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Three Kings

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Mission (not) accomplished: take one

Three Kings Kritik

Three Kings Kritik
19 Kommentare - 23.03.2020 von MB80
In dieser Userkritik verrät euch MB80, wie gut "Three Kings" ist.

März 1991, der Golfkrieg scheint offiziell zu Ende zu sein, und die Truppen von Saddam Hussein befinden sich in einem fragilen Waffenstillstand mit den Koalitionstruppen. Vollkommen sicher über ihren Auftrag sind sich zumindest die US Truppen nicht mehr. "Are we killing people or what?" ruft der GI Troy (Mark Wahlberg) seinem Trupp bei der Sichtung eines irakischen Soldaten zu, wirklich beantworten kann ihm die Frage keiner. Klare Konsequenzen wird es trotzdem geben. Die Amerikaner entschließen sich letztendlich, ihren Sieg erst einmal zu feiern, bevor die Scherben des Krieges, halb verhungerte Gefangene, zusammengekehrt werden. Dabei fällt Troy und seinem Kumpel Conrad (Spike Jonze mal als Schauspieler) eine Karte in die Hand, und zusammen mit dem Special Forces Major Archie Gates (George Clooney), der sich seine Zeit damit vertreibt, Kriegsgeschichten im Austausch gegen Sex an die Presse weiterzugeben, und "Chief" (Ice Cube) heckt das extrem unterschiedliche Quartett den Plan aus, das aktuelle Chaos auszunutzen, um ein wenig persönliche Beute zu machen. Denn Saddams Truppen waren während ihrer kurzen Besatzung von Kuwait nicht faul und haben alles mitgehen lassen was nicht festgenagelt war, und ein guter Teil davon wird in geheimen Bunkern vermutet.
Am Bunker angekommen, wird dem kleinen Trupp schnell klar: Jackpot! Sie haben sich leider auch in ein Hornissennest gesetzt, denn die USA haben nach dem Kollaps der irakischen Armee die Bevölkerung zum Aufstand gegen Saddam aufgerufen, die Kampfhandlungen zwischen den Armeen sind aber offiziell abgeschlossen. Und so finden sich unsere Hobby-Bankräuber an einer Kreuzung zwischen verzweifelten Zivilisten, Saddams republikanischer Garde, ihren eigenen Interessen und ihrem Gewissen.

Filme, die sich nicht in eine bestimmte Schublade packen lassen, haben einen besonderen Reiz auf mich: man weiß nie genau, was man bekommt. Gleichzeitig haben diese Filme eine besondere Herausforderung: ohne Genre-Regeln ist es oft schwer, den richtigen Ton beziehungsweise Nerv zu treffen. Three Kings ist einer der besseren Vertreter dieses "kein Genre" Genres, ein Action-Bankraub-Abenteuerfilm, der gleichzeitig eine bissige politische Satire ist, ohne dabei aus den Augen zu verlieren, dass die gezeigte Thematik in der Realität bittere Konsequenzen für die Involvierten hatten.

Der Golfkrieg von 1990/91 wird, oder wurde, ja gerne als ganz lupenreine Geschichte verkauft: USA gut, Irak böse, Kuwait das Opfer, USA smash! Regisseur David O. Russell hat nun in der Geschichte von John Ridley das ideale Material gefunden, um die verschiedenen Kontroversen, die besonders das Ende dieses Krieges betreffen, einmal zu bearbeiten. Dabei bedient er sich angenehm selten predigender Monologe, sondern lässt die abstrusen Szenen und Bilder für sich selber sprechen.
Dies fängt bereits mit unserem charismatischen, aber komplett unharmonischen Quartett an, die bestenfalls die offiziellen Statements zur Begründung des Krieges im Kopf und schlimmstenfalls keine Ahnung haben, warum sie hier sind. Russel hat dem Team nicht umsonst einen sozio-ökonomischen Hintergrund gegeben, der die Tendenzen der USA, wer in ihren Kriegen wirklich an die Front muss, wieder spiegelt (für Interessierte, einfach mal "McNamaras Morons" nachschlagen). Und das Drehbuch, bei dem mit wenigen Ausnahmen im gesamten Film die Zahnräder wunderbar ineinander greifen, zieht dies konsequent durch: Archie, der cleverste und Anführer der Gruppe, wird die leeren Versprechungen seiner Regierung wiederholen müssen, und das schwächste Glied der Truppe wird den Preis dafür zahlen. Ein fieser Kommentar auf die Kriegsführung im Kapitalismus? Es wird nicht der einzige bleiben.

