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Titanic

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Meisterwerk der Filmkunst

Titanic Kritik

Titanic Kritik
25 Kommentare - 04.04.2018 von MrBond
In dieser Userkritik verrät euch MrBond, wie gut "Titanic" ist.

Bewertung: 5 / 5

Ich weiß nicht, zum wievielten Mal ich den Untergang der Titanic in James Camerons gleichnamigen Film am vergangenen Wochenende miterlebt habe. Eines weiß ich jedoch sehr genau: Das Interesse an dem ohnehin schon gleichsam sagenumwobenen wie spannenden Kapitel der Passagier-Schifffahrtsgeschichte wurde bei mir 1997 im Kino geweckt. Die Zeitungen schrieben damals, die Titanic sei nie so "realistisch" auf der großen Leinwand gesunken. Eine Kombination aus Kulisse, die dem Original in Größe und Detailgrad beinahe ebenbürtig war, und State of the Art Computereffekten sollte das Drama so greifbar, wie nie zuvor machen.

Trailer zu Titanic

Für viele war der Film Titanic in erster Linie eine Liebesgeschichte, verpackt in einer der bekanntesten Katastrophen der modernen Schifffahrt. Für mich Technikfreak war es aber der Untergang selbst, diese spektakulären Effekte, das menschliche Versagen und die Aneinanderkettung, von Ereignissen, die letztlich zur Katastrophe führte.

Würde ich diesen Film heute ganz objektiv bewerten, würde er gar nicht mal so gut wegkommen. Die Computereffekte sind meiner Meinung nach sehr schlecht gealtert – gerade bei Tage sehen die Schiffsaufnahmen unglaublich angestaubt aus und die animierten Figuren bewegen sich sehr unnatürlich. Nach wie vor empfinde ich Kate Winslet als krasse Fehlbesetzung, insbesondere durch ihren nicht wirklich "damenhaften Gang" schon gleich zu Beginn des Films. Emotional konnten mich auch alle anderen menschlichen Tragödien an Bord mehr packen, als jene von Jack und Rose. Schauer der Ehrfurcht und des Entsetzens überkamen mich eher bei solchen Szenen, in denen z.B. der Schiffsbauer Thomas Andrews richtig feststellt: "Sie wird sinken. Das ist eine mathematische Gewissheit", oder der Selbstmord des zweiten Offiziers William Murdoch, oder als Captain Smith wortlos auf die Brücke zurückkehrt um mit seinem Schiff unterzugehen, oder der "Abgesang" durch die Bordband.

Nicht zuletzt kann ich mich auch nicht an die lobenden Worte anschließen, die 3D-Konvertierung sei so überragend gut gelungen. Zum einen wirken dadurch sämtliche Totalen des Schiffs sehr modellhaft, was der angestaubten Computergrafik noch weiter schadet, aber viel schlimmer empfand ich die Tatsache, dass man das Gefühl hat, die Protagonisten würden in den Dialogen an einander vorbeischauen. Dies empfand ich als extrem störend und die nächste Sichtung wird dementsprechend wieder in gutem alten 2D stattfinden.

Wie also kann es sein, dass ich bei all diesen Kritikpunkten dennoch zu einer so guten Wertung komme?

Es ist tatsächlich das Gesamtpaket, was mich fasziniert. Kaum ein Film hat mich bereits damals 1997 dazu bewegt, ein zweites Mal ins Kino zu gehen. Kaum ein Film hat mich so beschäftigt. James Cameron schuf damals ein Werk, das mich fesselte, das mich mitriss, das damals etwas zeigte, was man so nie zuvor so intensiv auf der großen Leinwand zu sehen bekam. Brachial, brutal, atemberaubend, wunderschön.

Dieses riesige Schiff, das nach der RMS Olympic bekanntlich das zweite seiner Art war und anders, als oft angenommen, nicht ansatzweise die Leistung erbringen konnte, einen neuen Geschwindigkeitsrekord für die Atlantiküberquerung aufzustellen – nein, es sollte einfach das luxuriöseste sein, was jemals auf einem Ozeandampfer zu bewundern war. Die Maschinenleistung wurde bewusst niedrig gehalten, da die Vibration die Gäste der ersten Klasse hätte verärgern können. Um der Gefahr von Eisbergen zu entgehen wählte der Captain sogar eine etwas südlichere Route, als normal.

