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Justice League

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Born to be blöd

Justice League Kritik

Justice League Kritik
8 Kommentare - 19.11.2017 von Silencio
In dieser Userkritik verrät euch Silencio, wie gut "Justice League" ist.
Justice League

Bewertung: 2.5 / 5

Superman ist tot, die Welt ist angreifbar. Batman und Wonder Woman stellen ein Team zusammen, um das entstandene Machtvakuum auszufüllen und die Erde vor Angriffen von außerhalb zu schützen. Damit sind sie auch keine Minute zu früh am Werk, denn Bösewicht Steppenwolf macht sich schon daran drei auf der Erde versteckte Artefakte zusammenzutragen, um die Erde zu terraformen und seinen Status als New God wiederzuerlangen. Verstärkt durch den superschnellen, aber mit der Situation überforderten Flash, den mit den Artefakten verbundenen Cyborg und den Unterwasserbarbaren Aquaman, machen sich Batman und Wonder Woman auf, Steppenwolf das Handwerk zu legen. Und Superman? Der ist vielleicht gar nicht so unwiederbringlich tot, wie es den Anschein hat...

Trailer zu Justice League

Ambitionen sind was schreckliches, an denen muss man sich nämlich messen lassen. Zeigt ein Freund einem sein neuestes Meisterwerk, das van Gogh wie einen betrunken Volltrottel aussehen lassen soll, das aber eigentlich nicht viel mehr ist als die Kritzeleien auf irgendwelchen Toilettenwänden, ist die Enttäuschung wahrscheinlich groß. So ungefähr war es auch mit „Batman v. Superman“. Klar, er geriert sich als tiefgründiger und vielschichtiger Film, aber letztendlich ist er eine ziemlich leere Angelegenheit. „Justice League“ geht da, zumindest in seiner jetzigen Form, einen anderen Weg: verschwunden sind die Prätentionen einer irgendwie gearteten Tiefe, hier steht offensichtlich der Spaß im Vordergrund. Funktioniert das? Naja...

Es scheint fast unfair, „Justice League“ bewerten zu wollen, weil man ihm an jeder Ecke die komplizierte und von Schicksalsschlägen geplagte Produktion ansieht. Daran gemessen ist er auch besser (bzw. unterhaltsamer, aber dazu kommen wir später), als man erwarten sollte. Aber wirklich „gut“ ist er nicht. Die vom Studio auferlegte Laufzeit von ca. zwei Stunden lässt keine Zeit für Langeweile aufkommen, gibt aber auch keiner Szene einen Moment zum Atmen. Der Film rast von Szene zu Szene, von Plotpunkt zu Plotpunkt und funktioniert deshalb eigentlich nur, weil der Zuschauer durch unzählige Superheldenfilme vergleichbarer Art konditioniert ist. Brachte „Logan“ den Superheldenfilm Anfang des Jahres noch in ein neues, selbstreflektierendes Zeitalter, fühlt „Justice League“ sich im Gegensatz ziemlich altmodisch an. Das ist natürlich vollkommen in Ordnung, wenn der Film wenigstens kompetent ist.

Hier kommen aber die Probleme am Stärksten zum Vorschein, denn die vom Studio angesetzte Schere führt zu Sprüngen in der Handlung, aber auch zu Actionszenen, die nur schwer zu verfolgen sind. Besonders offensichtlich wird das im Finale, wenn Aquaman (mit ansteckendem Spaß an der Sache von Jason Momoa dargestellt) und Wonder Woman Bösewicht Steppenwolf verkloppen. Wer da wo in Relation zu wem steht, ist kaum ernsthaft herauszulesen, es bleibt nur ein Ablauf von Pixelgewirr übrig. Das ist insoweit schade, als dass man Zack Snyder zwar die Intention und Ausführung seiner Filme vorhalten kann, seine Actionszenen aber meistens ganz gut inszeniert sind. In „Justice League“ fehlt aber Verbindungsmaterial, dass den Actionszenen einen erkennbaren Flow, einen kohärenten Ablauf verleiht. Es wird sich zeigen, ob die Heimkinoauswertung hier Abhilfe verschafft.

Der Plot ist ziemlicher Standard, verläuft nach dem Marvelschema von „Bösewicht will Artefakt, Helden müssen ihn aufhalten, etc. pp.“. Innerhalb dieses Gerüsts gibt es wenig überraschendes oder gar neues. Hervorzuheben ist allerdings die Backstory der Mutterboxen. Ungeschickt in einen Spaziergang am See montiert, führt sie zu einigen unfreiwilligen Lachern mit ihren Anleihen an die „Herr der Ringe“-Filme. Unterhaltsam (und mit Green Lantern-Cameo), aber nicht wirklich gut.

