube ich nicht. Braucht "Logan" ein R Rating? Ja. Dieser Film braucht für das, was er tut, das, was er zeigt. Das ist ja jetzt auch kein Gorefest, das niederste Instinkte befriedigt, sondern ein Film über die Auswirkungen von Gewalt.

"I know writers who use subtext... and they are all cowards."

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MobyDick : : Moviejones-Fan
22.02.2019 16:09 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 4.518 | Reviews: 63 | Hüte: 295

Silencio:

Vielleicht habe ich es nicht deutlich genug definiert: Dass der Film überall klaut, werfe ich ihm nicht vor. Ich werfe es ihm vor, dass er es nicht gut genug macht. Wenn er bei den Kindern ist, ist das Mad Max (nur halt in etwas schlechter), wenn er sich dazu entscheidet, die Spritze und damit den eigenenen Tod in Kauf zu nehmen, ist das ebenso vorhersehbar. Dass er am Ende gegen sich selbst kämpfen muss, ist einerseits ganz cool, und natürlich symbolisch überfrachtet wie sonstwas, aber dann auch wenig innovativ. Denn es ist von Anfang an klar, dass er diesen einen Kampf gegen sich ja mittlerweile gar nicht mehr führt, insofern ist das nur noch ein Rückschritt um die Massen zu befriediegen. Möglich, dass er ein letztes Mal noch gegen das Tier in sich gewinnt, aber für diese Geschichte brauche ich kein Logan Klon.

Auf der anderen Seite habe ich sehr wohl ja auch Western- bzw. Comic-Abgesang gemeint als ich Spät-Western bzw. Spät-Comic-Verfilmung schrieb. und ich bin sehr wohl dessen bewusst, dass Mangold hier auch bewusst die Comics einstreut und sie als solche entlarvt, so ähnlich wie in einigen großen Western die Westsern-Pulp-Stories als Geschichtsfälschung enttarnt werden (Man denke hier nur an Erbarmungslos).

Das alles sehe ich, und ich sehe auch, wohin Mangold und Jackman gehen wollen, aber ich finde ab dem Zeitpunkt, wo sie bei dieser Familie landen, und plötzlich dieser Klon auftaucht, verhaspelt sich der Film unnötig in ein Szenario irgendwo zwischen Mad Max 3 - Peter Pan - Eskapismus, ein innerer Zweikampf öffentlich ausgetragen und Frieden und Erlösung finden durch sich opfern, um den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen.

1. Ich finde, wir befinden uns an einem Punkt in Logans Existenz, da er den Kampf gegen sich selbst nicht mehr führen muss, und symbolisch erst recht nicht.

2. Die für mich wesentlich interessantere Geschichte, was Prof X wohl angerichtet hat und eine sich daraus entspinnende Redemption-Arc - von mir aus auch mit dem Tod beider Figuren - wird durch den puren Schockeffekt vernichtet

3. Allgemein wieder das Weapon X zu benutzen: Ja, das gehört zu Wolverine, aber es ist in gefühlt jedem X-Men und Wolverine Thema mittlerweile thematisiert worden, eine definitive Antwort beispielsweise auf die Sabretooth Frage - und sei es auch nur in Form eines Gesprächsaustausches hätte es auch getan.

Logan braucht kein R-Rating, um zu bestehen. Er braucht kein brachiales Finale, um mich zu überzeugen. Ein kontemplatives Finale, das quasi spannungstechnisch ins Nichts verpufft mit einem an seiner Vergiftung sterbenden Logan, der die Leute irgendwie doch noch ins gelobte Land gebracht hat, hätte dem Film deutlich besser gestanden. Und dann wären da auch sicherlich 8 Punkte oder mehr drin.

Aber diese zweite Hälfte macht mir den Film zumindest madig, trotz aller vorhandener Qualitäten.

Dünyayi Kurtaran Adam
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Silencio : : Moviejones-Fan
22.02.2019 15:32 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 1.603 | Reviews: 46 | Hüte: 159

Moby:

"Weil Logan oder Wolverine sich durch seine innere Zerissenheit und die Mystik, die diesen Charakter umweht definiert."

