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Im Herzen der See

Eine Kritik von sid

Im Herzen der See Kritik

0 Kommentar(e) - 25.10.2016 von sid
Hierbei handelt es sich um eine User-Kritik von sid.
Filmkritik

Im Herzen der See Bewertung: 3.5/5

Erstens: Ich habe den Film dann doch nicht im Kino gesehen. Einerseits wollte ich kein verklärendes Heldenepos zum Thema Walfang sehen. Auf der anderen Seite aber auch keinen Film, der eine unsympathisch gezeichnete Besatzung zeigt, mit der man nicht mitfiebern kann und will. Und ich konnte mir trotz der ganz guten MJ-Kritik nicht vorstellen, wie sie in dieser Hinsicht einen Spagat hinbekommen werden.
Zweitens stehe ich auf Meeresfilme im weitesten Sinne bzw. Seemannsgarn, weshalb ich wahrscheinlich auch die Fluch der Karibik-Reihe besonders mag. Könnte die Bewertung positiv beeinflusst haben.

Inhalt: Ein junger Schriftsteller möchte ein „Interview“ mit einem älteren Mann, dem Überlebenden einer ungewöhnlichen Schiffsexpedition. Der Alte erzählt seine Geschichte: Eine junge, teilweise sehr ehrgeizige Crew lässt sich vom Walfänger „Essex“ anheuern. Der dringend benötigte Erfolg im bereits damals (teilweise) überfischten Meer bleibt aus und so treibt es sie in immer entferntere und gefährlichere Gebiete.

Kritik: Was mir von Beginn an sehr gefallen hat, waren vor allem drei Dinge: Die stimmungsvolle Ausstattung, die glaubwürdige Atmosphäre und vor allem die Landschafts- bzw. Seeaufnahmen. Immer wieder hab ich die DVD auf „Pause“ gestellt, weil die Bilder so schön sind, posterwürdig geradezu smile. Dazu trägt auch die Farbgebung bei: Während nordische Krimis zum Beispiel fahl und blaustichig sind, wird hier alles noch gelb-grün-blauer, was, wie man sich vorstellen kann, bei Meeresaufnahmen toll rüberkommt. Der Jack Sparrow-Satz „Bring mich an den Horizont“ (oder so ähnlich) passt; man ist im Herzen der See. Und (wie immer öfter) nervt auch hier kein übermäßiges Gewackel oder zu „nahe“ Nahaufnahmen (Regie: Ron Howard, Kamera: Anthony Dod Mantle).
Auch Ausstattung und Atmosphäre kann ich nur loben: die Planken sehen aus wie Planken, die Minderjährigen wirken wie Minderjährige (wenn sie es auch knapp nicht mehr sind, aber das weiß ich nur durch imdb), die „Frisuren“ und der Dreck passen...man ist sehr schnell mit an Deck.

Die Darsteller sind gut: Chris Hemsworth hat mich (zum eigentlich erst zweiten Mal nach „Rush“) überzeugt, vor allem dann, wenn er nicht mit Weitblick in die Ferne schaut bzw. in Heldenpose herumsteht, sondern da, wo er mehr zeigen muss. Sollte man ihm wirklich häufiger zutrauen, denn er kann es. Brendan Gleeson ist hervorragend (wie immer), überzeugend ist auch der „Kleine“ (Tom Holland) und Cillian Murphy (der für mich seit gefühlt 20 Jahren gleich alt bzw. jung aussieht) meistert ein paar der krasseren Szenen mit Bravour. Dazu hab ich mich gefragt, ob an einigen Stellen mit dem PC nachgeholfen wurde oder ob man die armen Darsteller wirklich leicht unterernährt hat, damit sie sich besser in ihre Rolle hineinversetzen können wink.

Abzüge vergebe ich v.a. in einem Punkt, und zwar, dass man die Charaktere etwas epischer hätte anlegen müssen für einen wirklichen Klassiker. Ich meine, die Geschichte gibt so viel her und deshalb ist natürlich auch die Erwartungshaltung eine ganz andere...Konflikte werden angedeutet und teilweise auch sehr gut gelöst (z.B. auf der Insel) und es gibt Szenen, die ich jetzt nach einer Woche noch deutlich vor Augen habe (auch auf der Insel zum Beispiel) , aber insgesamt hätte man (was natürlich sehr schwer ist bei einer ganzen Crew, die zu beleuchten ist), entweder dem Film noch mehr Laufzeit geben können. Aber da bekommt man ja unglücklicherweise schon wieder Probleme mit dem unruhigen, amerikanischen Publikum. Oder man hätte sich stärker auf noch weniger Figuren konzentrieren und ihnen auch vom Drehbuch her mehr Tiefe verleihen müssen.
Dazu kommen noch ein paar kleine Meckerpunkte, wie z.B. am Schluss, wo mir nicht ganz klar wurde, was so viel besser sein soll an der einen Variante der Geschichte (der Lüge vor dem Ausschuss). Gesunken ist gesunken, das lockt in meinen Augen so und so keinen Seemann. Aber ok, ich will nicht zu spitzfindig werden und die Absicht ist natürlich lobenswert.
Dass der Film eine Rahmenhandlung hat, hat mich dagegen nicht gestört. Wie schon öfters erwähnt mag ich es gar nicht, wenn man aus einer Szene herausgerissen wird, aber hier haben die Unterbrechungen eher wie Verschnaufpausen auf mich gewirkt. Außerdem hilft es, dass keine allzu große Zeitspanne dazwischenliegt.

Der Walfang an sich wird wirklich nicht verklärt, man sieht buchstäblich, was für ein (blutiges) Geschäft das war/ist. Zudem ist die Geschichte auch gut in die Zeit eingepasst bzw. an den damaligen Zeitgeist angepasst und man kennt die Beweggründe der Seeleute. Der Wal wird schließlich sogar als verständiges Lebewesen angesehen (siehe der „Nichtangriffspakt“).

Die Handlung fand ich durchgehend spannend und die zwei Stunden gingen rum wie nichts. Was auch daran lag, dass der von mir oben angesprochene Spagat mMn geglückt ist. Ich habe mit der Mannschaft mitgefiebert, denn man merkt immer, dass die meisten Männer wissen, dass sie an ihrer Situation nicht unschuldig sind.

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Fazit: Eine schöne, stimmungsvolle Seemanns(schauer)mär. Direkt danach hätte ich 8/10 vergeben, mit etwas Abstand 7/10 Hüte.



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710
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