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The Accountant

Bilanz: Chaos!

The Accountant Kritik

3 Kommentar(e) - 28.10.2016 von eli4s
Hierbei handelt es sich um eine User-Kritik von eli4s.
Filmkritik

The Accountant Bewertung: 1.5/5

Ein Buchhalter (englisch: Accountant) zeichnet sich unter anderem aus durch genaues Arbeiten. Beim Überwachen und Erfassen von Finanzgeschäften eines Unternehmens zum Beispiel sollte alles geordnet und übersichtlich ablaufen. Wenn das Drehbuch für diesen Film die Bücher über die Bilanzen eines Betriebs darstellen würden, würden die Behörden sicherlich schnell mit dem Hammer auf den Tisch hauen. Hier herrscht absolutes Chaos!

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Wer schon mal ein Drehbuchseminar besucht hat, hat sich zu Beginn eines Schreibprozesses oft folgende Frage zu stellen: Welche Geschichte möchte ich eigentlich erzählen? Was ist der Kern meiner Story?
Im Falle von "The Accountant" wurde diese Frage definitiv übergangen. So sehr, dass es fast schon amüsant ist. Hier werden so viele Geschichten begonnen, nicht zu Ende erzählt oder aus dem Nichts herauf beschworen, dass es schwer ist einen roten Faden auszumachen. Die folgende Kritik ist auch ein Versuch, den Plot irgendwie nachzuvollziehen.

Die folgenden Abschnitte enthalten mehr oder weniger gravierende Spoiler.

Der Film beginnt mit einem Prolog, der sich später als Backstory herausstellt. Backstory zu einem Handlungsstrang, der letztlich für die Haupthandlung keine direkte Rolle spielt - mit einer Ausnahme: noch mehr Backstory zur Verfügung zu stellen. J. K. Simmons spielt dabei ein hohes Tier bei der Steuerfandung (oder beim FBI?) kurz vor der Pensionierung, der eine hervorragend ausgebildete junge Frau namens Marybeth Medina anstellt, um die Identität eines Mannes herauszufinden, den alle nun den "Accountant" nennen. Auch sie hat nebenbei bemerkt eine kriminelle Vergangenheit. Welches Ziel Simmons dabei eigentlich verfolgt ist nicht so ganz klar.

Gleichzeitig spinnt der Film einen weiteren Faden, der ebenfalls Backstory ist: Eine Ehepaar leidet unter der Autismusstörung eines ihrer beiden Kinder. Während die Mutter das Kind in eine Einrichtung geben will, entscheidet der dominierende Vater, den Sohn selbst zu erziehen. Dabei wendet der Army General fragwürdige und teils sehr lächerliche Methoden an. Seine engstirnige Weltsicht und seine pathetischen Moralvorstellungen lassen ihn zur Karikatur werden. Wer anders ist, wird nicht akzeptiert und muss kämpfen - im wahrsten Sinne des Wortes. Zum Augenverdrehen ist die Szene, in der die beiden Söhne in fernöstlich anmutendem Stil in der Kampfkunst unterrichtet werden. An und für sich hätte das Familiendrama rund um den Vater-Mutter-Kind Konflikt aber vielleicht potenzial gehabt. Gerade wenn man dabei noch den Umgang mit Autismus ins Zentrum gerückt und ernsthaft beleuchtet hätte.

Die eigentliche Story des Films ist aber eine andere: Ben Affleck spielt den mittlerweile erwachsenen autistischen Buchhalter, der von einer Firma angeheuert wird, deren Finanzen zu überprüfen, wodurch er auf kaum nachvollziehbare Weise auf der Abschussliste übler Gangster landet. Angeheuert werden diese vom selben Firmenoberhaupt, der zuvor noch selbst den Buchhalter engagiert hatte und den kaum ausgefeilten Antagonisten mit schwachem Motiv (Geld) darstellt. In einem Subplot wird eine zweite Führungsperson derselben Firma aufgrund von Geldwäschegeschäften bereits von denselben Kriminellen erpresst.
Nebenbei trifft Affleck auf eine Kollegin, gespielt von Anna Kendrick, die (natürlich) als Love Interest auftritt und ebenfalls um ihr Leben fürchten muss. Affleck spielt dabei eigentlich grandios trocken und mimt den sozial ungeschickten Buchhalter wirklich glaubwürdig. Für kurze Zeit stimmt bei den beiden auch die Chemie. Aber auch der Ansatz des Autisten, der doch noch Gefühle für einen Menschen entwickelt, wird nicht wirklich verfolgt - obwohl er dennoch sein Leben für Kendrick aufs Spiel setzt. Vielmehr heißt es ab hier: sich retten, eine Menge Bösewichte töten und fliehen. Warum steht nicht so genau in den Büchern. Kendrick jedenfalls, jetzt weniger glaubwürdig, nimmt die plötzlich ausufernde Gewalt ziemlich gelassen hin.

Währenddessen werden immer wieder neue Rückblicke ausgegraben. Über Afflecks Familie. Über eine Beerdigung. Über einen Mittelsmann im Militärgefängnis. Über Geschäfte mit Drogenkartellen, Mafiafamilien und Waffenhändlern. Über eine Schießerei. Das meiste davon wird von J. K. Simmons Figur in einem langen Vortrag erzählt. Was hat das nun mit irgendwas zu tun, fragt man sich. Warum ist das nun relevant? Und wie lange geht der Film wohl noch?