Ich bezieh mich mal auf das alles, was du danach geschrieben hast:

Genau das macht "Logan" doch. Wir haben "I`m the best there is at what I do", Logan weiß, dass er ein Talent für Gewalt hat. Die Leute um ihn wissen das. Und sie wollen, dass er es auch auslebt. Wir haben aber auch "but what I do isn`t very nice". Wir sehen, was das psychisch wie physisch gekostet hat, wir sehen die die unschönen Auswirkungen, die seine Krallen auf menschliche Körper haben. Wir sehen sogar mit X-24, wer er hätte sein können (absichtlich konjunktiv, weil die Kontinuität der X-Filme unbrauchbar ist und "Origins" ja wie ein Ausrutscher behandelt wird) , als er beim Waffe X-Profekt war. Der Film ist nicht zu irgendeinem Selbstzweck brutal, der denkt die Logik der Superheldengeschichten konsequent zu Ende. Im Grunde erweitert "Logan" die innere Zerissenheit zusätzlich noch, indem er neben Mensch/Tier auch noch Einzelgänger/Familienmensch setzt.

Ich versteh deswegen nicht so ganz, wie du die Ambiguität bei dem Charakter schätzt, dann aber "Origins" magst - das ist doch genau der Film, der mit der Ambiguität aufräumt.

Ferner ist es kein Fehler, dass der Film bei anderen Filmen "klaut", sondern ist Teil seines Konzeptes. "Logan" ist ja nicht nur ein Film über seine Hauptfigur, sondern auch einer über den Superheldenfilm als solchen. Am Ehesten wird das dadurch gekennzeichnet das "Shane" und der Comic in engem zeitlichem Zusammenhang stehen - und dadruch, dass der einen "X-Men"-Comic mit drin hat, wenn ich gerade drüber nachdenke. Mangold legitimiert den Superheldenfilm damit einerseits, indem er sagt, diese Filme seien nicht anders als Western/Postapokalyptische Filme etc., und andererseits bezieht er sich auf vergangene, tote Genres, weil er damit ja auch ein Loslassen (die Zukunft gehört hier wortwörtlich den Kindern) bekräftigt.

"I know writers who use subtext... and they are all cowards."

MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
22.02.2019 14:08 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 11.765 | Reviews: 168 | Hüte: 384

@MobyDick

Mir gegenüber musst du dich nicht dafür rechtfertigen, dass du "Logan" weniger Punkte gibst als die Allgemeinheit^^ Ich selbst bewerte den mit 6-7/10 Punkten und liege damit auch unter dem Durchschnitt.

"sondern hauptsächlich um das Setting (Road-Movie, Postapokalypse) und VOR ALLEM um den Teil, dass beides im Grunde nur das Aufwärmen alter Ideen sind, nur das Resultat ist qualitativ so eklatant unterschiedlich"

Ok. Das las sich für mich eher inhaltlich, siehe "Jenseits der Donnerkuppel" mit den Kindern. Ich musste da aber wie gesagt primär an "The Dark Knight Returns" denken.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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MobyDick : : Moviejones-Fan
22.02.2019 11:39 Uhr | Editiert am 22.02.2019 - 11:40 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 4.518 | Reviews: 63 | Hüte: 295

Manisch:

Danke erstmal, dass du dir die Kritik durchgelesen hast :-)

Auch für dich noch einmal - der Vergleich ist KEIN Vergleich beider Filme miteinander, denn das wäre gar nicht rechtfertigbar. Der Film ist ein Vergleich der Herangehensweisen der Filmemacher (Resterampe der Filmgeschichte, "Postapokaylpse im gewissen Masse" und Road-Movie", hinzu kommt, dass Logan sich auch ganz klar bei der Mad Max Mythologie bedient), der Rezeption beider Filme (Beide werden als frischer Wind angesehen, obwohl sie es nicht sind und beide werden als zumindest gut bis sehr gut befunden), und das sind in meinen Augen schon Faktoren, die einen Vergleich erlauben. Sonst hätte ich es ja nicht getan wink

Welcher Film mir hier vorher schon gut gefallen hat, tut hier auch nichts zur Sache, da ich ganz klar schreibe, warum ich von Logan so enttäuscht bin. Und selbst da gebe ich ja in zwei Kommenateren weiter unten zu, dass wohl 6-7 Punkte schon auch drin gewesen wären, wenn nicht rein subjektive Faktoren mit am Start wären - und jede Kritik ist nunmal subjektiv. Ehrlich gesagt habe ich Mad Max damals im Kino gesehen, für gut befunden und kurz darauf wieder aus den Augen verloren. Erst vor kurzem habe ich den wieder gesehen und war danach so geflasht - auch über den Subkontext - dass ich eine Kritik schreiben musste. Und erst da kamen mir die Parallelen mit Logan in den Sinn. Und wenn du auch mal meine anderen Kritiken liest, wirst du sehen, dass ich häufig mal Quervergleiche mache, die nicht immer sofort ins Auge stechen würden (zB Mother India vs Vom Winde verweht...)