Abseits hiervon bleiben die Charaktere und deren Dynamik untereinander. Diese sind meistens recht unterhaltsam, selbst der von der Kritik geschundene Cyborg zeigt Potential. Besonders hervorzuheben ist aber Ben Affleck als der Dunkle Ritter: sollte dies wirklich sein letzter richtiger Auftritt sein, wäre das tatsächlich sehr schade. Affleck überzeugt sowohl als grummeliger Playboy, sowie als Caped Crusader. Sein Character Arc, mehr angedeutet als wirklich dramatisiert, ist ein nämlich ein guter. Geschockt von seinen eigenen Taten im Vorgängerfilm und geplagt von seinem schlechten Gewissen, versucht er alles daran zu setzen, seine Fehler wiedergutzumachen, am Ende sogar einen Heldentod zu sterben, wenn es sein muss. Das ist fruchtbares Material, das zu Afflecks von „The Dark Knight Returns“ inspiriertem alterndem und vom Leben gezeichneten Batman passt und aus dem man einen guten Film hätte machen können – hätte man dem Ganzen eben Luft zum Atmen gegeben. Wie präsentiert bleibt aber nur ein Gerüst dieser Idee.

Und wo wir gerade beim Gerüst einer Idee sind: zum Bösewicht Steppenwolf sollen natürlich auch ein paar Worte verloren werden. Viel Aufriss wurde bereits um seine Realisierung als CGI-Effekt bzw. deren Qualität gemacht. Darauf wird nicht eingegangen, denn ein schlechter Effekt kann mMn einen guten Film nicht schlecht, einen schlechten Film nicht noch schlechter machen und wirklich neues gibt es dazu außerdem auch nicht zu erzählen. Interessant ist aber seine Fixierung auf „Mutter“. Es stellt sich die Frage, ob in einer ursprünglichen Fassung Steppenwolf das „Mutterthema („MARTHAAAA!“) des Vorgängerfilms aufgegriffen hat, „Justice League“ ursprünglich also einen Pay Off für eine der dümmeren Ideen in „Batman v. Superman“ hatte. Ob eine verlängerte Fassung, sollte sie trotz des Behind the Scenes-Debakels erscheinen, diese Frage beantwortet, bleibt interessant. Ansonsten ist Steppenwolf ein recht eindimensionaler Antagonist, über den wir außer seinem Ziel nicht viel erfahren. Die Zeiten, in denen DC-Filme mit ihren Bösewichten punkten konnten, scheinen vorbei. Man wünscht sich Michael Shannon (wahrscheinlich das Highlight des zerfahrenen und konfusen „Man of Steel“) oder die popkulturelle Ikone Heah Ledger zurück. Eigentlich wollte ich den Vergleich zur Konkurrenz zwar vermeiden, trotzdem muss ich hier in Richtung „Avengers“ und deren Antagonisten Loki schielen. Fairerweise muss man jedoch sagen, dass „Justice League“ den Vergleich selbst willkommen heißt, wenn man Steppenwolfs ersten Auftritt mit der Eröffnungsszene des Vorbilds vergleicht. Wo Steppenwolf sich in leerer Pose verliert, präsentierte Whedon in „Avengers“ einen Loki, der nicht nur offensichtlich Spaß an seiner eigenen Boshaftigkeit hat, sondern dessen Motivation in jeder Szene klar erkennbar ist und über „Ich will Artefakt X, um damit Y anstellen zu können“ hinausgeht. Ein bisschen „Scenery Chewing“, ein bisschen inneren Konflikt, ein bisschen nachvollziehbare Motivation helfen dem Zuschauer, den Bösewicht zu verstehen, ihn gleichzeitig zu mögen und zu hassen. So etwas hätte Steppenwolf gut getan, hätte der Zusammenkunft der Liga der Gerechten eine gewisse Epik verleihen können. Vielleicht beim nächsten Mal – sollte es ein nächstes Mal geben.

Trotz aller Negativität ist „Justice League“ aber keine wirklich freudlose Angelegenheit. Die Darsteller haben Chemie, die Teambuilding-Szenen sind charmant und unterhaltsam (Aquaman und das Lasso) und an manchen Stellen sind auch ein paar unfreiwillige Lacher versteckt, die zwar natürlich nicht als gut zu verteidigen sind, das Filmvergnügen aber trotzdem steigern. Der Kurswechsel steht dem DCEU ganz gut zu Gesicht und die zweite Post Credit-Szene deutet eine Richtung an, die sich angenehm von Marvel unterscheidet und der ganzen Angelegenheit in der Zukunft etwas Eigenständigkeit verschafft. Man darf gespannt sein, ob das Unternehmen DCEU ein Erfolg wird. Die Zutaten sind erkennbar, jetzt braucht es einen guten Koch.

Justice League Bewertung
Bewertung des Films
510
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8 Kommentare
MJ-Pat
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MB80 : : Space Flop
02.11.2018 14:56 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 243 | Reviews: 9 | Hüte: 11

Danke für die Mühe Luhp92, jetzt hasse ich den Film ... tongue-out

“Who’s fucking with my medicine?“

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luhp92 : : BOTman Begins
02.11.2018 13:32 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 10.412 | Reviews: 140 | Hüte: 332

@Silencio und MB80

Ich habe mir mal die "Mühe" gemacht und gegoogelt, Ciaran Hinds hat Steppenwolf tatsächlich per Motion Capturing dargestellt. Hilfe bekam er dabei zum Teil von Liam Neeson, der zuvor das Monster in "A Monster Calls" per MoCap darstellte.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

MJ-Pat
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MB80 : : Space Flop
01.11.2018 17:28 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 243 | Reviews: 9 | Hüte: 11

Silencio:

Also bei IMDB ist er nur als Voice gelisted, bei RT steht JL gar nicht in seinem Resümee. Ich denke mal er hatte ein paar gut bezahlte Tage vorm Mikro. Verschwendung... Hätte man lieber ihm, oder Nic Cage, ein bisschen mehr Geld in die Hand gedrückt, hätte man bestimmt einen interessanteren Film haben können.