Alles in allem hielt sich James Cameron sehr dicht an den Fakten und den wahrscheinlichsten Ereignissen, die die Katastrophe begleiteten. Nachdem ich den Film zum zweiten Mal im Kino gesehen hatte wollte ich mehr wissen. Mein Wissensdurst war geweckt, so dass ich zunächst das Buch Die letzte Nacht der Titanic von Walter Lord aus dem Jahr 1955 las. Dieses auf Augenzeugenberichten basierende Buch diente später auch als Vorlage für den gleichnamigen Film von 1958 und gilt auch heute noch als detaillierteste Zusammenfassung von Augenzeugenberichten. Nicht umsonst dienten Buch und Film auch James Cameron als Inspiration.

Was zwar durch vereinzelte Augenzeugen Erwähnung fand, aber im Abschlussbericht der britischen Untersuchungskommission dementiert wurde, war die Tatsache, dass die Titanic beim Untergang in zwei Teile gebrochen war. Der Film Hebt die Titanic von 1980 ging demzufolge auch noch davon aus, dass eine Bergung des unzerstörten Schiffs möglich sei. Erst nach der Entdeckung des Wracks 1985 konnte der Bruch zweifelsfrei bewiesen werden – und James Cameron inszenierte dieses Spektakel auf beeindruckende Art und Weise.

Viele, der von Cameron inszenierten Ereignisse, unterliegen der Spekulation, manche wurden der Dramaturgie wegen "beibehalten". So ist Murdochs Suizid, sowie der letzte Auftritt der Bordband höchst umstritten. Wahrscheinlich ist das Schiff unter der Wasserlinie zerbrochen (man vermutet, dass sich Risse im Aufbau bildeten, als der Kiel – sozusagen das Rückgrat des Schiffs - durch das Gewicht des vollgelaufenen Vorschiffs nach unten gebogen wurde. Durch die Risse strömte Wasser in das Heck, was dazu führt, dass die Bruchstelle wieder nach unten gedrückt wurde. Dadurch brach der Kiel nach unten auf) und es wird auch vermutet, dass die Maschinen erst nach dem Ausweichmanöver auf Rückwärtslauf gestellt wurden, da dieser Vorgang an sich zu lange gedauert hätte. Viel mehr nimmt man an, dass der leitende Brückenoffizier Murdoch ein lehrbuchmäßiges "Porting-Around-Manöver" (links-rechts) durchführen ließ, das der Titanic letztendlich mehr Zeit für eine Evakuierung einräumte. Kurs halten kam aufgrund der Unklarheit über die Entfernung zum Eisberg nicht in Frage, ein reiner Ausweichkurs nach links hätte wahrscheinlich das gesamte Schiffs der Länge nach beschädigt, zu Schlagseite und schnellerem Sinken geführt.

Wie dem auch sei, der geneigte Leser merkt, dass mich diese Tragödie sehr beschäftigte. Auch heute fasziniert mich dieses dramatische Unglück auf beeindruckende Weise. Diese sagenumwobene Geschichte um dieses Schiff, all die Geheimnisse, die die Titanic mit sich zum Grund des Atlantiks nahm. All diese Gerüchte, Vermutungen, offensichtlichen Fehler, Berechnungen und immer wieder neuen Erkenntnisse. Dieses ungewöhnliche Desaster. Ein Schiff, das von Luxus nur so protzt, berühmte Personen, die auf jenem Schiff unterwegs waren – vier der reichsten Menschen der Welt, ein unschuldiger Eisberg, der nach 1-3 Jahren "Reisezeit" ausgerechnet direkt vor dem Bug eben dieses Schiffs auftaucht und aufgrund der glatten See, fehlender Ferngläser und Dunkelheit durch die Neumondnacht zu spät gesehen werden konnte.