Der Golfkrieg ging auch als erster "Medienkrieg" in die Geschichte ein, und auch hier bleibt der Film nicht stumm. Wenn Archies Vorgesetzter ihm dies direkt am Anfang nochmal ausbuchstabiert, während sich zwei Reporterinnen gleichzeitig über Kreuz streiten, was der Preis für eine gute Story ist, kommt schon ein gutes Stück "Kubrick-Vibe" auf ("Gentlemen, you cant fight in here! This is the War Room!"). Wie das Drehbuch die Reporterin Adrianna (Nora Dunn) in die Handlung einwebt ist ebenfalls clever, so wird diese zunächst in die Irre geführt, dann einfach benutzt, um das Ziel zu erreichen. Ein intelligenter Schnitt hilf dabei, die Abkopplung zwischen Präsentation und Realität durch die Medien scharf einzufangen. So zoomt die Kamera auf das Gesicht von Adrianna in einem Fernseher, während sie über die gute Stimmung der feiernden GI berichtet und gleichzeitig irakische Truppen aus dem Bunker rennen, um die Rebellen zu bekämpfen, und schneidet dann direkt zu Adrianna, die eigentlich nur 50 Meter entfernt in der aktuellen Kriegssituation steht, keine Ahnung hat, was passiert, aber schwer bemüht ist, die richtigen Worte und die beste Einstellung zu finden.

Der Film schafft den Balanceakt, gleichzeitig durch gestochen scharfe Dialoge zu amüsieren und zu polarisieren, aber dennoch ein Gefühl von realer Bedrohung zu schaffen. Russel gelingt dies vor allem durch einige gezielt gestreute Szenen, welche die Brutalität des Krieges immer wieder einfangen (vor allem die Anfangsszene, und eine Illustration des Effektes einer Kugel auf einen Körper), sowie den Einsatz von grobkörnigem Filmmaterial, welche dem Film einen dokumentarischen Charakter geben. Unterstützt wird das noch durch eine sehr "geschäftige" Kamera, oft Hand-gehalten, die durch häufiges rein- und rauszoomen gerade bei den Actionszenen das Gefühl vermitteln, mitten im Geschehen zu sein. Über eine langweilige, statische Regie kann man sich sicherlich nicht beklagen, und Russel ist es gelungen, diese Szenen relativ selten zu halten, aber wenn sie kommen, dann explosiv. Ein weiterer Trick, mit dem er in dieser politischen Satire ein Gefühl von konstanter Bedrohung schafft. Aufgeweicht wird dies wieder in den entspannteren Szenen, in denen der Film einen leichtgängigen Soundtrack nutzt, was den Kontrast aber wiederum schärft.

Hätte ich einen wirklichen Kritikpunkt, dann wäre es wohl das (halbwegs) Happy End, welches dem Film vielleicht ein wenig den Zahn zieht. Ich kann allerdings damit leben, immerhin gibt es auch unserem Quartett ein letztendlich hart verdientes Ende, und ein fieseres hätte man den Zuschauern schwer verkaufen können. Dennoch ist der Film extrem erfolgreich darin, dieses nagende Gefühl vieler nach dem Krieg einzufangen, dass dieser eigentlich sein wirkliches Ende gar nicht gefunden hat, und unvollendet geblieben ist.

Gut zwanzig Jahre später hat der Film nichts von seiner Wirkung verloren. Spätestens als der Sohn von George Bush dann einige Jahre nach dem Erschienen nochmals in den Irak einrückte, um den Job seines Vaters zu erledigen, muss Regisseur David O. Russel und viele Zuschauer ein ziemlich klammes Gefühl überkommen haben. Wenn man heute bedenkt, dass das Versagen darin, die irakische Bevölkerung gegen Saddam zu unterstützen, und gleichzeitig amerikanische Truppen in Saudi-Arabien zu lassen, direkt in das mündete, was viele zwischendurch als Amerikas zweites Vietnam bezeichneten, dann gibt das dem Film fast schon prophetische Wirkung.

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19 Kommentare
MJ-Pat
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luhp92 : : BOTman Begins
25.03.2020 08:46 Uhr
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Dabei seit: 16.11.11 | Posts: 12.659 | Reviews: 184 | Hüte: 432

@PaulLeger

Das Filmjahr 1999 hat allerdings auch "Being John Malkovich", "Sleepy Hollow", "Toy Story 2" und "Der Gigant aus dem All" zu bieten.

Zudem, neben dem von MB80 bereits genannten "Blair Witch Project", auch "eXistenZ" und "Audition", über deren Qualität ich selbst aber nicht urteilen kann.

- "Sie sind ein Erpresser und ein Bandit, Mr. Shatterhand."
- "Willkommen in Amerika!"

