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Die Nacht der lebenden Toten

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Die Nacht der lebenden Toten Kritik

Die Nacht der lebenden Toten Kritik

Die Nacht der lebenden Toten Kritik
0 Kommentare - 27.10.2022 von ProfessorX
In dieser Userkritik verrät euch ProfessorX, wie gut "Die Nacht der lebenden Toten" ist.

Bewertung: 4 / 5

Die Geschwister Johnny (Russell Streiner) und Barbara (Judith ODea) besuchen das Grab ihres Vaters. Dabei werden sie plötzlich von Untoten angreifen, wobei Johnny stirbt und Barbara fliehen kann. Sie findet Unterschlupf in einem Landhaus, in welchem sie sich mit anderen Überlebenden versteckt. Doch nach und nach wird das Haus von ganzen Horden von Zombies umstellt.

Seiner Zeit voraus zu sein ist im Film häufig etwas, was ziemlich positiv konnotiert ist. Ist ja auch logisch, immerhin empfindet sich jede Epoche wohl als fortschrittlicher und besser, als die davor. Ein wirklich spannendes Werk, daß die Zeit überdauert, hat in der Regel aber auch immer noch etwas zur aktuellen Epoche zu sagen und insofern ist das natürlich eine sehr schmale Linie, auf dem sich ein sogenannter Klassiker bewegt. Es ist ohnehin fraglich, ob es nicht Maßstäbe gibt, die unerreichbar für ein Werk bleiben. Und dennoch würde man einen Film wie Die Nacht der lebenden Toten in vielen Kreisen sicherlich als Meisterwerk bezeichnen und als einen Film begreifen, der eben eine Wichtigkeit zu sich hat. Nicht umsonst sieht die National Film Registry das Werk als erhaltenswertes Kulturgut an. Und dennoch, bei all den schwerwiegenden und wirklich gut servierten Themen, die der Film bietet, ist er in einem Belang inhaltlich nicht ohne Makel. So ist es nämlich die Frau, die hier zu weiten Teilen, zum absolut passiven Part verkommt, dessen Daseinsberechtigung das beschützt werden und das laut schreien ist. Barbara flüchtet im Kampf, Helen bleibt bei ihrer schwerkranken Tochter und Judys gesamte Charakteristik ist, daß sie Tom liebt. Das ist eben eine Männerwelt und klar darf man das Werk auch nicht komplett aus seinem Kontext nehmen. Auf der anderen Seite zeichnet sich Perfektion eben dadurch aus, daß ein Werk zumindest mit solchen Themen spielen kann, doch daran hat der Film keinerlei Interesse.

Man merkt, daß Die Nacht der lebenden Toten ein Werk ist, daß zwischen Tür und Angel entstanden sein muss. Die Kamera wirkt experimentell, einige Dialoge hölzern und auch sonst gibt es kleinere Querelen, die etwas sauer aufstoßen können. Dann wiederum ist der Film eben auch nicht gerade zimperlich. Während natürlich die Effekte und die Wirkung so ein wenig Opfer ihrer Zeit sind, gelingt es Romero, mit den minimalistischten Mitteln eine Spannung zu erzeugen. Denn dieser Film spielt sich überwiegend in einem Haus ab, in welchem die Charaktere gefangen sind. Nach und nach zeigen sich dann immer mehr Figuren, die vor dieser Übermacht untoter Wesen geflohen sind. Daraus entspinnen sich ganz clevere Dialoge, die Paranoia der Figuren hebt sich und auch die unterschiedlichsten Bewältigungsstrategien werden hier zu Streitpunkten zwischen den Charakteren. Romero konfrontiert den Zuschauer nicht sofort mit diesen einzelnen traurigen Schicksalen, sondern eröffnet er in seinem Kammerspiel nach und nach immer mehr Komplikationen und Vorstellungen, sodass dem Zuschauer kaum eine Zeit bleibt, das gerade Geschehene zu verarbeiten. Dadurch bleibt der Film immer recht dynamisch und anspannend. Außerdem wirkt dann das Verhalten der Beteiligten auch nicht so weit hergeholt, weil eben die akute Bedrohung das Denken erschwert, aber auch den Umgang in viele Möglichkeiten aufteilt, sodass es letztlich kein richtig oder falsch geben kann. Zumindest, wenn man sich von reiner Angst leiten lässt.