James Cameron inszenierte diese Unglücksfahrt so dramatisch, atmosphärisch, emotional und mit Bombast, wie nie jemand zuvor. Ein Film, der zum Denken anregt, der einen gefangen nimmt in seinen mystischen Bann und nicht mehr loslässt. Wenn so etwas gelingt, kann man zweifelsohne von einem Meisterwerk der Filmkunst sprechen.

Ich gebe Titanic vom Meister James Cameron glatte 5 von 5 Schornsteine!

Titanic Bewertung
Bewertung des Films
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25 Kommentare
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luhp92 : : BOTman Begins
11.04.2018 20:26 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 9.874 | Reviews: 127 | Hüte: 310

@MrBond

Ja, davon habe ich vor Jahren mal gelesen.
Scheint ja immer noch in Arbeit zu sein^^

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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MrBond : : Moviejones-Fan
11.04.2018 10:41 Uhr
0
Dabei seit: 03.12.14 | Posts: 2.308 | Reviews: 15 | Hüte: 287

@luhp92

Apropos Titanic II... Du hast das schon auch mitgekriegt, dass die Titanic II in Bau ist, oder?

Der Milliardär Clive Palmer gründete in Anlehnung an die originale "White Star Line" eine eigene Reederei mit dem schnittigen Namen "Blue Star Line" (die es mit diesem Namen jedoch früher schon einmal gab). Ebenfalls mit "an Bord" des Projekts sind offenbar auch Nachfahren von Bruce Ismay und Molly Brown und das Schiff soll angeblich dieses Jahr fertig gestellt werden.

Mehr dazu findest Du auf Wiki.

Sehe ich so aus als ob mich das interessiert?!"

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Sully : : Elvis Balboa
10.04.2018 16:06 Uhr
0
Dabei seit: 29.08.09 | Posts: 9.634 | Reviews: 30 | Hüte: 355

@Snake und MrBond

Ich bin praktisch heute noch jugendlich.cool

Es kommt im Leben nicht darauf an wie viel Du austeilst, sondern darauf wie viel Du einstecken kannst und trotzdem weiter machst!

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Sully : : Elvis Balboa
10.04.2018 11:23 Uhr
0
Dabei seit: 29.08.09 | Posts: 9.634 | Reviews: 30 | Hüte: 355

@MrBond

Das liegt wohl daran, dass wir Filme in der Regel aus der gleichen Motivation heraus schauen...nicht unbedingt zur Unterhaltung, aber meist aus Leidenschaft.

Danke für den Hut.

Es kommt im Leben nicht darauf an wie viel Du austeilst, sondern darauf wie viel Du einstecken kannst und trotzdem weiter machst!

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MrBond : : Moviejones-Fan
10.04.2018 10:43 Uhr | Editiert am 10.04.2018 - 10:48 Uhr
0
Dabei seit: 03.12.14 | Posts: 2.308 | Reviews: 15 | Hüte: 287

@Sully & Elwood

Ich danke für die Hüte und muss diese auch direkt erwidern. Ihr habt mich auf jeden Fall verstanden und wisst Filme auf die selbe Art zu schätzen, wie ich das tue.

@Snake

Als ich den Film im Kino sah, war ich auch noch praktisch "jugendlich". Wie gesagt, war es bei mir eher die Faszination der Bilder und der Wissensdurst über dieses Unglück, was mich unglaublich in seinen Bann zog. Klar, die Geschichte fand ich auch gut erzählt... da war ich mit 20 wohl schon etwas reifer wink

@TiiN

Auch Dir ein Dankeschön für den Hut. Da ich mich durch Dich mal wieder gedanklich mit dem alten 58er Film befasst habe, beschloss ich, ihn mal wieder zu sichten (gesagt - getan). Ich hatte den Film tatsächlich noch gut in Erinnerung und kann meine Aussagen nochmals unterstreichen.

Sehe ich so aus als ob mich das interessiert?!"

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TiiN : : Pirat
06.04.2018 16:54 Uhr
0
Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 3.679 | Reviews: 89 | Hüte: 123

Danke für die ausführliche Meinung zum Film, MrBond (dafür nen Hut). Die Höllenfahrt der Poseidon fand ich auch sehr gelungen. Tolle Randnotiz dort ist auch Leslie Nielsen in einer ernsten Rolle.

