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Capote

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Capote Kritik

Capote Kritik

Capote Kritik
0 Kommentare - 08.07.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Capote" ist.

Bewertung: 4 / 5

Der Journalist Truman Capote (Philip Seymour Hoffman) begibt sich auf den Weg nach Kansas, wo er den Mord an einer Farmerfamilie untersucht und für eine Reportage sammelt. Doch während seiner Arbeit bemerkt er, daß die Tat als auch deren Hintergründe so faszinierend sind, daß er es nicht bei einem Artikel belassen will. Und so erarbeitet er das Verbrechen Stück für Stück, um es in einen Roman zu verwandeln.

Die Tragik erlaubt es selten sich mit der eigentlichen Tragik zu befassen, weil die Ursachen jener Taten uns immer so ein wenig mehr zu interessieren scheinen, als es die Opfer tun. Gewagt ist das, doch wo kein Kläger, da kein Richter. Es ist nicht so, als würde man mit Tätern sympathisieren, zumindest nicht, wenn ihre Taten das grausamste der Menschheit hervorheben. Doch es ist natürlich eine philosophische Frage, die da aufgegriffen wird und den Menschen in seiner Unvollkommenheit zurücklässt. Denn was wäre eigentlich, wenn Täter für ihre Taten gute Motive haben, ja fast schon sympathisch sind. Gleichsam ist es aber nicht wirklich nur die Tat als Solche, die Truman Capote interessiert und so wird klar, daß sich da eine neue Welt eröffnet, und die vielleicht auch Werke wie Der goldene Handschuh (2019) maßgeblich mitprägten. Um das an der Stelle mal aufzudröseln, geht es in diesem Werk unter anderem auch um die Entstehung der Non-Fiction-Romane, welche in Capote eine Galionsfigur fanden. Über die genaue Bedeutung dieses Genres und seiner Qualität sollten vermutlich eher Literaturwissenschaftler urteilen. Und dennoch hat man eine ziemlich genaue Vorstellung, warum das nun letzten Endes doch wichtig ist. Schließlich ist Prosa etwas ausführlicher als es Nachrichten sein können. Aber das ist gar nicht so relevant.

Relevant hingegen ist die Qualität von Capote, welche sich nicht ganz einfach ermessen lässt. Es gibt da klar auch Schatten. Und dieser Schatten findet sich letztlich in der Geschichte wieder. Denn so sehr auch die eigentliche Geschichte Spannung aufweist, so langatmig fühlt sich das Werk an, wenn es darum geht, dem Werk eine überraschende Note zu geben. Sicherlich ist die Geschichte in einem gewissen Moment an einem Punkt angelangt, an welchem sie sich einfach nicht mehr bewegen will. Das kaschiert der Film zwar, doch nicht sonderlich gekonnt. Sei es das Schicksal der Figuren, daß Capote hier so sorgsam beobachtet und an deren medialem Leben er noch interessiert ist. Sei es Capotes Umgang mit der Gesellschaft und sein extrem exzentrisches Verhalten. Sei es aber auch die akribische Arbeit, die er in sein Werk steckt. Dabei erinnert das natürlich an die großen Journalismusfilme, wie in etwa Die Unbestechlichen (1976). Doch dabei bleibt auch das Leben von Capote so ein wenig auf der Strecke, denn so ganz erklären, lässt sich sein Interesse an dieser Gewalt nicht. Dazu kommt, daß das Werk abseits von Capote auch nun wirklich keine nennenswerten Figuren aufweist. Alles wirkt so ein wenig klischiert und es ist natürlich auch irgendwo dazu da, um den Unterschied zwischen Capote und dem Rest der Welt hervorzuheben. Regisseur Bennett Miller gelingt es an der Stelle einfach nicht, die Geschichte interessant zu gestalten, obwohl sie das ist.