Die Nacht der lebenden Toten ist im Jahr 1968 erschienen. Ein Jahr, daß filmhistorisch und auch ganz offenkundig welche der besten und bedeutendsten Werke der Filmgeschichte hervorgebracht hat. Spiel mir das Lied vom Tod, 2001: Odyssee im Weltraum, Planet der Affen und Rosemaries Baby lassen grüßen. Doch so schön diese Zeit das Kino und die Welt vielleicht in gewissen Belangen voranbringen konnte, so grausam war auch die Realpolitik. Martin Luther King wurde erschossen und Rassentrennung, wie auch Unterdrückung und Gewalt waren an der Tagesordnung. Warum dieser kleine geschichtliche Exkurs nun wichtig ist für diesen Film, liegt letztlich an der Tatsache, daß der Film wohl ein Novum darstellte. Denn George A. Romero castete seinen Hauptdarsteller unabhängig von seiner Hautfarbe und natürlich kann man dieses Werk trotz dessen nicht von politischen Themen trennen. Gerade weil es natürlich so ein heikles Thema darstellte, einen jungen, schwarzen Mann zu casten und darüber hinaus zum tragenden Helden einer Geschichte zu machen, ist der Film sogar mehrdeutig politisch. Zum einen natürlich auf der konzeptionellen Ebene. Romero machte also nicht das zum Thema, was alle anderen zum Thema machten. Damit gelang ihm im übrigen auch ein Kommentar, der die heutige Identitätspolitik so ein wenig ins Stauen versetzen würde. Wann immer man in Hollywood ideenlos ist, dann macht man Schlagzeilen daraus, daß man möglichst divers gecastet hat. Und dies ist immer zweischneidig, weil man natürlich zum einen eine knallharte Historie mit Rassismus, Übergriffigkeit und Gewalt im Filmgeschäft hat. Auf der anderen Seite ist das auch nicht gerade inklusiv, wenn man dann als marginalisierte Gruppe von Dunkelhäutigen, Asiaten oder auch Transgender nur aufgrund dessen zum Thema macht, daß man eben vermeintlich anders ist. Das scheint ein langer Weg zu sein und im Falle von Die Nacht der lebenden Toten ist es gelungen, weil es nie darum ging.

Natürlich würde man einige der aus dem Werk entstandenen Bilder als ikonisch beschreiben. Und auch hier darf man den Film nicht von seiner Historie trennen. Denn wie Romero seine Zombies begreift, sind sie eigentlich immer am faszinierendsten. Während gerade der Nachfolger Zombie (1978) durch seine Szenerie in einem Kaufhaus die Kritik am Konsum in den Vordergrund rückte, wirkt dieser Film indessen noch wie ein Prototyp dessen. Doch das ist gar nicht schlimm, weil Romero eben durch inszenatorische Kniffe und das Weglassen von Zauberkräften in der Darstellung von Zombies erstmals eine sehr realitätsnahe Atmosphäre in den Film einbaute. Natürlich ist das überspitzt und es hat retrospektiv auch immer einen gewissen trashigen Charme. Auf der anderen Seite ist Horror immer dann am wirkungsvollsten, wenn man in komplett in der Realität verankert. Denn erst dann kann man sich fragen, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Dabei ist Die Nacht der lebenden Toten kein Werk, daß seine Zeit damit zubringt, dem Zuschauer alles Mögliche zu erklären. Und das muss er auch gar nicht, weil man sich auch seine eigenen Gedanken dazu machen kann. Interessant ist hier noch die Präsenz der Medien, ausgedrückt durch das Radio, daß den Figuren immer wieder erklärt, was gerade passiert. Dabei bleibt natürlich offenkundig eine genaue Erklärung auf der Strecke. Doch auch hier könnte man vielleicht vieles hineindeuten. Nicht etwa, daß die vierte Gewalt hier als häufig von rechten Menschen diskreditierte Lügenpresse fungiert, sondern als investigativ und aufklärend. Die Botschaft ist natürlich eindeutig. Nämlich, daß Bildung Hürden überkommen kann.

Über allem schwebt immer wieder die Angst vor einem drohenden atomaren Krieg, wie in die 1960er Jahre gerne prophezeiten. Da geht es dann um Menschen, die in einem sinnlosen Krieg kämpften und eher aufgrund ihrer Herkunft verheizt wurden. Es gibt da keinen Lichtblick. Und auch wenn Die Nacht der lebenden Toten es vielleicht nie offiziell macht, ist klar, daß dieser Film die Ängste der 1960er Jahre widerspiegelt. Und auch wenn man das vielleicht ein wenig anders ist, so kann man selbiges auch über unsere Jetztzeit sagen. Damit gewinnt dieser Film eine erschreckende Aktualität, oder hat sie ganz einfach noch nie verloren. So ähnlich verhält es sich auch mit der dunkelhäutigen Hauptfigur, die ein bitterböses Ende erfährt, als sie auf eine Meute von Rednecks trifft. Hier erinnert der Film ebenso unangenehm an das Heute. Da werden Erinnerungen wach, an etwaige Flüchtlinge, die durch Städte gejagt werden.

Romeros Blick auf das ländliche Amerika der 1960er Jahre ist vielleicht hin und wieder zu experimentell, gar teils dilettantisch. Man merkt dem Film durchaus an, daß er nicht gerade unter den besten Bedingungen produziert wurde. Dennoch gelingt es Die Nacht der lebenden Toten auf einer reinen Unterhaltungsebene zu fesseln und dann wieder thematisch zum Nachdenken anzuregen. Ein Kontrast, der nicht vielen Filmemachern gelingt. Die Wahl der Hauptfigur, die klaustrophobische Stimmung, aber auch der Verweis auf eine alte Zeit wirken so aktuell und so intelligent durchdacht, daß der Film zumeist nur gute Töne trifft.

Die Nacht der lebenden Toten Bewertung
Bewertung des Films
810

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