MJ-Pat
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ZSSnake : : Expendable
06.04.2018 11:47 Uhr
0
Dabei seit: 17.03.10 | Posts: 7.098 | Reviews: 135 | Hüte: 312

So, nun kam ich mal zum Lesen ^^

Ich mag die Begeisterung die durch deine Review hindurchströmt. Mir persönlich gefiel der Film damals weniger als heute, hab ich ihn doch nie im Kino gesehen und bei der ersten Ansicht mehr das "boah, diese Turtelei" im Kopf gehabt, jugendlich wie ich war. Inzwischen sehe ich ihn als beeindruckendes Werk, das bei all der optischen Imposanz all die kleinen Momente nicht vernachlässigt. Die Geschichte der Titanic an sich hat mich als Jugendlicher sehr fasziniert, ich hatte sogar ein großes Modell selbst gebaut mit einem der guten alten Revell-Bausätze. Das Buch über die letzte Nacht der Titanic hatte ich damals, doch relativ trocken zu lesen für einen jungen Mann unter 20, schnell wieder beiseite gelegt. Die Faszination verflog, ich wandte mich anderen Dingen zu. Trotzdem bleibt Camerons Film auf vielen Ebenen ein Meilenstein und eine große filmische Errungenschaft. Vielleicht für mich nicht so sehr wie ein Terminator, aber für das Blockbusterkino an sich - garantiert.

"You will give the people of Earth an ideal to strive towards. They will race behind you, they will stumble, they will fall. But in time, they will join you in the sun, Kal. In time, you will help them accomplish wonders." (Jor El, Man of Steel)
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MrBond : : Moviejones-Fan
06.04.2018 11:30 Uhr
1
Dabei seit: 03.12.14 | Posts: 2.308 | Reviews: 15 | Hüte: 287

@luhp92

Titanic 2 habe ich mir bisher verkniffen - mal davon abgesehen, dass in meiner Erinnerung ein ganz anderer Film den Titel "Titanic 2" verdient hatte: Die Höllenfahrt der Poseidon von 1972. Dieser Film konnte mich ebenfalls durch und durch fesseln und ist für mich um Längen besser, als Petersens Neuverfilmung von 2006.

@TiiN

Es ist zwar schon ein paar Jahre her, seit ich zuletzt Die letzte Nacht der Titanic sah, aber soweit ich mich erinnern kann, hielt sie sich ziemlich dicht am Buch. Grundsätzlich habe ich den Film eher als Geschichtsstunde in Erinnerung. Es wurde weniger Wert auf einzelne Schicksale fiktiver Personen gelegt, sondern viel mehr die Ereignisse in chronologischer Reihenfolge, so genau, wie möglich, verarbeitet. Ich würde meinen, dass es auch heute noch als detailierteste Version des Unglücks angesehen werden kann.

Der Bruch des Schiffs wurde zwar nicht thematisiert, weil es zu dem Zeitpunkt einfach noch nicht so richtig klar war (die Aussagen widersprachen sich teilweise erheblich), aber wichtige "Meilensteine" werden abgearbeitet. So erfährt man z.B., dass die Titianic das erste Schiff war, das das neue internationale Rufzeichen "S.O.S." sendete (statt nur C.Q.D.), dass ein anderes Schiff während des Untergangs sogar in Sichtweite war und auch auf diverse technische Details wurde großer Wert gelegt. Nachdem ich nach Camerons Film ebenfalls stolzer Besitzer des Buchs Titanic im Detail wurde, war mir z.B. bewusst, dass der vierte Schornstein der Titanic nur ein Lüftungsschaft war und mehr, oder weniger der Symmetrie und des optischen Erscheinungsbilds des Schiffs, gebaut wurde, fiel mir auch direkt auf, dass aus dem Modell bei Die letzte Nacht der Titanic folgerichtig nur aus den ersten drei Schornsteinen Rauch quoll. Man merkte, dass die Macher des Films wirklich um Authentizität bemüht waren.