Um eine Tat zu begreifen, muss man empathisch sein. Manche sind das mehr, und manche sind das weniger. Doch bleibt zweifelhaft, ob das überhaupt die Aussage von Capote sein soll. Denn die Psychologie der Tat, spielt hier zwar durchaus eine Rolle, nur geht es der Hauptfigur primär darum, die Geschichte zu erzählen und den Tätern, wenn es auf legalem Wege irgendwie geht, zu helfen. Das alleine ist schon recht komplex und wirkt mitunter fast schon ein wenig a-moralisch. Und genau das ist es aber auch, was den Film so faszinierend macht. Denn dieser Film will gar nicht auf eine simple Deutung von Menschen geschaffenen Moralbegriffen hinaus, sondern er will eher die Komplexität und den reinen Sachverhalt darstellen. Es kommt dann zwischen den Figuren zu Gesprächen und Capote wendet alles in seiner Macht Stehende auf, um die Hinrichtung der beiden Männer zu verlangsamen oder gar abzuwenden. Damit entpuppt sich dieser Exzentriker, ohne wirkliches Charisma als purer Humanist, der gar nicht die Tat kleinreden will, der aber durchaus auch die Frage im Raum lässt, ob es denn überhaupt eine Gerechtigkeit geben kann. Das mutet sogar besonders seltsam an, weil auch sein Interesse immer über dem von anderen steht und er auch bereit ist, dafür über sprichwörtliche Leichen zu gehen.

Miller tut gut daran, den Zuschauer kaum an der Gedankenwelt von Truman Capote teilhaben zu lassen. Denn seine eher widersprüchlichen Taten, sorgen mitunter dafür, daß die Figur sich dem Zuschauer nicht erklären kann. Fraglich ist überhaupt, ob der Mensch auch das Recht auf eine Erklärung besitzt, oder ob der Drang nach Voyeurismus nicht längst zu einer pervertierten Form von Normalität geworden ist. Dem würde zumindest die Darstellung von Philip Seymour Hoffman nicht im Wege stehen, dessen Erscheinungsbild sich hier komplett gewandelt hat. Er geht vollends in dieser Figur auf, die so anders ist, als seine sonstigen Leistungen. Wo sonst ein Hoffman eher dafür bekannt war, sehr bestimmte, charismatische und diabolische Figuren zu mimen. Beispiele gibt es da ja genügend, von Mission: Impossible III (2006), über The Master (2012) bis hin zu Die Tribute von Panem – Catching Fire (2013), so wirkt seine Figur in diesem Fall abermals extrem anders. Und vielleicht ist das sogar Hoffmans wahrhaftigste Performance, weil die Figur so menschlich rüberkommt. Wir mögen die Figur für das, was sie tut. Wir hassen sie für das, was sie tut. Und genau darin liegt die Wahrheit, die dem Menschen seine Definition ergibt. Es ist so komplex, und dieser Umstand kommt in dem Film auch zu jeder Zeit rüber, weil ein Mensch eben zwischen gut und böse – sofern die Begriffe als Maßstab taugen – spielend wandelt.

Es wird schwierig, über einen Film zu reden, dessen Aussagekraft ein Feuerwerk der Wahrheit bedeutet. Daß ist klar Pathos, doch eine Geschichte so akribisch zu studieren und dann doch dabei immer wieder erkennen zu müssen, daß ein Mensch dieser angestrebten Funktion nicht gerecht werden kann, ist eine Wahrheit, wie sie nur wenige Filme vermögen. Da geht es eben um eine Distanz zur Tat, die nicht erfüllt werden kann. Und dabei ist Capote vielleicht auch die beste Figur, um diesen Umstand so deutlich zu machen, weil er als Figur vielleicht nicht immer der menschlichste scheint und dabei am ehesten diese bewahrt. Weil er aber zu dem auch brillant ist, in dem, was er tut. Das mag insgesamt vielleicht nicht unbedingt tiefgreifend anmuten, ist im Falle von Capote aber definitiv der Fall, weil der Film auf ganz anderen Ebenen stattfindet, als auf der puren Geschichte. Da wird zum Beispiel auch die Todesstrafe noch einmal Thema und in ihrer Ganzheit als pervertiertes und antiquiertes Konzept verstanden.

Im Endeffekt kann man die Geschichte verschmerzen, weil man in Capote abseits der Gefühle eine Welt entdeckt, die sich den wesentlichen Fragen des Seins annimmt und auch Menschen in ihrer Komplexität ernst nimmt. Gerade Dramen haben da ja oft ein Problem, weil sie gängigen Mustern folgen. Doch hier ist das anders und man kann auch bis zum Schluß nicht genau über diesen Menschen urteilen, was ein großes Wunder darstellt.

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