MJ-Pat
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MB80 : : Cheddar Goblin
24.03.2020 22:55 Uhr | Editiert am 24.03.2020 - 22:59 Uhr
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Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 1.430 | Reviews: 32 | Hüte: 109

PaulLeger:

Jaja, mit der Liste gehe ich z.B. mit den ersten beiden Platzierungen auch nicht konform, aber ich hatte sie schnell zur Hand um ein paar Beispiele an Filmen zu haben wink

Jo, 1939 ist glaube ich so ein populäres Jahr bei Kritikern, weil das mit ein paar Hochkarätern gesehnet ist, aber gerade deshalb musste ich das Buch lesen. Die Argumentation geht etwa so, dass es in den 90er durch Miramax u.a. langsam Mode wurde, aus kleineren Arthouse Filmen auch Geld zu machen. Das löste dann einen gewissen "Run" auf die Filmfestivals aus, und 1999 war das Jahr, in dem diverse Auteure dann sowohl im High(er)- als auch Low-Budget Bereich uns ein paar moderne Klassiker geschenkt haben. Vor allem war das ein extrem Facettenreiches Jahr, sowas wie "Blair Witch" bis zu letzten Kubrick (den ich übrigens auch etwas zahnlos finde).

"Matrix" war nur einer davon, dass der schlecht gealtert ist würde ich so nicht unterschreiben, aber wohl, dass er nur zu der Zeit so erfolgreich sein konnte. Denn der fing ganz gut eine neue, paranoide Idee um dieses neue "Ding" Internet ein, und hatte diverse Nachahmer. "Fight Club" war ungewöhnlich, und fing aktuelle Ängste ein. "Three Kings" war ne scharfe Parodie, und wir werden so einen Film wie "Magnolia" wohl nicht mehr so schnell sehen.
Letztegenannter war wohl das Ergebnis, dass jemand dem PT Anderson gesagt hat, nach "Boogie Nights" hätte er jetzt genau einmal im Leben die Chance, zu machen was nur er wolle... und man gab ihm 50 Mio. und Voila! laughing

Also wenn von den Filmen von 1999 einer nicht gut gealtert ist, denn der von dir genannte "Sixth Sense" (one trick poney), und evtl. "Blair Witch", aber vor allem, weil durch die endlosen "Paranormal Activity" Sequels alle nur noch genervt sind.

Oh und "Star Wars: Episode I", aber um schlecht zu altern müsste man erst einmal am Anfang schon irgendwelche Qualitäten vorweisen tongue-out

Habe ich ein "bestes" Filmjahr? 1979 brachte schon mal "Apocalypse Now" und "Alien" hervor, das wären zwei Hochkaräter, die ich mit auf ne Insel nehmen würde.

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

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PaulLeger : : Moviejones-Fan
24.03.2020 19:04 Uhr
0
Dabei seit: 26.10.19 | Posts: 297 | Reviews: 4 | Hüte: 38

@ MB80

Ich könnte es mir einfach machen, auf deinen Link verweisen und sagen, dass ein Jahr, in dem der schwächste Kubrick-Film der zweitbeste Streifen ist, ganz sicher kein herausragendes gewesen sein kann wink

Ich persönlich würde wahrscheinlich so ziemlich jedes Jahr in den 70ern dem 99er Jahrgang vorziehen. Auf ähnlichem Niveau von z.B. "Einer flog über das Kuckucksnest", "Nashville", "Der weiße Hai", "Barry Lyndon" und "Hundstage" (alle aus 75) seh ich da nur "Fight Club" und "Magnolia", evtl. noch "Insider" (müsste ich mal wieder sichten).

"Matrix" ist eher nicht so gut gealtert, war damals halt technisch und visuell bahnbrechend aber hat davon abgesehen jetzt nicht so viel zu bieten, "The Sixth Sense" lebt hauptsächlich von seinem Twist, "American Beauty" ist amüsant aber gerade im Hinblick auf Satiren gabs in den 70ern da doch deutlich bissigere Vertreter. Sind alles ohne Frage sehr gute Filme, die Kritikpunkte führe ich also nur hinsichtlich eines Vergleichs mit anderen Alltime-Kandidaten an.

1939 übrigens auch mit ganz vielen ganz großen Klassikern gesegnet. Wie begründet dieser Rafterty denn seine steile These?

MJ-Pat
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MB80 : : Cheddar Goblin
23.03.2020 20:03 Uhr
0
Dabei seit: 01.06.18 | Posts: 1.430 | Reviews: 32 | Hüte: 109

Motiviert durch die Lektüre von "Best. Movie. Year. Ever.: How 1999 Blew Up The Big Screen" von Brian Raftery habe ich mich mal dran gemacht, diesen Streifen nochmal zu sichten, der ja scheinbar ein wenig in Vergessenheit gerade ist. Ich persönlich verstehe nicht so ganz warum, gerade ab der Mitte der 2000er hätte er sich eigentlich an großem Interesse erfreuen sollen...

Wie dem auch sei, würde mich über andere Meinungen freuen, auch zu der Frage, ob das Jahr 1999 wirklich so ein großes im (amerikanischen) Kinokalender war. Einige dicke Dinger waren ja dabei, wenn man so durch die "best of" Listen wühlt (ja, MobyDick, ist wieder der AV Club...).

“Ich bin der große Verräter. Es darf keinen größeren geben!“

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