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Kritik zu Die Libelle und das Nashorn

"Die Libelle und das Nashorn" Filmkritik

Irgendwie nichts für Voyeure

Sie kommen nicht weg, der alte Schauspieler und die Nachwuchsautorin nach ihrer gemeinsamen Lesung in der Dortmunder Buchhandlung. Nun müssen sie sich die Nacht im Hotel gleich beim berühmten "Dortmunder U" um die Ohren schlagen. Und das mit mal mehr, leider oft auch weniger Fantasie. Sie hat, Jugend triumphiert halt auch hier, das Sagen. Der Alte mauert, ihr fallen die Spiele, die Nummern ein: Tanz mal nach meiner Pfeife. Mario Adorf und Fritzi Haberlandt in Die Libelle und das Nashorn, einem Stegreif-Kammerspiel. Viel auf dem Hotelbett, aber nie in wirklich körperlicher Nähe.

Ganz klar wird mit Sofia Coppolas Lost in Translation gespielt. Adorf ist Schauspieler im Film wie Bill Murray, und auch der Whisky spielt ja immer mal eine besondere Rolle. Aber die Erotik, die bei Coppola immer mehr um sich greift, ist hier völlig ausgespart. Wenn man so will, wird der Zuschauer als Voyeurist von Anfang bis Ende düpiert.

Dabei hat das zunächst durchaus Charme, wenn der Großschauspieler und die Literatur-Nachwuchspreisträgerin in der Buchhandlung aufeinander treffen. "Ich kam, sah und siegte" heißt immerhin die Autobiografie des alten Mimen. Das fordert später zu unter die Gürtellinie gehenden Verbalexperimenten heraus. Tabus werden vom schriftstellernden Blitzmädel mit Worten gebrochen. Was weiter wäre, weiß man nicht. Viel zu früh blockt der Alte ab. Nie wird es wirklich gefährlich.

Drei Wochen immerhin wurden im Dortmunder Hotel mit den falschen Rokoko-Interieurs gedreht (Regie: Lola Randl). Die Kameraeinstellungen sind sorgfältig gewählt, die Schnitte desgleichen. Wenn die beiden mit ihrem sanften, nie Grenzen wirklich überschreitenden Wortgefecht nicht weiter wissen, kommt ein Schmuse-Crooner aus dem Off ins Spiel und Adorf schrubbt - eine der schönsten, weil wirklich lockeren Szenen - die imaginierte Gitarre. Überhaupt Adorf, das Nashorn, der graue Fels. Stark, wie er die Anwandlungen der Jüngeren an sich abprallen lässt: Sie will ihn küssen, es wirkt sehr behauptet: "Du bist mein Typ!" Sie sagt, sie finde "den Verfall schön". Mal sehen, was der andere aus dieser Herausforderung macht.

Schön ist der kleine Film an den unbeschwerten, leichten Stellen: beim Orgasmus-Vorstöhnen, beim Ringkampf, oder wenn Adorf plötzlich im Fernsehen kommt und Haberlandt trefflich dessen Mimik analysiert: Wieso ziehst du immer die Brauen hoch, und warum machst du immer so einen spitzen Schnutenmund? Stimmt. Auch das Detektiv-Spiel in der Dortmunder Nacht - Adorf macht den Jean Gabin mit Schauergeigen im Hintergrund - hat samt Striptease im "Fotofix-Center" maroden Charme.

Zwei Menschen im Hotel, einander umkreisend, doch jeder für den anderen unnahbar. Die Munterkeit wirkt aufgesetzt, die Müdigkeit des Alten wirkt wahr. Viel hat, fürchten wir, die therapeutische Sitzung beiden nicht gebracht. Man kann sich wohl auch in Dortmund die Nächte unterhaltsamer um die Ohren schlagen.

Die Libelle und das Nashorn bekommt 2,5 von 5 Hüten.


(Quelle: teleschau - der mediendienst | Wilfried Geldner)

Bewertung
2.5 Hüte2.5 Hüte2.5 Hüte2.5 Hüte2.5 Hüte2.5 Hüte

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