Aber es ist wirklich schön zu sehen, dass wir hier einen weiteren Hobbypsychologen am Start haben tongue-out (<- das hier würde ich als Seitenhieb ansehen, hehe)

Dünyayi Kurtaran Adam
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Manisch : : Moviejones-Fan
22.02.2019 11:13 Uhr
0
Dabei seit: 19.10.18 | Posts: 509 | Reviews: 8 | Hüte: 21
Ich verstehe den Vergleich offengesagt überhaupt nicht laughing
Allein schon wegen der zeitlichen Komponente.
Und ich gehe mal stark davon aus, dass dir Fury Road schon so gut gefallen hat, bevor du mit Logan in Kontakt kamst...?

Ist nicht böse gemeint, aber mir kommt es eher wie ein Seitenhieb "gegen" Logan vor, als wie eine Kritik "für" Fury Road.

Leute, nutzt mehr Ecosia statt Google!

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MobyDick : : Moviejones-Fan
22.02.2019 10:26 Uhr | Editiert am 22.02.2019 - 10:31 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 4.518 | Reviews: 63 | Hüte: 295

Jup, in der Tat, wenn man die Kritik so liest, wäre wahrscheinlich eine Wertung von mind. 6, eher 7 Punkten wohl schon angemessener. Und normalerweise bin ich ja auch bereit, wenn der Film gut genug ist, gerne Abweichungen von meinen geliebten X-Men Comics zu akzeptieren, wie man ja unschwer daran sieht, wie gut ich beispielsweise viele X-Men Filme und den ersten Wolverine bewerte. Aber Logan nimmt sich einfach nur dieser bis zum Erbrechen erprobten - mich mittlerweile langweilenden - wir machen hier Experimente mit Mutanten, um sie als Soldaten einzusetzen Formel an und vergeudet dadurch komplett diverse Storylines, die durchaus mehr Potential gehabt hätten für den Film als man dann im Endeffekt hat. Und vor allem bei der Abschiedsvorstellung zweier die Rollen derart prägender Schauspieler ist das dann wirklich zu wenig. Daher kann ich als Comic-Fan und als Film-Fan einfach nicht mehr als 5 Punkte geben - so gerne ich es getan hätte. Wenn ich mich gefühlt die letzten 50 Minuten eines Filmes ärgere, dann macht der Film mehr falsch als dass er vorher richtig gemacht hat.

Edit - nur noch mal zur Erklärung, falls es nicht so deutlich war: Beim Vergleich beider Filme ging es mir weniger um die stylischen Ähnlichkeiten, sondern hauptsächlich um das Setting (Road-Movie, Postapokalypse) und VOR ALLEM um den Teil, dass beides im Grunde nur das Aufwärmen alter Ideen sind, nur das Resultat ist qualitativ so eklatant unterschiedlich , dass ich hier den Vergleich mal einstellen musste

Dünyayi Kurtaran Adam
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
21.02.2019 18:45 Uhr | Editiert am 21.02.2019 - 18:46 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 11.765 | Reviews: 168 | Hüte: 384

Schöne Kritik zu "Mad Max: Fury Road", aber ich bin der Meinung, dass du "Logan" hier schon etwas Unrecht tust.

Sicherlich könnte "Logan" theoretisch im "Mad Max"-Universum spielen (Farbgebung, Autoverfolgungsjagden), was mir persönlich sehr gefallen hat, inhaltlich erinnert der Film aber viel mehr an Batmans Kampf gegen die Mutanten in "The Dark Knight Returns".

Ansonsten stimme ich dir jedoch zu, dass "Logan" wenig Überraschendes zu bieten hat, inhaltlich folgt "Logan" in früheren Filmen komplett ausgetretenen Pfaden.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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MobyDick : : Moviejones-Fan
20.02.2019 17:01 Uhr
0
Dabei seit: 29.10.13 | Posts: 4.518 | Reviews: 63 | Hüte: 295

Und hier mal ein inner- australisches Duell, welches der Australier gewinnt wink

Dünyayi Kurtaran Adam
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