Siehe Cate Blanchett in Thor: Ragnarok, der auch nicht wirklich das Genre neu definiert, aber ne Menge Spass macht.

“Who’s fucking with my medicine?“

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Silencio : : Moviejones-Fan
01.11.2018 16:18 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 875 | Reviews: 41 | Hüte: 68

MB80:

Du, ich musste die Reveiw gerade selber noch mal lesen, weil ich mich zwar erinnnern konnte, die gechrieben zu haben, aber nicht daran, was ich da geschrieben hatte. Ich hab das Gefühl, dass der Streifen wie das Blitzdings aus MiB funktioniert. :p

Es war wahrscheinlich nicht mal schwer, den Hinds dafür zu kriegen. Ich geh davon aus, dass der kein MoCap für die Figur gemacht hat (sollte da jemand gegensätzlich Infos haben...) und sich deswegen einen Batzen Geld für ein paar Tage in einer Soundbooth gekriegt hat. Das "Bill Murra ist Garfield?!?!"-Phänomen. Ich warte übrigens immer noch darauf, dass mal jemand dem Cage einen Bösewicht in einem Superheldenstreifen anbietet...

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ChrisGenieNolan : : DetectiveComics
31.10.2018 20:15 Uhr
0
Dabei seit: 19.08.12 | Posts: 12.536 | Reviews: 1 | Hüte: 254

Uhhh undecided da gibt’s ja nichts das ich den Kerl, bei seinen JL Kritik auch noch recht geben laughing was sein muss, muss sein... viele Punkte hat er hier deutlich gut beschrieben... hier hätte DC mit JL Punkten können. Die Zutaten sind ja da, wie du schon schön beschrieben hast. Jetzt braucht Mann in der Tat, ein Chefkoch und Hut von mir, für deinen schönen Kritik. Komischerweise hier nimmst du Snyder kämpfen Inszenierung im Schutz. Das gefällt mir laughing

MJ-Pat
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MB80 : : Space Flop
31.10.2018 19:59 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 243 | Reviews: 9 | Hüte: 11

Silencio:

Hehehe, sehr schön, vor allem braucht es einen guten Koch, nicht zwei oder mehr...

Kurze Anekdote zum Schnitt: das fehlende Bindegewebe und die fehlende Zeit, ein bisschen zu reflektieren, haben eine fatale Auswirkung auf das Kurzzeitgedächtnis. Ich habe den Film auf einem längeren Flug gesehen, obwohl ich mich eigentlich innerlich gesträubt habe. Ich habe ihn also als ersten von vier Filmen (langer Flug..) gesehen, und als wir ankamen wollte ich meiner Freundin mal erzählen was ich so gesehen hatte und... konnte mich an genau drei Filme erinnern.
Obwohl ich vorher angekündigt hatte, den Film zu sehen, war er komplett aus meinem Gedächtnis verschwunden, und ich brauchte ein paar Minuten mich zu erinnern. So gut bleibt er in Erinnerung, er hat quasi sofort Platz gemacht für besseres Kino...

Was mich halt wirklich geärgert hat war das generische Design von Steppenwolf. Wenn man schon ein Talent wie Ciarán Hinds für das Projekt gewinnen konnte, sollte man nicht mehr als seine Stimme nutzen? Setzt dem Mann einen Helm und etwas Makeup drauf, und sagt ihm er darf "full ham" gehen.. Ich garantiere er hätte in jeder Szene große Fetzen aus der Leinwand gerissen und verschlungen laughing

“Who’s fucking with my medicine?“

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Silencio : : Moviejones-Fan
20.11.2017 10:38 Uhr
2
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 875 | Reviews: 41 | Hüte: 68

Vielen Dank für die lobenden Worte. Da das Superheldenjahr jetzt wohl beendet ist, gibt es heute oder morgen vielleicht noch eine Kritik zu dem Film, der es eingeläutet hat, nämlich "Logan".

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Duck-Anch-Amun : : Moviejones-Fan
20.11.2017 09:51 Uhr
1
Dabei seit: 15.04.13 | Posts: 5.811 | Reviews: 26 | Hüte: 334

Daumen hoch für deine sehr schöne Kritik. Ich mag ja deine Kommentare immer sehr gerne und genauso liest sich hier auch deine Kritik. Bitte mehr davon, schade natrülich, dass der Film dir nicht gefiel. Ich sehe es aber so wie du: Die Zutaten sind erkennbar, jetzt braucht es einen guten Koch.

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