Dennoch - und da kommen wir zum "altersbedingten Manko" des Films - das Schiff sieht eben wirklich extrem nach Modell in der Badewanne aus. Diese Mittendrin-Atmosphäre, wie bei Camerons Titanic konnte somit nicht vermittelt werden. Dazu kam der Umstand, dass nur sehr wenig mit Musik untermalt und somit eine subtile Studiostimmung erzeugt wurde. Als Geschichtsstunde funktioniert der 1958er Film wunderbar. Den perfekten Spannungsbogen und die technische Umsetzung gewinnt Cameron jedoch auf ganzer Linie.

Nicht unerwähnt sollte man die Tatsache lassen, dass Die letzte Nacht der Titanic eindeutig als Inspirationsquelle für Cameron diente. Da die Szenen durch Augenzeugenberichte entstanden, kann man sicher zusammenfassen, dass Cameron wichtige und vor allem emotionale "real passierte" Momente aufschnappte und mit diesen sein eigenes Werk, durch zusätzliche Authentizität garnierte. Es ist der perfekte Mittelweg. Als Beispiele ist mir in Erinnerung geblieben, dass z.B. Mr. Guggenheimer seine Abendgarderobe über warf und sagte: "Ich werde als Gentleman untergehen", Thomas Andrews (der Erbauer des Schiffs), der von der "mathematischen Gewissheit" spricht und sich während des Untergangs resigniert bei der Uhr aufhält, oder die Typen, die an Deck mit dem Eis Fussball spielen. Das alles wurde von Cameron praktisch 1:1 übernommen.

Was in Die letzte Nacht der Titanic nicht aus dem Buch übernommen wurde, war der Koch (oder Bäcker? - weiß es leider nicht mehr genau), der am Ende auf der Reling des Titanic-Hecks steht, während das Schiff unter ihm im Ozean versinkt. Diese (reale) Rolle übertrug Cameron auf Jack und Rose. Interessanterweise war die Aussage des Kochs/Bäckers, dass er beim Eintauchen des Schiffs einfach nur einen Schritt nach vorne machte und nicht durch irgendeinen Sog nach unten gezogen wurde.

Um auf Deine Frage zurück zu kommen: Ich fand Die letzte Nacht der Titanic ebenfalls sehr gut, im Vergleich mit Camerons Titanic aber einfach zu sehr "Lehrfilmhaft". Perfekt, wenn man den Untergang aus verschiedenen Augen, realer Personen "mit erleben" kann, auch wenn es "filmtechnisch" und dramaturgisch sehr an seine Grenzen kommt.

Was den TV-Zweiteiler von 1996 angeht, kann ich mich nur noch dunkel erinnern. Für eine TV Produktion war es beachtlich, die Animationen aber damals bereits nicht wirklich überzeugend. Die Handlung (neben dem Untergang) ging mir dann aber zu sehr in Richtung "Seifenoper".

Sehe ich so aus als ob mich das interessiert?!"

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Silencio : : Moviejones-Fan
05.04.2018 23:09 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 611 | Reviews: 39 | Hüte: 52

@pursuyt:

Das habe ich ziemlich offensichtlich nicht gesagt. Da solltest du etwas aufmerksamer lesen. Aber hier noch mal handlich zusammengefasst:

  1. Es gibt objektive Kriterien, die sich im Laufe der Filmgeschichte herauskristallisiert haben, an denen man die Qualität eines Filmes messen kann.
  2. Ein Film ist besser, wenn sich Gestaltungsebene und Bedeutungsebene symbiotisch verhalten.
  3. Es gibt gewisse Konventionen, die sich wiederum wieder im Laufe der Filmgeschichte entwickelt haben, mit denen man Bedeutung erschaffen kann - und die man bei Kenntnis aus einem Film auch herauslesen kann.
  4. Objektive Regeln habe nicht ich erfunden, das überlasse ich der Filmwissenschaft und der professionellen Kritik.

Vielleicht beim nächsten Mal nicht versuchen, gewisse Aussagen zu sehr zu simplifizieren, dann geht zu viel verloren...