Immerhin bleibt sich dieser wirre, katastrophal erzählte Plot am Ende insofern treu. Der in jeder Hinsicht lächerliche "Pay-Off" macht dramaturgisch schlicht und einfach keinen Sinn (wie sollte er auch). Denn das Ende des Films ist das Ende zu einer Geschichte, die nicht erzählt wurde.



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The Accountant Bewertung
Bewertung des Films
310
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luhp92
BOTman Begins
Geschlecht | 10.11.2016 | 15:16 Uhr10.11.2016 | Kontakt
Jonesi

Dieser Beitrag wurde am 10.11.2016 15:18 Uhr editiert.

aber Affleck sagt auch in einer Szene zu Kendrick, wenn sie nicht gewesen wäre, wäre er innerhalb von 12 Minuten weg gewesen. Er hat doch da diese Vorkehrungen zur Flucht und das wollte er glaube ich auch erst tun?

Der Wendepunkt war die Szene, in der Affleck und das ältere Farmerpaar von den Auftragskillern angegriffen wurden. Einer der Killer hatte Kendricks Visitenkarte in der Jacke, im Auto unterhält sich Affleck danach mit seiner Partnerin am Telefon. Sie möchte, dass er den Wohnwagen ankoppelt und flieht. Affleck entscheidet sich dagegen und fährt stattdessen zu Kendricks Haus, um sie vor den Killern zu retten. Zu Kendrick sagt Affleck dann später, dass er hätte fliehen können, wenn er gewollt hätte.


Und ich verstehe auch nicht, warum sich der Boss mitsamt einer Privatarmee in seinem Haus verschanzt. Erstens waren sie doch hinter Affleck her und nicht umgekehrt.

So ganz klar ist mir das auch nicht. Ich könnte mir aber vorstellen, dass er bzw. Bernthal vermuten, dass Affleck zu seinem Haus kommt. Immerhin rettete Affleck zuerst Kendrick vor den Killern und machte sich danach auf zu der Schwester des Firmenbosses. Da gab es ja diese Szene, in der Bernthal Afflecks Anwesenheit auf der Straße spürte, sich umdrehte und auf ihn schoss. Daraufhin musste er nur 1+1 zusammenzählen, dass Affleck sich im Anschluss zum Haus des Firmenbosses aufmachen würde.

Und wusste der Firmenboss, dass Affleck eine Ein-Mann-Armee ist? Wenn ja, woher? Ansonsten macht das für mich auch keinen Sinn, warum er überhaupt so eine schwerbewaffnete Truppe anheuert.

Der Firmenboss wusste zumindest, dass Affleck die Killer auf der Farm und in Kendricks Haus locker fertiggemacht hat. Daher die schwerbewaffnete Truppe.

Bloodraven: "That face you make... look I so old to young eyes?"
Bran: "No. Of course not."
Bloodraven: "I do. Yes, I do. When 900 years old you reach, look as good you will not, hmm?"

eli4s
Moviejones-Fan
Geschlecht | 10.11.2016 | 12:46 Uhr10.11.2016 | Kontakt
Jonesi

@Luhpy

Zum Einen möchte er sich selbst und Kendrick vor ihnen schützen und zum Anderen möchte er aufgrund seiner Zwangsneurose reinen Tisch machen.

Ja, das verstehe ich schon irgendwo, aber Affleck sagt auch in einer Szene zu Kendrick, wenn sie nicht gewesen wäre, wäre er innerhalb von 12 Minuten weg gewesen. Er hat doch da diese Vorkehrungen zur Flucht und das wollte er glaube ich auch erst tun?

Und ich verstehe auch nicht, warum sich der Boss mitsamt einer Privatarmee in seinem Haus verschanzt. Erstens waren sie doch hinter Affleck her und nicht umgekehrt. Und wusste der Firmenboss, dass Affleck eine Ein-Mann-Armee ist? Wenn ja, woher? Ansonsten macht das für mich auch keinen Sinn, warum er überhaupt so eine schwerbewaffnete Truppe anheuert.

luhp92
BOTman Begins
Geschlecht | 10.11.2016 | 03:47 Uhr10.11.2016 | Kontakt
Jonesi

Warum Affleck die Schurken tötet, hat zwei Gründe.
Zum Einen möchte er sich selbst und Kendrick vor ihnen schützen und zum Anderen möchte er aufgrund seiner Zwangsneurose reinen Tisch machen. Seine Finanzkontrolle wurde unumkehrlich abgebrochen, danach endet die Kontrolle für Affleck also erst mit dem Tod des Firmenbosses. Und um in sein Haus zu gelangen, muss er an Bernthals Team vorbei.

Ich habe gerade ebenfalls eine Kritik geschrieben, die sich in der Mitte zwischen deiner und jener von Moviejones/ZSSnake positioniert.

http://www.moviejones.de/kritiken/the-accountant-kritik-4333.html

Bloodraven: "That face you make... look I so old to young eyes?"
Bran: "No. Of course not."
Bloodraven: "I do. Yes, I do. When 900 years old you reach, look as good you will not, hmm?"