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pursuyt : : Moviejones-Fan
05.04.2018 22:13 Uhr | Editiert am 05.04.2018 - 22:17 Uhr
0
Dabei seit: 26.03.14 | Posts: 545 | Reviews: 6 | Hüte: 23

@Silencio, wenn ich dich jetzt richtig verstanden habe, sagst du - ganz salopp - ein Film ist dann gut, wenn sich der Regisseur, Drehbuchautor, Komponist, etc. in seinem einzelnen Aufgabenbereich etwas gedacht hat? Soweit stimm ich mit dir überein.

Jetzt ist für mich aber die Frage - und ich glaube, daran hat auch @Sully zu knabbern - ob du uns allen Ernstes erzählen möchtest, dass du der bist, der objektiv festlegen können möchte, ob sich ein Filmschaffender etwas bei seinem Werk gedacht hat?

Quentin Tarantino ist so wie eine Kartoffel - nur anders.

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luhp92 : : BOTman Begins
05.04.2018 20:29 Uhr
0
Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 9.874 | Reviews: 127 | Hüte: 310

@TiiN

Und vor Allem, wie findet MrBond "Titanic II"? :-)))

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

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TiiN : : Pirat
05.04.2018 20:02 Uhr
0
Dabei seit: 01.12.13 | Posts: 3.679 | Reviews: 89 | Hüte: 123

MrBond, du bist offenbar sehr von der Thematik angetan. Mich würde interessieren, wie du andere Verfilmungen der Titanic siehst. Insbesondere Die letzte Nacht der Titanic (1958) oder auch den Fernsehfilm, welcher 1996 erschien.

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Sully : : Elvis Balboa
05.04.2018 18:47 Uhr
0
Dabei seit: 29.08.09 | Posts: 9.634 | Reviews: 30 | Hüte: 355

@Silencio

Dann weiß ich ja jetzt Bescheid.

Es kommt im Leben nicht darauf an wie viel Du austeilst, sondern darauf wie viel Du einstecken kannst und trotzdem weiter machst!

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Silencio : : Moviejones-Fan
05.04.2018 17:38 Uhr
0
Dabei seit: 17.08.17 | Posts: 611 | Reviews: 39 | Hüte: 52

@Sully:

Das sind keine zwei verschiedenen Aspekte. Wie ein Film funktioniert und was er inhaltlich (Text UND Subtext) tut, sind eng miteinander verbunden. Wenn wir jetzt einen Film haben, der mehr Aspekte "guter Kunst" bedient, ist der wahrscheinlich auch besser/unterhaltsamer/intelektuell anregender etc. Gestaltungsebene und Bedeutungsebene bestehen ja zusammen, nicht nebenher...

"Im übrigen entsteht bei mir ab und an ein stimmiges Gesamtgefühl bei Filmen, die mich auf ganzer Ebene überzeugen."

Gut, aber was ist "auf ganzer Ebene überzeugen"? Was bedeutet das für dich? Wenn wir hier eine ernsthafte Unterhaltung über Film führen wollen (und dafür sind wir schließlich hier, denke ich), müssen wir "auf ganzer Ebene" nun mal definieren. Sonst schmeißen wir uns ja nur Gefühle entgegen, die eben nicht diskutabel sind (weil Gefühle eben immer valide sind).

" Aussagen wie "absolute Kacke" entspringen Deinem persönlichen Geschmack."

Das geht ja von der irrigen Annahme aus, dass du meinen persönlichen Geschmack kennen würdest. Wenn ich "Transformers" zu "absoluter Kacke" erkläre, stütze ich mich da nicht darauf, was ich sehen WILL, sondern auf das, was ich da gerade sehe. Und da fällt nun mal auf, dass zB die Actionszenen zwar aufwendig gestaltet, aber unübersichtlich inszeniert (schlecht Blickführung durch undurchdachte Bildgestaltung bei der Aneinanderreihung einzelner Einstellungen zB.) sind. Da geht es um Handwerk, nicht um meinen Geschmack - weil mein Geschmack eben weiter gefasst ist als "künstlerisch anspruchsvoll" (auch wenn ich zugeben muss, dass der Eindruck sehr leicht entstehen könnte). Es gibt filmisches Handwerkszeug, das JEDER Film einhalten muss, einfach um seine Ideen klar zu kommunizieren. Kann er das nicht, ist das eben kein guter Film - dann kann er mir trotzdem gefallen. Ich hab das schon öfter erwähnt, aber "Die City-Cobra" ist ein schrecklich inszenierter Film, den ich trotzdem immer wieder gerne sehe, weil ich ihn sehr unterhaltsam finde. Unterhaltsam ist aber nicht gleich gut - wobei gut immer unterhaltsam sein sollte.

"Ein wenig vermittelt die Art Deiner Argumentation, dass ein Film automatisch besser ist, wenn er künstlerischer ist..."

Nein, die Argumentation besagt, dass ein Film, der mehrere Ebenen bedient, besser ist, der künstlerischen Anspruch und handwerkliches Können auf vernünftige Art in Einklang bringt. Hitchcock kann man jetzt nicht unbedingt vorwerfen, verkopfte Kunstfilme gedreht zu haben. Trotzdem sind seine besten Filme sowohl handwerklich als auch inhaltlich absolut über jeden Zweifel erhaben...

Einerseits sagst du dies: "Abgesehen davon schließe ich für mich keine tieferen Bedeutungsebenen aus. Wenn mich ein Film anspricht und überzeugt, dann ist mir doch ganz wurscht auf welcher Ebene dies stattfindet."

Andererseits sagst du das: "Hier interessiert mich eher das Gefühl und die Atmosphäre. Alles andere macht für mich eher die Magie kaputt. Dieses ganze Analysieren raubt sowieso zu viel vom Erfühlen einer Geschichte."

Und das widerspricht sich, denn tiefere Ebenen kann man eben nur finden, wenn man das, was man da sieht, auch analysiert. Anderenfalls ist es ja was oberflächliches.

Avatar
Sully : : Elvis Balboa
05.04.2018 15:43 Uhr
0
Dabei seit: 29.08.09 | Posts: 9.634 | Reviews: 30 | Hüte: 355

@Silencio

Du vermischst gerade die Aussagen. Du schriebst: "...aber die Kunst besteht doch darin, dem Film eine Bedeutungsebene zu verschaffen, die eben nicht offensichtlich ist."

Daraufhin antwortete ich: "Wer sagt, dass die Kunst genau darin besteht? Da gibt es meiner Meinung nach keine festgeschriebenen Parameter."

Deine erneute Antwort lautete: "Es gibt aber eben "objektive" Regeln, die einen Film (für andere Künste gibt es die auch) gut werden lassen, von Bildkomposition über Struktur zu Schauspiel."

Das sind doch zwei völlig verschiedene Aspekte. Wie Film von seiner Umsetzung her funktioniert und was man wie erreicht, musst Du mir sicher nicht erklären.

Im übrigen entsteht bei mir ab und an ein stimmiges Gesamtgefühl bei Filmen, die mich auf ganzer Ebene überzeugen. Wenn ich Dir nun erklären soll was ein solches Gefühl ist, dann ist es schon vorher zwecklos, da es mir scheint, als gingen wir völlig verschieden an das Thema Film heran. Nur pachte ich für meine Ansicht nicht unbedingt die "einzig wahre Wahrheit". Aussagen wie "absolute Kacke" entspringen Deinem persönlichen Geschmack. Und auch wenn ich kein Transformers Fan bin, kann ich anerkennen, dass die technische Umsetzung und die Arbeit die hineingesteckt wurde, durchaus positiv zu sehen ist. Ein wenig vermittelt die Art Deiner Argumentation, dass ein Film automatisch besser ist, wenn er künstlerischer ist...

Abgesehen davon schließe ich für mich keine tieferen Bedeutungsebenen aus. Wenn mich ein Film anspricht und überzeugt, dann ist mir doch ganz wurscht auf welcher Ebene dies stattfindet. Für mich muss ein Film nur nicht unbedingt versuchen seine Aussage zu verkleiden...Und er kann trotzdem gut sein.

Es kommt im Leben nicht darauf an wie viel Du austeilst, sondern darauf wie viel Du einstecken kannst und trotzdem weiter machst!

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